Gelsenkirchen: Weitere Stolpersteine für NS-Opfer

Stolpersteine sind kleine Denkmale für Menschen, die während der Zeit des Nationalsozialismus aus unterschiedlichen Gründen verfolgt wurden. Sie werden vor den ehemaligen Wohnhäusern verlegt, in denen die Menschen vor ihrer Flucht oder Verhaftung lebten. Damit erinnern sie individuell an das Schicksal der Verfolgten und werfen gleichzeitig Fragen nach Täter- und Mittäterschaft auf.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte

Auch wenn es in jüngerer Zeit in der Außenwirkung augenscheinlich etwas ruhiger um das Projekt Stolpersteine in Gelsenkirchen war – hinter den Kulissen haben wir fleißig gearbeitet: Die nächste Verlegung der kleinen Denkmale in Gelsenkirchen findet am Montag, den 6. März 2023 statt. An diesem Tag kommt Bildhauer Gunter Demnig einmal mehr nach Gelsenkirchen, gemeinsam wollen wir dann auf Wunsch von Stolperstein-Pat:innen an 10 Verlegeorten 32 neue Stolpersteine in das Pflaster Gelsenkirchener Gehwege einlassen.

+ + + Update 28.9.2022: Desweiteren wird Bildhauer Demnig fünf weitere Stolpersteine mitbringen, die wir dann im März selber an zwei Orten in Gelsenkirchen verlegen werden – an dem Tag wird Gunter Demnig dann nicht persönlich vor Ort sein.

Das Projekt der Stolpersteine beruht auf bürgerschaftlichem Engagement. Ein Stolperstein kann dann verlegt werden, wenn Einzelne oder Gruppen eine kostenpflichtige Patenschaft übernehmen. Neben Einzelpersonen, Firmen und Vereinen übernehmen auch Gelsenkirchener Schulen regelmäßig Patenschaften für neue Stolpersteine. Die Initiative, einen Stolperstein verlegen zu lassen, geht jedoch auch häufig von Angehörigen und Nachfahren der ehemaligen Gelsenkirchener Bürger:innen aus.

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September 1944: Letzte Deportation aus Gelsenkirchen

In „Mischehen“ zwischen Juden und „Ariern“ galt in der NS-Zeit für jüdische Ehepartner und Kinder längere Zeit ein spezieller „Schutz“. Weil die meisten von ihnen dem Holocaust entkamen, wurden sie lange nicht als verfolgte Gruppe wahrgenommen. So wurde auch Margarethe Meyer 1944 von der Gestapo verhaftet, weil sie Jüdin war und in „Mischehe“ lebte.

Gemeinsam mit 35 weiteren jüdischen oder wie die Nazis es nannten „jüdisch versippten“ Menschen in Gelsenkirchen wurde sie im Rahmen im Rahmen einer von Himmler angeordneten „Sonderaktion J“ am 19. September 1944 in den frühen Morgenstunden von der Gestapo in ihrer Wohnung verhaftet, zunächst in das Gelsenkirchener Polizeigefängnis gebracht und dann von dort nach Kassel deportiert. Endgültiger Zielort des Transportes war das Frauenlager Elben der ‚Organisation Todt‘ (OT) im Landkreis Wolfhagen bei Kassel, Deckname „Saphir“. Margarethe Meyers nichtjüdischer Ehemann Heinrich blieb allein zurück, er wurde im April 1945 vom „Volkssturm“ auf der Straße in Gelsenkirchen erschossen. Für das Ehepaar Meyer haben wir in 2022 Stolpersteine in Gelsenkirchen verlegt.

Gunter Demnigs Stolpersteine erinnern in Gelsenkirchen an das Ehepaar Meyer.

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Netto-Spendeninitiative 2022 gestartet

Schon gesehen? In den Netto-Filialen in Gelsenkirchen-Horst (Strundenstraße und Fischerstraße) kann ab dem 05.09 bis 03.12.2022 für unseren Verein Gelsenzentrum e.V. gespendet werden. Runde einfach den Betrag an der Kasse auf oder spende direkt am Leergutautomaten per Knopfdruck deinen Pfandbon.

Die an den folgenden Tagen eingegangen Spendengelder werden durch Netto für jeden Spendenpartner verdoppelt: Montag 19.09., Samstag 15.10. u. Freitag 04.11.

Ein kleiner Betrag für dich – eine große Hilfe für unseren Verein!

Mit seiner regionalen Spendenaktion „Bring dich ein für deinen Verein“ ermöglicht der Netto Marken-Discount seinen Kundinnen und Kunden Vereine aus ihrer Umgebung bei jedem Einkauf zu unterstützen. Insgesamt nehmen mehr als 1500 Vereine an der Netto-Spendenaktion teil. Im sechswöchigen Aktionszeitraum erhalten die ausgewählten Vereine die Kundenspenden der nächstgelegenen Filiale(n).

Die Kundinnen und Kunden von Netto-Marken Discount in Gelsenkirchen-Horst können im oben genannten Zeitraum auf zwei unterschiedliche Arten den GELSENZENTRUM e.V. unterstützen:
Aufrunden des Einkaufsbetrags um 1 bis 10 Cent an den Netto-Kassen und zeitgleich Spenden des Pfandbonwertes per Drücken des Spendenbuttons an den Netto-Leergutautomaten.
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Rathaus Buer: Stadt will Text der Erinnerungsortetafel aktualisieren

Jüngst hatten wir auf die damalige SA-Folterstätte im Rathaus Buer hingewiesen und die Errichtung eines entsprechenden Gedenk- und Erinnerungsortes angeregt. Auf der Sitzung der Bezirksvertretung Gelsenkirchen-Nord am 1. September 2022 im Rathaus Buer wurde den Lokalpolitiker*Innen vom Leiter des Instituts für Stadtgeschichte dieses dunles Kapitel der Gelsenkirchener Stadtgeschichte erläutert. Entsprechend bestürzt und betroffen zeigten sich die meisten Teilnehmer*innen der Sitzung. Die Stadt Gelsenkirchen will nun die bereits am Rathaus Buer angebrachte Infotafel entsprechend ergänzen und aktualisieren.

Die am Rathaus im Rahmen des Projektes „Erinnerungsorte“ angebrachte Tafel thematisiert die Existenz der Folterstätte bisher nicht, lediglich ein Satz streift die 12 Jahre währende Zeit des NS-Terrorregimes: „1933 zerstörten hier die Nationalsozialisten die kommunale Stadtverwaltung.“ Jetzt will die Stadtverwaltung Gelsenkirchen den Text überarbeiten und aktualisieren.
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Zimmer 71: Die NS-Folterstätte im Rathaus Buer

In Zeiten des Terrors, wenn es den Herrschenden darum geht, ein Klima von Bedrohung und Willkür zu erzeugen, sind perverse Gewalttäter wie beispielsweise Hugo König aus Gelsenkirchen-Buer gradezu gefragt: jener Typus, der zunächst in der SA (Sturmabteilung, Parteiarmee der NSDAP) eine Heimat fand, in deren Uniform er ungestraft politisch missliebige Mitbürger zusammenschlagen und quälen konnte.

Der verurteilte Haupttäter Hugo König aus Buer nennt im gegen ihn 1947 geführten Strafprozess wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit pp. die ‚offizielle‘ Bezeichnung der Gelsenkirchener Folterstätte während seiner „Tätigkeit“ dort : „Exekutivstelle der SA, Buer – Rathaus, Zimmer 71“ (SA-Sturmbann III u. IV). Wie uns das Institut für Stadtgeschichte Gelsenkirchen (ISG) jüngst auf Nachfrage mitteilte, befinden sich im Stadtarchiv keinerlei weitere Unterlagen bzw. Informationen zu dieser Folterstätte und den damit verbundenen Ereignissen im Zimmer 71.

Gleichwohl dürfte auch diese Folterstätte im Rathaus Buer seinerzeit in weiten Teilen der Bevölkerung bekannt gewesen sein, nicht zuletzt durch wieder entlassene Opfer, die über ihre ‚Behandlung‘ dort zwar nichts erzählen durften, es aber vermutlich trotzdem im Familien- und Freundeskreis taten. Auch die sichtbaren Verletzungen, die viele der zumeist willkürlich Verhafteten davontrugen, sprachen für sich. Gerade auf die Angst vieler Menschen vor Verfolgung, Inhaftierung und Misshandlung zielte die Strategie der Nationalsozialisten ab, die ihre Gegner und deren Familien und Freunde einschüchtern wollten, um die eigene herrschende Position weiter zu festigen und Widerstand zu beseitigen.

Die Bezirksvertretung Gelsenkirchen-Nord will die historischen Bedeutung der Folterstätte Zimmer 71 auf der nächsten Sitzung am 1. September 2022 erörtern. Hintergund ist die von uns angeregte Errichtung eines entsprechenden Erinnerungs- bzw. Lernortes.

Quelle Zeitungsartikel: Westfälische Rundschau vom 14. Juni 1947, in „Gelsenkirchen im Nationalsozialismus: Katalog zur Dauerausstellung der Dokumentationsstätte Gelsenkirchen (Schriftenreihe des Instituts für Stadtgeschichte (ISG) – Materialien, Bd.12), 1. Auflage, August 2017, S. 248“

Die Namen folgender, im Rathaus Gelsenkirchen-Buer im Jahr 1933 von SA und SS-Angehörigen im Zimmer 71 gequälten und misshandelten politisch Andersdenkenden und Regimegegner sind bekannt:

1. Fall Willi Ruschinski
Der Zeuge Ruschinski wurde im Sommer 1933 von der Gestapo mit einem Brief zum Zimmer 71 geschickt. Dort wurde er über einen Tisch geworfen und, nachdem man ihm einen Mantel über den Kopf geworfen hatte, von 5 Personen, unter denen sich der Angeschuldigte befand, bis zur Besinnungslosigeit mit Gummiknüppeln geschlagen.

2. Fall Gustav Wiechert
Der Zeuge Wiechert wurde am 23.11.1933 von drei SA-Männern aus seiner Wohnung geholt und zum Zimmer 71, von dort zum Polizeigefängnis gebracht. Hier wurde er von mehreren Personen über einen Tisch geworfen und so mit Gummiknüppeln zugerichtet, das er 14 Tage nur auf dem Bauch liegen konnte. Der Angeschuldigte hat sich an der Misshandlung beteiligt.

3. Fall Paul Fischer
Der Zeuge Fischer wurde am 3.11.1933 zu einer Vernehmung auf Zimmer 71 bestellt. Da er die Beschuldigungen abstritt, wurde er von mehreren Personen aber einen Tisch geworfen und mit Gummiknüppeln besinnnungslos geschlagen. Als er nach einem Wasserguss wieder zu sich kam, begann die Misshandlung in derselben Weise von neuem. Dar Angeschuldigte war daran massgeblich beteiligt.

4. Fall Rudolf Puls
Der Zeuge Puls wurde am 3.11.1933 von zwei SA-Männern festgenommen und zum Zimer 71 gebracht. Hier befanden sich etwa sechs Personen, darunter der Angeschuldigte. Da der Zeuge gegen seine Festnahne protestierte, wurde er wie in den Fällen 1-3 besinnungslos geschlagen.

5. Fall Hermann Drechsel
Der Zeuge Drechsel wurde Mitte Oktober 1933 von drei SA-Männern festgenommen und zum Zimmer 71 gebracht, wo er Angaben über kommunistische Funktionäre machen sollte. Da er sich weigerte, wurde er in Abständen zwei Stunden lang in der geschilderten Weise mit Totschlägern und Gummiküppeln misshandelt. Der Hauptbeteiligte war der Angeschuldigte.

6. Fall Franz Lech
Anfang Oktober 1933 drang der Angeschuldigte mit drei SA-Männern in die Wohnung des Zeugen Lech ein und durchsuchten sie nach Waffen und Schriften. Einer der SA-Männer versetzte dem Zeugen mit einem Gummiküppel vier Schläge über Kopf und Schulter.

7. Fall Gustav Siebert
Anfang Oktober 1933 durchsuchte der Angeschuldigte mit drei SS-Männern die Wohnung des Zeugen Siebert nach Schusswaffen. Hierbei wurde dieser von allen vieren mit Gummiknüppeln besinngslos geschlagen.

8. Fall Wilhelm Kolozeizick
Der Zeuge Kolozeizick wurde Ende Oktober 1933 aus seiner Wohnung geholt und zum Zimmer 71 gebracht. Da er keine Aussage machte, wurde er mit Gummiknüppeln bis zur Bewusstlosigkeit geschlagen An der Misshandlung hat sich der Angeschuldigte beteiligt.

9. Fall Johann Balzer
Nach dem Reichtagsbrand 1933 wurde der Zeuge Balzer von der Gestapo in Buer vernommen. Da er Fragen nicht beantwortete, wurde er von dem Angeschuldigten und zwei SA-Männern mit Gummiknüppeln niedergeschlagen.

10. Fall Eduard Schuler
Der Zeuge wurde Anfang Oktober 1933 aus seiner Wohnung geholt und zur Vernehmung zum Zimmer 71 gebracht. Als er keine Aussage machte, wurde er mit Gummiknüppeln geschlagen. Während der Misshandlung kam der Angeschuldigte ins Zimmer und beteiligte sich daran.

11. Fall Otto Hellwig Der Zeuge Hellwig wurde im März oder April 1934 von dem Angeschuldigten und mehreren SA-Männern aus dem Bett geholt und zur Vernehmung zum Hotel Würzburger Hofbräu* gebracht. Hier wurde er über einen Bock gelegt und mit Gummiknüppeln misshandelt. Der Angeschuldigte hat sich hierbei besonders hervorgetan.

Die vorstehende Auflistung der Fälle ist zu finden in: LAV NRW, Abt. Rheinland, Rep. 0105 Nr. 262 ./. Kaufmann Hugo König aus Gelsenkirchen-Buer wegen Misshandlung von Kommunisten, Aktenzeichen: 29 KLs 5/47
* Im Fall von Otto Hellwig weicht der Tatort ab, Hellwig wurde nach eigenen Angaben von der SA im Hotel Monopol, Springestraße in Gelsenkirchen-Buer (Würzburger Hofbräu) gefoltert.)
Vgl. auch: Website der Stolpersteine Gelsenkirchen, ‚Die Dabeigewesenenen‘: Hugo König
Abb.: Der gebürtige Gelsenkirchener Maler Karl Schwesig (*19. Juni 1898 in Braubauerschaft, heute Gelsenkirchen-Bismarck; † 11. Juni 1955 in Düsseldorf) war 1933 Terror und Folter durch die Düsseldorfer SA ausgesetzt. 1935/36 beendet er die Arbeit an einem Graphikzyklus, mit dem er festhält, was ihm und seinen Mitgefangenen im SA-Folterkeller an der Düsseldorfer Bismarckstraße („Schlegelkeller“) widerfahren ist. Nach Karl Schwesig ist eine Straße in Gelsenkirchen-Buer benannt. Bildzitat aus: Karl Schwesig, Schlegelkeller, Ausst.-Kat. Galerie Remmert und Barth, Düsseldorf 1983, S. 32 / © Nachlass Karl Schwesig
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80. Jahrestag der Deportation von Gelsenkirchen nach KZ Theresienstadt

Die Deportationsliste nennt 44 Namen von überwiegend alten bzw. kriegsversehrten jüdischen Menschen mit Lebensmittelpunkt in Gelsenkirchen, die am 31. Juli 1942 von Gelsenkirchen über Münster in das KZ Theresienstadt deportiert wurden. Von den aus Gelsenkirchen mit diesem Transport deportierten Menschen erlebten nur vier Personen ihre Befreiung.

Ein Deportationszug der Reichsbahn fuhr am 31. Juli 1942 ab Gelsenkirchen, Ziel: das KZ Theresienstadt. An den Haltepunkten in verschiedenen Städten wurden auf dem Weg weitere Menschen in den Zug gezwungen. Insgesamt befanden sich schließlich 901 Menschen jüdischer Herkunft in dem Transportzug XI/1, der am 1. August 1942 das KZ Theresienstadt erreichte. Von diesen 901 Menschen sind 835 umgekommen, viele starben bereits im KZ Theresienstadt in Folge der unmenschlichen Haftbedingungen. Die verbliebenen wurden mit Folgetransporten in die Vernichtungslager Treblinka, Auschwitz und Malý Trostinec verschleppt und dort ermordet. Mehr erfahren: http://www.gelsenzentrum.de/gelsenkirchen_theresienstadt_deportation.htm

An der Gewerkenstraße 68 in Gelsenkirchen erinnern Stolpersteine an das Ehepaar August und Rosa Kahn
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NS-Zeit: Folterstätte im Rathaus Buer 

Nach der Machtübertragung an Adolf Hitler und der Machtergreifung der Nazis entstanden in Deutschland frühe Folterstätten und Konzentrationslager. Eine solche Folterstätte wurde 1933 im Rathaus Gelsenkirchen-Buer eingerichtet.

Es war das berüchtigte Zimmer 71, von SS und SA zur Folterung und Erpressung von Geständnissen politischer Gegner genutzt. Ein kahles Zimmer mit einem Tisch, darauf eine Schreibmaschine, vor dem Tisch ein Prügelbock, und an der Wand hängend Gummischläuche aller Größen waren der Schauplatz unzähliger Quälereien. Ein nach dem Krieg angeklagter Täter sagte im gegen ihn geführten Prozess aus: „Die Prügelei ging am laufenden Band“ und „es wurde ziemlich fest geschlagen“.

Die Anklage legte ihm zur Last, im Jahre 1933 in mindestens 11 Fällen politische Gegner unmenschlich misshandelt und geschlagen zu haben. 11 Zeugen, die noch 1947 an den Folgen dieser Mißhandlungen litten, belasteten den Angeklagten erheblich. Der ehemalige SS-Mann wurde schließlich wegen schwerer Körperverletzung in 6 Fällen; §§ 223 und 223a StGB, in Verbindung mit Gesetz Nr. 10 des Alliierten Kontrollrates in Deutschland (Verbrechen gegen den Frieden oder die Menschlichkeit) zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.


Das Rathaus in Gelsenkirchen-Buer, um 1944. Im Gebäude befand sich ab 1933 eine NS-Folterstätte.

Folterstätte der Nazis nicht erinnerungswürdig?

Der Turm des Buerer Rathauses wird seit mehr als 15 Jahren alljährlich am 30. November anlässlich des Aktionstages „Cities for Life” nach Einbruch der Dämmerung in grünes Licht getaucht, ein weithin sichtbares Zeichen für den Respekt des Lebens und der Menschenwürde – gegen Todesstrafe und Folter. Die am Rathaus im Rahmen des Projektes „Erinnerungsorte“ angebrachte Tafel hingegen thematisiert die Existenz der Folterstätte nicht, lediglich ein Satz streift die 12 Jahre währende Zeit des NS-Terrorregimes: „1933 zerstörten hier die Nationalsozialisten die kommunale Stadtverwaltung.“ Es ist höchste Zeit, an diesen Gelsenkirchener Tatort von Naziverbrechen beispielsweise mit einer passend gestalteten Infotafel zu erinnern.

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Sozialwerk St. Georg: Gebäude in Gelsenkirchen nach Jürgen Sommerfeld benannt

Das Namensschild am ‚Neubau‘ wurde am Mittwoch feierlich enthüllt. Adrian van Eyk (Geschäftsführung Sozialwerk St. Georg) und Familie Sommerfeld.

Das Sozialwerk St. Georg an der Gelsenkirchener Emscherstr. hatte zur offiziellen, feierlichen Namensgebung eingeladen. Der bisher namenlose Werkstatt-Neubau trägt jetzt einen Namen: Manufaktur Jürgen Sommerfeld. Im Rahmen einer offiziellen Feier wurde am Mittwoch die Namenstafel am Werkstattgebäude enthüllt.

Jürgen Sommerfeld war ein Kind mit Behinderung aus Gelsenkirchen, das zur Zeit des Nationalsozialismus der Euthanasie zum Opfer gefallen ist. Jürgen Sommerfeld durfte nicht leben, ohne jeden moralischen Skrupel wurde der kleine Junge im Rahmen der so genannten „Kindereuthanasie“ vom NS-Gewaltregime ‚gestorben‘. Er war gerade zweieinhalb Jahre alt, als er als Kind mit Behinderung am 20. Juli 1943 in die so genannte „Kinderfachabteilung“ der Provinzialheilanstalt Aplerbeck in Dortmund aufgenommen wurde. Am 9. August 1943 ist das Kind tot, gestorben angeblich an „Kreislaufschwäche“, so steht es auf dem Totenschein.

Seit dem 11. Juni erinnert in Gelsenkirchen bereits ein Stolperstein an Jürgen Sommerfeld. Der als gemeinnützig anerkannte Gelsenkirchener Geschichtsverein Gelsenzentrum e.V .hatte sich im Vorfeld in Absprache mit Angehörigen der Familie Sommerfeld auf den Verlegort Emscherstr. 41 vor dem Sozialwerk St. Georg verständigt, da Jürgen Sommerfeld neben einem Stolperstein dort weitere ehrende Erinnerung erfahren sollte.

Schon seit 2016 plante das Sozialwerk St. Georg, den Neubau, in dem Menschen mit Schwerstmehrfachbehinderung arbeiten, stellvertretend nach einem Menschen zu benennen, der während des Nationalsozialismus der so genannten ‚Euthanasie‘ zum Opfer gefallen ist. So konnten wir im Frühjahr diesen Jahres dem Sozialwerk Jürgen Sommerfeld als Namensgeber vorschlagen und den Kontakt zu Angehörigen herstellen. Familie Sommerfeld war einverstanden, so stand der Namensgebung nichts im Weg. Der Gebäudename ‚Manufaktur Jürgen Sommerfeld‘ in Gelsenkirchen erinnert stellvertretend an alle Menschen mit Behinderungen, die während des Nationalsozialismus den staatlich angeordneten Patientenmorden („Euthanasie“) zum Opfer gefallen sind.

Heilerziehungspfleger Jan-Oliver Kolpatzik , Marcel Jähner und Christa Sommerfeld enthüllten am Mittwoch (29.6.) die Namenstafel am Werkstattgebäude. Marcel Jähner ist ein Mensch mit hohem Assistenzbedarf – er arbeitet in dem Werkstattgebäude, das in Gelsenkirchen nun an Jürgen Sommerfeld erinnert.

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Gelsenkirchen: Andreas Jordan – Botschafter Stolpersteine NRW

Etwa 15.000 Stolpersteine gibt es in NRW. Einer davon liegt in Gelsenkirchen und erinnert an das 1933 geborene Sinti-Mädchen Rosa Böhmer. Rosa ist 1942 von den Nazis ermordet worden. Die WDR-App „Stolpersteine NRW“ hilft, die Erinnerung an sie und ihre Familie aufrecht zu erhalten. Unterstützt wird die Botschafter*innen-Kampagne des WDR auch von Andreas Jordan, langjähriger Projektleiter der Stolperstein-Initiative in Gelsenkirchen.

Die neue, innovative App „Stolpersteine NRW – Gegen das Vergessen“ des WDR macht auch die derzeit mehr als 280 Schicksale hinter den Gelsenkirchener Stolpersteinen digital erlebbar. Die App ist für die beiden Plattformen iOS und Android kostenlos verfügbar und kann dann auf dem üblichen Weg über die so genannten “Stores” heruntergeladen werden. Eine Version für den Desktop-Browser ist ebenfalls nutzbar. Mehr über Rosa Böhmer und ihre Familie erfahren.

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Erinnerungskultur: Neue Stolpersteine werden verlegt

Bildhauer Gunter Demnig kommt am Samstag, 11. Juni 2022 nach Gelsenkirchen, um hier gemeinsam mit der Projektgruppe Stolpersteine des Gelsenzentrum e.V. ab 14.30 Uhr an mehreren Orten im Stadtgebiet weitere Stolpersteine zu verlegen. Damit werden Lebens- und Leidenswege von Menschen greifbar, die zwischen 1933-1945 aus rassistischen Motiven ermordet, ausgegrenzt oder vertrieben wurden. Demnigs Stolpersteine machen uns bewusst, wohin jede menschenverachtende rassistische Ideologie und Ausgrenzung führen kann.

Bei dem Projekt „Stolpersteine“ handelt es sich um ein Kunstprojekt für Europa von Bildhauer Gunter Demnig, das die Erinnerung an Opfer der Nationalsozialisten lebendig erhält. Dazu gehören Menschen, die in der NS-Zeit stigmatisiert,verfolgt, deportiert, ermordet oder in die Flucht bzw.den Suizid getrieben wurden. Stolpersteine sind 10 x 10 x 10 cm große Betonquader, in deren Oberläche eine Messingplatte verankert ist. Auf diese Oberfläche werden mit Schlagbuchstaben die Namen und Daten von Menschen eingeprägt, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und zumeist ermordet wurden.

Das Besondere an diesem Projekt ist, dass diese kleinen Erinnerungsmale genau an den Orten verlegt werden, an denen die Menschen vor ihrer Flucht oder Verhaftung freiwillig lebten. Damit wird individuell an Verfolgte erinnert, doch es werden gleichwohl auch Fragen nach der Täter- und Mittäterschaft aufgeworfen, indem der Ausgangspunkt der nationalsozialistischen Verfolgung an den ehemaligen Wohnorten deutlich markiert wird. Wer künftige Stolperstein-Verlegungen finanziell unterstützen möchte, kann an das Konto „Stolpersteine Gelsenkirchen“ bei der Sparkasse Gelsenkirchen mit der IBAN DE79 4205 0001 0132 0159 27 spenden. Der Verwendungszweck ist „Spende Stolpersteine“.

Geplante Verlegereihenfolge Samstag, 11. Juni:

14.30 Uhr, Norman C. Cowley, Mühlenstr. 5-9
15.15 Uhr, Jürgen Sommerfeld, Emscherstr. 41
16.00 Uhr, Lore Grüneberg, Hauptstr. 16
16.30 Uhr, Ehepaar Schlossstein, Gildenstr. 7
17.00 Uhr, Dr. Alfred Alsberg, Bahnhofstr. 55-65
17.30 Uhr, Ida Reifenberg, Von-Der-Recke-Str. 11
17.45 Uhr, Familie Leibisch Grün, Husemannstr. 39

Gemeinschaftsverlegung Dienstag, 14. Juni:

10.00 Uhr, Vera Polyakova, Dessauerstr. 72
10.40 Uhr, Ehepaar Meyer, Florastr. 166

(Wir bitten Teilnehmende, ein Zeitfenster von +/- 20 Minuten zu den genannten Uhrzeiten einzuplanen. Es gelten bei den kleinen Verlegezeremonien die jeweils aktuellen Corona-Richtlinien.)

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