6. November 1944 – 65 Jahre danach

Der 6. November 1944 in Gelsenkirchen

Allein an jenem 6. November Vor 65 Jahren starben im Stadtgebiet von Gelsenkirchen 518 Bürgerinnen und Bürger bei den beiden größten Luftangriffen, die die Stadt im zweiten Weltkrieg heimgesucht haben. Nicht miteingerechnet wurden dabei die Opfer unter den aus west- und Osteuropa zusammengetriebenen Sklavenarbeitern und Arbeiterinnen, die auch hier in Gelsenkirchen wie anderswo, in den so genannten „Arbeitslagern“ meist schutzlos dem Bombenhagel ausgesetzt waren, ebensowenig wie all die anderen, von den Nazis aus ideologischen Gründen Verfolgten Menschen, die ebenfalls im Bombenkrieg getötet wurden.

Wir dürfen heute das Gedenken an die Opfer des Bombenkrieges 1940-1945 in Deutschland nicht einfach faschistoiden Gruppierungen überlassen. Praktiziertes, öffentliches Gedenken an die Bombenopfer soll ein eindeutiges Signal in Richtung neofaschistischer Organisationen und Gruppierungen sein, die heute den Schrecken und das Leid von einst für ihre Zwecke missbrauchen wollen.

Augenzeugenbericht „Die Luftangriffe am 6. November 1944 – Nekropole Gelsenkirchen-Schalke“

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Gedenken am 9. November 2009

Demonstration & Kundgebung der Demokratischen Initiative Gelsenkirchen

am 9. November 2009 zum Gedenken an die Pogrome in der so genannten Reichskristallnacht

18.30 Uhr: Treffen auf dem Rudolf-Bertram-Platz vor dem Horster St. Josef-Hospital, Buerer Straße. Gesangsbeitrag von Frau Yael Izkovic, anschließend Schweigezug zum Schloss Horst

19.00 Uhr: Kundgebung in der Glashalle von Schloss Horst, Gedenkrede des Oberbürgermeisters der Stadt Gelsenkirchen, Herrn Frank Baranowski, Erstaufführung des Videoclips „hier Name“ der Gelsenkirchener Künstlerin Claudia Lüke, Auszüge aus dem Erinnerungsprojekt „Spurensucher“ der Gesamtschule Buer-Mitte

Wir rufen alle Gelsenkirchenerinnen und Gelsenkirchener auf: Beziehen Sie mit Ihrer Teilnahme an der Demonstration und Kundgebung Stellung!

Veranstalter: Demokratische Initiative gegen Diskriminierung und Gewalt, für Menschenrechte und Demokratie – Gelsenkirchen

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Spuren der NS-Zeit in Horst

Überlebender der Shoa erfährt vom Schicksal der Schwestern nach 64 Jahren

Gelsenkirchen. Der in Horst ansässige Verein GELSENZENTRUM e.V. hat in den vergangenen vier Jahren zu den im Artikel der WAZ (Buer) vom 28.Oktober 2009 „Spurensuche in Horst“ genannten Ereignissen aus der NS-Zeit eigene Recherchen angestrengt. Die umfassenden Ergebnisse dieser Recherchen sind im Internet auf der Webseite des Vereins (www.gelsenzentrum.de)abrufbar.

Bis vor einem Jahr nahm Eugene Black an, dass seine Schwestern in den Gaskammern des KZ Auschwitz-Birkenau ermordet wurden. Eugene Black fand 2008 im Archiv des ITS in Bad Arolsen heraus, dass seine Schwestern nicht in den Gaskammern von Auschwitz-Birkenau ermordet worden sind, sondern bei einem Bombenangriff in Gelsenkirchen getötet wurden. „Nach 64 Jahren in dem Glauben, dass meine Schwestern in den Gaskammern zusammen mit meiner Mutter zugrunde gegangen, versetzten die gefundenen Dokumente mir einen solchen Schock“ sagte Mr. Black uns anlässlich seines Besuches im September 2009.

Fotostrecke und Bericht:
Eugene Black in Gelsenkirchen

Stolpersteine in Horst

Am 13. Juli 2009 wurden die ersten Stolpersteine in Gelsenkirchen für Simon und Frieda Neudorf in Horst verlegt. Sehen Sie den Film von den Verlegungen und erfahren Sie mehr über die Lebensschicksale der Familie Neudorf aus Gelsenkirchen.

Stolpersteine für Simon und Frieda Neudorf

Stolpersteine Gelsenkirchen 2009 – Der Film

Das Gelsenberglager, ein Außenlager des KZ Buchenwald

Nur wenigen Gelsenkirchenern und Gelsenkirchenerinnen ist bekannt, daß in unserer Stadt während der Hitler-Diktatur ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald existierte. Das Lager befand sich auf dem Betriebsgelände der heutigen BP-Raffinerie im Stadtteil Horst. Hier waren etwa 2000 ungarische Zwangsarbeiterinnen untergebracht, die unter anderem zur Trümmerbeseitigung in dem Hydrierwerk der damaligen Gelsenberg-Benzin AG eingesetzt waren.

Reise ins Herz der Finsternis

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Das Versprechen

Tradition bleibt erhalten

Der Nordstern-Tannenbaum – er wird auch in diesem Jahr in der vorweihnachtlichen Adventszeit auf dem Bergbau-Denkmal  in Horst leuchten.  Das versicherte die THS auf Anfrage.  THS-Sprecherin Mense erinnerte auch an die Zusage von THS-Chef Karl-Heinz Petzinka an den Horster Heimatkundler und Ex-Betriebsrat der Zeche Nordstern, Reinhold Adam vom vergangenen Jahr. Mit dem Beginn der Bauarbeiten für die Aufstockung des Nordsternturms  (Glaskubus mit Herkules) werden Stimmen laut, viele Horster befürchten, dass der Tannenbaum auf dem Turm zur Adventzeit zukünftig  nicht mehr leuchten wird.

Reinhold Adam sagt heute morgen im Gespräch dazu:  „Im vorigen Jahr hat mir der THS Chef Prof. Petzinka auf dem Balkon von  Nordstern Schacht 2 nach alter Kaufmannsart in die Hand  versprochen, dass der Tannenbaum von Nordstern auch nach den Bau des Glaskubus weiterhin auf Schacht 2 leuchten wird. Dieser Vertrag per Handschlag wurde auch fotografisch dokumentiert und festgehalten. Ich habe keinerlei Zeifel daran, dass dieses nicht eingehalten wird, denn der Herr Petzinka ist ein Mann der Ehre und der Tat, dessen Wort man vertrauen kann.“

Reinhold Adam und THS-Chef Petzinka: Der Tannenbaum wird weiterhin im Advent leuchten!

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KINOR stellt Buch vor

Buchvorstellung im Oktober 2009

Der Jüdische Kulturverein KINOR in Gelsenkirchen stellt sein neues Buch „Jüdisches Leben in Gelsenkirchen mal anders“  vor. Hier ist er, der Kulturverein KINOR in Fakten und Daten – eine einmalige Erscheinung im jüdischen Kulturleben Deutschlands als EBook.

KINOR - “Jüdisches Leben in Gelsenkirchen mal anders”

Download Ebook „Jüdisches Leben in Gelsenkirchen mal anders“

Der eingetragene Verein wurde offiziell 2000 gegründet. Als eine Gemeinschaft ist er aber in unserer Stadt und Region seit 1993 aktiv. KINOR ist bereits ein unentbehrlicher Teil der kulturellen, sozialen und politischen Infrastruktur der Stadt und Region geworden. Integrationsarbeit mit Zielgruppen verschiedenen Alters, mit Frauen, Kultur und Kunst, vielseitige außerschulische Kinder- und Jugendarbeit, gesellschaftliches und bürgerschaftliches Engagement – die Schwerpunkte von KINOR.

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Workshop des ISG

Workshop des Instituts für Stadtgeschichte: „Erinnern-Gedenken-Dokumentieren, Vergangenheitspolitik und Erinnerungskultur“

Dr. Priamus, Leiter des Instituts für Stadtgeschichte in Gelsenkirchen (ISG)

Aus Anlass des 20-jährigen Bestehens des Instituts für Stadtgeschichte in Gelsenkirchen (ISG) fand am 2. Oktober ein ganztägiger Workshop in Gelsenkirchen statt. Der Leiter des Instituts für Stadtgeschichte, Dr. Priamus, begrüßte am Morgen die  Teilnehmer.

Zum Auftakt referierte Prof. Dr. Alfons Kenkmann, Universität Leipzig, Arbeitskreis Gedenkstätten NRW  über die frühe Gedenkstättenarbeit in Nordrhein-Westfalen. Anschließend sprach Prof.   Stefan Goch über die Themen der Erinnerungsarbeit in Gelsenkirchen.  Prof.  Goch stellte in seinen Ausführungen fest, dass im Bereich der Verbrechen der Polizei und Wehrmacht in der NS-Zeit ein Aufklärungs- und Dokumentationsdefizit besteht, erst in jüngerer Zeit habe man begonnen, sich mit den Tätern in den Reihen der Polizei zu beschäftigen. Des weiteren erwähnte er das Thema Zwangsarbeit und Widerstand in der NS-Zeit und die dahingehende Aufklärungsarbeit einer benachbarten Revierstadt, die hierbei eine Vorreiterrolle einnimmt, hinter der man in Gelsenkirchen (noch) zurücksteht, daran arbeite man jedoch.

Prof.  Jürgen Reulecke von der Justus-Liebig-Universität in Gießen stellte in seinem Vortrag die Frage: Erinnern und Gedenken – ein Generationsprojekt? Der zweite Teil des Workshops begann mit dem Vortrag von Prof.  Bernd Faulenbauch, Ruhr-Universität Bochum zum „Neuen Gedenken in den neuen Bundesländern“. Dr. Priamus beschäftigte sich seinem Beitrag mit der Institutionalisierung von Geschichte.  Dr.  Priamus betonte, das die Thematik „Flucht und Vertreibung“ in einer eigenen Dauerausstellung in Gelsenkirchen Erwähnung finden sollte. Prof.  Constantin Goschler, Ruhr-Universität Bochum sprach im Anschluss über Helden, Opfer und Täter:  Konjunkturen und Konkurrenz en der Erinnerung nach 1945.  Dr. Goschler schloss sein Referat mit der Bemerkung, das die Vertriebenen sozusagen die letzten Opfer der Hitler-Diktatur waren.

Am Nachmittag hielt Rainer Ohliger, Gründungs- und Vorstandsmitglied des Netzwerkes Migration in Europa ein Impulsreferat über die Geschichte und das Gedächtnis in der Einwanderungsgesellschaft. Dabei machte er auch die Rolle der Jüdischen Migranten aus den ehemaligen GUS-Staaten in der heutigen Gesellschaft deutlich.

Podiumsdiskussion

Die den Workshop abschließende Podiumsdiskussion wurde von Dr. Priamus, Rainer Ohliger vom Netzwerk Migration in Europa e.V.,  Dr. Nobert Reichling vom Jüdischen Museum in Dorsten, Gerd Dombrowski vom Kommunalen Bildungsbüro Gelsenkirchen und von Michael Sturm von der Mobilen Beratung im Regierungsbezirk Münster. Gegen Rechtsextremismus, für Demokratie (kurz MOBIM) moderiert. Die Teilnehmer des Workshops beteiligten sich eher zurückhaltend an der Podiumsdiskussion.

Elena Gubenko, Vorsitzende und Gründerin des jüdischen Kulturvereins KINOR e.V. in Gelsenkirchen, übrigens einzige teilnehmende Jüdin mit russischem Migrationshintergrund, stellte unter anderem die Frage zur Diskussion, warum der 9. Mai, der als Tag der Befreiung Europas vom Joch des Nationalsozialismus der wichtigste Tag in der Erinnerungskultur der jüdischen Veteranen aus der ehemaligen Sowjetunion, in Deutschland einen so geringen Stellenwert habe, es wäre aus Ihrer Sicht mehr als nur wünschenswert, die jüdisch-russischen Veteranen mit in die deutsche und lokale Erinnerungskultur einzubeziehen. Rainer Ohliger bemerkte dazu, dass die Gründe dafür wohl in der Tatsache zu suchen sind, dass die Deutschen „das Tätervolk“  seien und noch immer versucht werde, sich möglichst dieser Thematik zu entziehen. Gubenko weiter: „Die  Symbolisierung von Auschwitz für  den Völkermord trägt dazu bei, dass  die unzähligen Orte der Vernichtung in Osteuropa unerwähnt bleiben und so langsam dem kollektiven Vergessen anheim fallen, dem gilt es entgegenzuwirken“.

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Holocaust – Gedenktag 2010

Internationaler Holocaust Gedenktag am 27. Januar 2010

27. Januar 2010 – Internationaler Holocaust-Gedenktag

Gemeinsam Gedenken

Wo: Gelsenkirchen, Wildenbruch-/Ecke Fontanestrasse

Wann: 27.1.2010 um 19:00 Uhr
anschließend gemeinsamer Schweigezug zum Güterbahnhof/Großmarkt

Der Tag des Gedenkens an alle Opfer des nationalsozialistischen Gewaltregimes: Sinti und Roma, Juden, Christen, Menschen mit Behinderung, Homosexuelle, politisch Andersdenkende sowie Männer und Frauen des Widerstandes, Wissenschaftler, Künstler, Journalisten, Kriegsgefangene und Deserteure, Greise und Kinder an der Front, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter und an die Millionen Menschen, die unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft entrechtet, verfolgt, gequält und schließlich ermordet wurden.

Der Gedenktag wurde am 3. Januar 1996 durch Proklamation des Bundespräsidenten Roman Herzog eingeführt und auf den 27. Januar festgelegt. In Deutschland wird der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus seit 1996 begangen, den weltweiten Gedenktag gibt es nach einem UN-Beschluss seit 2006. Am 27. Januar 1945 hatten Soldaten der Roten Armee die Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau befreit. Das KZ Auschwitz (-Birkenau) steht symbolhaft für den Völkermord und die Millionen Opfer des Nazi-Regimes.

„Die Erinnerung darf nicht enden; sie muß auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Es ist deshalb wichtig, nun eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt. Sie soll Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken. Ich erkläre den 27. Januar zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus.“

Roman Herzog

Der erste und auch gleichzeitig der größte Deportations-Transport aus Gelsenkirchen fand am 27. Januar 1942 statt. 355 jüdische Mitbürger wurden zunächst – sichtbar für alle – auf dem Wildenbruchplatz in der dortigen Ausstellungshalle gesammelt. Viele von ihnen mussten für Ihre „Evakuierung nach dem Osten“ sogar die Fahrkarten bezahlen.

Ausstellungshalle auf dem Wildenbruchplatz in Gelsenkirchen

Am Güterbahnhof stiegen sie in die Züge – es waren Personenzüge – und wurden in das Ghetto nach Riga in Lettland geschafft.
In Dortmund wurden weitere Waggons angehängt. Ein zweiter Transport ging am 31. März 1942 nach Warschau, ein dritter am 27. Juli 1942 nach Theresienstadt. Insgesamt haben von 615 deportierten Juden aus Gelsenkirchen nur 105 überlebt.

Die Chronik der Stadt Gelsenkirchen verzeichnet für den 27. Januar 1942: „In der städtischen Ausstellungshalle ist ein Judensammeltransport zusammengestellt worden. Es handelt sich um 506 Juden aus dem Präsidialbezirk Recklinghausen, die heute nach den Ostgebieten evakuiert werden. Unter ihnen befinden sich 350 Personen aus Gelsenkirchen. Vorerst verbleiben in unserer Stadt noch 132 meist alte und kränkliche Juden“.

Download Fleyer:
Gemeinsam Gedenken

Veranstalter:

GELSENZENTRUM E.V.
Andreas Jordan
Devensstrasse 111
45899 Gelsenkirchen
0209-9994676

www.gelsenzentrum.de
www.stolpersteine-gelsenkirchen.de

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Jüdische Gemeinde ehrt Stolpersteine-Künstler Demnig

Gunter Demnig bei der Verlegung von Stolpersteinen in Gelsenkirchen

„Man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen über die Stolpersteine. Und wenn man den Namen lesen will, muss man sich vor dem Opfer automatisch verbeugen.“

 


Der Konzeptkünstler Gunter Demnig hat am Mittwoch für sein europaweites „Stolperstein“ – Projekt, das an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert, die Josef-Neuberger-Medaille erhalten. Die Jüdische Gemeinde Düsseldorf ehrt mit der Auszeichnung nichtjüdische Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise um die jüdische Gemeinschaft verdient gemacht haben.Demnig verlegt bundesweit, mittlerweile auch europaweit seit mehr als zehn Jahren sogenannte „Stolpersteine“ vor den letzten Wohnungen von NS-Opfern.

Auf den kleinen, flächenbündig in den Bürgersteig eingelassenen Messingplatten stehen ihre Namen, das Geburtsjahr und – sofern bekannt – das Schicksal sowie der Todestag. Für Demnig ist „ein Mensch erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“. In der Begründung stellte die Jury fest: „Mit seinem Projekt erinnert er auf außergewöhnliche und sehr eindringliche Weise an die Opfer des NS-Regimes.“

Bei einer Feierstunde sagte der Gemeindevorsitzende Juan-Miguel Strauss vor etwa 350 Gästen, dass der Künstler den NS-Opfern ein Stück Würde und Individualität wiedergebe. Der ehemalige Direktor des Kölnischen Stadtmuseums, Werner Schäfke, stellte in seiner Laudatio heraus, dass Demnig mit seiner Aktion direkt in den Alltag der Menschen eingreife und sie mit der Vergangenheit konfrontiere. Die Stolpersteine stünden so im Gegensatz zu anderen Gedenkstätten, die nicht alle Menschen erreichten.

Demnig verlegte 1996 den ersten Stolperstein in Köln, anfangs noch illegal. Erst im Nachhinein wurde die Aktion von den Behörden genehmigt. Mittlerweile hat der gebürtige Berliner in Europa weit mehr als 20.000 Stolpersteine an mehr als 500 Orten verlegt. In Gelsenkirchen liegen seit dem 13. Juli 2009 die ersten sechs Stolpersteine.

Die nach dem ehemaligen nordrhein-westfälischen Justizminister und jüdischen Gemeindemitglied Josef Neuberger (1902-1977) benannte Medaille wird seit 1991 jährlich verliehen. Zu den bisherigen Trägern gehören unter anderem Angela Merkel und die früheren Bundespräsidenten Roman Herzog und Johannes Rau.

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Angekommen!?

Forschungen und Ausstellung zur jüdischen Einwanderung ab 1990

Größere jüdische Gemeinden, neue Synagogenbauten an vielen Orten, hier und da Streit zwischen alten und neuen Mitgliedern – davon liest man immer wieder. Aber die Menschen, die diesen Zustand – der frühere Zentralratsvorsitzende Paul Spiegel sprach von einem „Wunder“ – herbeigeführt haben, werden oft wenig beachtet.

Das soll ein Forschungs- und Ausstellungsprojekt des Jüdischen Museums Westfalen ändern. Am Beispiel des Ruhrgebiets erkunden und dokumentieren wir beispielhafte Lebensgeschichten: Woher kommen die Einwanderer und Einwanderinnen? Warum kamen sie nach Deutschland? Welche Erfahrungen haben sie in der früheren Heimat und hier gemacht? Welche Rolle spielen die Gemeinden für die Zuwanderer, welche Formen des Jüdischseins spielen eine Rolle und welche Zukunftsperspektiven haben sie?

Mehr:  Angekommen!?

Lew Belogolowski, Gelsenkirchen

Lew Belogolowski, Gelsenkirchen

Lew Belogolwski, der 1992 als sogenannter “Kontingentflüchtling” nach Deutschland kam, hat einen in Deutschland lebenden Sohn, seine Tochter lebt in Israel.

Lew Belogolowski hat als Soldat im Offiziersrang in der Roten Armee auch für die Befreiung Nazi-Deutschlands gekämpft, dabei wurde er zweimal verwundet. Von den Männern seines Jahrgangs sind nur drei Prozent heimgekehrt. Nach dem Krieg arbeitete Lew Belogolowski bis zur Rente als Dipl. Ökonom im Bereich Einkauf in Kiew. Der am 28. Mai 1923 im Gebiet Vinnitsa, Ukraine geborene Belogolowski hatte als Jude kein leichtes Leben in der damaligen Ukraine. Das alte Synagogengebäude in Kiew wurde zum Beispiel als Staatspuppentheater genutzt, der Alltag der jüdischen Menschen war stark von Antisemitismus geprägt. Lew Belogolwski, der 1992 als sogenannter „Kontingentflüchtling“ nach Deutschland kam, hat einen in Deutschland lebenden Sohn, seine Tochter lebt in Israel.

Mehr: Lew Belogolowski im Interview mit GELSENZENTRUM e. V.

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Eugene Black in Gelsenkirchen

Vor 65 Jahren:
Ungarische Jüdinnen starben im Bombenhagel

Eugene Black am Denkmal auf dem Horster Südfriedhof

Gelsenkirchen. Fast 64 Jahre glaubte der britische Überlebende der Shoa, Eugene Black, das seine Schwestern in den Gaskammern in Auschwitz-Birkenau ermordet worden sind. Bei einem Besuch Blacks beim Internationalen Suchdienst (ITS) in Bad Arolsen, förderte die Aktensuche 2008 eine andere, nicht minder schreckliche Wahrheit zutage: Jolan und Paula waren zusammen mit 2000 anderen Frauen und Mädchen zur Sklavenarbeit nach Gelsenkirchen verschleppt worden. „Es ist unglaublich“ sagte Eugene Black am Samstag, „Ich habe die Dinge erneut überdenken müssen. Aber wenigstens starben sie gemeinsam und wurden nicht vergast. Es muss ein schrecklicher Tod in diesen Räumen gewesen sein!“.

Es geschah fast auf den Tag genau vor 65 Jahren. Alliierte Bomber laden ihre tödliche Last am 11. September 1944 über dem Hydrierwerk in Gelsenkirchen-Horst ab. Von den im dortigen Gelsenberglager, einem Außenkommando des KZ Buchenwald, untergebrachten 2000 ungarischen Jüdinnen sterben mehr als 150. Die Mädchen und Frauen waren aus dem KZ Auschwitz-Birkenau zur Sklavenarbeit auf Gelsenberg nach Gelsenkirchen deportiert worden. Die zwei Schwestern von Eugene Black, Jolan und Paula Schwartz, starben damals im Bombenhagel in Gelsenkirchen. Eugene Black hat zwei Stolpersteine gespendet, die hier in Gelsenkirchen an den Tod seiner Schwestern Jolan und Paula erinnern sollen.

Dokumentation auf der Internetpräsenz von → GELSENZENTRUM

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