Endlich Mahnmal

Nach jahrelangen Verzögerungen kam es in Berlin endlich zum Baubeginn des Mahnmals für die von den Nazis verfolgten und ermordeten Sinti und Roma. Die unweit vom Reichstagsgelände und vom Mahnmal für die ermordeten Juden gelegene Gedenkstätte soll im Sommer 2009 fertiggestellt sein.

Quelle: antifa – Magazin der VVN/BdA Jan./Feb. 2009

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Annuntio vobis gaudium magnum oder der feine Herr Ratzinger

Erst waren wir alle Papst – sind wir jetzt alle Holocaustleugner?

Ja ja, der feine Herr Ratzinger. Er hat sich ja ganz schön hochgearbeitet, der Herr Ratziger aus Bayern. Zuerst war er Bischof, dann Leiter der Glaubenskongregation. Die Glaubenskongregation hat die Aufgabe, die Glaubens- und Sittenlehre in der ganze katholischen Kirche zu fördern und zu schützen. Das ist fast so wie die Einhaltung der Schulordnung. Und der Herr Ratzinger hat Abweichler, die nicht der reinen Lehrer der einzig wahren Kirche verpflichtet waren, gerichtet, verfolgt und angeprangert. Das ist so, als wenn euer Lehrer die Störer und Zwischenrufer dazu verdonnert, in der großen Pause im Klassenzimmer zu bleiben. Ist ja auch wichtig, denn eine Kirche kann ja nur funktionieren, wenn man ein paar einfache Regeln aufstellt und Unzucht schon im Keim erstickt. Hört sich komisch an, ist aber so.

Ja, und dann ist der feine Herr Ratzinger irgendwann mal Papst geworden. Das war schon ein tolles Ereignis, habt Ihr bestimmt auch im Fernsehen gesehen. Die ganze Welt saß gespannt vor dem Fernseher oder lungerte auf dem Petersplatz ‘rum, bis endlich weißer Rauch aus dem Kamin kam. Der Petersplatz ist wie ein großer Schulhof und liegt in Rom. Die Schule dort heißt „Vatikan“. Da wohnt er, der Herr Ratzinger. Und am nächsten Morgen konnten unsere Eltern in der Zeitung lesen: “Wir sind Papst”.

Ihr seit also garnicht Papst, sondern nur die, die schon Zeitung lesen können. Und deshalb seit ihr auch keine Holocaustleugner. Da habt Ihr aber nochmal Glück gehabt, denn das Leugnen des Holocaust ist in Deutschland verboten. Die Freude war riesengroß, dass so ein großer Gelehrter mit einer so großen Mütze aus Deutschland zum Vertreter Gottes auf Erden gewählt wurde. Gott hat allerdings niemand gefragt, ob er sich vom dem feinen Herrn Ratzinger vertreten lassen will.

So verbrachte der feine Herr Ratzinger die letzten Jahre damit, in Universitäten Aufsätze vorzulesen und andere Religionen zu diskreditieren, Homosexualität als Werk des Teufels zu bezeichnen, welche Gottes Werk zerstört sowie Menschen in armen Ländern dazu zu animieren, HIV in ihr Land und in den Rest der Welt zu tragen. Das braucht Ihr jetzt noch nicht zu verstehen, haben eure Eltern auch nicht alle verstanden. Das scheint er, der feine Herr Ratzinger, 2006 wohl zum Teil zurückgenommen zu haben. Hört sich auch komisch an, ist aber so.

Der feine Herr Ratzinger hat nun einige Bischöfe wieder in die Kirche aufgenommen. Feine Herren wie der feine Herr Ratzinger. Nur das diese feinen Herren u.a. den Holocaust leugnen. Oder denen der heutige Vatikan viel zu modern ist. Und deshalb regen sich die Leute jetzt auf. Nicht alle, aber sehr sehr viele.

Und was sagt der feine Herr Ratzinger dazu, das jetzt so viele Menschen auf ihn sauer sind? Nix, denn er hat ja alles richtig gemacht. Sagt er, der feine Herr Ratzinger. Und entschuldigen will er sich auch nicht. Hört sich komisch an, ist aber so.

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Vom Ursprung deutschen Reichtums

Kriegsgeschäfte der deutschen Unternehmerfamilie Schaeffler aus den frühen 1940er Jahren sorgen für Debatten im südlichen Polen

Die Gründer der Firma, die sich derzeit um staatliche Milliardenbürgschaften bemüht, begannen ihre unternehmerischen Aktivitäten entgegen offiziellen Angaben nicht erst 1946. Vielmehr nutzten sie für ihren Nachkriegs-Start Know-How und Gerät einer ehemals jüdischen Fabrik in Kietrz nahe der polnisch-tschechischen Grenze, die sie sich bald nach Kriegsbeginn angeeignet hatten. Der kurzerhand in „Schaeffler AG“ umbenannte Betrieb stellte bis 1944 Textilien und Panzerteile für die Wehrmacht her; Maschinen und Fachpersonal wurden Anfang 1945 in den Westen verbracht und ermöglichten der Schaeffler-Firmengruppe ihren schnellen Aufstieg. Hinweise von Historikern führen zu Geschäftsbeziehungen der Unternehmensgründer mit der Abteilung Menschenverwertung im Vernichtungslager Auschwitz.

Mehr: www.german-foreign-policy.com

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Gelsenkirchen zeigt Gesicht

Gelsenkirchener Gesichter

Am Anfang war die Couch – Der Betreiber des Internetforums „Gelsenkirchener Geschichten“, Heinz Niski, hatte die Idee, auf einem alten Sofa Gelsenkirchener Bürgerinnen und Bürger zu plazieren, die Menschen zu fotografieren und die daraus resultierenden Bilder künstlerisch zu verfremden. Mit reger Beteiligung der Forumsmitglieder entstand so die Fotoausstellung „Gelsenkirchen zeigt Gesicht.

Die Ausstellung in der Gelsenkirchener Flora ist ein großer Erfolg, die überregionale Beachtung findet. Die Austellung läuft noch bis zum 22. Februar 2009.

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Geschenk für Rechtsradikale

AUF EIN WORT – Von Rolf Potthoff

Die Aufhebung der Exkommunikation des Holocaust-Leugners Bischof Richard Williamson durch den Papst war ein unbegreiflicher Fehler. Das hat das Oberhaupt der katholischen Kirche erkannt; der Vatikan distanziert sich ein ums andere Mal mehr von Williamsons Lügen. Doch die Dinge sind außer Kontrolle. Das belegt die Williamson-ähnliche Verdrehung geschichtlicher Tatsachen durch einen an sich unbedeutenden Priester. Allerdings gehört dieser ebenfalls zur Pius-Bruderschaft wie Williamson auch.

Unermeßlicher Schaden

Damit drängt sich erstens die Frage auf: Was geistert da durch diese Gemeinschaft, an deren Nähe dem Papst offenbar doch viel liegt? Ist in dieser Gemeinschaft Geschichtsleugnung weiter verbreitet, trotz aller Zurückweisunsgversuche?

Vor allem aber zählt das: Die distanzierte, aber eben doch Duldung solcher Glaubensvertreter durch den Vatikan verursacht einen unermesslichen Schaden. Einen besseren Leumund als quasi den kirchlichen Segen für die Leugnung des Gaskammer-Völkermords kann sich kein Hitler-Verehrer, kein Alt- und Neu-Nazi erträumen.

Darf sich, wer die Leugnung des Holocausts als Straftatbestand in Deutschland bekämpft, jetzt auf die Kirche berufen? Die Sache ist ein Geschenk für Rechtsextremisten.

Quelle: WAZ, 30.01.2009.

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Gedenkfeier-Boykott

„Wir wollen wenigstens in der VIP-Lounge sitzen“

Der Zentralrat der Juden boykottiert die Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus im Bundestag – weil er sich missachtet fühlt. Der Protest ist richtig, die Begründung lächerlich: Ein offener Brief von Henryk M. Broder an Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland, Stephan J. Kramer.

Lieber Stephan,

ich sitze gerade bei Sprüngli in Zürich und lese auf SPIEGEL ONLINE, dass kein Vertreter des Zentralrates der Juden an der diesjährigen Gedenkfeier zu Ehren der Holocaustopfer teilgenommen hat. Das ist endlich einmal eine gute Nachricht aus der deutschen Sektion der „Weisen von Zion“, nachdem man in den letzten Wochen und Monaten den Eindruck gewinnen konnte, dass bei Euch nicht immer sehr weise überlegt und gehandelt, sondern nur hektisch und kopflos reagiert wurde.

Weiterlesen auf: SPIEGELOnline

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Bedrohtes Gedenken

Internationaler Holocaust-Gedenktag 27. Januar 2009

BERLIN/ZOSSEN – Das heutige internationale Gedenken an die Opfer der Shoah wird von einer erneuten Zunahme rechtsextremer Gewalt in Deutschland überschattet. Jüngsten Angaben zufolge ist die Zahl rechtsextrem motivierter Straftaten im Jahr 2008 auf ein Rekordhoch gestiegen; sie beläuft sich auf mehr als 50 Delikte am Tag. Umfangreiche Waffenfunde bei Hausdurchsuchungen in der vergangenen Woche belegen das Gewaltpotenzial neonazistischer Organisationen. Gleichzeitig erheben Kritiker schwerwiegende Vorwürfe gegen staatliche Stellen. Demnach verharmlose die Bundesregierung mit fehlerhaften Angaben die tödlichen Konsequenzen rechter Gewalt; Polizeibehörden sabotierten Maßnahmen gegen neonazistische Täter. Diese attackieren mittlerweile auch öffentliches Gedenken an die Opfer der Shoah. Am Wochenende störten Rechtsextreme in Waren an der Müritz (Mecklenburg-Vorpommern) eine Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus. Für den heutigen Dienstag kündigen Neonazis einen Aufmarsch in Zossen (Brandenburg) an – zeitgleich zum dortigen Gedenken an die NS-Opfer. Auch für Berlin wurde ein Aufmarsch angestrebt.

Mehr: http://www.german-foreign-policy.com

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Ehemaliges HJ-Mitglied Joseph Ratzinger und der Holocaust-Leugner

Der Sündenfall des Papstes-Benedikt XVI. lässt einen Holocaust-Leugner wieder Bischof werden-ein beschämendes Signal

Vor genau 50 Jahren ging ein Ruck durch die katholische Kirche: Johannes XXIII. kündigte ein Konzil an. Es sollte als Zweites Vatikanisches Konzil Geschichte machen.

Papst und Kirche öffneten ihre Tore zur modernen Welt. Sie bekannten sich zur Religionsfreiheit und zum Gespräch mit anderen Glaubensgemeinschaften und Religionen. Die Priester wandten sich bei der Messe dem Volk zu und redeten, statt auf Lateinisch, in dessen Sprachen. Sehr viele Katholiken fühlen sich heute in ihrer Kirche heimisch, weil diese vom offenen Geist und weiten Herzen des Konzils geprägt ist.

Nun fährt wieder ein Ruck durch die Kirche, doch es ist ein Ruck zurück. Benedikt XVI., einst reformfreudiger Konzils-Theologe, geht weit auf die Anhänger des verstorbenen Kirchenspalters Marcel Lefebvre zu. Er tut dies, obwohl die Lefebvristen den Geist des Konzils verneinen und die Kirchengeschichte um hundert Jahre zurückspulen wollen.

Benedikt hebt dennoch die Ex-Kommunikation von vier erztraditionalistischen Bischöfen auf und sichert ihnen „väterliche Barmherzigkeit“ zu. Einer der heimkehrenden Hirten verharmlost seit Jahren den Holocaust und leugnet die Gaskammern, zuletzt bei einem Besuch in Bayern vor wenigen Wochen. Gegen ihn ermittelt inzwischen die Justiz. Aber das schert den Heiligen Stuhl nicht.

Die Aussöhnung des Papstes mit einem widerwärtigen Antisemiten ist bestürzend. Benedikt beruft sich darauf, die Tiraden des Bischofs hätten nichts mit dessen Kirchenausschluss vor mehr als 20 Jahren zu tun. Dabei verkennt der Papst, dass das Oberhaupt von mehr als einer Milliarde Katholiken nicht im luftleeren Raum der Dogmen und des Kirchenrechts operiert. Mit der Rehabilitierung des Bischofs sabotiert Benedikt XVI. vielmehr den christlich-jüdischen Dialog und bestätigt diejenigen, die sein Pontifikat zum Teil hart kritisieren.

Doch auch ohne den Holocaust-Leugner wäre die Versöhnung mit den Lefebvristen ein falscher Schritt. Gewiss muss dem Papst an der Einheit der Kirche gelegen sein. Doch was Benedikt XVI. am rechten Rand zurückgewinnt, könnte er in der Mitte verlieren. Viele Katholiken sehen es als Aufgabe ihrer Kirche, sich mit Andersgläubigen für eine menschenwürdige Welt einzusetzen. Sie wünschen, dass ihr Pontifex Brücken baut, etwa zu den reformierten Kirchen und zum Judentum. Doch hierbei lässt Benedikt oft den Großmut vermissen, mit dem er nun Reaktionäre umarmt.

Die Päpste seit Johannes XXIII. haben viel getan, ihrer Kirche Härte und Hochmut auszutreiben und sie mit der Moderne zu versöhnen. Johannes Paul II., einem konservativen Mann, war besonders an der Versöhnung mit dem Judentum und am Gespräch der Religionen gelegen. Seine Friedensgebete in Assisi belegen dies ebenso wie sein Auftritt an der Klagemauer in Jerusalem. Nun wirkt es, als wollte Benedikt XVI. diesen Kurs korrigieren. Sein Zugehen auf die Erztraditionalisten ist ein Sündenfall.

Ein Kommentar von Stefan Ulrich in der SZ vom 26.01.2009/cag

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VirtualVoices: Gedenktafel für Angehörige der Familie Haase

Gedenktafel auf dem alten Jüdischen Friedhof in Gelsenkirchen

Bernd Haase, Überlebender des Holocaust, wollte eine neue Steintafel für den Grabstein Haase anbringen lassen, da die Inschriften mit den Jahren verwittert sind und die Opfer der Shoa aus der Familie Haase bisher nicht auf dem Grabstein verzeichnet waren. Dieses Vorhaben konnte in Gelsenkirchen allerdings nicht realisiert werden.

VirtualVoices by GELSENZENTRUM – Gedenktafel für Angehörige der Familie Haase

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Gedenken/Sichronot – wozu?

Gedenken/Sichronot – wozu? Mit Anna Adam und Jalda Rebling

Seit vielen Jahren gedenken jüdische und nichtjüdische Deutsche der Shoah und suchen nach einem Weg, mit diesem nicht überwindbaren Riss in der deutschen und europäischen Geschichte umzugehen. Jalda Rebling und Anna Adam werden anlässlich des Holocaust-Gedenktags am 27. Januar in Dorsten sowohl Elemente der jüdischen Liturgie, die mit Erinnern und Gedenken verbunden sind, vorstellen als auch einen Einblick in zeitgenössische jüdische Perspektiven bieten. Die Objekte und Installationen von Anna Adam regen immer zur Diskussion an, auch durch ihre Ironie. Die beiden Künstlerinnen werden sich bei einer anschließenden Diskussion den Fragen, die das Publikum zu ihren Arbeiten und ihren Selbstverständnissen hat, stellen.

Jalda Rebling ist Kantorin und Schauspielerin – eine welterfahrene Spezialistin für jüdische Musik vom Mittelalter bis zur Moderne, die von Ort zu Ort wandernd jüdisches Wissen verbreitet. – Anna Adam ist bildende Künstlerin, Diplompädagogin und Ausstellungsmacherin.
– in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Dorsten –

Wann: Dienstag, 27. Januar 2009, 18.00 Uh

Wo: Jüdisches Museum Westfalen, Julius-Ambrunn-Str.1, Dorsten-Zentrum

Eintritt: 5 €

Quelle: JÜDISCHES MUSEUM WESTFALEN
Postfach 100 622
46256 Dorsten
www.jmw-dorsten.de

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