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Archiv der Kategorie Stadtgeschichte Gelsenkirchen
Umbenennung: Alte Straßenschilder noch nicht entfernt
13.5.2012 von Gelsenzentrum.
Zusatzbeschilderung lässt auf sich warten
Im November 2010 beschlossen zuständigen politischen Gremien in Gelsenkirchen die Umbenennung des Paul-Schossier-Weg in Josef-Sprenger-Weg und die Anbringung von Erläuterungstafeln neben den Straßennamen mit Bezug zur deutschen Kolonialgeschichte.
Im entsprechenden Vorlagendokument der Stadt Gelsenkirchen vom 5.10.2010 heißt es dazu: (…) Um die Umbenennung für jeden sichtbar zu machen, wird das neue Straßennamensschild für die Dauer von einem Jahr unter dem alten Schild angebracht. Das alte Schild wird durchgestrichen. Nach der Übergangszeit von einem Jahr wird das alte Schild endgültig entfernt. (…) Zusatzbeschilderungen zur Erklärung der Benennung nach der deutschen Kolonialgeschichte sind bei drei Straßen notwendig (…).
Bisher wurde der Beschluss jedoch nur teilweise umgesetzt. Die Straßenschilder mit dem durchgestrichenen Namen des NS-Täters Paul Schossier wurden bisher nicht entfernt und auch die erklärenden Zusatztafeln an der Straßenbeschilderung mit Bezug zur deutschen Kolonialgeschichte sind bisher nicht angebracht worden. Das stellten MitgliederInnen des Gelsenzentrum e.V. bei Ortsbesichtigungen am 13. Mai 2012 fest. Man darf nun gespannt sein, wann die Stadtverwaltung den Beschluss abschließend umsetzt.

Unter dem neuen Straßenschild hängt, rot durchgestrichen, noch das alte.
Hintergrund der Umbenennung des Paul-Schossier-Wegs war eine von Gelsenzentrum ( Gemeinnütziger Verein für regionale Kultur- und Zeitgeschichte Gelsenkirchen) 2008 angestoßene Diskussion über das Fortwirken von NS-Tätern als Namensgeber von Straßen im öffentlichen Raum der Stadt Gelsenkirchen. Daraufhin wurde das Institut für Stadtgeschichte beauftragt, die zeithistorischen Ereignissen und Personen, nach denen Gelsenkirchener Straßen benannt sind, einer genaueren Betrachtung zu unterziehen. Dabei bestätigte sich, dass im Falle des Paul-Schossier-Wegs (benannt 1966) eine Umbenennung erfolgen muss, da Schossier in seiner Eigenschaft als Polizeidezernent nachweislich an der Deportation der so genannten “Zigeuner” aus Gelsenkirchen in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau beteiligt war. Von anderen Verbrechen, an denen die kommunale Polizei beteiligt war, musste er mindestens wissen, beispielsweise von der Deportation der Juden, der Verfolgung Andersdenkender und dem Zwangsarbeitseinsatz.
Das Anbringen der Zusatzbeschilderung an der Tanga-, Waterberg- und Windhukstraße thematisiert die Zeit des Kolonialismus und bietet sicherlich vielen Menschen Anreiz, sich erstmals mit der deutschen Kolonialgeschichte auseinanderzusetzen - doch dazu muss sie erstmal montiert werden.
So erinnert beispielsweise die Waterbergstraße an den grausamen Vernichtungsfeldzug gegen das Volk der Herero am Waterberg, einen Tafelberg nördlich von Windhuk in der ehemalige Kolonie Deutsch-Südwestafrika. Dort wurden am 11. August 1904 die Herero nach einem Aufstand gegen die deutsche Kolonialherrschaft von den deutschen Truppen eingekesselt, in die wasserlose Wüste Omaheke getrieben und dort dem Tod preisgegeben. Schätzungen liegen zwischen 20.000 und 25.000 Menschen, die unter furchtbaren Qualen verdursteten. Dieses Vorgehen der deutschen Truppen wird in der Wissenschaft als der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts bewertet.
Wann ergänzen Zusatzschilder die kolonialen Straßennamen?
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Der Halfmannshof zwischen Diktatur und Demokratie
2.4.2012 von Gelsenzentrum.
Wer hat Materialien zur Künstlersiedlung Halfmannshof aus der Zeit von 1931 bis 1956?
Der Kulturraum „die flora“ und das Institut für Stadtgeschichte Gelsenkirchen planen für November 2012 eine Ausstellung zum Thema „Zwischen Diktatur und Demokratie - Die Geschichte der Gelsenkirchener Künstlersiedlung Halfmannshof 1931 bis 1956“.
Zur Vervollständigung der Ausstellung bittet die Stadt Gelsenkirchen Bürgerinnen und Bürger, sie bei der Aufarbeitung zu unterstützen. Besonders von Interesse sind Materialien zur Künstlersiedlung aus der Zeit des Nationalsozialismus und der Nachkriegszeit bis in die 1950er Jahre. Im Mittelpunkt stehen Künstler wie Josef Arens und Hubert Nietsch, die Architekten Otto Prinz und Ludwig Schwickert, der Goldschmied Wilhelm Spürkel, der Puppenspieler und Autor Heinrich Maria Denneborg und andere. Eine Kontaktaufnahme ist über den Kulturraum „die flora“ (0209/1699105) und das Institut für Stadtgeschichte (0209/1698551) möglich.
Die Gründung der Künstlersiedlung Halfmannshof erfolgte 1931 mit Unterstützung der Stadt Gelsenkirchen. Auch nach 1933 und der Durchdringung des (kultur-) politischen Handelns der Stadtverwaltung durch den Nationalsozialismus blieb die Verbindung zwischen Halfmannshof und der Stadtverwaltung eng und die auf dem Hof ansässigen Künstler waren in unterschiedlichen Graden in das nationalsozialistische System integriert.
Die Ausstellung nimmt die damals auf dem Hof tätigen Künstler in den Blick und ermöglicht ein differenziertes Bild auf das künstlerische Schaffen in der Zeit des Nationalsozialismus und der nachfolgenden Jahre. Die Ausstellung knüpft an die historische Aufarbeitung von Dr. Holger Germann (Institut für Stadtgeschichte) an und erweitert sie durch die kunsthistorische Perspektive. Damit wurde der Recklinghäuser Kunsthistoriker Reinhard Buskies beauftragt.
(Pressemitteilung Stadt Gelsenkirchen 344 / 2012)
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Bäumer und Spranger sind keine Vorbilder für die Jugend
19.3.2012 von Gelsenzentrum.
Namensgeber mit brauner Vergangenheit
Werden sich die Gertrud-Bäumer-Realschule und das Eduard-Spranger-Berufskolleg in Gelsenkirchen schon bald neue Namen suchen müssen?
Manfred Schurich, ehemaliger Lehrer der Gertrud-Bäumer-Realschule hat sich ausgiebig mit den beiden Namensgebern Gelsenkirchener Schulen befasst und ihr Wirken einer kritischen Analyse unterzogen. Im Ergebnis ist festzustellen, dass sowohl Gertrud Bäumer als auch Eduard Spranger wegen ihrer Nähe zum Nationalsozialismus als Vorbilder und Namensgeber für Schulen nicht tragbar sind - sie hätten es nie sein dürfen. Keine der beiden Schulen hat sich jedoch bisher kritisch mit der fragwürdigen Vergangenheit ihrer Namensgeber beschäftigt. Weiterlesen…
Die Gertrud-Bäumer-Realschule an der Rotthauser Straße heute. Sie erhielt 1938 den Namen Kirdorf-Schule, Städtische Oberschule für Mädchen (Zu Ehren Emil Kirdorfs, einer der frühen Förderer und Geldgeber Hitlers, der im selben Jahr starb). Seit 1958 trägt sie den jetzigen Namen. Hier fanden nach 1945 unter Britischer Besatzung Entnazifizierungsprozesse statt.
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Bürgerantrag: Park nach Ernst Käsemann benennen
15.3.2012 von Gelsenzentrum.
Ehrung für Ernst Käsemann
Die Grünfläche an der Steeler Straße in Gelsenkirchen-Rotthausen zwischen Beethoven- und Mozartstraße soll bald “Ernst-Käsemann-Park” heißen. Diesen Vorschlag machte jetzt der Rotthauser Klaus Brandt in einem Bürgerantrag an die Bezirksvertretung Süd und betont dabei die identitätsstiftende Bedeutung der Namensgebung. Klaus Brandt stützt seine Antragsbegründung auf einen Aufsatz von Richard Walter, der von 1956 bis 1988 als Pfarrer in der evangelischen Kirchengemeinde Rotthausen tätig war. In dem Aufsatz beschreibt Richard Walter das Wirken von Ernst Käsemann während der Gewaltherrschaft der Nazis.
Mit Rotthausen verbunden
Es war Ernst Käsemann, der mit seinem mutigen Eintreten für die evangelischen Kirchengemeinde Rotthausen, deren Pfarrer er in den Jahren 1933-1946 war, auf den Weg des Widerstandes gegen die national-sozialistischen “Deutschen Christen” geführt hat. Käsemann schloss sich Anfang 1934 der „Bekennenden Kirche“ an und sorgte dafür, dass die evangelische Kirchengemeinde Rotthausen mit großer Mehrheit zu einer „Bekenntnisgemeinde“ wurde. In Bittgottesdiensten und Predigten kritisierte Ernst Käsemann immer wieder die Irrlehren der “Deutschen Christen” und auch die menschenverachtende Ideologie der Nazis. Er nahm dabei Gestapo-Haft und die ständig drohende Einweisung in ein Konzentrationslager in Kauf.
Nach 1945 schrieb Käsemann im Rückblick: “Offensichtlich war unser Widerstand in der Nazizeit nur halbherzig. Wir haben das Evangelium und kirchliche Ordnungen verteidigt, sind jedoch durchweg nicht in den politischen Untergrund gegangen, wie die Mitmenschlichkeit es vielfach gebot.” Bis zu seinem Tod hat Ernst Käsemann gern von seinen Erfahrungen in „seiner Gemeinde Rotthausen“ gesprochen: “Der Widerstand und die Leiden dieser Jahre haben mich für mein weiteres Leben und in meiner theologischen Existenz geprägt.“ Zeit seines Lebens bleibt er der evangelischen Kirchengemeinde Rotthausen verbunden. Ernst Käsemann starb 17. Februar 1998 in Tübingen.
→ Richard Walter: “Ernst Käsemann, Pastor der Bekennenden Kirche in Rotthausen 1933-1946″
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Deportation Gelsenkirchener Juden
9.3.2012 von Gelsenzentrum.
70. Jahrestag der Deportation in das Ghetto Warschau
Am 31. März 1942 rollte der zweite “Sammeltransport” aus Gelsenkirchen mit 52 jüdischen Kindern, Frauen und Männern in den “Osten”. In Münster wurden weitere 400, in Hannover 500 und Braunschweig 116 Juden in den Zug gezwungen. Am Morgen des 1. April 1942 erreichte der Zug das Ghetto Warschau. Die Neuankömmlinge wurden zunächst in die außerhalb des Ghettos gelegene “Quarantäne-Station” in der Nähe des so genannten “Umschlagplatzes” untergebracht und nach einigen Tagen unter Aufsicht der jüdischen Ghetto-Polizei auf die Wohnquartiere im Ghetto verteilt. Am 22. Juni 1942 begann die Deportation der Juden aus Warschau in das Vernichtungslager Treblinka. Wer von den Gelsenkirchener Juden nicht bereits im Ghetto umkam, wurde mit großer Wahrscheinlichkeit in den folgenden Monaten in den Gaskammern von Treblinka erstickt. Von den aus Gelsenkirchen in das Ghetto Warschau deportierten Menschen fehlt seither jedes Lebenszeichen, ihre weiteren Leidenswege sind unbekannt.
Gelsenzentrum: Deportation Gelsenkirchener Juden nach Warschau
Stolpersteine erinnern in Gelsenkirchen an das nach Warschau deportierte und von den Nazis ermordete Ehepaar Wollenberg
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Stadtgeschichte: Das “Judenhaus” an der Markenstrasse 29
4.1.2012 von Gelsenzentrum.
NS-Zeit in Gelsenkirchen-Horst
Die Bezeichnung “Judenhaus” wurde in Nazi-Deutschland im Alltags- und Behördengebrauch für Wohnhäuser aus ehemals jüdischem Eigentum verwendet, in die ab Herbst 1939 ausschließlich Juden eingewiesen wurden. Diese Häuser wurden außen mit einem großen, gelben Stern gekennzeichnet. Die “Judenhäuser” waren nichts anderes als kleinräumige Ghettos, sie standen unter ständiger Kontrolle der Gestapo. Im Gelsenkirchener Ortsteil Horst befanden sich so genannte “Judenhäuser” an der Fischerstrasse 173, der Markenstrasse 28 und 29.
Die Erfassung der jüdischen Bevölkerung und ihre Konzentration in den so genannten “Judenhäusern” war eine Vorstufe für die im Herbst 1941 beziehungsweise Januar 1942 einsetzenden Massendeportationen in die Konzentrations- und Vernichtungslager in Osteuropa. Am 27. Januar 1942 verließ der erste Menschentransport Gelsenkirchen, mehr als 350 Gelsenkirchener Juden wurden zunächst in das Ghetto Riga verschleppt, die wenigsten von ihnen überlebten die NS-Mord-Maschinerie.

Die Markenstrasse 29 in Gelsenkirchen-Horst heute. Im Erdgeschoß befand sich bis Ende der Dreißiger Jahre das Schuh- und Lederwarengeschäft des jüdischen Kaufmanns Moritz Stein.
In der Nazizeit wurde Juden der Besitz an Wohneigentum untersagt – sie wurden enteignet, Haus- und Grundbesitz wurde “arisiert”. Am 30. April 1939 wurde das “Gesetz über die Mietverhältnisse mit Juden” erlassen. Wie zahlreiche andere seit 1933 erschienene Gesetze und Verordnungen trug es massiv dazu bei, das Leben jüdischer Familien weiter zu sanktionieren. Juden und “Arier” sollten nicht mehr unter einem Dach wohnen, Mietverhältnisse mit Juden konnten nun nach Belieben aufgehoben werden. Mit Hilfe der Stadtverwaltung - federführend war dabei das Wohnungsamt - wurden jüdische Familien erfasst und zwangsweise in die so genannte “Judenhäuser” einquartiert. Dies waren in der Regel Häuser, die sich (noch) in jüdischem Eigentum befanden. In die Wohnungen der dort lebenden Menschen wurden in der Folge weitere Familien zwangsweise einquartiert, so dass immer mehr Menschen auf kleinstem Raum zusammengepfercht wurden. In Hamburg wurden beispielsweise pro Person nur sechs bis acht Quadratmeter Wohnfläche zugestanden.
Das Wohn- und Geschäftshaus an der Markenstrasse 29 gehörte dem jüdischen Schuh- und Lederwarenhändler Moritz Stein, der im Erdgeschoß bis zu seinem Tod im Dezember 1938 ein Schuhgeschäft betrieb. Im Haus wohnte bereits die Familie Süsskind, zwangsweise dort einquartiert wurden dann ab 1940/41 Angehörige der Familie Langer, Frieda und Hermann Neudorf, Auguste Bry und die Eheleute Siegmund und Wittel Heinberg. Im Herbst 2012 verlegt der Kölner Künstler Gunter Demnig vor dem Haus Stolpersteine zur Erinnerung an Familie Süsskind.
Victor Klemperer notierte über ein Dresdner “Judenhaus”: “Cohns, Stühlers, wir. Badezimmer und Klo gemeinsam. Küche gemeinsam mit Stühlers, nur halb getrennt - eine Wasserstelle für alle drei (…) Es ist schon halb Barackenleben, man stolpert übereinander, durcheinander.” Klemperer schreibt in seinen Tagebüchern mehrfach über ihm berichtete wie auch selbst erlebte “Haussuchungspogrome”, bei denen die Bewohner von Gestapobeamten beleidigt, bespuckt, geohrfeigt, getreten, geschlagen und bestohlen wurden. “Im Aufwachen: Werden “Sie” heute kommen? Beim Waschen…: Wohin mit der Seife, wenn “Sie” jetzt kommen? Dann Frühstück: alles aus dem Versteck holen, in das Versteck zurücktragen. (…) Dann das Klingeln … Ist es die Briefträgerin, oder sind “Sie” es?”
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Umbennung - Straße war nach NS-Täter benannt
30.12.2011 von Gelsenzentrum.
Stadt Gelsenkirchen ließ Chance verstreichen
Der Name des NS-Täters Paul Schossier als Namensgeber für eine Straße in Gelsenkirchen ist jetzt endgültig Geschichte. Im letzten Jahr wurde die Straße von der zuständigen Bezirksvertretung Nord umbenannt, das alte Straßenschild blieb jedoch neben dem neuen ein Jahr durchgestrichen hängen. Auch diese Frist ist verstrichen, der Name des NS-Täters ist nun aus dem öffentlichen Raum verschwunden.
Die Stadt Gelsenkirchen ließ jedoch die Chance verstreichen, den nach dem Nazi-Schreibtischtäter Paul Schossier benannten Weg nach einem unschuldigen, neunjährigen Opfer seiner Tätigkeit umzubenennen. Der Ehrung durch die Straßenbenennung im Öffentlichen Raum, die der Nazi Paul Schossier seit 1966 erfahren hat, eine Ehrung der in Auschwitz ermordeten Rosa Böhmer, die zu den durch Schossier verfolgten Gelsenkirchener Sinti und Roma gehört, gegenüber zu stellen, wäre eine würdige und gerechte Lösung gewesen. Zwar verschwindet mit der Umbenennung der Name des Nazi-Täters endlich aus dem öffentlichen Raum, doch wurde hier die Chance vertan, „… ein Zeichen dafür zu setzen, dass die Stadt Gelsenkirchen die Sinti und Roma, die Bürger dieser Stadt waren, und ihr Schicksal nicht vergisst und dass ihre Geschichte auch heute noch einen Platz in Gelsenkirchen hat.“ Mit diesen Worten hatte Roman Franz, der Vorsitzende des Landesverbandes der Sinti und Roma, die Umbenennung des „Paul-Schossier-Weg“ in „Rosa-Böhmer-Weg“ befürwortet.
Die Umbenenung war bereits 2008 von Andreas Jordan, Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins Gelsenzentrum e.V. vor dem Hintergrund neuer Recherchen des Vereins angestoßen worden. Die lokale Politik reagierte daraufhin und gab ein Gutachten in Auftrag, dass Paul Schossiers Beteiligung am NS-Völkermord in seiner Eigenschaft u.a. als Rechts- und Polizeidezernent erneut bestätigte. So war Paul Schossier für die Deportation und die daran anschließende Ermordung der Gelsenkirchener Angehörigen des Volkes der Sinti und Roma im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau mitverantwortlich. Der Vorschlag des Gelsenzentrum e.V., der auch vom Landesverband der Sinti und Roma in NRW unterstützt wurde, den ehemaligen “Paul-Schossier-Weg” nach einem Opfer des “Wirkens” von Paul Schossier, dem 9-jährigen Sinti-Mädchen Rosa Böhmer aus Gelsenkirchen zu benennen, fand dagegen weder im Rat der Stadt Gelsenkirchen noch in der Bezirksvertretung Nord eine Mehrheit.
Die Anwohner des “Paul-Schossier-Weges” reagierten seinerzeit in Kenntniss der “über das Mitläufertum hinausgehende Betätigung des Namensgebers Paul Schossier” während der Zeit des Nazi-Regimes dennoch mit Unverständnis über die Umbenennung, wie es Anwohner Heinz Hackstein in einer Bürgeranfrage darlegte. Dagegen hieß es von Seiten der Politik, die Umbenennung sei “nachvollziehbar und vernünftig, man bedauere, dass es erst so spät zu einer Umbenennung kam”. Der neue Namensgeber Josef Sprenger, ein Lokalpolitiker und ehemaliger Bürgermeister, wurde 1933 von den Nazis aus dem Dienst entlassen. Sprenger war in der NS-Zeit keiner direkten Verfolgung ausgesetzt. Er verließ nach seiner Entlassung Gelsenkirchen und lebte bis zu seinem Tod 1951 in Essen.
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Erinnerung braucht Pflege
30.10.2011 von Gelsenzentrum.
Stadt Gelsenkirchen lässt Gräber von NS-Opfern herrichten
Bekanntlich mahlen die Mühlen der meisten Stadtverwaltungen sehr langsam. Das es auch anders geht, hat jetzt die Stadt Gelsenkirchen gezeigt. Nachdem die Gelsenkirchener Gruppe der VVN/BdA kürzlich in einem Brief an die Stadt den schlechten Pflegezustand eines Grabfeldes auf dem Ostfriedhof hingewiesen hatte, hat die Stadt jetzt schnell und unbürokratisch Abhilfe geschaffen.
Das Grabfeld, auf dem nach Gelsenkirchen verschleppte Zwangsarbeiter bestattet sind, die hier zwischen 1941-1945 durch Gewalt, Hunger und Krankheit zu Tode gekommen sind, wurde jetzt von Gelsendienste wieder in einen würdigen Zustand versetzt. Die Grabsteine wurden von Moos und Verschmutzung gereinigt, mit Steinplatten eingefasst und neu bepflanzt, auch Rasen wurde neu eingesät.
Der Rote Emscherbote schreibt:
→ Zwangsarbeiter-Gräber auf dem Ostfriedhof in Hüllen werden gepflegt
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Wider dem Vergessen - Novemberpogrome 1938
11.10.2011 von Gelsenzentrum.
Gedenken und Erinnern an die Opfer der Pogromnacht
Auch in diesem Jahr finden an vielen Orten in Deutschland Veranstaltungen zum Gedenken an die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger statt, die in der so genannten “Reichskristallnacht” vom 9. auf den 10. November 1938 Opfer der rassistisch motivierten Gewalttaten gegen Leib, Leben und Eigentum wurden - so auch in Gelsenkirchen.
In Gelsenkirchen beginnt die diesjährige - von der Demokratischen Initiative getragene - Veranstaltung zum Gedenken an die Pogromnacht um 18:30 Uhr am Südeingang des Gelsenkirchener Hauptbahnhofes in der Neustadt. Dort formiert sich ein Schweigezug, der zur Begegnungsstätte “Alter Betsaal” an der Von-der-Recke-Straße 9 zieht. Halt macht der Schweigezug an der Grasreinerstraße bzw. Klosterstraße, dort ist eine Kundgebung mit einer Rede von Oberbürgermeister Baranowski geplant.
Der gemeinnützige Verein Gelsenzentrum e.V. ruft die Bürgerinnen und Bürger zur Teilnahme an den Kundgebungen und Gedenkveranstaltungen demokratischer Organisation und Gruppierungen zur Erinnerung und zum Gedenken an die jüdischen Menschen auf, die 1938 in vielfältiger Form zu Opfern der Novemberpogrome wurden. “Wir müssen wachsam sein und uns entschlossen und gemeinsam gegen das Vergessen, gegen Extremismus, Rassismus, Antisemitismus und gegen Gewalt stellen - und das nicht nur am Jahrestag der Pogrome“, so Andreas Jordan, Vorsitzender des Vereins für regionale Kultur- und Zeitgeschichte in Gelsenkirchen.
→ Die Novemberpogrome 1938 in Gelsenkirchen
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Mahntafel erinnert in Gelsenkirchen bald an NS-Wirtschaftsverbrechen
29.9.2011 von Gelsenzentrum.
Antrag der VVN/BdA NRW hatte Erfolg
Auf seiner gestrigen Sitzung beschloß der Kulturausschuß in Gelsenkirchen einstimmig die Errichtung von Mahntafeln. Die VVN/BdA NRW hatte im Rahmen der Aktion Rallye und Spurensuche „Verbrechen der Wirtschaft 1933-1945“ im Mai den Antrag beim Rat der Stadt Gelsenkirchen gestellt, an adäquater Stellen Mahntafeln zu errichten.
Der von der VVN/BdA NRW gestellte Antrag beim Rat der Stadt Gelsenkirchen:
1) An geeigneter Stelle wird in Gelsenkirchen eine Mahntafel angebracht mit einem Text, der darauf hinweist, dass in Gelsenkirchen der Großindustrielle Emil Kirdorf (1847-1938) wirkte. Er war Bergbau- und Hüttenunternehmer und hatte schon seit 1923 Kontakt zur NSDAP, wurde 1927 Mitglied dieser Partei und verschaffte Hitler viel Geld und beste Kontakte zu anderen Industriellen, die dann seinen Aufstieg und den Weg Deutschlands ins Verderben förderten. Er war einer der Hauptförderer der NSDAP. Hitler nannte ihn seinen Lebensretter, weil Kirdorf auch privat Hitler finanzierte.
2) An geeigneter Stelle wird Gelsenkirchen eine Mahntafel angebracht mit einem Text, der darauf hinweist, dass in Gelsenkirchen der Großindustrielle Fritz Thyssen (1873-1951) wirkte. Er war Leiter des Thyssen-Konzerns und der Vereinigten Stahlwerke. Er war ab 1923 finanzieller Förderer der NSDAP und öffnete ihr die Tür zur westdeutschen Schwerindustrie. Somit half er Hitler zum Aufstieg und bereitete Deutschland und Europa den Weg ins Verderben. Auch nachdem er 1939 ins Ausland ging und dann in deutsche Gefangenschaft geriet war er Profiteur an Krieg und Massensterben.
3) An geeigneter Stelle wird Gelsenkirchen eine Mahntafel angebracht mit einem Text, der darauf hinweist, dass in Gelsenkirchen der Großindustrielle Hugo Stinnes (1897-1982) wirkte. Ab 1924 übernahm er von seinem Vater den Konzern, der u.a. den Alldeutschen Verband und andere Nazi-Vorläufer förderte. Er war Kriegsgewinnler. Mit dem Nazikriegsverbrecher und NS-Putschisten Werner Best unterhielt er vor und nach 1945 umfangreiche politische und geschäftliche Kontakte. Er förderte bis zu seinem Tode Alt- und Neonazis.
Begründung:
Mit Anträgen und Aktionen wie obigen setzt die VVN-BdA ihre Rallye „Verbrechen der Wirtschaft 1933-1945“ fort, in deren Rahmen mit örtlichen Mahnwachen, Publikationen und Bürgeranträgen zur Aufklärung über die Verbrechen der Wirtschaft 1933-1945 aufgefordert wird. Sie wurden von der VVN-BdA und anderen Antifaschistinnen und Antifaschisten u. a. veranstaltet in: Bielefeld (Oetker), Herten (Zwangsarbeit im Bergbau), Dortmund-Mitte (Ex-Springorum-Villa), Dortmund-Hörde (Zwangsarbeit in der Stahlindustrie), Essen (Krupp), Düsseldorf (Industrieklub), Leverkusen (IG Farben), Köln (Hitler und Banker in Villa Schröder), Kreuztal (Flick) und Siegen (Zwangsarbeit in Südwestfalen).
VVN/BdA NRW: → „Spurensuche Verbrechen der Wirtschaft 1933-1945“
Gelsenzentrum e.V.: → Von dem, was Kirdorf wirklich für uns getan hat…
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