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Archive für Juni 2011
Die Nazis kommen – wir auch!
29.6.2011 von Gelsenzentrum.
Was ist los?
Am Samstag, den 09. Juli 2011 wollen Neonazis in Krefeld am Neumarkt eine Mahnwache veranstalten. Thema ihrer Mahnwache ist die Forderung nach Todesstrafe für Sexualstraftäter_innen, die sie mit Parolen wie “Ein Baum, ein Strick, ein Schändergenick!” verdeutlichen. Dabei geht es den Neonazis nicht darum Opfer sexueller Gewalt zu schützen, sondern sie instrumentalisieren diese lediglich im Sinne ihrer menschenverachtenden Ideologie. (…)
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Ein Stolperstein für Käthe Hirschhorn
29.6.2011 von Gelsenzentrum.
Gesamtschule Bismarck beteiligt sich an Stolperstein-Projekt
Käthe Hirschhorn war dreizehn Jahre alt, als sie zusammen mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern am 27. Januar 1942 von Gelsenkirchen in das Ghetto Riga deportiert wurde. Die Patenschaft für den Stolperstein, der an Käthe Hirschhorn erinnern wird, haben Schülerinnen und Schüler der Evangelischen Gesamtschule Gelsenkirchen-Bismarck übernommen. Die Jungen und Mädchen des Deutsch E-Kurs der Klasse 9d sammelten in ihrer Klasse 95 Euro, denn soviel kostet ein Stolperstein, darin sind Herstellung und Verlegung enthalten.
Martha Hirschhorn wurde zusammen mit Tochter Käthe, Sohn Heinrich und der jüngsten Tochter Ruth am 27. Januar 1942 von Gelsenkirchen nach Riga deportiert. Vater Hermann Hirschhorn hatte man bereits 1940 in das KZ Sachsenhausen eingeliefert. Sein Leidensweg führte über das KZ Dachau nach Neuengamme, ein Konzentrationslager am östlichen Stadtrand von Hamburg. Dort starb Hermann Hirschhorn am 18. Juni 1942, angeblich an Lungenentzündung. Heinrich wurde am 12. September 1943 in das Ghetto Riga eingeliefert und weiter über das KZ Stutthof in das KZ Buchenwald verschleppt. Er starb bei einem Bombenangriff im Außenkommando “Wille” bei Tröglitz/Rehmsdorf am 30. November 1944. Martha Hirschhorn und ihre Töchter Käthe und Ruth wurden im August 1944 von Riga in das KZ Stutthof bei Danzig verschleppt. Die Spuren der drei weiblichen Mitglieder der Familie Hirschhorn verlieren sich im KZ Stutthof.
“Die Gesamtschule Bismarck ist die erste Schule in Gelsenkirchen, die sich für die Stolpersteine engagiert” sagt Projektleiterin Heike Jordan, und weiter: ” Ich wünsche mir, dass sich noch andere Schulen an dem Projekt Stolpersteine in Gelsenkirchen beteiligen. So erhalten die Jugendlichen einen ganz besonderen, persönlichen Zugang zur deutschen Geschichte zwischen 1933-1945.”
An der Bismarckstrasse 152 werden am 1. August durch den Künstler Gunter Demnig 8 Stolpersteine zur Erinnerung an jüdische Verfolgte des NS-Regimes verlegt. An gleicher Stelle werden auch Stolpersteine für die Eheleute Moritz und Toni Meyer und für Kurt Rosengarten in den Gehweg eingelassen. Musikalisch begleitet wird die Stolperstein-Verlegung an der Bismarckstrasse von dem Gelsenkirchener Jazz- und Klezmer-Musiker Nobert Labatzki. Der Vorbeter der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen wird das jüdische Gebet “El male rachamim” singen. An der Bismarckstrasse wie auch Im Lörenkamp werden die Verlegestellen vom Tiefbauamt entsprechend vorbereitet.
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Gedenken in Gelsenkirchen
24.6.2011 von Gelsenzentrum.
Gelsenzentrum erinnerte an getötete sowjetische Zwangsarbeiter
Aus Anlass des 70. Jahrestages des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion fand am Mittwoch auf dem Südfriedhof in Gelsenkirchen-Horst eine Gedenkveranstaltung statt, die an das Leiden und Sterben der Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion erinnerte. Auf dem Friedhof in Gelsenkirchen-Horst befindet sich das größte Sammelgrab für sowjetische Zwangsarbeiter, die in Gelsenkirchen im Zweiten Weltkrieg zu Tode gekommen sind. Der Verein Gelsenzentrum hatte zu der Gedenkstunde eingeladen. Bürgerinnen und Bürger legten gemeinsam mit diplomatischen Vertretern der Republik Belorus und der Ukraine Kränze und Blumen am Gedenkstein nieder. Andreas Jordan, Vorsitzender des Vereins Gelsenzentrum, hielt eine Gedenkrede, Wolfgang Held als Vertreter des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. las aus einem Brief einer überlebenden Zwangsarbeiterin vor, die ihre unfreiwillige Zeit in Nazi-Deutschland schilderte.
Nur einige hundert Meter Luftlinie von dem Gedenkstein auf dem Gräberfeld entfernt befand sich der größte Lagerkomplex in Gelsenkirchen, in dem sowjetische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter zwischen 1941-1945 unter unmenschlichen Lebensbedingungen untergebracht waren. Durch harte Arbeit, Unterernährung, Krankheit und Erschöpfung, durch Schikane, Folter und Mord starben viele der Zwangsarbeiter. Auch das Verbot, bei Bombenangriffen in den Bunkern und Luftschutzkellern Schutz zu suchen, setzte viele von ihnen dem sicheren Tod aus.
Ihre namenlosen Gräber sind die einzigen Spuren, die sie hinterließen, über Ihre Schicksale ist in den allermeisten Fällen nichts bekannt. Eines haben sie jedoch alle gemeinsam: Sie wurden gegen ihren Willen zur Zwangsarbeit nach Gelsenkirchen verschleppt.
Am Rande bemerkt: Vetreter aus Politik und Verwaltung der Stadt Gelsenkirchen oder Vertreter der örtlichen “Presse” nahmen trotz Einladung nicht an der Gedenkveranstaltung teil, gänzlich verzichtet hatte man auch auf die Übersendung von Blumen oder Kränzen. Auch der Vorstand des Vereins zur “Förderung der Städtepartnerschaft Gelsenkirchen-Schachty (Ukraine)” hielt es nicht für notwendig, mit seiner Teilnahme ein Zeichen zu setzen.
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Am Tag der Befreiung bin ich wiedergeboren worden
19.6.2011 von Gelsenzentrum.
Lebensgeschichtliche Erinnerungen der KZ-Überlebenden Judith Altmann
Sie überlebte Auschwitz, die Außenkommandos von Buchenwald in Gelsenkirchen und Essen und das Inferno von Bergen-Belsen. Judith Altmann, 1924 in Jasina in der damaligen Tschechoslowakei geboren, wurde im April 1944 zusammen mit ihrer Familie in ein Ghetto in Ungarn gebracht. Danach verschleppte man sie und die Familie nach Auschwitz. Von dort wurde das junge Mädchen weiter in Außenlager von Buchenwald in Gelsenkirchen und Essen deportiert, musste dort Zwangsarbeit leisten und gelangte dann mit einem der berüchtigten Todesmärsche über Buchenwald nach Bergen-Belsen, wo sie im April 1945 von britischen Soldaten befreit wurde. Judith Altmann und ihre Nichte Ida, die heute in Israel lebt, haben als einzige aus der Familie überlebt. 22 Familienmitglieder sind im Holocaust ermordet worden. Im Juni 2011 berichtet Judith Altmann in einem Interview mit dem gemeinnützige Verein Gelsenzentrum von ihrem Leidensweg durch die Konzentrationslager.
→ Judith Altmann: Am Tag der Befreiung bin ich wiedergeboren worden
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70. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion
15.6.2011 von Gelsenzentrum.
Gedenkakt auf dem Horster Friedhof
Am 22. Juni 2011 jährt sich der deutsche Überfall auf die Sowjetunion zum 70. Mal. Dieser Krieg war von Beginn an ein ideologischer Vernichtungskrieg, dem in der Summe annähernd 28 Millionen Menschen aus der Sowjetunion zum Opfer fielen, darunter 14 Millionen Zivilisten. Millionen Menschen mussten in den besetzten Gebieten der Sowjetunion und auf dem Gebiet des “Dritten Reichs” Zwangsarbeit zur Unterstützung der deutschen Kriegsführung leisten. Die deutschen Besatzer verschleppten aus der Sowjetunion zwischen 1941 und 1945 fast fünf Millionen Männer, Frauen und Kinder zur Zwangsarbeit ins Deutsche Reich. Zu den sowjetischen Zwangsarbeitern im Deutschen Reich zählten nicht nur zivile sogenannte “Ostarbeiter”, sondern auch fast zwei Millionen Kriegsgefangene und mehrere Hunderttausend KZ-Häftlinge, die in Rüstungsbetrieben, in öffentlichen Einrichtungen, in der Landwirtschaft, im Handwerk, auf Baustellen und auch in Privathaushalten wangsarbeit leisten mussten. In der NS-Rassenhierarchie standen die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion am unteren Ende und wurden von ihren deutschen Arbeitgebern entsprechend schlecht behandelt. Die Zwangsarbeit im Dritten Reich war kein Geheimnis, sie war ein allgemein bekanntes, öffentliches Verbrechen.
Durch die unmenschlich harte Arbeit, Hunger, Krankheit, Erschöpfung, Schikane, Folter, Mord oder Selbstmord starben viele der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, so auch in Gelsenkirchen. Kriegsereignisse wie die sich seit Sommer 1944 häufenden Luftangriffe auf Industrieanlagen führten ebenfalls zum Tod vieler Menschen. Das Verbot für Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus Osteuropa, bei Bombenangriffen in Bunkern Schutz zu suchen, setzte viele von ihnen dem sicheren Tod aus. Schon während des Zweiten Weltkrieges wurden auf dem Horster Friedhof auch Gräberfelder angelegt, auf denen ausschließlich sowjetische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene beerdigt wurden. Seit der frühen Nachkriegszeit steht ein quaderförmiger Gedenkstein mit kyrillischer Inschrift auf dem Gräberfeld, wo 884 in Gelsenkirchen umgekommene Sowjetbürger beigesetzt sind.
Vor diesem zeithistorischen Hintergrund findet am 22. Juni ab 18:00 Uhr ein Gedenkakt auf dem Horster Friedhof statt, zu dem auch Herr Oberbürgermeister Baranowski und Vertreter der Stadt eingeladen sind. An dem Gedenkakt nehmen diplomatische Vertreter der Republik Belorus, Frau Konsulin Anzhela Volodina und Herrn Konsul Pavel Evseenko sowie als diplomatische Vertreter der Ukraine Herr Attache Vitalii Remele und Herr Vitalii Gopanchuk teil. Herr Wolfgang Held vertritt den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. . Herr Pfarrer Wiktor Alexejew wird als Vertreter der Russisch-Orthodoxen Gemeinde Essen ein Gebet für die Toten sprechen. Gemeinsam werden wir den Menschen, die 1941-1945 aus der Sowjetunion als Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt und hier in Gelsenkirchen an den Folgen von Gewalt, Hunger und Krankheit gestorben sind, ein ehrendes Andenken erweisen. Zu diesem Gedenkakt sind die Bürgerinnen und Bürger Gelsenkirchens - insbesondere auch Schulklassen - und die Vertreter der Presse herzlich eingeladen. Es wird um Blumen- und Kranzspenden gebeten. Info: Gelsenzentrum e.V., Telefon: 0209 - 9994676
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Nutzlose Esser
14.6.2011 von Gelsenzentrum.
Bundesregierung verweigert Entschädigung für Überlebende von Wehrmachts-KZ
BERLIN/MINSK (Eigener Bericht) - Die Bundesregierung negiert auch 70 Jahre nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion die Existenz von Konzentrationslagern der Wehrmacht. Allein in den letzten vier Jahren hat sich die Republik Belarus eigenen Angaben zufolge “zigmal” mit der Bitte an Berlin gewandt, das von der NS-Armee eingerichtete Todeslager Osaritschi als KZ anzuerkennen. Von deutscher Seite wurde dies regelmäßig mit Verweis auf nicht näher definierte “juristische Hindernisse” abgelehnt. Das KZ Osaritschi entstand im März 1944; die Wehrmacht internierte hier - in einem Sumpfgebiet unter freiem Himmel - die Angehörigen von nach Deutschland verschleppten Zwangsarbeitern. Die Gefangenen, zumeist Alte, Kranke und Kinder, galten als “nicht arbeitsfähig” und wurden deshalb bewusst dem Hunger- und Kältetod ausgeliefert. Innerhalb von nur einer Woche starben auf diese Weise mehr als 9.000 Menschen - ein Vorgang, den die deutsche Truppenführung als Erfolg wertete: “Für nutzlose Esser wird keine Verpflegung mehr verbraucht”, erklärte das zuständige Armeeoberkommando. Deutsche Historiker charakterisieren dies als “eines der schwersten Verbrechen der Wehrmacht gegen Zivilisten überhaupt”. Dennoch wurden die Überlebenden des KZ Osaritschi für ihre Leiden bis heute nicht entschädigt.
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Autorenlesung mit Katarina Bader
3.6.2011 von Gelsenzentrum.
Jureks Erben: Vom Weiterleben nach dem Überleben
Am 8.6.2011 liest die junge Autorin Katarina Bader im Kultursaal “Horster Mitte”, Gelsenkirchen-Horst, Schmalhorststraße 1a ab 19 Uhr aus ihrem Buch „Jureks Erben“. Eintritt 5/3 Euro (ermäßigt)
Das bemerkenswerte Buch handelt von Katarina Baders Freundschaft zu Jurek, einem polnischen Auschwitz-Überlebenden, den sie als achtzehnjährige Schülerin bei einem Besuch in der Jugendbegegnungsstätte Auschwitz kennen lernte und dessen Freundschaft ihr Leben veränderte.
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