Gelsenkirchen: Andreas Jordan – Botschafter Stolpersteine NRW

Etwa 15.000 Stolpersteine gibt es in NRW. Einer davon liegt in Gelsenkirchen und erinnert an das 1933 geborene Sinti-Mädchen Rosa Böhmer. Rosa ist 1942 von den Nazis ermordet worden. Die WDR-App „Stolpersteine NRW“ hilft, die Erinnerung an sie und ihre Familie aufrecht zu erhalten. Unterstützt wird die Botschafter*innen-Kampagne des WDR auch von Andreas Jordan, langjähriger Projektleiter der Stolperstein-Initiative in Gelsenkirchen.

Die neue, innovative App „Stolpersteine NRW – Gegen das Vergessen“ des WDR macht auch die derzeit mehr als 280 Schicksale hinter den Gelsenkirchener Stolpersteinen digital erlebbar. Die App ist für die beiden Plattformen iOS und Android kostenlos verfügbar und kann dann auf dem üblichen Weg über die so genannten “Stores” heruntergeladen werden. Eine Version für den Desktop-Browser ist ebenfalls nutzbar. Mehr über Rosa Böhmer und ihre Familie erfahren.

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Erinnerungskultur: Neue Stolpersteine werden verlegt

Bildhauer Gunter Demnig kommt am Samstag, 11. Juni 2022 nach Gelsenkirchen, um hier gemeinsam mit der Projektgruppe Stolpersteine des Gelsenzentrum e.V. ab 14.30 Uhr an mehreren Orten im Stadtgebiet weitere Stolpersteine zu verlegen. Damit werden Lebens- und Leidenswege von Menschen greifbar, die zwischen 1933-1945 aus rassistischen Motiven ermordet, ausgegrenzt oder vertrieben wurden. Demnigs Stolpersteine machen uns bewusst, wohin jede menschenverachtende rassistische Ideologie und Ausgrenzung führen kann.

Bei dem Projekt „Stolpersteine“ handelt es sich um ein Kunstprojekt für Europa von Bildhauer Gunter Demnig, das die Erinnerung an Opfer der Nationalsozialisten lebendig erhält. Dazu gehören Menschen, die in der NS-Zeit stigmatisiert,verfolgt, deportiert, ermordet oder in die Flucht bzw.den Suizid getrieben wurden. Stolpersteine sind 10 x 10 x 10 cm große Betonquader, in deren Oberläche eine Messingplatte verankert ist. Auf diese Oberfläche werden mit Schlagbuchstaben die Namen und Daten von Menschen eingeprägt, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und zumeist ermordet wurden.

Das Besondere an diesem Projekt ist, dass diese kleinen Erinnerungsmale genau an den Orten verlegt werden, an denen die Menschen vor ihrer Flucht oder Verhaftung freiwillig lebten. Damit wird individuell an Verfolgte erinnert, doch es werden gleichwohl auch Fragen nach der Täter- und Mittäterschaft aufgeworfen, indem der Ausgangspunkt der nationalsozialistischen Verfolgung an den ehemaligen Wohnorten deutlich markiert wird. Wer künftige Stolperstein-Verlegungen finanziell unterstützen möchte, kann an das Konto „Stolpersteine Gelsenkirchen“ bei der Sparkasse Gelsenkirchen mit der IBAN DE79 4205 0001 0132 0159 27 spenden. Der Verwendungszweck ist „Spende Stolpersteine“.

Geplante Verlegereihenfolge Samstag, 11. Juni:

14.30 Uhr, Norman C. Cowley, Mühlenstr. 5-9
15.15 Uhr, Jürgen Sommerfeld, Emscherstr. 41
16.00 Uhr, Lore Grüneberg, Hauptstr. 16
16.30 Uhr, Ehepaar Schlossstein, Gildenstr. 7
17.00 Uhr, Dr. Alfred Alsberg, Bahnhofstr. 55-65
17.30 Uhr, Ida Reifenberg, Von-Der-Recke-Str. 11
17.45 Uhr, Familie Leibisch Grün, Husemannstr. 39

Gemeinschaftsverlegung Dienstag, 14. Juni:

10.00 Uhr, Vera Polyakova, Dessauerstr. 72
10.40 Uhr, Ehepaar Meyer, Florastr. 166

(Wir bitten Teilnehmende, ein Zeitfenster von +/- 20 Minuten zu den genannten Uhrzeiten einzuplanen. Es gelten bei den kleinen Verlegezeremonien die jeweils aktuellen Corona-Richtlinien.)

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NS-Verbrechen: Gebot der Gerechtigkeit erforderte Verurteilung  

Seit 2011 erinnern in Gelsenkirchen zwei Stolpersteine an den Widerständler Erich Lange – der eine am letzten selbstgewählten Wohnort in der Schwanenstraße, ein weiterer am Rundhöfchen, dem Ort seines gewaltsamen Todes in der Gelsenkirchener Altstadt.

Erich Lange war zunächst Mitglied der so genannten Schutzstaffel der NSDAP. Er stellte sich jedoch noch vor der Machtübergabe gegen die Nationalsozialisten, wurde Mitglied der KPD und des „Kampfbundes gegen den Faschismus“. In den Augen der Nazis war Erich Lange somit ein „Verräter an der nationalen Sache“.

Am 23. März 1933 titelte die Gelsenkirchener Allgemeine Zeitung „Kommunistischer Funktio- när erschossen“ – das Opfer war Erich Lange. Der Schütze, ein SS-Mann, will in Notwehr geschossen haben. Mehr war bisher über das Verbrechen bisher nicht bekannt, beim Institut für Stadtgeschichte Gelsenkirchen (ISG) fanden sich keine Archivalien zur Person oder dem Schicksal von Erich Lange.

Jüngst stieß Historiker Andreas Jordan (Gelsenzentrum e.V.) bei Recherchen zur Verfolgung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit in NRW zwischen 1946-1949 jedoch auf eine Archivsignatur, die auf ein Strafverfahren vor dem Schwurgericht Essen gegen zwei SS-Angehörige hinwies, die einen ehemaligen Kameraden auf offener Straße in Gelsenkirchen erschossen hatten. Schnell stand fest, das es sich bei den Angeklagten um die Personen handelt, die 1933 Erich Lange getötet hatten. Die nun erfolgte Auswertung der Akte aus dem Bundesarchiv bringt mehr Licht in eines der Verbechen in der frühen Phase der NS-Gewaltherrschaft in Gelsenkirchen.

Während ihrer Zugehörigkeit zur SS hatten die beiden Angeklagten Erich Schneider und Wilhelm Dudek im Sommer 1932 Erich Lange kennengelernt. Lange war ebenfalls Mitglied der SS und gehörte wie die Angeklagten dem selben SS-Sturm an. Lange trat jedoch im November 1932 wieder aus der SS aus und wurde Mitglied der KPD. Das war den Angeklagten bekannt.

In der Nacht vom 21. auf den 22. März 1933 suchten die Angeklagten in SS-Uniform gemeinsam mit anderen SS-Männern die Wirtschaft „Stadtkeller“ in der Gelsenkirchener Altstadt auf. Beide trugen eine Pistole. Kurze Zeit später betrat auch Erich Lange das Lokal. Es dauerte nicht lange, da kam es zu einem Wortwechsel zwischen den Angeklagten und Erich Lange, der in eine Schlägerei mündete. Die Angeklagten Schneider und Dudek schlugen mit ihren Koppeln auf Erich Lange ein, bis dieser aus dem Lokal floh. Der Angeklagte Dudek verfolgte ihm mit zwei weiteren uniformierten Männern. Sie holten Erich Lange in Höhe des Hotels „Monopol“ in der Nähe der „Hubertusbar“ ein und schlugen erneut massiv auf ihn ein, sodass er laut um Hilfe schrie. Als Lange dann loslief, um den Schlägen zu entgehen, gab Dudek aus einer Entfernung von etwa 2-3 Metern drei Schüsse aus der Dienstpistole auf ihn ab. Von Kugeln getroffen fiel Erich Lange zu Boden. Das geschah gegen 5.10 Uhr. Die Verfolger suchten das Weite, ohne sich weiter um Lange zu kümmern.

Als sich kurz nach dem Vorfall der Zeuge Funke dem Tatort näherte, traf er mit mehreren SA-Männern zusammen. Diesen teilte er seine soeben gemachte Beobachtung mit, Lange sei von einem SS oder SA-Mann erschossen worden. Diese entgegneten, das seien keine Uniformierten gewesen. Funke musste mit zur Polizeiwache, dort wurde er von Kriminalkommisar Tenholt vernommen. Funke konnte gegen 8 Uhr gehen, er ist in dieser Angelenheit nicht wieder verhört worden.

Nach dem letzten Schuss erschien der sich auf dem Weg zur Arbeit befindliche Zeuge Pruschinski am Tatort und konnte nur noch – wie zuvor Funke – den Tod des Erich Lange feststellen. Ein auftauchender SS-Mann mit gezogener Pistole forderte den Zeugen mit den Worten „Was ist den hier los, mach das du wegkommst, lass das Schwein liegen“ auf, zu verschwinden.

Am nächsten Morgen mussten die beiden Angeklagten zur Sturmbann-Dienststelle kommen. Dudek schilderte den Sachverhalt. Daraufhin ordnete der Leiter der Dienststelle Schulz mit den Worten „Wir müssen die Sache drehen“ an, das der Angeklagte Schneider als Hilfsbeamter der Polizei Lange erschossen habe, weil dieser sich seiner Festnahme durch Flucht habe entziehen wollen. Schneider sollte die Tat auf sich nehmen, hatte dann jedoch zunächst Bedenken, das Vernehmungsprotokoll zu unterschreiben, da er sich einer Tötung bezichtigte. Doch ihm wurde sofort versichert, das es bei dieser einen Vernehmung bleiben werde und er nichts zu befürchten habe.

Vater des Opfers brachte Nachkriegsprozess ins Rollen

Tatsächlich sind dann keine weiteren Ermittlungen getätigt worden, der nun Mitangeklagte Dudek ist seinerzeit nicht verhört worden. Nach dem Krieg wurde auf die Anzeige des Vaters von Erich Lange am 19. Juni 1948 ein Verfahren gegen die mutmaßlichen Täter Dudek und Schneider eingeleitet.

In der Verhandlung stellte das Schwurgericht fest, das sich der Angeklagte Schneider der gefährlichen Körperverletzung, der Angeklagte Dudek der vorsätzlichen Tötung sowie der ge- fährlichen Körperverletzung schuldig gemacht haben. Obwohl zu diesem Zeitpunkt bereits ver- jährt, war zu prüfen, ob auf Grund der Verordnung zur Beseitigung nationalsozialisticher Ein- griffe in die Strafrechtspflege vom 23. Mai 1947 noch eine Betrafung möglich war. Diese Frage hat das Schwurgericht Essen in der Verhandlung vom 21. September 1949 bejaht, denn dass das Verbrechen der Tötung auch nach 16 Jahren eine Sühne verlangt, erfordere das Gebot der Gerechtigkeit. Schneider wurde erstinstanzlich zu zwei Monaten Gefängnis, Dudek zu vier Jahren Gefängnis verurteilt.

Gegen das Urteil legte Schneiders Rechtsanwalt wie auch die Staatsanwaltschaft Revision ein. Im Januar 1950 ergeht ein Beschluss des I. Strafsenats des Obersten Gerichtshofes für die britische Zone, das Verfahren – soweit es Erich Schneider betrifft – einzustellen. Der Revision Dudeks wird stattgegeben und das Verfahren an das Schwurgericht Essen zurückverwiesen. Im April 1950 wird Wilhelm Dudek erneut vom Schwurgericht des Landgerichts Essen wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit in Tateinheit mit Totschlag und gefährlicher Körperverletzung zu einer Gefängnisstrafe von vier Jahren verurteilt.

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„Ich habe Angst, Auschwitz könnte nur schlafen“

Völkermord an Sinti und Roma: 79. Jahrestag des „Auschwitz-Erlasses“

Vor 79 Jahren, am 16. Dezember 1942, ordnete Heinrich Himmler (Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei) die Deportation aller Sinti und Roma aus dem „Deutschen Reich“ in das Konzen-trationslager Auschwitz an. Mit diesem sogenannten „Auschwitz-Erlass“ begann die Deportation von 23.000 Sinti und Roma aus elf Ländern Europas in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau.

Zum Gedenken an den Erlass hat der Künstler Gunter Demnig in Kooperation mit dem Verein Rom e. V. am 16. Dezember 1992, dem 50. Jahrestag des Erlasses, einen Stolperstein vor dem historischen Kölner Rathaus in das Pflaster eingelassen. Auf dem Stein zu lesen sind die ersten Zeilen des den Erlass zitierenden Schnellbriefs.
Zum Gedenken an den Erlass hat der Künstler Gunter Demnig in Kooperation mit dem Verein Rom e. V. am 16. Dezember 1992, dem 50. Jahrestag des Erlasses, einen Stolperstein vor dem historischen Kölner Rathaus in das Pflaster eingelassen. Auf dem Stein zu lesen sind die ersten Zeilen des den Erlass zitierenden Schnellbriefs.
Foto:© Raimond Spekking / CC BY-SA 3.0 DE

Der Völkermord an Sinti, Roma und anderen Fahrenden begann jedoch nicht erst mit den Depor-tationen nach Auschwitz. Bereits im Mai 1940 wurde eine große Zahl Sinti und Roma in das so genannte „Generalgouvernement“ deportiert. Unter diesen Menschen befanden sich auch zahl-reiche Familien, die zuvor lange in Gelsenkirchen gelebt hatten. Sie waren, um den Schikanen von Kriminalpolizei, städtischen Dienststellen und der SA in Gelsenkirchen zu entkommen, nach Köln gegangen und lebten dort in einem Lager in Köln-Bickendorf. Dieses Lager war bereits 1934 erbaut und im April 1935 fertiggestellt worden.

Zielsetzung des Terrorregimes war – wie auch in Gelsenkirchen bei Einrichtung der (Zwangs)-Lagerplätze bzw. Internierungslager an der Cranger Straße und dann der Reginenstraße – die konzentrierte, systematische Unterbringung und Überwachung dieser Bevölkerungsgruppe fernab des Stadtzentrums. Damit wollte das NS-Gewaltregime auch seine Stigmatisierung dieser Ethnie als „am äußersten Rand der Gesellschaft stehend“ hervorheben. Unter den Menschen, die aus dem Sammellager auf dem Gelände der Kölner Messe bereits im Mai 1940 nach Polen verschleppten worden sind, waren auch die Familien Rosina Lehmann, die Familie Rosenberg, das Paar Malla Müller und Josef Wernicke, die Familie Michael Wernicke und die Familie Johann Wernicke. Sie alle haben zuvor längere Zeit in Gelsenkirchen gelebt.

März 1943 – Deportation der Gelsenkirchener Sinti u. Lovara nach Auschwitz-Birkenau

Die Organisation und praktische Durchführung der Deportation der Gelsenkirchener „Zigeuner“ nach Auschwitz-Birkenau oblag der staatlichen Kriminalpolizei, und hier dann der Kriminalpolizeistelle Recklinghausen mit ihrer Kriminal-Inspektion III Gelsenkirchen. Zur Aus- und Durchführung wurden weitere Dienststellen der verschiedenen Verfolgungsbehörden hinzugezogen.

Deportation Gelsenkirchner Sinti und Roma nach Auschitz
Aufgrund des „Auschwitz-Erlasses“ wurden auch die noch in Gelsenkirchen lebenden deutschen Sinti und Lovara am 9. März 1943 auf dem Zwangs-Lagerplatz an der Reginenstraße im Zuge der anstehenden Deportation festgenommen und in das Polizeigefängnis Gelsenkirchen gebracht. In den Lagerbüchern von Auschwitz ist die Ankunft der aus Gelsenkirchen verschleppten Angehörigen der Minderheit am 13. März 1943 festgehalten. Sie wurden fast alle in Auschwitz-Birkenau ermordet, nur wenige der geschunden Menschen überlebten.

„Ich habe Angst, Auschwitz könnte nur schlafen“: Zitat von Ceija Stojka, Künstlerin und Schriftstellerin (1933 – 2013).

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Gelsenkirchen: 80 Jahre Riga-Deportation

2022 jährt sich die Deportation jüdischer Menschen von Gelsenkirchen nach Riga in Lettland, damals ein Teil des „Reichskommissariats Ostland“, zum 80. Mal. Am 27. Januar 1942 rollte der erste „Sammeltransport“ mit jüdischen Kindern, Frauen und Männern von Gelsenkirchen Richtung Osten. Bestimmungsort der Menschenfracht war das Ghetto Riga. Etwa 420 jüdische Menschen – davon rund 340 aus Gelsenkirchen – wurden zunächst in die zum temporären „Sammellager“ umfunktionierten Ausstellungshalle am Wilden- bruchplatz unter unmensch-lichen Bedingungen eingepfercht. Auch Juden aus umlie- genden Revierstädten wie bspw. Recklinghausen wurden eigens für diese Deportation nach Gelsenkirchen transportiert.

Auf dem Weg nach Riga wurden weitere Menschen an verschiedenen Haltepunkten – u.a. in Dortmund und Hannover – in den Zug gezwungen. Der Deportationszug der Deutschen Reichsbahn erreichte schließlich mit etwa 1000 Menschen am 1. Februar 1942 Riga in Lettland. Der überwiegende Teil der aus Gelsenkirchen und anderen Städten am 27. Januar verschleppten Juden wurden in der Folgezeit im Ghetto Riga oder in Konzentrationslagern ermordet. Zu den wenigen, die oftmals als Einzige ihrer Familien den Holocaust überlebt haben, gehört auch der im damaligen Horst-Emscher geborene Herman Neudorf.

Der in Gelsenkirchen-Horst geborene Herman Neudorf lebt heute in den USA

Der 96jährige Herman Neudorf, heute in den USA lebend, erinnert sich:

„Am 20. Dezember 1941 erhielten wir von der Gestapo, Staatspolizeistelle Gelsenkirchen, die erste Aufforderung: „Sie haben sich auf einen Transport zum Arbeitseinsatz nach dem Osten vorzubereiten. An Gepäck darf 10 Reichsmark mitgenommen werden. Die Fahrtkosten sind selbst zu entrichten“ – natürlich einfache Fahrt, eine Rückfahrt war ja nicht vorgesehen. Vorbereitungen wurden von Seiten der zur Deportation bestimmten jüdischen Einwohnern Gelsenkirchens getroffen. Medikamente, Winterkleidung, warme Decken und so weiter beschafft. Am 20. Januar 1942 kommt wieder ein Schreiben: „Sie haben sich zum Transport nach dem Osten in den nächsten drei Tagen bereitzuhalten.“ Nun war es also soweit.

An einem Januarmorgen um 10 Uhr morgens wurden wir dann von der Gestapo aus dem sogenannten „Judenhaus“ an der Markenstraße in Horst abgeholt und in einen Autobus verfrachtet, mit je einem Koffer. In Handumdrehen sammelte sich um den Bus eine Anzahl Schulkinder. Auf ihre neugierige Frage, wohin wir fahren, antwortete der Gestapo-Chauffeur: „Zur Erholung in ein Sanatorium.“ Am Wildenbruchplatz schliefen wir eine Nacht wie Tiere in Stroh am Boden. Frühmorgens am folgenden Tag wurden wir verladen. Es war der 27. Januar 1942. Aber diese Mörder wussten zu gut, wohin unsere Fahrt führen sollte. Hoher Schnee mit ca. 25 Grad Kälte. Ein Personenzug stand am Güterbahnhof Gelsenkirchen für uns bereit. Ungeheizt. Am Ende des Zuges wurden drei Wagen mit unseren Koffern, Verpflegung und Küchengeräten angehängt. Dann fuhren wir ab. Türen natürlich abgeschlossen. Vor Hannover erfuhren wir, daß die letzten Wagen angeblich „heißgelaufen“ waren und abgehängt werden mussten. Nun besaßen wir nur noch das, was wir am Leibe trugen. es war eine lange Fahrt durch Ostpreußen, Litauen, Lettland. Aborte verstopft, die Abteilwände mit einer Eisschicht überzogen.

Am 1. Februar erreichten wir unsere neue „Heimat“, der Transport hielt am Bahnhof Skirotava im südlichen Teil der Stadt Riga. Auf uns warteten schon SS-Leute in dicken Pelzmänteln. Sie trieben uns mit Schlägen, Beschimpfungen und Gebrüll aus dem Zug. Die Glieder waren noch starr vor Kälte. Zum Teil mit LKW oder zu Fuß ging es ab. Ungefähr drei Stunden Marsch. Lettische Wachen hüteten uns sorgfältig und rissen einigen gute Kleidungsstücke vom Leibe herunter. Ein mit Stacheldraht umgebener Stadtteil tauchte auf. Personen mit gelben „Judensternen“ konnte ich erkennen. Das war also das Rigaer Ghetto, das uns allen ewig in Erinnerung bleiben sollte. Oft wundert man sich selbst, dass man diese schrecklichen Jahre, die noch folgen sollten, überhaupt überleben konnte.“ Hermann Neudorf erlebte seine Befreiung im April 1945 auf einem Todesmarsch aus dem KZ Buchenwald in Richtung KZ Dachau. Lebensgeschichtlichen Erinnerungen von Herman Neudorf: Das war Riga…

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Gelsenkirchen: Stolperstein-Verlegungen abgesagt

Die ursprünglich für Freitag, 20. März 2020 in Gelsenkirchen geplanten Stolperstein-Veranstaltungen finden nicht statt. Die Stadtverwaltung hat alle Veranstaltungen in Gelsenkirchen bis auf weiteres untersagt, um so eine schnelle Ausbreitung des Corana-Virus entgegenzuwirken. Wir werden die Verlegeaktion zu einem späteren Zeitpunkt nachholen. Den neuen Termin werden wir rechtzeitig kommunizieren.

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Campinplatz-Betreiber empören mit rassistischer Aussage

Eging am See ist ein Luftkurort im niederbayerischen Landkreis Passau. Eigentlich ein beschauliches Fleckchen Erde, von dem wahrscheinlich die wenigsten bisher gehört haben. Wären da nicht die Betreiber des örtlichen Campingplatzes „Pullmann-Camping“, sorgten diese doch jüngst mit einer rassistischen Aussage für einen Shitstorm in sozialen Medien. Laut den Angaben auf der Internetseite von Pullmann-Camping wird der Platz von der Familie Stefan Schramm betrieben.

Handelsreisende, Schausteller, Sinti und Roma unerwünscht

Was war Geschehen? Einem Anfragenden wurde Folgendes mitgeteilt: „Wir weisen Sie darauf hin, das wir keine Handelsreisende, Schausteller sowie Mitglieder von Sinti und Roma auf unserem Campingplatz aufnehmen.“ Es kam, was kommen musste: eine Flut von negativen Google-Bewertungen für den Pullman-Campingplatz.

"Wir weisen Sie darauf hin, das wir keine Handelsreisende, Schausteller sowie Mitglieder von Sinti und Roma auf unserem Campingpkatz aufnehmen."
Eine der Google-Bewertungen: „Ich sehe in der Ausgrenzung der Minderheit durch Pullmann-Camping eine Kontinuitätslinie zur NS-„Rassenpolitik“, Fazit: Pullmann-Camping kann ich daher nicht empfehlen.“

Ein Großteil der negativen Bewertungen waren jedoch nach wenigen Stunden nicht mehr sichtbar, möglicherweise gelöscht. Eine Bewertung hingegen wurde nicht gelöscht, diese stammt augenscheinlich von einem AfD-Fan:

Pullmann-Camping: Rassisten bleiben lieber unter Ihresgleichen

Sinti und Roma gehören zu den vier anerkannten nationalen Minderheiten in Deutschland. Als solche stehen sie unter dem Schutz des Rahmenübereinkommens des Europarates zum Schutz nationaler Minderheiten, das 1998 in Deutschland in Kraft getreten ist. Sinti und Roma leben teils seit vielen hundert Jahren in Deutschland. Zugleich sind sie so stark von Ausgrenzung und Diskriminierung betroffen wie kaum eine andere Bevölkerungsgruppe. Davon zeugt auch der hier exemplarisch geschilderte Vorfall, so geschehen in Deutschland im Jahr 2019.

+ + + Update 18.01 Uhr: Mittlerweile beschäftigt sich auch SPIEGEL ONLINE mit der rassisitischen E-mail des Campingplatzbetreibers: (…) Der Fall bekam nun Aufmerksamkeit, weil Niema Movassat, Bundestagsabgeordneter der Linken, das Schreiben von Pullman Camping in Eging am See in den sozialen Medien weiterverbreitete. Er habe es bei einem Bekannten gesehen und als „äußerst krass und kaum vorstellbar im 21. Jahrhundert“ empfunden, sagt der 34-Jährige. Rassismus sei zwar ein verbreitetes Problem, werde aber selten so deutlich zur Schau getragen. „Dass ein Unternehmer so klar einem Kunden gegenüber äußert, dass Sinti und Roma nicht erwünscht sind, ist eine Dimension, die ich noch nicht erlebt habe.“ (…). Artikel lesen

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Bildende Kunst für die Erinnerung

Gelsenkirchen: Projektgruppe Stolpersteine bringt Gunter Demnigs Kunst in den öffentlichen Raum

Stolpersteine sind ein Kunstprojekt des Bildhauers Gunter Demnig für Europa. Seit 2009 werden die kleinen Denkmale von einer zivilgesellschaftlichen Initiative auch in Gelsenkirchen verlegt. „Die Stolpersteine sprechen mit uns, still, leise und unaufdringlich, 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr. Eine ihrer Botschaften lautet: Zur Mahnung an uns, jeder Missachtung des Lebens und der Würde des Menschen mutig und ohne Zögern entgegenzutreten.“ so lautet das einhellige Credo der Projektgruppe des Gelsenzentrum , einem gemeinnützigen Verein für regionale Kultur- und Zeitgeschichte in Gelsenkirchen.

Erinnern für die Zukunft

Flächenbündig in die Gehwege eingelassen sind Stolpersteine Erinnerungszeichen, die zusammengenommen ein außergewöhnliches, dezentrales Denkmal bilden. Es entsteht langsam, ist auf viele Orte und Länder Europas verteilt und fügt sich erst im Kopf des Betrachters zu einem Ganzen. Seit 2009 ist auch Gelsenkirchen Teil dieses weltweit größten dezentralen Denkmals. Die Stolpersteine markieren Erinnerungs- und Lernorte im öffentlichen Stadtraum. Sie werden genau dort verlegt, wo einst die Menschen wohnten, die in der Zeit der NS-Gewaltherrschaft diskriminiert, verfolgt, vertrieben, verschleppt oder ermordet wurden. „Meine Kunst liegt jedem zu Füßen“ sagt Bildhauer Gunter Demnig, „Dort, wo die Menschen ihren Lebensmittelpunkt hatten, ihr Zuhause, genau dort wird Vergangenheit mit Gegenwart konfrontiert.“ Der Gelsenkirchener Stolperstein-Projektleiter Andreas Jordan ist überzeugt: „Stolpersteine erinnern für die Zukunft, denn Niemand kann aus der Vergangenheit seines Volkes austreten.“

Bildhauer und Spurenleger Gunter Demnig bei der Verlegung von Stolpersteinen im Gelsenkirchenener Kreativ.Quartier Ückendorf im Mai 2019. Foto: Andreas Jordan, Gelsenzentrum e.V.

Demnigs Kunstprojekt ist weltweit anerkannt, in Gelsenkirchen jedoch tut man sich von Seiten der Stadtverwaltung und der Politik mit dieser Form der Erinnerung auch nach mehr als zehn Jahren Stolpersteinverlegungen in unserer Stadt noch immer schwer. Es wird wohl noch weitere Zeit ins Land gehen, bevor die Verantwortlichen auch in Gelsenkirchen akzeptieren, was Stolpersteine auch sind: Kunst im öffentlichen Raum, getragen von bürgerschaftlichem Engagement und eben nicht von „Oben“ verordnete „offizielle“ Erinnerungskultur. Peter Rose, Gelsenkirchener Kulturdezernent a. D. hat dazu einmal folgendes geschrieben: „Ich halte die Stolperstein-Idee wegen ihrer alltäglich gegenwärtigen dezenten Anstößigkeit zum Nachdenken als zivilgesellschaftliches Projekt für geeigneter als die offiziellen Gedenkstätten, an denen von Amts wegen gelegentlich „pflichtgemäß“ und repräsentativ das zeremonielle Abfeiern erfolgt.“

Menschen wie du und ich

Besonders für die jüngeren Generationen bieten Gunter Demnigs Stolpersteine eine ganz besondere Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit der NS-Gewaltherrschaft und der Erinnerung an Opfer nationalsozialistischer Verfolgung. Am Projekt beteiligte Schülerinnen und Schüler finden so einen ganz direkten Zugang zur lokalen NS-Geschichte. Die Beschäftigung mit einzelnen Personen oder Familien beispielsweise im Unterricht kann dazu beitragen, die abstrakte Zahl von mindestens dreizehn Millionen Ermordeten innerhalb der verschiedenen Verfolgtengruppen zu realisieren. Jeder einzelne Mensch hatte seine individuelle Lebens- und Leidenswege, viele waren in demselben Alter wie die Jugendlichen, die sich heute am Projekt Stolpersteine beteiligen. Für die Schülerinnen und Schüler handelt es sich durch die intensive Beschäftigung mit dem Thema im Rahmen des Projektes Stolpersteine nicht mehr um anonyme Opfer, sondern um Menschen wie du und ich.

Mitwirkende der Gelsenkirchener Projektgruppe Stolpersteine reflektieren den Verlegetag 2019 im Kunstmuseum Gelsenkirchen gemeinsam mit dem Urheber der Stolpersteine Gunter Demnig. V.l.n.r.: Andreas Jordan (Projektleiter), Gunter Demnig (Bildhauer), Heike Jordan (Aktivistin) und Juri Zemski (Kantor). Foto: Jesse Krauß
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Lebensspuren sichtbar machen – Stolperschwelle und 17 weitere Stolpersteine in Gelsenkirchen

Aufmerksam verfolgten Schülerinnen und Schüer der Klasse 7.2. der Gesamtschule Berger Feld am Donnerstag die Arbeit von Bildhauer und Spurenleger Gunter Demnig. Dichtgedrängt umringten die jungen Menschen die Verlegestellen im Kreativquartier Ückendorf. Die Jugendlichen haben jüngst die Patenschaft für einen Stolperstein für einen 15jährigen Schüler übernommen, der 1942 im deutschen Vernich-tungslager Auschwitz ermordet wurde. Dieser Stolperstein für Walter Hes wird im nächsten Jahr vor dem Grillo-Gymnasium verlegt.

Stolpersteinpatin Uta Meyhöfer ist eigens aus Norddeutschland nach Gelsenkirchen gekommen. Sie hat die mit der Übernahme von Patenschaften die zehn Stolper-steine finanziert, die nun an der Bergmannstraße an die Familien Heymann, Löwenstein und Windmann erinnern. Ihre eigene Familiengeschichte ist eng mit den ehemaligen jüdischen Bewohnern des Hauses verbunden: Ihre Mutter hat als Kind dort gewohnt, in einer der Wohnungen, aus dem zuvor die Juden vertreiben worden sind. Ihr Großvater hatte seinerzeit Möbel der jüdischen Menschen „übernommen“, eine Vitrine steht noch heute bei einem Familienmitglied in Norddeutschland.

Stolpersteinpatin Ingrid Remmers (MdB DIE LINKE) ließ es sich nicht nehmen, an der Verlegung „ihrer“ Stolpersteine in Erinnerung an Familie Buchthal an der Bochumer Straße teilzunehmen – sie hatte die Patenschaft und damit die Finanzierung dieser drei Stolpersteine übernommen. In ihrem Redebeitrag betonte Remmers, wie wichtig der Einsatz für unsere Demokratie ist: „Auch diese drei Stolpersteine sollen Erinnerung und Mahnung zugleich sein. Lasst uns auch zukünftig Menschen in ihrem Anderssein akzeptieren, lasst uns widerstehen bei Menschenrechts-verletzungen.“ Die Bundestagsabgeordnete bedankte sich persönlich bei Bildhauer Demnig für seine ausdauernde und hervorragende Erinnerungsarbeit.

Ihre Fortsetzung fand die Verlegung der kleinen Denkmale an der Hedwigstraße in Resse. Vor dem Emmaus-Hospiz erinnert nun ein Stolperstein an den jüdischen Arzt Dr. Samuel Hocs, der, bevor er von den Nazis vertreiben wurde, als Assistenzarzt am damaligen St. Hedwig-Hospital tätig war. Stolpersteinpatin Astrid Kramwinkel stellte mit bewegenden Worten die Fluchtgeschichte des jüdischen Arztes dar, die 1933 in Nazi-Deutschland ihren Anfang nahm. Sichtlich bewegt lauschten die Teilnehmenden der musikalischen Darstellung dieser Flucht, die junge Flötistin Maria Jarowaja improvisierte auf der Querflöte die Odysee von Dr. Hocs, die schließlich in Südamerika endete.

Die heutigen Bewohner des Hauses, in dem Dr. Caro mit Frau und Sohn vor der Flucht nach Holland lebte und praktizierte, erfuhren bisher ihnen unbekannte Details aus dem Leben der Arztfamilie. Die Caros konnten mit Hilfe der holländischen Widerstandsbewegung versteckt die Befreiung erleben. Dr. Caro kehrte nach Buer zurück und nahm seine Tätigkeit als Arzt in seinem Haus an der Buer-Gladbecker-Straße, das ihm die Nazis zuvor geraubt hatten, wieder auf. Eine ehemalige Patientien von der Caro, heute 94 Jagre alt, nahm ebenfalls an der kleinen Zeremonie teil, „Ich erinnere mich gut an Dr. Caro, er war mein Hausarzt“ erzählte uns die betagte Dame.

Die Kreispolizeibehörde Gelsenkirchen entsandte eine offiziellle Vertreterin, die an der Verlegung der ersten Stolperschwelle Gelsenkirchens vor dem Polizeipräsidium Buer teilnahm. Der Text auf der Stolperschwelle erinnert an die mehr als 40.000 Menschen aus Ländern West- und Osteuropas, die zwischen 1940-1945 zur Ableistung von Zwangsarbeit nach Gelsenkirchen verschleppt worden sind.

Gleichwohl macht die Stolperschwelle einen der Gelsenkirchener NS-Unrechtsorte wieder sichtbar, denn im Polizeipräsidium befand sich neben dem Dienstsitz der Gestapo und Kripo auch ein Polizeigefängnis, ein dunkler Ort. Waren im Polizei-gefängnis in den ersten Jahren nach der Machtübergabe vornehmlich Regimegegner inhaftiert, stieg die Zahl der Gefangenen in den letzten beiden Kriegsjahren um ein Vielfaches an, zumeist waren es nun Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die dort eingesperrt und gequält wurden. Für alle dort inhaftierten waren die Zellen im Polizei-gefängnis Buer ein Ort der Ungewissheit und Angst, des Hungers, der Folter und Schmer-zen, von dort begann für viele Zwangsarbeitende der Weg in einen gewaltsamen Tod.

Am 23. Mai 2019 hat Gelsenkirchen eine erste Stoperschwelle bekommen. Stolperschwellen sind eine Sonderform der Stolpersteine, sie werden von Bildhauer Gunter Demnig gestaltet und verlegt. Stolpersteine sind jeweils einem einzelnen Individuum gewidmet, Stolperschwellen erinnern an Opfergruppen und Unrechtsorten.
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Gelsenkirchen bekommt erste Stolperschwelle

Das Polizeigefängnis Buer war einer der NS-Unrechtsorte Gelsenkirchens. In den letzten beiden Kriegsjahren stieg die Zahl der dort vielfach zu unrecht Inhaftierten um ein Vielfaches an, zumeist waren es Zwangsarbeitende. Für sie alle waren die Zellen im Polizeigefängnis Gelsenkirchen-Buer ein Ort der Ungewissheit und Angst, des Hungers, der Folter und Schmerzen, für viele Menschen begann dort der Weg in den Tod.

Noch Ende März 1945 wurde vom Polizeigefängnis Buer eine Gruppe Zwangsarbeiter über die Goldbergstraße zum Westerholter Wald getrieben und dort von Gestapoangehörigen erschossen. An Unrecht und das Leid all dieser Menschen wird die Stolperschwelle erinnern, die wir am 23. Mai gemeinsam mit Bildhauer Gunter Demnig vor dem Polizeipräsidium Buer in den Boden einlassen.

Die Stolperschwelle wirkt bereits vor Verlegung

Natürlich sind der Stadtverwaltung Gelsenkirchen und auch der Kreispolizeibehörde Gelsenkirchen unsere Recherchen und vorbereitenden Aktivitäten hinsichtlich der Stol- perschwelle, die an den NS-Unrechtsort Polizeigefängnis Buer erinnern wird, nicht verborgen geblieben.

Bereits vor ihrer Verlegung wirkt die Stolperschwelle und gibt Impulse: Nicht zuletzt auf Basis unserer neuesten Forschungsergebnisse zu einem der Endphasenverbrechen des zweiten Weltkrieges in Gelsenkirchen ist der Text auf der Tafel an der alten Polizeiwache jüngst entsprechend überarbeitet und aktualisiert worden. Nun finden auch die im März 1945 im Westerholter Wald ermordeten Menschen im Tafeltext Erwähnung.

Zur Teilnahme an der Verlegung der Stolperschwelle am 23. Mai, 16.00 Uhr sind interessierte Bürgerinnen und Bürger herzlich eingeladen.


Rechtzeitig vor der Verlegung der Stolperschwelle wurde die neue Tafel
mit dem überarbeiteten Text angebracht
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