Feierstunde: Rolf Abrahamsohn ausgezeichnet

Marler wird „Vestischer Ehrenbürger“

Landrat Cay Süberkrüb überreichte gestern im Kreishaus Recklinghausen die Verleihungsurkunde an Rolf Abrahamsohn. „Zur öffentlichen Anerkennung und Ehrung ihrer langjährigen Verdienste zum Wohle und Ansehen des Kreises Recklinghausen verleihen wir Ihnen die Auszeichnung „Vestischer Ehrenbürger“ sagte  der Landrat, als er die Urkunde  an Rolf Abrahamson übergab. Stehend applaudierten die geladen Gäste dem 86jährigen aus Marl, der als einzigster seiner Familie den Holocaust überlebte.

Rolf Abrahamsohn wird Vestischer Ehrenbürger

Die Laudatio auf Rolf Abrahamsohn hielt Sr. Johanna – Ruth Eichmann, eine enge Freundin von Rolf Abrahamsohn. Sie fand warme und bewegende Worte, die den alten Herren sichtlich berührten. In seiner Dankesrede betonte Rolf Abrahmsohn, wie sehr es ihn sein Leben lang schmerzt, dass er den Kindern, die mit ihm  im KZ waren, damals nicht hat helfen können. „G’tt hatte wohl damals Urlaub, sonst wäre all das Morden und Verbrennen nicht geschehen“ sagte Abrahmsohn mit dem ihm so eigenen Humor, und weiter:  „Das alles, was ich erlebt habe , kann man nur erzählen mit etwas Humor  – sonst wird man verrückt“.

Rolf Abrahamsohn hält seine Dankesrede im Kreishaus Recklinghausen

Eigentlich wollte Rolf Abrahamsohn nach seiner Befreiung nach Palästina gehen. Als er jedoch erfuhr, dass er unter Umständen von den Engländern auf Zypern interniert werden könnte, entschied er sich, in Deutschland zu bleiben. „Die Jahre im KZ und im Arbeitslager waren doch genug, nie wieder wollte ich eingesperrt sein, und so blieb ich in Marl “ sagt Abrahamsohn nachdenklich. Man spürt, dass er seinen damaligen Entschluss zu bleiben, auch schon so manches mal bereut hat.

Rolf Abrahamsohn spricht im Gauß-Gymnasium Gelsenkirchen

Video: „Alles weiß Ich noch… und das ist das Schlimme daran“

Fotos Heike Jordan, Gelsenzentrum e.V.

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Wider dem Vergessen

20. – 27. Januar 2012 – Woche der Erinnerung – Gelsenkirchener Lichter

70. Jahrestag der „Wannsee-Konferenz“ – Auf der „Wannseekonferenz“ vom 20. Januar 1942 kamen 15 hohe Vertreter von NS-Verfolgungsbehörden und Parteidienststellen zusammen, um den bereits begonnenen Holocaust an den Juden im Detail zu planen und zu organisieren. Unter den Teilnehmern war auch der Gauleiter von Westfalen-Nord und Reichsstatthalter Dr. Alfred Meyer, der in Gelsenkirchen als Repräsentant des NS-Regimes äußerst aktiv war. Als Stellvertreter des Reichsministers Alfred Rosenberg war Meyer vom Sommer 1941 bis November 1942 verantwortlich für die drei Hauptabteilungen Politik, Verwaltung und Wirtschaft. In dieser Eigenschaft beteiligte er sich an der Ausbeutung und Plünderung der besetzten sowjetischen Gebiete, der Unterdrückung und Ermordung ihrer Bewohner, besonders der jüdischen Bevölkerung. Auf der Wannsee-Konferenz forderte Meyer, „gewisse vorbereitende Arbeiten“ jeweils an Ort und Stelle durchzuführen, ohne jedoch die Bevölkerung zu beunruhigen. In einem Schreiben von Juli 1942, schlug er vor, in der Sowjetunion gegen „jüdische Mischlinge“ dieselben Maßnahmen wie gegen Juden zu treffen.

Am 27. Januar, der in vielen Ländern Europas vor dem Hintergrund der Befreiung des KZ Auschwitz als Internationaler Holocaust-Gedenktag zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus begangen wird, jährt sich zum 70. Male das Datum des ersten und größten Deportationstransportes von Menschen jüdischer Herkunft aus Gelsenkirchen in das Ghetto Riga.

Anlässlich dieser zeithistorischen Ereignisse zeigt Gelsenzentrum e.V. im Kulturzentrum „die flora“ in Gelsenkirchen im Rahmen der „Woche der Erinnerung“ die Filme:

Nacht und Nebel

Als Mahnmal gegen das Vergessen entstand 1955, 10 Jahre nach der Auflösung der Konzentrationslager, unter der Regie von Alain Resnais der Film „Nacht und Nebel“. Er nimmt seinen Ausgang in den grün überwucherten Ruinen von Auschwitz und zeigt dann in einem Rückblick das Geschehen in den Todeslagern, die gnadenlose menschenverachtende Präzision der „Endlösung“. Dabei verbinden sich einprägsame Bilder mit der Musik Hanns Eislers und der künstlerischen Ausdruckskraft der Schriftsteller Jean Cayrol und Paul Celan (für die deutsche Bearbeitung), die beide den Holocaust überlebten, zu einem Dokument von erbarmungsloser Eindringlichkeit. Diese Qualität und sein Stellenwert als Warnung vor kollektiver Entmenschlichung im Zuge ideologischer Verblendung und politischer Diktatur verleihen dem Film eine zeitlose Aktualität. Regie Alain Resnais, Frankreich 1955 (32 Min.) Deutsche Fassung. FSK: 12 Jahre

Einführung (Vortrag): Hartmut Hering

19. Januar 2012 ab 19:00 Uhr im Kulturzentrum „die flora“ in Gelsenkirchen, Florastraße 28. Der Eintritt ist frei – Um eine Spende für das Projekt Stolpersteine in Gelsenkirchen wird gebeten.

„Alles weiß ich noch… und das ist das Schlimme an der Geschichte“

Der 86-jährige Rolf Abrahamsohn aus Marl ist einer der wenigen Überlebenden des Holocaust, der noch aus eigenem Erleben von seinen Gewalterfahrungen unter dem Terrorregime der Nazis berichten kann. Was Rolf Abrahamsohn erzählt, ist spannend, ist aufregend, ist unglaublich – und leider wahr. Sichtlich zerrt die Erinnerung an seinen Kräften, wenn er von den Erlebnissen in der so genannten „Reichskristallnacht“ berichtet oder von der Deportation am 27. Januar 1942 aus dem „Judensammellager“ auf dem Gelsenkirchener Wildenbruchplatz in das Ghetto Riga. Als er vom gewaltsamen Tod seiner Mutter spricht, versagt dem alten Mann beinahe die Stimme. Abrahamsohn berichtet von seinem Leidensweg, der in die Konzentrationslager Kaiserwald, Stutthof und Buchenwald, in ein Außenlager von Buchenwald beim Bochumer Verein und weiter nach Theresienstadt führte, wo er schließlich befreit wurde. In Marl baute sich Rolf Abrahamsohn, dem am 17. November 2011 in Recklinghausen die Auszeichnung „Vestischer Ehrenbürger“ verliehen wurde, nach seiner Rückkehr ein neues Leben auf. Videomitschnitt eines zeitzeugenschaftlichen Vortrages von Rolf Abrahamsohn am 27. Januar 2011 im Gauß-Gymnasium Gelsenkirchen. Eine Aufzeichnung von Jesse Krauß. (53 Min.)

26. Januar 2012 ab 19:00 Uhr im Kulturzentrum „die flora“ in Gelsenkirchen, Florastraße 28. Der Eintritt ist frei – Um eine Spende für das Projekt Stolpersteine in Gelsenkirchen wird gebeten.

Gelsenzentrum – Gemeinnütziger Verein für regionale Kultur- und Zeitgeschichte Gelsenkirchen bereitet derzeit neben den „Gelsenkirchener Lichtern“, die im kommenden Jahr am 27. Januar wieder in der Gelsenkirchener Innenstadt auf dem Neumarkt entzündet werden sollen, weitere Aktionen zum aktiven Gedenken in der „Woche der Erinnerung“ vor.

Vertreter interessierter Organisationen, Schulen, Vereine oder Verbände sind herzlich zum aktiven Mitmachen und Mitgestalten der „Woche der Erinnerung“ aufgerufen. Infos per Email bei Gelsenzentrum e.V. – Verein für regionale Kultur- und Zeitgeschichte Gelsenkirchen oder unter Telefon 0209 9994676.

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NS-Zeit: Juden im Umfeld des FC Schalke 04

Stolpersteine in Gelsenkirchen – Gegen das Vergessen

Den jüdischen Förderern, Funktionären und Spielern des FC Schalke 04, die in der NS-Zeit zu Opfern des Terrorregimes geworden sind, sollen Stolpersteine gewidmet werden. Die ersten Gedenksteine werden im Herbst 2012 verlegt.

Die Projektgruppe Stolpersteine hat Ende Januar 2011 beim Verein angefragt, ob man dort die Patenschaften für Stolpersteine übernehmen will, die den jüdischen Förderern, Funktionären und Spielern des FC Schalke 04 gewidmet werden, die in der NS-Zeit zu Opfern des Terrorregimes geworden sind. Ein erstes Gespräch zwischen der Geschäftsführung des Vereins und der Projektleiterin der Stolpersteine Gelsenkirchen fand im Juni statt. Eine abschließende Antwort des Vereins steht derzeit aber noch aus.

Als der DFB (Deutscher Fußball Bund) im April 1933 den Ausschluss von Juden als Trainer und Funktionäre aus den Vereinen beschloss, „verabschiedete“ auch der FC Schalke 04 ganz im Sinne der neuen Machthaber seinen 2. Vorsitzenden, den jüdischen Zahnarzt Dr. Paul Eichengrün ebenso wie den Leiter des Presseauschusses, Franz Nathan und andere „nichtarische“ Funktionsträger. 1935 wurden dann auch die letzten jüdischen Mitglieder und Spieler aus dem Verein ausgeschlossen, sofern sie ihn bis dahin nicht bereits „freiwillig“ verlassen hatten. Leopold „Leo“ Jacobs spielte in einer der Juniorenmannschaften des FC Schalke. Er wurde im Januar 1942 nach Riga verschleppt, überlebte die KZ der Nazis und kehrte nach seiner Befreiung 1945 zunächst in seine Heimatstadt Gelsenkirchen zurück.

Nur allzu bereitwillig ließen sich auch der FC Schalke und seine Spieler ab 1933 auf das Unrechtsregime ein und profitierten dadurch auf vielfältige Art und Weise von den sich daraus ergebenden Vorteilen. So „kaufte“ Fritz Szepan im November 1938 das Kaufhaus Rhode & Schwarz in Gelsenkirchen-Schalke zu einem außerordentlich günstigen Preis. Die so genannte „Arisierung“ fand Eingang in die Stadtchronik, unter dem 5. November 1938 heißt es dort: „Das bisherige jüdische Kaufhaus Julius Rode & Co. ist in arische Hände übergegangen. Es wird geführt von Fritz Szepan, dem Schalker Mittelstürmer, der ein Spezialgeschäft für Textilwaren in den Verkaufsräumen eingerichtet hat.

Die ehemaligen jüdischen Inhaber des Kaufhauses am Schalker Markt, Sally Meyer und Julie Lichtmann, zum Verkauf gezwungen, wurden im Januar 1942 nach Riga deportiert und ermordet. Der Schalker Spieler Hermann Koriath konnte das Haus Margaretenstrasse 6 aus dem Besitz des jüdischen Bauunternehmers Max Ferse günstig „erwerben“. Max Ferse und seine Frau Antonie wurden 1942 in das Ghetto Riga verschleppt und dort ermordet.

Auch die frühen Förderer und Unterstützer des FC Schalke 04 jüdischer Herkunft waren der Diskriminierung und Verfolgung durch die Nazis ausgesetzt. So wurden beispielsweise der Metzgermeister August Kahn zusammen mit seiner Frau im Juli 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert und dort am 11. Oktober 1944 ermordet, seine Frau starb bereits am 4. September 1942 in Theresienstadt, angeblich an Lungenentzündung. Der Metzgermeister Leopold Sauer wurde im Januar 1942 zusammen mit seiner Frau in das Ghetto Riga deportiert und im März 1945 in Rieben, einem Außenlager des KZ Stutthof, ermordet. Seine Frau Auguste wurde im Dezember 1944 im KZ Stutthof ermordet. Die Schwiegereltern des ehemaligen 2. Vorsitzenden Paul Eichengrün, Josef und Ida Schloßstein, wurden 1942 nach Theresienstadt deportiert. Joseph starb im Ghetto Theresienstadt, Ida Schloßstein wurde weiter in das Vernichtungslager Treblinka verschleppt und dort ermordet. Die Recherchen zu Familie Goldblum, Siegmund Katzenstein, Dr. Fritz Levisohn (später Lenig), Arthur Herz und Ernst Alexander sind noch nicht abgeschlossen.

→ Stolpersteine Gelsenkirchen

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Erinnerung an die „Nacht der Schande“

Gedenkveranstaltung in Gelsenkirchen

Ihren Auftakt nahm die Gedenkveranstaltung anlässlich des 73. Jahrestages der so genannten „Reichskristallnacht“ an einem der Erinnerungsorte in Gelsenkirchen – die Erinnerungsorte sind ein Projekt der „Demokratischen Initiative“ – am Südeingang des Hauptbahnhofs. Hier erinnert eine Tafel an die in der NS-Zeit aus Gelsenkirchen verschleppten und zum überwiegenden Teil ermordeten jüdischen Kinder und Jugendlichen. Professor Dr. Stefan Goch vom Institut für Stadt-geschichte betonte in seiner Ansprache, dass man auch in Zukunft weitere „Erinnerungsorte“ errichten werde. Die Route des anschließenden Marsches „Gegen Hass und Gewalt“ der „Demokratischen Initiative“ zum Gedenken an die Opfer der so genannten „Reichskristallnacht“ sorgte bei einigen TeilnehmerInnen für Verwunderung.

Fast konnte man den Eindruck gewinnen, dass die Veranstalter mit der gewählten Marschroute den im Bereich der Gelsenkirchener Innenstadt verlegten Stolpersteinen, die dort an das Leben, die Verfolgung und die Ermordung jüdischer Menschen erinnern, ausweichen wollten. Nach einem Halt an der Grasreiner/Klosterstraße, dort hielt Oberbürgermeister Baranowski eine Erinnerungsrede, ging es weiter zur Begegnungsstätte „Alter Betsaal“ der jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen an der Von-Der-Recke-Straße 9. Auch den vor dem gegenüberliegenden Haus verlegten Stolpersteinen, die an das von den Nazis ermordete jüdische Ehepaar Wollenberg erinnern, schenkte keiner der TeilnehmerInnen Beachtung. „Die Stolpersteine erinnern an Orte jüdischen Lebens, sie erinnern an Menschen, die Gewalt und Hass in Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 miterleben mussten, an Menschen, die in den Jahren danach zu Opfern der bis ins letzte Detail durchgeplanten NS-Vernichtungsmaschinerie wurden. Das Verhalten der Verantwortlichen kann ich nicht nachvollziehen“ sagte Heike Jordan, Projektleiterin der Stolpersteine Gelsenkirchen.

Bereits im Vorfeld hatte die Stolpersteininitiative öffentlich ihr Befremden darüber zum Ausdruck gebracht, dass die in Gelsenkirchen verlegten Stolpersteine nicht in die „offizielle“ Gedenkveranstaltung der Stadt einbezogen werden. Auf die Frage nach dem „Warum“ wollten am Abend weder Oberbürgermeister Baranowski in seiner Eigenschaft als Schirmherr der veranstaltenden „Demokratischen Initiative“ noch Judith Neuwald-Tasbach, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen, eine Antwort geben.

→ Stolpersteine Gelsenkirchen – Gemeinsam gegen das Vergessen

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9. November 2011 – Gedenken an die Pogrome in der „Kristallnacht“

Gedenken der Toten und der Lebenden

Am 9. November 2011 jährt sich zum 73. Mal die so genannte „Reichskristallnacht“. Die Ereignisse in dieser Nacht markierten einen weiteren Höhepunkt der stetig zunehmenden Diskriminierung der Juden im Alltag. Auch in Gelsenkirchen brannten in der Nacht vom 9. auf den 10. November Synagogen und Geschäfte, waren Menschen jüdischer Herkunft brutaler Gewalt ausgesetzt, wurden erniedrigt, gedemütigt, vergewaltigt, verhaftet und verschleppt. Wie viele von ihnen später an den Folgen der erlittenen Misshandlungen oder den Haftfolgen starben, ist heute nicht mehr feststellbar.

In unserer Stadt erinnern 28 von 41 bisher verlegten Stolpersteinen an die Leidenswege und die Ermordung jüdischer Menschen durch das NS-Regime. „Jeder dieser 28 Stolpersteine erinnert an einen Menschen, der auch von den Angriffen gegen Leib und Leben in der Pogromnacht betroffen war. Wir hätten uns gewünscht, dass die Stolpersteine mit in die offizielle Gedenkveranstaltung der Stadt Gelsenkirchen einbezogen worden wären, führt doch die Wegstrecke des von der „Demokratischen Initiative“ geplanten Schweigegangs auch an einigen Stolpersteinen vorbei“ so die Projektleiterin der Stolpersteine Gelsenkirchen, und weiter: „Wir rufen Gelsenkirchener Bürgerinnen und Bürger auf, an den im Stadtgebiet verlegten Stolpersteinen am Abend des 9. November Kerzen aufzustellen und zu entzünden“.

Von den Gelsenkirchener Juden, die den 9. November 1938 miterleben mussten, haben die wenigsten den Holocaust überlebt. Die Leidenswege der hochbetagten Überlebenden der NS-Vernichtungsmaschinerie, die heute weltweit verstreut leben, sollen am 9. November im Mittelpunkt unseres Gedenkens stehen. „Die zum Leben Verurteilten sind die wahren Opfer des Holocaust. Die Toten sind schon zur Ruhe gekommen“ sagte einst die Holocaust-Überlebende Batja Gurfinkel, „Der Schmerz wird mit den Jahren nicht weniger, eher stärker.“

Quelle: Presse- und Medienmitteilung der Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen

→ Gedenken und Erinnern an die Opfer der so genannten „Reichskristallnacht“

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Erinnerung braucht Pflege

Stadt Gelsenkirchen lässt Gräber von NS-Opfern herrichten

Bekanntlich mahlen die Mühlen der meisten Stadtverwaltungen sehr langsam. Das es auch anders geht, hat jetzt die Stadt Gelsenkirchen gezeigt. Nachdem die Gelsenkirchener Gruppe der VVN/BdA kürzlich in einem Brief an die Stadt den schlechten Pflegezustand eines Grabfeldes auf dem Ostfriedhof hingewiesen hatte, hat die Stadt jetzt schnell und unbürokratisch Abhilfe geschaffen.

Das Grabfeld, auf dem nach Gelsenkirchen verschleppte Zwangsarbeiter bestattet sind, die hier zwischen 1941-1945 durch Gewalt, Hunger und Krankheit zu Tode gekommen sind, wurde jetzt von Gelsendienste wieder in einen würdigen Zustand versetzt. Die Grabsteine wurden von Moos und Verschmutzung gereinigt, mit Steinplatten eingefasst und neu bepflanzt, auch Rasen wurde neu eingesät.

Das Grabfeld auf dem Gelsenkirchener Ostfriedhof wurde jetzt hergerichtet

Der Rote Emscherbote schreibt:
→ Zwangsarbeiter-Gräber auf dem Ostfriedhof in Hüllen werden gepflegt

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Stolperstein-Initiative erinnerte an „Polen-Aktion“

Nur wenige Teilnehmer bei Gedenkveranstaltung

Gelsenkirchen. Nur einige wenige Menschen nutzten die Chance, am Freitag Abend jüdischen Opfern des NS-Terrors ein ehrendes Andenken zu erweisen.

Die örtliche Stolperstein-Initiative erinnerte zum Abschluss der diesjährigen Stolperstein-Putzaktion in der Gelsenkirchener Kolpingstrasse an die so genannte „Polenaktion“ , einer großangelegten Ausweisungsaktion von Menschen aus dem deutschen Reichsgebiet, von der am 28. Oktober 1938 rund 17.000 Juden jeden Alters betroffen waren. Daruter befanden sich auch rund 80 Menschen jüdischer Herkunft aus Gelsenkirchen. Diese Ausweisungsaktion der Nazis war der Auftakt zur Vernichtung der europäischen Juden.

Der heute in den USA lebende Herman Neudorf ist der einzige Gelsenkirchener Jude, der von der Ausweisungsaktion noch aus eigenem Erleben berichten kann. Seine Gedanken zum 28. Oktober wurden gestern an der Kolpingstrasse von Heike Jordan, die als Projektleiterin die Stolperstein-Initiative in Gelsenkirchen ehrenamtlich betreut, verlesen.

→ Herman Neudorf: Meine Gedanken zum 28. Oktober 1938

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Erinnerung an NS-Terror gegen Juden

Stolperstein-Putzaktion endet mit Gedenkveranstaltung

Mit der Stolperstein-Putzaktion, die am Freitag den 28. Oktober  um 18:00 Uhr an der Kolpingstrasse an den dort verlegten Stolpersteinen mit einer kleinen Gedenkveranstaltung ihren Abschluß findet, soll auch in diesem Jahr an die Opfer der so genannten „Polen-Aktion“ erinnert werden.

Bei der  von den Nationalsozialisten als „Polen-Aktion“ bezeichneten Abschiebung wurden am 28. Oktober 1938 deutschlandweit mehr als 17.000  Juden in das deutsch-polnische Grenzgebiet verschleppt. In Gelsenkirchen waren 80 Juden von der Austreibungsaktion betroffen. Diese Diskriminierungsmaßnahme des NS-Regimes stellte ein ersten Höhepunkt der physischen Verfolgung der jüdischen Minderheit dar und war der Auftakt zur Vernichtung der europäischen Juden.

Etwa eine Woche nach der Ausweisung seiner Eltern im Rahmen der so genannten „Polen-Aktion“ erschoß der 17jährige Herschel Feibel Grynszpan aus Verzweiflung darüber und um die Welt aufzurütteln einen Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Paris. Diese Tat nahmen die Nationalsozialisten bekanntermaßen zum Anlaß, um die Pogrome in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 gegen die jüdische Bevölkerung in Deutschland zu initiieren. Vor dem Hintergrund der antijüdischen Novemberpogrome 1938 sind die Vorgänge um diese bis dato größte Ausweisungsaktion in der deutschen Geschichte fast völlig vergessen.

Die Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen ruft zur Teilnahme an der Gedenkveranstaltung auf.

Quelle: Presse- und Medienmitteilung der Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen

Dokumentation: → Vertreibung der polnischen Juden aus Deutschland 1938

Siehe auch: → Stolpersteine – Erinnerung an NS-Terror gegen Juden

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Nazis schmieren Hakenkreuze an Falkenheim

Nazis beschmieren Fritz-Erler-Haus in Gelsenkirchen-Hassel

Das Falkenheim „Fritz-Erler-Haus“ in Gelsenkirchen-Hassel wurde in der Nacht vom 17. auf den 18. Oktober 2011 massiv mit Hakenkreuzen und Nazi-Parolen beschmiert. Ebenso wurden Autos, die in unmittelbarer Nähe parkten, durch Farbschmierereien beschädigt. Der Schaden am Gebäude wird auf mehrere Tausend Euro geschätzt.

In der Pressemitteilung der Polizei liest sich das so:

Graffitischmierereien an Fahrzeugen im Bereich Hassel.

Bisher unbekannte Täter beschädigten in der Zeit zwischen Montagabend 20:00 Uhr und Dienstag gegen 01:00 Uhr insgesamt 14 geparkte Fahrzeuge im Bereich Flachsstraße, Rockenstraße, Am Freistuhl, Polsumer Straße im Stadtteil Hassel mit Graffitischmierereien. Mit weißer Lackfarbe sprühten sie Hakenkreuze auf Seitenscheiben und Motorhauben. Auch das Heim der Falkenjugend ( Fritz-Erler-Haus) ,Am Freistuhl 4, wurde mit schwarzer Farbe und ähnlichen Schriftzügen beschmiert. Zeugen, die im genannten Zeitraum verdächtige Wahrnehmungen gemacht haben oder Hinweise auf die Täter geben können, werden gebeten sich bei der Polizei unter der Rufnummer 0209/ 365-8502 oder -8240/Kriminalwache zu melden. Die Ermittlungen der Polizei dauern an.

Weitere Infos: → Angriffe auf Einrichtungen der Falken

Nazis beschmieren Fritz-Erler-Haus in Gelsenkirchen-Hassel

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Wider dem Vergessen – Novemberpogrome 1938

Gedenken und Erinnern an die Opfer der Pogromnacht

Auch in diesem Jahr finden an vielen Orten in Deutschland Veranstaltungen zum Gedenken an die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger statt, die in der so genannten „Reichskristallnacht“ vom 9. auf den 10. November 1938 Opfer der rassistisch motivierten Gewalttaten gegen Leib, Leben und Eigentum wurden – so auch in Gelsenkirchen.

In Gelsenkirchen beginnt die diesjährige – von der Demokratischen Initiative getragene – Veranstaltung  zum Gedenken an die Pogromnacht um 18:30 Uhr am Südeingang des Gelsenkirchener Hauptbahnhofes in der Neustadt. Dort formiert sich ein Schweigezug, der zur Begegnungsstätte „Alter Betsaal“ an der Von-der-Recke-Straße 9 zieht. Halt macht der Schweigezug an der Grasreinerstraße bzw. Klosterstraße, dort ist eine Kundgebung mit einer Rede von Oberbürgermeister Baranowski geplant.

Der gemeinnützige Verein Gelsenzentrum e.V. ruft die Bürgerinnen und Bürger zur Teilnahme an den Kundgebungen und Gedenkveranstaltungen demokratischer Organisation und Gruppierungen zur Erinnerung und zum Gedenken an die jüdischen Menschen auf, die 1938 in vielfältiger Form zu Opfern der Novemberpogrome wurden. „Wir müssen wachsam sein und uns entschlossen und gemeinsam gegen das Vergessen, gegen Extremismus, Rassismus, Antisemitismus und gegen Gewalt stellen – und das nicht nur am Jahrestag der Pogrome„, so Andreas Jordan, Vorsitzender des Vereins für regionale Kultur- und Zeitgeschichte in Gelsenkirchen.

→ Die Novemberpogrome 1938 in Gelsenkirchen

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