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Archiv der Kategorie Stadtgeschichte Gelsenkirchen

Gedenkzeremonie auf dem Horster Friedhof

Schwestern starben bei Bombenangriff

Mahnmal für jüdische Zwangsarbeiterinnen

Heute vor 67 Jahren, am 11. September 1944 starben bei einem Bombenangriff auf die Gelsenberg Benzin AG mehr als 150 weibliche KZ-Häftlinge, die dort Zwangsarbeit leisten mussten. Ihnen war als Jüdinnen der Zutritt zu Bunkern und Schutzräumen verboten.

Vertreter von Gelsenzentrum (Verein für regionale Kultur- und Zeitgeschichte Gelsenkirchen) legten heute am Mahnmal in Gedenken an die Zwangsarbeiterinnen Blumen nieder. Auf Wunsch von Eugen Black, der an diesem Jahrestag nicht persönlich anwesend seien konnte, wurde in seinem Namen für seine Schwestern Jolán and Paula Schwartz, zwei der namentlich bekannten Opfer des Bombenangriffs, eine Kerze entzündet und ein Blumengebinde niedergelegt.

Ein fast vergessener Ort

Das KZ-Außenlager Buchenwald  in Gelsenkirchen-Horst

Nur wenigen Gelsenkirchenern und Gelsenkirchenerinnen ist bekannt, dass in Gelsenkirchen-Horst im so genannten “Dritten Reich” ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald  existierte. Aus dem KZ Auschwitz im Sommer 1944  nach Gelsenkirchen verschleppt, sollten 2000 Jüdinnen auf dem Hydrierwerk der Gelsenberg Benzin AG Zwangsarbeit  verrichten. Untergebracht waren die weiblichen Häftlinge in einem eigens dafür errichteten Lager nördlich des Linnenbrinksweg auf dem Betriebsgelände des Werkes. In dem mit  Stacheldraht umzäunten und von Wachtürmen umgebenen Lager waren die Frauen unter unmenschlichen Bedingungen in Zelten untergebracht.

Bei einem Luftangriff auf das Hydrierwerk am 11. September 1944 waren die Frauen und Mädchen dem Bombenhagel schutzlos ausgesetzt - als Jüdinnen war ihnen der Zutritt zu Bunkern und Schutzräumen verboten. Etwa 250 von ihnen wurden bei dem Angriff getötet, ihre sterblichen Überreste mussten die anderen Häftlinge einsammeln, in drei Bombentrichtern wurden die Leichen und Körperteile gesammelt. Anschließend versuchte man, diese zu verbrennen, die Überreste wurden verscharrt. Die Schwerstverletzten wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht, wo weitere der Frauen an den Verletzungsfolgen starben. Einige Tage nach dem Bombenangriff wurde das Außenlager Gelsenkirchen aufgelöst und auch die dort noch inhaftierten Frauen in das KZ Sömmerda transportiert, je nach Genesungsfortschritt wurden auch die übrigen Frauen in der Folgezeit aus den Krankenhäusern in das KZ-Außenlager Sömmerda verschleppt.  Die in den Augen der Gestapo nicht transportfähigen übrigen Frauen wurden an unbekannten Orten in  Gelsenkirchen erschossen und verscharrt.

1948 wurde unweit der Stelle, an der man seinerzeit die  Massengräber vermutete - südlich des Linnenbrinksweg - ein Mahnmal zur Erinnerung an die bei dem Bombenangriff getöteten Frauen errichtet. Das Mahnmal wurde in den frühen 1950er Jahren vor dem Hintergrund der Werkserweiterung von Gelsenberg an den Rand des Horster Südfriedhofes verlegt,  dabei sollen nach “Zeitzeugenberichten” auch sterbliche Überreste der bei dem Bombenangriff getöteten Frauen umgebettet worden sein. Dagegen spricht unter anderem auch, dass  das  Friedhofsamt der Stadt Gelsenkirchen 1949 in einer Stellungnahme zwar angab, dass sich im Linnenbrink zwar “drei Sammelgräber” der getöteten ungarischen Jüdinnen  befinden, die genauen Orte der Sammelgräber aber nicht mehr feststellbar” sei. Es muss heute davon ausgegangen werden, dass seinerzeit - wenn überhaupt - nur ein geringer Teil  der sterblicher Überreste umgebettet worden ist. Sowohl der Standort des ehemaligen Außenlagers wie auch die Fläche mit den vermuteten Massengräbern befinden sich heute auf  dem Betriebsgelände der BP-Raffinerie und sind nicht öffentlich zugänglich.

Auf dem Horster Friedhof wurde am Standort des Mahnmals 2003 eine Tafel aufgestellt, auf der 140 der namentlich bekannten Opfer des Bombenangriffs verzeichnet sind. In der Erinnerungskultur Gelsenkirchens ist der Jahrestag des 11. September 1944 nicht verankert. Auch aus diesem Grunde ist es wichtig, das die Geschichte des KZ-Außenlagers in Gelsenkirchen nicht gänzlich vergessen wird - und damit auch die Geschichte der Frauen und Mädchen,  die dort nur deshalb starben, weil sie Jüdinnen waren.

Das KZ-Außenlager Buchenwald in Gelsenkirchen-Horst: → Hintergründe und Zeitzeugenberichte

Gelsenkirchen wollte Dokumente nicht haben

Joseph P. Krause übergibt 10 Ordner Dokumentation an Stadtarchiv Neuss

Das Stadtarchiv Neuss hat jetzt die ersten 10 Aktenordner - die bisher umfangreichste, biographische Sammlung von Materialien zur Person des Pater Vell - übernommen und unter der Signatur D.04.K.13 archiviert. An seinem Wirkungs- und Leidensort Gelsenkirchen, wo Pater Vell an St. Joseph Schalke von der Gestapo nach der Denunziation durch den SS-Mann Wilhelm Ferlmann von der Gestapo verhaftet wurde, war niemand an den Vell-Dokumenten interessiert. Krause hatte die Überlassung der Dokumente dem Institut für Stadtgeschichte in Gelsenkirchen in der Vergangenheit mehrfach angeboten - vergebens.

Joseph P. Krause, der seit seiner Pionierzeit in Israel offiziell auch den hebräisierten Zweitnamen “Joseph Israel Ben Gal” trägt, hatte seit 1946 Dokumente zum “Volksgerichtshof”-Todesurteil gegen Pater Vell, der mit der Familie Krause befreundet war, gesammelt. Ein Teil der Akten wurde nach dem II. Weltkrieg von NS-Kadern auch in Gelsenkirchen wiederholt bei Krause beschlagnahmt und 1983 in Neuss unter zweifachem Mordversuch aus Krauses Wohnung geraubt. So mußte Krause die Akten, von denen ein kleines Konvolut seit Jahren bei Yad Vashem in Jerusalem deponiert ist, mehrmals in mühevoller Arbeit rekonstruieren. Krause stand mit Pater Vell bis zu dessen Tod 1965 in Verbindung. Auf Antrag von Joseph P. Krause hob 1999 die Staatsanwaltschaft bei dem Landgericht Berlin I das Todesurteil auf.

Seit Jahren setzt sich Krause unermüdlich dafür ein, dass Pater Vell ein ehrendes Andenken im öffentlichen Raum der Stadt Gelsenkirchen gewidmet wird. Bereits im Jahr 2004 hatte Krause in einem Brief an Oberbürgermeister Baranowski geschrieben: “(…) Da Pater Vell nicht nur eine Zierde Gelsenkirchens darstellt, sondern auch der Jugend als Vorbild vorgestellt werden kann, möchte ich Sie bitten, nach Ihren Möglichkeiten Herrn Pater Vell posthum eine Ehrung der Stadt Gelsenkirchen zukommen zu lassen. Für durchaus realisierbar halte ich meinen Vorschlag, daß der bisher unbenannte Platz, auf dem die Pfarrkirche St. Joseph in Schalke steht, evtl. als “Pater-Vell-Platz” nominiert wird. Ich denke, daß ich bei Ihnen Verständnis für meine Vell-Aktion finde. (…)” Das lauthalse Schweigen aus Gelsenkirchen signalisierte Krause jedoch, dass hier weder für seinen Namenswidmungs-Vorschlag noch für die Archivierung der Vell-Dokumentation Bereitschaft vorhanden ist.

Vor dem Hintergund der Errichtung der Erinnerungsorte-Tafel werden wir die Anregung von Herrn Krause, den Platz vor der Kirche nach Pater Vell zu benennen, erneut vortragen. In Gelsenkirchen hatte es in der jüngeren Vergangenheit mehrere Benennungen von Plätzen nach Menschen, die sich dem NS-Regime entgegen stellten, z.B. den Rudolf-Bertram-Platz oder den Fritz-Rahkob-Platz, gegeben.

→ Initiative: Erinnerungsort für Pater Hermann Joseph Vell in Gelsenkirchen-Schalke

Erinnerung braucht Pflege

Ortstermin auf dem Ostfriedhof in Hüllen

Gestern besuchten MitgliederInnen der VVN/BdA Gelsenkirchen ein Gräberfeld auf dem Ostfriedhof. Nachdem Ursula Möllenberg auf den schlechten Pflegezustand des Feldes hingewiesen hatte, wollten sich die TeilnehmerInnen bei der Begehung ein Bild davon machen.

Auf diesem Gräberfeld wurden nach Gelsenkirchen verschleppte Zwangsarbeiter bestattet, die hier zwischen 1941-1945 durch Gewalt, Hunger und Krankheit zu Tode gekommen sind. Auf dem Gräberfeld wurden 55 sowjetische Kriegsgefangene und 324 Zwangsarbeiter bestattet: 265 aus der Sowjetunion, 39 aus Polen und 20 aus Westeuropa.

Der vorgefundene schlechte Pflegezustand des Gräberfeldes hat die TeilnehmerInnen betroffen gemacht. Die Gedenksteine sind teilweise mit Moos und Flechten bewachsen, so dass Inschriften kaum noch bzw. garnicht lesbar sind. Grasflächen zwischen den Steinen sind abgestorben. Von einem einen würdigen Zustand kann wahrlich keine Rede sein. Den Opfern von Verschleppung und Zwangsarbeit im zweiten Weltkrieg steht es zu, dass ihre Gräber in gleicher Weise wie die aller anderen Kriegstoten gepflegt werden. → Fotostrecke

Gedenken in Gelsenkirchen

Gelsenzentrum erinnerte an getötete sowjetische Zwangsarbeiter

Aus Anlass des 70. Jahrestages des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion fand am Mittwoch auf dem Südfriedhof in Gelsenkirchen-Horst eine Gedenkveranstaltung statt, die an das Leiden und Sterben der Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion erinnerte. Auf dem Friedhof in Gelsenkirchen-Horst befindet sich das größte Sammelgrab für sowjetische Zwangsarbeiter, die in Gelsenkirchen im Zweiten Weltkrieg zu Tode gekommen sind. Der Verein Gelsenzentrum hatte zu der Gedenkstunde eingeladen. Bürgerinnen und Bürger legten gemeinsam mit diplomatischen Vertretern der Republik Belorus und der Ukraine Kränze und Blumen am Gedenkstein nieder. Andreas Jordan, Vorsitzender des Vereins Gelsenzentrum, hielt eine Gedenkrede, Wolfgang Held als Vertreter des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. las aus einem Brief einer überlebenden Zwangsarbeiterin vor, die ihre unfreiwillige Zeit in Nazi-Deutschland schilderte.

Nur einige hundert Meter Luftlinie von dem Gedenkstein auf dem Gräberfeld entfernt befand sich der größte Lagerkomplex in Gelsenkirchen, in dem sowjetische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter zwischen 1941-1945 unter unmenschlichen Lebensbedingungen untergebracht waren. Durch harte Arbeit, Unterernährung, Krankheit und Erschöpfung, durch Schikane, Folter und Mord starben viele der Zwangsarbeiter. Auch das Verbot, bei Bombenangriffen in den Bunkern und Luftschutzkellern Schutz zu suchen, setzte viele von ihnen dem sicheren Tod aus.

Ihre namenlosen Gräber sind die einzigen Spuren, die sie hinterließen, über Ihre Schicksale ist in den allermeisten Fällen nichts bekannt. Eines haben sie jedoch alle gemeinsam: Sie wurden gegen ihren Willen zur Zwangsarbeit nach Gelsenkirchen verschleppt.

Gedenkstunde aus Anlass des 70. Jahrestages des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion

Am Rande bemerkt: Vetreter aus Politik und Verwaltung der Stadt Gelsenkirchen oder Vertreter der örtlichen “Presse” nahmen trotz Einladung nicht an der Gedenkveranstaltung teil, gänzlich verzichtet hatte man auch auf die Übersendung von Blumen oder Kränzen. Auch der Vorstand des Vereins zur “Förderung der Städtepartnerschaft Gelsenkirchen-Schachty (Ukraine)” hielt es nicht für notwendig, mit seiner Teilnahme ein Zeichen zu setzen.

70. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion

Gedenkakt auf dem Horster Friedhof

Am 22. Juni 2011 jährt sich der deutsche Überfall auf die Sowjetunion zum 70. Mal. Dieser Krieg war von Beginn an ein ideologischer Vernichtungskrieg, dem in der Summe annähernd 28 Millionen Menschen aus der Sowjetunion zum Opfer fielen, darunter 14 Millionen Zivilisten. Millionen Menschen mussten in den besetzten Gebieten der Sowjetunion und auf dem Gebiet des “Dritten Reichs” Zwangsarbeit zur Unterstützung der deutschen Kriegsführung leisten. Die deutschen Besatzer verschleppten aus der Sowjetunion zwischen 1941 und 1945 fast fünf Millionen Männer, Frauen und Kinder zur Zwangsarbeit ins Deutsche Reich. Zu den sowjetischen Zwangsarbeitern im Deutschen Reich zählten nicht nur zivile sogenannte “Ostarbeiter”, sondern auch fast zwei Millionen Kriegsgefangene und mehrere Hunderttausend KZ-Häftlinge, die in Rüstungsbetrieben, in öffentlichen Einrichtungen, in der Landwirtschaft, im Handwerk, auf Baustellen und auch in Privathaushalten wangsarbeit leisten mussten. In der NS-Rassenhierarchie standen die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion am unteren Ende und wurden von ihren deutschen Arbeitgebern entsprechend schlecht behandelt. Die Zwangsarbeit im Dritten Reich war kein Geheimnis, sie war ein allgemein bekanntes, öffentliches Verbrechen.

Durch die unmenschlich harte Arbeit, Hunger, Krankheit, Erschöpfung, Schikane, Folter, Mord oder Selbstmord starben viele der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, so auch in Gelsenkirchen. Kriegsereignisse wie die sich seit Sommer 1944 häufenden Luftangriffe auf Industrieanlagen führten ebenfalls zum Tod vieler Menschen. Das Verbot für Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus Osteuropa, bei Bombenangriffen in Bunkern Schutz zu suchen, setzte viele von ihnen dem sicheren Tod aus. Schon während des Zweiten Weltkrieges wurden auf dem Horster Friedhof auch Gräberfelder angelegt, auf denen ausschließlich sowjetische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene beerdigt wurden. Seit der frühen Nachkriegszeit steht ein quaderförmiger Gedenkstein mit kyrillischer Inschrift auf dem Gräberfeld, wo 884 in Gelsenkirchen umgekommene Sowjetbürger beigesetzt sind.

Vor diesem zeithistorischen Hintergrund findet am 22. Juni ab 18:00 Uhr ein Gedenkakt auf dem Horster Friedhof statt, zu dem auch Herr Oberbürgermeister Baranowski und Vertreter der Stadt eingeladen sind. An dem Gedenkakt nehmen diplomatische Vertreter der Republik Belorus, Frau Konsulin Anzhela Volodina und Herrn Konsul Pavel Evseenko sowie als diplomatische Vertreter der Ukraine Herr Attache Vitalii Remele und Herr Vitalii Gopanchuk teil. Herr Wolfgang Held vertritt den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. . Herr Pfarrer Wiktor Alexejew wird als Vertreter der Russisch-Orthodoxen Gemeinde Essen ein Gebet für die Toten sprechen. Gemeinsam werden wir den Menschen, die 1941-1945 aus der Sowjetunion als Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt und hier in Gelsenkirchen an den Folgen von Gewalt, Hunger und Krankheit gestorben sind, ein ehrendes Andenken erweisen. Zu diesem Gedenkakt sind die Bürgerinnen und Bürger Gelsenkirchens - insbesondere auch Schulklassen - und die Vertreter der Presse herzlich eingeladen. Es wird um Blumen- und Kranzspenden gebeten. Info: Gelsenzentrum e.V., Telefon: 0209 - 9994676

70. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion

Gedenkakt in Gelsenkirchen

Am 22. Juni 1941 überfiel das nationalsozialistische Deutschland die Sowjetunion. An diesem Tag begann ein verbrecherischer Rassen- und Vernichtungskrieg, in dessen Folge geschätzte 27 Millionen Menschen starben und der den Überlebenden Leid zufügte, das sie nie vergessen konnten. Der zivilgesellschaftliche Verein Gelsenzentrum will in Gelsenkirchen am 70. Jahrestag des Überfalls den Menschen, die 1941-1945 aus der Sowjetunion als Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt und in Gelsenkirchen an den Folgen von Gewalt, Hunger und Krankheit gestorben sind, mit einem Gedenkakt am Gedenkstein in Gelsenkirchen-Horst ein ehrendes Andenken erweisen.

Ein Arbeitskreis beschäftigt sich derzeit mit der Vorbereitung und Planung einer Gedenkveranstaltung am 22. Juni 2011 zum 70. Jahrestag des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion. “Wir wollen am Jahrestag des Überfalls Nazi-Deutschlands auf die Sowjetunion in Gelsenkirchen an das unsagbare Leid, dass deutsche Besatzer im Zweiten Weltkrieg den Angehörigen der Völker der ehemaligen Sowjetunion zugefügt haben, erinnern und der Kriegstoten gedenken”, so ein Sprecher des gemeinnützigen Vereins. Zu dem Gedenkakt sind auch offizielle Vertreter der Ukraine, der Republik Belarus und der Russischen Förderation eingeladen.

Aufarbeitung der NS-Geschichte unerwünscht

Der Eiertanz um die Künstlersiedlung Halfmannshof und ihre NS-Vergangenheit geht weiter

Noch am 8. April 2011 hieß es in einem Artikel der WAZ, Zitat: “Eine neue Untersuchung des Instituts für Stadtgeschichte Gelsenkirchen beleuchtet die Rolle des Halfmannshofs in der NS-Zeit. Dr. Holger Germann stellte dazu sein Buch “Geht Kunst nach Brot?” in der NS-Dokumentationsstätte vor. (…) Der Halfmannshof, auf dessen Anregung die Studie zustande kam, plant für den Sommer eine Ausstellung zum Thema.” Von seiner damaligen Aussage will der Verein „Künstlersiedlung Halfmannshof e.V.“ jedoch nur einen Monat später nichts mehr wissen. Das nahmem jetzt vier Vereinsmitglieder zum Anlass, dem Verein den Rücken zu kehren.

Presseerklärung zum Austritt der Vereinsmitglieder Karin Hilmar, Jiri Hilmar, Pedro Malinowski und Katja Langer aus dem Verein “Künstlersiedlung Halfmannshof e.V.”

Trotz ausreichendem Finanzierungsrahmen in Form von Fördergeldern und vorhandenen Eigenmitteln sah sich am 06.05.2011 die Mehrheit der Mitglieder der Künstlersiedlung Halfmannshof e.V. (im folgenden KSH genannt) nicht in der Lage, das Ausstellungsprojekt: “Zwischen Diktatur und Demokratie – Die Geschichte der Gelsenkirchener Künstlersiedlung Halfmannshof 1931-1956″ zu befürworten.

Die Ablehnung der Durchführung des wissenschaftlich fundierten Projekts durch die Mehrheit der Vereinsmitglieder der KSH bewirkt einen enormen Glaubwürdigkeitsverlust bei allen kommunalen, landesweiten und privaten Förderern. Zudem wird es unserer Einschätzung nach den Bürgerinnen und Bürgern Gelsenkirchens, besonders nach dem Erscheinen der historischen Studie zur KSH “Geht Kunst nach Brot” des Instituts für Stadtgeschichte nicht zu vermitteln sein, dass die KSH sich erlaubt, ein solches Projekt nicht zu verwirklichen.

Aufgrund der Ablehnung des Ausstellungsprojekts hat der Verein auch für uns persönlich jegliche Glaubwürdigkeit verloren. Wir sehen uns daher nicht mehr als Mitglieder dieses Vereins, der sich nicht in der Lage sieht, sich mit seiner Vergangenheit kritisch auseinander zu setzen. Daher sind wir am 06.05.2011 mit sofortiger Wirkung aus der Künstlersiedlung Halfmannshof e.V. ausgetreten.

Gezeichnet: Karin Hilmar, Jiri Hilmar, Pedro Malinowski und Katja Langer. Gelsenkirchen, am 09.05.2011

→ Hintergründe und mehr auf www.gelsenzentrum.de

Neuer Name für den “Paul-Schossier-Weg”

Straße in Gelsenkirchen wird nach 44 Jahren umbenannt

Nun ist es amtlich: Der Name des NS-Täters Paul Schossier als Namensgeber für eine Straße in Gelsenkirchen ist Geschichte. Am 4. November 2010 wurde die Straße von der zuständigen Bezirksvertretung Nord umbenannt, neuer Name: Josef-Sprenger-Weg.

Der Vorschlag des Gelsenzentrum e.V., der auch vom Landesverband der Sinti und Roma NRW  unterstützt wurde, den ehemaligen “Paul-Schossier-Weg” nach einem Opfer des “Wirkens” von Paul Schossier, dem 9-jährigen Sinti-Mädchen Rosa Böhmer aus Gelsenkirchen zu benennen, fand weder im Rat der Stadt Gelsenkirchen noch in der Bezirksvertretung Nord eine Mehrheit.

Die Umbennenung wurde bereits 2008 von dem gemeinnützigen Verein Gelsenzentrum e.V. initiiert. OB Baranowski reagierte daraufhin  und gab ein Gutachten in Auftrag, dass Paul Schossiers Beteiligung am NS-Völkermord in seiner Eigenschaft u.a. als Rechts- und Polizeidezernent bestätigte. So war Paul Schossier für die Deportation und die daran anschließende Ermordung der Gelsenkirchener Angehörigen des Volkes der Sinti und Roma im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau verantwortlich.

Die Anwohner des”Paul-Schossier-Weges reagierten in Kenntniss der „über das Mitläufertum hinausgehende Betätigung des Namensgebers Paul Schossier“ während der Zeit des Nazi-Regimes dennoch mit Unverständnis über die Umbenennung, wie es Anwohner Heinz Hackstein in einer Bürgeranfrage darlegte.  Dagegen hieß es von Seiten der Politik, die Umbenennung sei “nachvollziehbar und vernünftig, man bedauere, dass es erst so spät zu einer Umbenennung kam”.

Gedenken an die Opfer der so genannten “Reichskristallnacht”

Feldzug der Gewalt und der Einschüchterung gegen die deutschen Juden im November 1938

Gelsenkirchen. Auch in diesem Jahr finden an vielen Orten in Deutschland Veranstaltungen zum Gedenken an die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger statt, die in der so genannten “Reichskristallnacht” vom 9. auf den 10. November 1938  Opfer der rassistisch motivierten Gewalttaten gegen Leib, Leben und Eigentum wurden.

Der gemeinnützige Verein Gelsenzentrum e.V. ruft die Bürgerinnen und Bürger zur Teilnahme an den Kundgebungen und Gedenkveranstaltungen demokratischer Organisation und Gruppierungen zur Erinnerung und zum Gedenken an die jüdischen Menschen auf, die 1938 Opfer der Novemberpogrome wurden. “Wir müssen wachsam sein und uns entschlossen und gemeinsam gegen das Vergessen, gegen Rassismus und gegen Gewalt stellen”, so der Vorsitzende des Vereins.

In Gelsenkirchen beginnt die diesjährige Veranstaltung zum Gedenken an die Pogromnacht um 18:30 Uhr vor dem Elisabeth-Krankenhaus an der Cranger Str. 226, hier formiert sich ein Schweigezug, der zur Dokumentationsstätte “Gelsenkirchen im Nationalsozialismus” an der Cranger Straße zieht. Dort ist eine Kundgebung geplant.

→ Die Novemberpogrome 1938 in Gelsenkirchen - Zeitzeugen berichten