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Archiv der Kategorie ... über den Tellerrand

Grundgesetz: Memet Kilic kupfert ab

Das Grundgesetz hat am 23. Mai Geburtstag!

Seit Wochen bereitet eine Gruppe Online-Aktivisten im sozialen Netzwerk Facebook die bundesweite Verteilaktion “Grundgesetz für alle!” vor. Mitglied in dieser Gruppe war auch der Bundestagsabgeordnete Memet Kilic (Bündnis 90 /Die Grünen). Heute verteilte Memet Kilic auf dem Marktplatz in Pforzheim kostenlose Grundgesetz-Exemplare. Natürlich vergass der Herr Kilic nicht, “seine” Aktion an die Medien zu lancieren. Vergessen hat er dabei den Hinweis, dass die Verteilaktion “Grundgesetz für alle!” eben nicht auf seinem Mist gewachsen ist. Das tut der Sache selbst keinen Abbruch, hinterlässt aber ein Geschmäckle.

Happy Birthday, liebes Grundgesetz. Feier schön - man wird nur einmal 63! Wir machen dir ein besonderes Geburtstagsgeschenk: Mehrere tausend Grundgesetz-Exemplare werden wir am 23. Mai - deinem Geburtstag - an Bürgerinnen und Bürger in vielen Städten Deutschlands kostenlos verteilen.

Die Aktion bei Facebook: “Grundgesetz für alle!”

8. Mai 2012 - Jahrestag der Befreiung vom deutschen Faschismus

8. Mai 1945: Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa

Vor 67 Jahren erlebte die Menschheit am 8. Mai 1945 die endgültige militärische Zerschlagung des deutschen Faschismus. Dieses Datum markiert den Sieg über das menschenverachtenden Regimes des Hitler-Faschismus, das politische Gegner und Andersdenkende ausgrenzte, verfolgte und inhaftierte, das Menschen allein aus einer konstruierten “Rassezugehörigkeit” als Juden, als Sinti und Roma, als Slawen millionenfach ermordete, das alle Nachbarstaaten in Europa und selbst Länder und Völker in anderen Teilen der Welt mit Krieg, Okkupation und Vernichtung überzog, ein Krieg, der mehr als 50 Millionen Menschen das Leben kostete.

Die faschistischen Weltherrschaftspläne wurden durch das gemeinsame Handeln der Anti-Hitler-Koalition gestoppt. Es waren die Angehörigen der Streitkräfte der Alliierten, vor allem die Angehörigen der sowjetischen Armee, die die Hauptlast des Krieges trugen, die diese Bedrohung auch militärisch zerschlugen. Es waren die Partisanen und Widerstandskämpfer in allen okkupierten Ländern, und auch in Deutschland selber, die ihr Leben einsetzten für die Freiheit ihrer Heimat.

8. Mai 1945: Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa

Diese nationale Befreiungsbewegung umfasste Frauen und Männer, Kommunisten und Katholiken, Liberale und Sozialdemokraten, Gewerkschafter und auch Konservative. Wir ehren all diese Patrioten, den Beitrag der antifaschistischen Allianz und der nationalen Befreiungsbewegungen der Völker. Der 8. Mai 1945 ist damit der Tag der Befreiung und des Sieges für alle vom deutschen Faschismus bedrohten Völker, für die Kämpfer gegen den Faschismus in allen Ländern, für alle Verfolgten und Opfer faschistischer Regime.

Diese historische Wahrheit wird zunehmend verdrängt. Die Verbrechen des Faschismus werden relativiert, Kollaborateure rehabilitiert oder zu “Freiheitshelden” stilisiert. Die Internationale Föderation der Widerstandskämpfer -FIR – Bund der Antifaschisten verwahrt sich gegen alle Versuche der Etablierung eines reaktionären Geschichtsbildes - geprägt von Totalitarismusdoktrin und Geschichtsverfälschung - in Europa.

Wir erinnern anlässlich dieses Jahrestages daran: Der 8. Mai 1945 markiert den Beginn einer neuen Politik in den internationalen Beziehungen. Die Gemeinsamkeit des Handelns aller Nazigegner schuf die Grundlage für die Gründung der Vereinten Nationen und die Fixierung von Grundlagen des Völkerrechts, die die Basis für die Verfolgung und Verurteilung der Hauptkriegsverbrecher im Nürnberger Tribunal darstellten. Nach dem Sieg über den Nazifaschismus erhielten die Völker verschiedener Länder zum ersten Mal politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Rechte, die in ihren Verfassungen und Rechtsgrundlagen fixiert worden waren. Dies war auch bedeutend für die Verstärkung des antikolonialen und antifaschistischen Kampfes in den Ländern, in denen solche Regime noch bestanden.

Heute gilt oftmals – im Gefolge des Zusammenbruchs der früher sozialistischen Länder – das “Recht des Stärkeren” in den internationalen Beziehungen. Vereinbarungen und internationales Recht – entstanden unter dem Dach der UNO – wird gebrochen und ausgesetzt. Daher müssen wir unseren Kampf verstärken gegen imperialistische Interventionen und Übergriffe, gegen Militarisierung und für die Wiederherstellung der Autorität des internationalen Rechts und der Entschließungen der Vereinten Nationen. Die gemeinsame Losung aller Antifaschisten lautete „Nie wieder!“ Dies ist Verpflichtung für heute und morgen.

Gemeinsam mit den Angehörigen heutiger Generationen handeln wir gegen Neofaschismus, extreme Rechte und Rechtspopulismus, gegen soziale Ausgrenzung, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus, gegen Krieg und Terrorismus sowie deren gesellschaftlichen Wurzeln. Ausgehend von der Gemeinsamkeit im Handeln gegen die faschistische Barbarei treten die 65 Mitgliedsorganisationen der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) – Bund der Antifaschisten in Israel und Europa heute ein für Frieden und Abrüstung, für politische und soziale Menschenrechte, für Demokratie. So schaffen wir eine “neue Welt des Friedens und der Freiheit!”

Aus einem Aufruf der Fédération Internationale des Résistants (FIR) - Association Antifasciste

Wahlkampf der extrem rechten “Pro NRW” gerät zur Lachnummer

Rechtspopulistische “Pro NRW” stößt allerorten auf massiven Widerstand

Essen, Gelsenkirchen, Duisburg, Moers und Bottrop, dass waren die bisherigen Stationen der so genannten Wahlkampftour der rechtsextremen Kleinpartei “Pro NRW”. Hunderte zeigten auf den Demos in den einzelnen Städten des Ruhrgebiets Flagge gegen die ultrarechten Proler, in Bottrop demonstrierten am Abend gar 1.300 Menschen gegen demagogische Hetze der extrem rechten Kleinpartei.

Am 1. Mai wollen die reisenden Rassisten Solingen, Remscheid und Bergisch-Gladbach heimsuchen, weitere Städte in NRW sollen folgen. Man wird die Faschos im vorgeblich bürgerlichen Gewand einer selbst ernannten “Bürgerbewegung” auch dort gebührend empfangen, soviel ist sicher. Abpfeifen - Beisicht und Co., das Spiel ist aus!

Wusste Jörg Uckermann (Pro NRW) bereits 2010 von den Morden des NSU?

Jörg Uckermann und der rosarote Panther

Bei einer großangelegten Razzia gegen Rechtsextreme hat die Polizei im Radevormwald ein enormes Waffenarsenal gefunden. Mitglieder der Partei “Pro NRW” und die Gruppe “Freundeskreis Rade” sind im Visier der Ermittler; drei Personen wurden festgenommen. Keine Frage: Die Rechtspopulisten von “Pro NRW” und ihre Mitstreiter, darunter die muslimfeindliche Hetz-Plattform “Politically Incorrect” sowie diverse andere rechtspopulistische Gruppierungen, sind eine große Gefahr für unsere Demokratie. Nicht selten verhöhnen beispielsweise auch die Autoren von “Politically Incorrect” und andere Rechtsextreme die Opfer des “NSU”.

So schloss Jörg Uckermann, stellvertretender Vorsitzender der rechtsextremen “Pro-NRW”, am 23. November 2010 vor der Moschee in Duisburg-Marxloh seinen Redebeitrag mit dem Satz: “Heut ist nicht alle Tage, wir kommen wieder, keine Frage”. Wir erinnern uns: Motive und eben jener Titelsong der „Paulchen Panther“-Serie hatten die Rechtsterroristen des “Nationalsozialistischen Untergrunds” (NSU) für ihre Bekenner-Videos benutzt. Das Bekenner-Video des “NSU” wurde allerdings erst ein Jahr später öffentlich. Da stellt sich die Frage: Wusste Jörg Uckermann bereits 2010 von den Morden des “NSU”? Die besagte Rede Uckermanns fand sich heute noch auf der Internet-Plattform Youtube.

Wahlaufruf zur Landtagswahl am 13. Mai 2012

In eigener Sache: Wir rufen auf zur Abgabe der Zweitstimme für die Partei DIE LINKE

Wir stellen mit Befriedigung fest: DIE LINKE NRW hat sich nicht einschüchtern lassen und gegen den Entwurf des Landeshaushaltes gestimmt, weil darin für die Lösung wichtiger sozialer Probleme kein Geld vorgesehen war. Sie hat bewiesen, dass ihre Parlamentarier nicht an ihren Sesseln kleben und das es ihr Ernst ist mit ihren Forderungen, die sie auch in ihrem neuen Landtagwahlprogramm Original sozial-konsequent solidarisch” wieder in den Vordergrund stellt:

Millionär- und Vermögensteuer statt Schuldenbremse, Ausbau der Mitbestimmung und Arbeitszeitverkürzung, Verbot der Leiharbeit, Vergesellschaftung von Kernbereichen der Wirtschaft, landesweites Sozialticket, für 15 Euro, mehr Geld für die Kommunen, für Kitas und für den Wohnungsbau. Damit greift sie wichtige Forderungen der Gewerkschaften und der außerparlamentarischen Bewegungen auf.

DIE LINKE sagt mit Recht: Geld ist genug da! Es ist nur in den falschen Händen. Schon die Erfüllung der Forderungen aus dem Wahlprogramm wäre deshalb ein großer Schritt hin zu mehr Gerechtigkeit in unserem Land. Die bürgerlichen Parteien, zu denen wir auch die GRÜNEN zählen, wollen daher den Wiedereinzug der Partei DIE LINKE in den Landtag mit allen Mitteln verhindern. Dem stellen wir uns mit unserem Aufruf zur Wahl der DIE LINKE in den kommenden Landtagswahlen entgegen.

Zugleich möchten wir die DIE LINKE aber, auch daran erinnern, dass Parlamentssitze zwar nützlich sind bei der Durchsetzung der Interessen der Menschen, die von Lohn, Rente oder Zahlungen nach Hartz IV leben, dass es aber vor allem gilt, diese Kämpfe auf die Straße zu tragen. Linke Politik muss darauf orientieren, Menschen in Bewegung für ihre Interessen zu bringen. Dabei können Parlamentssitze helfen, ersetzen können sie dies nicht.

Wir rufen alle Gelsenkirchenerinnen und Gelsenkirchener, alle Kolleginnen und Kollegen aus den Gewerkschaften, alle Arbeitslosen, Hartz IV-Empfänger und Aufstocker, Schülerinnen und Schüler sowie Auszubildende auf:

Nehmt eure Interessen selbst in die Hand und geht auf jeden Fall wählen! Wählt die Partei, die nicht wie die übrigen Parteien vor dem großen Geld einknickt, sondern die im Landtag konsequent und unbeirrt eure Interessen zur Sprache bringt: Die Partei DIE LINKE

Gelsenkirchen, im April 2012

Heike und Andreas Jordan

Die Wahrheit über Kiesinger musste endlich gesagt werden

Was sagte und schrieb Beate Klarsfeld in den 68ern?

Kaum bekannt ist, was wirklich geschah im Jahr 1968 und davor. Im Zusammenhang mit der Bundespräsidentschaftskandidatur 2012 äußerte sich Beate Klarsfeld wiederholt zu ihren Motiven im Streit um Kiesinger. Aber was sagte und schrieb sie genau in den 68ern? Was ist die Wahrheit über Kurt Georg Kiesinger? Welche Nazis entsandte die BRD ausgerechnet ins Deutsch-Französische Jugendwerk? Die VVN-BdA hat dazu aus dem Archiv des Jugendmagazins elan (es erschien in Dortmund von Ende der 50er Jahre bis 1989) Dokumente bereitgestellt.

In elan schrieb Beate Klarsfeld in jener Zeit. Zitat: Kiesinger war kein kleiner Mitläufer, er war eingeweiht in die geheimsten Nazipläne. Am 10. Dezember 1941 vereinbart er mit den japanischen Verbündeten die Berichterstattung über das „Ereignis X“. Einen Tag später tritt das „Ereignis X“ ein: Hitler erklärt den USA und Großbritannien den Krieg und schließt mit Japan und Italien ein politisches Abkommen über die gemeinsame Kriegsführung und die „Neuordnung der Welt“. (aus Jugendmagazin Elan, Dortmund, Juli/August 1968)

Siehe VVN/BdA NRW: Wahrheit über Kiesinger musste endlich gesagt werden

“Bandbreite” soll in Duisburg aufspielen

“Die Bandbreite” und der Ostermarsch 2012

Die Duisburger Kapelle “Die Bandbreite” soll zum Auftakt des Ostermarsch 2012 am 7.4. in Duisburg auftreten. Da haben die Verantwortlichen sich aber gewaltig in die Nesseln gesetzt…

Das Dortmunder Antifabündnis (DAB) beschreibt die Bandbreite treffend:

Die Duisburger Band um den Sänger Marcel Wojnarowicz, genannt Wojna, und den DJ Torben Pape, genannt DJ Torben, fallen aber nicht nur durch ihre rechtsgerichteten und antiaufklärerischen Songtexte auf, sondern auch durch ihre Teilnahme und Unterstützung rechtsoffener bis eindeutig nationalistischer Veranstaltungen und Konferenzen.

Auch das Blog Reflexion hat sich intensiv mit der Bandbreite beschäftigt:

Die Band „Die Band­brei­te“ er­freut sich einer gro­ßen Be­liebt­heit im ver­schwö­rungs­ideo­lo­gi­schen Mi­lieu, bei ei­ni­gen Lin­ken und bei vie­len Nazis. „Die Band­brei­te“, um Mar­cel „Wojna“ Wo­jna­ro­wicz und „DJ Tor­ben“ Eck­hoff (Alias: Tor­ben Pape), ver­brei­tet vor allem Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gie, zum Bei­spiel zum 11. Sep­tem­ber 2001.

Keine gute Wahl

70. Jahrestag der Deportationen von Gelsenkirchen nach Riga

27. Januar 1942 - der erste Deportationszug mit Ziel Riga verlässt Gelsenkirchen

“Es ist schwer zu sagen, wer das bessere Los gezogen hat. Denn selbst die wenigen, die schließlich überlebt haben, auch sie sind für ihr Leben gezeichnet. Sie haben jeder für ihr ganzes restliches Leben noch an dem zu tragen, was sie seelich und körperlich dort erlitten haben.”

Am 27. Januar 1942 rollte der erste “Sammeltransport” mit Kindern, Frauen und Männern jüdischer Herkunft von Gelsenkirchen Richtung Osten. Bestimmungsort der Menschenfracht war das Ghetto Riga. 359 Gelsenkirchener Juden wurden in die zum “Sammellager” umfunktionierten Ausstellungshalle am Wildenbruchplatz unter unmenschlichen Bedingungen eingepfercht. Auch Juden aus umliegenden Revierstädten wurden nach Gelsenkirchen transportiert.

Die Gelsenkirchener Jüdin Helene Lewek wählte in der Ausstellungshalle am Wildenbruchplatz angesichts der bevorstehenden Deportation die Flucht in den Tod. Auf dem Weg nach Riga wurden weitere Menschen an verschiedenen Haltepunkten - u.a. in Dortmund und Hannover - in den Zug gezwungen. Der Deportationszug der Deutschen Reichsbahn erreichte schließlich mit etwa 1000 Menschen am 1. Februar 1942 Riga in Lettland.

Der überwiegende Teil der aus Gelsenkirchen und anderen Städten am 27. Januar verschleppten Juden wurden im Ghetto Riga oder in Konzentrationslagern ermordet. Zu den wenigen, die oftmals als Einzige ihrer Familien den Holocaust überlebt haben, gehören Rolf Abrahamsohn, Bernd Haase, Herman Neudorf und Elli Kamm, geborene Diament. Sie schildern hier, wie sie die Deportation aus Gelsenkirchen und die Ankunft in Riga erlebt haben.

Rolf Abrahamsohn

Der heute 86jährige Rolf Abrahamsohn aus Marl erinnert sich:

“Am Morgen des 24. Januar um sieben Uhr wurden wir in Recklinghausen lebenden Juden aus den Häusern geholt. Wir standen bis nachmittags um vier auf der Straße, bevor man uns mit Lastwagen nach Gelsenkirchen zur Ausstellungshalle am Wildenbruchplatz brachte. Am 27. Januar verließ der Deportationszug mit einigen hundert Juden aus Gelsenkirchen, Recklinghausen und weiteren umliegenden Orten die Stadt. Man hatte uns gesagt, dass wir in ein Arbeitslager kämen, damals habe ich das noch geglaubt. Im Zug war es tagsüber sehr heiß und nachts eiskalt - das war unser Glück. So konnten wir wenigstens das gefrorene Wasser von den Fenstern ablecken, damit wir nicht ganz verdursten.

Als wir am 1. Februar in Riga am Bahnhof Skirotava ankamen, wurden wir mit Gebrüll und Schlägen von der SS empfangen. Wir sollten einige Kilometer bis ins Ghetto Riga laufen, den Schwachen bot die SS scheinheilig eine Fahrt auf LKW dorthin an. Was die Menschen, die auf die LKW stiegen, nicht wussten: das war praktisch schon eine erste Selektion. Sie brauchten uns ja als Arbeiter. Wer nicht laufen konnte, konnte nach der Logik der SS auch nicht arbeiten und so fuhren die LKW mit ihrer Menschenfracht direkt zu den Erschießungsstätten im Wald von Bikernieki.”

Bernd Haase

Bernd Haase aus Gelsenkirchen, der heute 85jährig in den USA lebt, erzählt:

“Im Dezember 1941 wurden meine Mutter, meine Schwester und ich aufgefordert, unsere Habseligkeiten für eine Umsiedlung nach Osten zusammenzupacken. Wir kennzeichneten unsere Möbel und packten Bettzeug und Kleidung in Rucksäcke. Am Abreisetag packten wir noch Butterbrote ein. Es kam ein Bus und brachte uns vom “Judenhaus” an der Bochumer Straße zur Gelsenkirchener Ausstellungshalle. Für unsere Nachbarn fuhren wir äußerlich normal weg. In der Ausstellungshalle mussten wir dann wie Tiere auf dem strohbedeckten Boden liegen.

Nur ein kleiner Zwischenfall: Es hatte geschneit und das Auto von einem der Nazi-Bonzen kam nicht weiter. So mussten ich und ein paar Andere den Wagen bis zur Arminstrasse schieben. Doch fühlte ich mich für eine halbe Stunde frei. Am fünften Tag, früh am Morgen, mussten wir durch Schnee und Dunkelheit zum Güterbahnhof marschieren. Dort schickte uns die Gestapo in einen Personenzug, brüllend und Peitschen schwingend. Wir wurden durchsucht und unser Geld und andere Wertgegenstände wurden uns weggenommen. Wir hatten unsere Rucksäcke mit im Zugabteil, unsere Koffer und die Haushaltsgegenstände wurden in einen angehängten Waggon gepackt. Dieser Wagen wurde später abgekoppelt und sein Inhalt an Fremde verteilt. Langsam verließ der Zug Gelsenkirchen. In Dortmund wurden weitere Waggons angehängt.”

Elli Kamm, nee Diament

Elli Kamm starb 2002 im Alter von 76 Jahren in den USA. Sie erzählte:

“Im Januar 1942 pferchten sie uns zusammen in Gelsenkirchen einem großen Warteraum und steckten uns dann in Züge. Der Transport ging nach Riga, in Lettland. Die Züge waren sehr kalt. Ich weiß nicht mehr genau, es waren fünf Tage, sechs Tage. Es war so kalt. Einigen Leuten erfroren die Finger, die Zehen, die Füße, es war schrecklich. Wir hörten die Flugzeuge, es gab Schiessereien, Bombardierungen, aber jedenfalls kamen wir Ende Januar, Anfang Februar bei Riga an. Der Ort hieß Skirotava. Es fror, es war kalt.

Und denken Sie daran: Bevor wir Deutschland verließen, sagten sie uns, wir könnten nur so und so viel mitnehmen. Wir zogen zwei Unterhemden, drei Pullover, drei Blusen, drei, vier Unterhosen an, so dass, wenn sie uns das Gepäck wegnehmen würden, wir immer noch das hätten, was wir am Körper hatten und so die Möglichkeit hätten, eine Zeit lang zu wechseln. Als wir in Skirotava ankamen und die SS da stand, ich denke, Obersturmführer Lange war sein Name und einige Andere. Mit Hunden und Schnee bis zum Hals und sie schrien: “Raus, raus, raus!” Das war einfach schrecklich, ich meine so ein Chaos. Es war unglaublich. Sie befahlen uns, zu dritt oder zu viert da zu stehen und dann abzumarschieren.”

Herman Neudorf

Herman Neudorf, geboren in Horst-Emscher lebt heute in den USA, erzählt:

“Am 20. Dezember 1941 erhielten wir von der Gestapo, Staatspolizeistelle Gelsenkirchen, die erste Aufforderung: ‘Sie haben sich auf einen Transport zum Arbeitseinsatz nach dem Osten vorzubereiten. An Gepäck darf 10 RM mitgenommen werden. Die Fahrtkosten sind selbst zu entrichten - natürlich einfach, eine Rückfahrt war ja nicht vorgesehen. Vorbereitungen wurden getroffen. Medikamente, Frostschutzmittel, Winterkleidung, warme Decken und so weiter beschafft. Am 20. Januar 1942 kommt wieder ein Schreiben: ‘Sie haben sich zum Transport nach dem Osten in den nächsten drei Tagen bereitzuhalten.’ Nun ist es soweit.

An einem Januarmorgen um 10 Uhr morgens wurden wir von der Gestapo aus dem “Judenhaus” an der Markenstraße in Horst abgeholt und in einen Autobus verfrachtet, mit je einem Koffer. Im nu sammelte sich um das Auto eine Anzahl Schulkinder. Auf ihre neugierige Frage, wohin wir fahren, antwortete der Gestapo-Chauffeur: ‘Zur Erholung in ein Sanatorium.’ Am Sammelplatz schliefen wir eine Nacht am Boden und am nächsten Tag wurden wir verladen. Es war der 27. Januar 1942. Aber diese Mörder wußten zu gut, wohin unsere Fahrt führt. Hoher Schnee mit ca. 25 Grad Kälte. Der Zug stand bereit. Ungeheizt. Am Ende des Zuges wurden drei Wagen mit unseren Koffern, Verpflegung und Küchengeräten angehängt. Dann fuhren wir ab. Türen natürlich abgeschlossen. Vor Hannover erfuhren wir, daß die letzten Wagen “heißgelaufen” waren und abgehängt werden mußten. Nun besaßen wir nur noch das, was wir am Leibe trugen. Sechs Tage Fahrt durch Ostpreußen, Litauen, Lettland. Aborte verstopft, die Abteilwände mit einer Eisschicht überzogen.

Am 1. Februar erreichten wir unsere neue “Heimat”, der Transport hielt am Bahnhof Riga-Skirotava. Auf uns warteten schon SS-Leute in dicken Pelzmänteln. Sie trieben uns mit Schlägen, Beschimpfungen und Gebrüll aus dem Zug. Die Glieder waren noch starr vor Kälte. Zum Teil mit Autos oder zu Fuß ging es ab. Ungefähr drei Stunden Marsch. Lettische Wachen hüteten uns sorgfältig und rissen einigen gute Kleidungsstücke vom Leibe herunter. Ein mit Stacheldraht umgebener Stadtteil tauchte auf. Personen mit gelben “Judensternen” konnte ich erkennen. Das war also das Rigaer Ghetto, das uns allen ewig in Erinnerung bleiben sollte. Oft wundert man sich selbst, dass man diese schrecklichen Jahre, die noch folgten, überhaupt überleben konnte.”

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Den Holocaust überlebt - Menschen aus Gelsenkirchen berichten

182 Menschen wurden Opfer rassistischer Gewalt

Gegen das Vergessen

Dieses Video ist den 182 Menschen gewidmet, die von 1990 bis 2010 rassistischer und rechtsextremer Gewalt zum Opfer fielen. Sie wurden von Rechtsextremen ermordet, weil für sie im Weltbild der Nazis kein Platz ist; manche, weil sie den Mut hatten, menschenverachtenden Nazi-Parolen zu widersprechen, andere, weil sie Zivilcourage gezeigt haben. Einige der Morde bewegten die Öffentlichkeit, die meisten wurden jedoch kaum von der Zivilgesellschaft zur Kenntnis genommen, vergessen sind die meisten.

Wir wollen die Klippe sein, an der die Braune Welle bricht!

Online-Kampagne gegen Rechtsextremismus nimmt Fahrt auf

Wir wollen die Klippe sein, an der die Braune Welle bricht - unter diesem Motto findet derzeit im sozialen Netzwerk Facebook eine Aktion gegen Rechtsextremismus statt. Die Online-Aktivisten des Netzwerks gegen Rassismus und Extremismus in Gelsenkirchen haben die Aktion, die sich rasend schnell im Netz verbreitet, am 14. Dezember gestartet. Nach nur 24 Stunden nehmen bereits mehr als 300 Internet-Nutzer an einer virtuellen Menschenkette teil.

An der virtuellen Menschenkette teilnehmen

Mehr: Virtuelle Menschenkette gegen Rechtsextremismus und Rassismus

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Virtuelle Menschenkette gegen Rechtsextremismus und Rassismus

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