Gedenktafel in Buchenwald

Die Gedenktafel mit den Namen der 15 aus Gelsenkirchen stammenden und in Buchenwald ermordeten Juden wird am Dienstag, 10. Juni 2008 im Krematorium in Buchenwald aufgestellt. Zurzeit ist diese Tafel in der Gesamtschule Ückendorf zu sehen, nachdem sie von Schülern des Berufskollegs in Buer hergestellt wurde. In Buchenwald ist dann auch die Abschlussklasse des 10. Jahrganges von Anne Rosen aus der Gesamtschule Ückendorf dabei. Im Unterricht entstand dort bereits die Gedenkliste mit den Namen der deportierten Juden, die auf der Bochumer Straße wohnten – also dort, wo heute die Gesamtschule beheimatet ist.

Quelle: WAZ Gelsenkirchen am 24. Mai 2008

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Stolperstein-Künstler Gunter Demnig geehrt

Der Kölner Künstler Gunter Demnig ist neben vier anderen Preisträgern in Berlin von der Bundesregierung als „Botschafter für Demokratie und Toleranz“ ausgezeichnet worden. Mit seinen „Stolpersteinen“ gebe Demnig den Opfern des Nationalsozialismus ein Gesicht, hieß es in der Würdigung.
Gunter Demnig hat nach eigenem Bekunden mittlerweile 15200 Stolpersteine in 338 Orten Deutschlands verlegt.

Erfahren Sie mehr: Arbeitskreis Stolpersteine Gelsenkirchen

Mitmachen! Umfrage: Stolpersteine für Gelsenkirchen

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Halfmannshof will nun doch aufarbeiten

Die Entscheidung der Halfmannshöfener, nun doch die „Vergangenheit der Künstlersiedlung 1933-1945“ aufzuarbeiten, hätte ich mir persönlich „etwas früher“ gewünscht… Wie sagte der damalige südafrikanische Justizminister Dullah Omar im Jahr 1994:

„Wenn die Wunden der Vergangenheit heilen sollen, sind das
Aufdecken der Wahrheit und ihre Anerkennung von grundlegender Bedeutung“.

WAZ schreibt dazu:

Künstersiedlung bekennt sich zu seiner Historie auch in der NS-Zeit und strebt eine enge Zusammenarbeit mit dem Institut für Stadtgeschichte an. Lob vom Förderverein

Die Künstlersiedlung Halfmannshof will sich nun doch offen mit ihrer Vergangenheit vor allem in der Zeit des Nationalsozialismus auseinandersetzen. Dies hätten alle Mitglieder in einer Versammlung einstimmig so beschlossen, sagten gestern die Sprecher Helmut Kloth und Barbara Echelmeyer in einem Gespräch mit der WAZ. Nach „konstruktiver interner Diskussion des Themas“ sei eine von allen elf Mitgliedern getragene „gültige Positionierung“ formuliert worden, heißt es: „Der Halfmannshof bekennt sich zu seiner Geschichte als Ganzem, das heißt er befürwortet eine intensive historische Aufarbeitung besonders auch der Zeit von 1933 bis 1945“, heißt es in einer schriftlichen Erklärung.

Und: „Eine enge Zusammenarbeit mit dem Institut für Stadtgeschichte ist bereits angestrebt, mit dem Ziel, die nationalsozialistische Ära der Künstlersiedlung wissenschaftlich fundiert aufzuarbeiten.“ Ein Gespräch mit Prof. Stefan Goch vom Institut für Stadtgeschichte (ISG) habe es bereits gegeben, so Kloth. Der Halfmannshof besitze ein umfangreiches Archiv.

Ob und in welchem Umfang die Verwaltung bzw. das ISG tätig werden, konnte der zuständige Dezernent Manfred Beck gestern (noch) nicht sagen. Die Angelegenheit müsse zunächst im Verwaltungsvorstand besprochen werden.

Lob für die Erklärung der Halfmannshöfer Künstler gab es von Albert Ude: „Man muss sich zu seiner Geschichte bekennen.“ Nun gehe es darum, sich gelassen und differenziert mit den damaligen Vorgängen auseinanderzusetzen, so Ude. Im nächsten Schritt müsse geklärt werden, wie man damit umgehe. Wie berichtet, hatte Ude als Mitglied des sich zurzeit gründenden Fördervereins der Siedlung in der vergangenen Woche Kritik an Aussagen Kloths geübt. Dieser hatte auf Anfrage der WAZ die Notwendigung der Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte bestritten und erklärt, das „passe nicht in die Linie“. Neben Ude hatte sich daraufhin auch der Halfmannshof-Künstler Pedro Malinowski distanziert und erklärt, dass Kloth in dieser Angelegenheit nicht für die komplette Siedlung spreche. Zum Diskussionspropzess innerhalb der Siedlung wollte Kloth sich nicht äußern: „Das ist eine interne Angelegenheit.“

Kommentar von Lars Oliver Christoph in der gleichen Ausgabe der WAZ:

Chance nutzen

Seit 77 Jahren gibt es den Halfmannshof, doch vor so hohen Hürden (Sanierungsbedarf, Kulturhauptstadt etc.) stand die Siedlung bisher wohl selten. nUnd jetzt auch noch Negativschlagzeilen und Debatten über die NS-Vergangenheit – könnte man meinen. Das Gegenteil ist der Fall: Trotz der bisherigen Versäumnisse besteht nun eine Chance, die Diskussion ins Positive zu kehren und zu beweisen, dass man sich kritisch und offen der eigenen Geschichte stellt. Dass dazu Druck von außen, sprich: durch die von den Gelsenkirchener Geschichten angestoßene öffentliche Diskussion und aus dem Förderverein nötig war, ist schade, wird aber letztlich keine Rolle mehr spielen -wenn die Künstlersiedlung Ihrer Vantwortung denn gerecht werden sollte.

Quelle: WAZ Gelsenkirchen, von Lars-Oliver Christoph

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Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen


Übergabe an die Öffentlichkeit: Dienstag, 27. Mai 2008, 13 Uhr


Viele Jahrzehnte waren die homosexuellen NS-Opfer in Deutschland aus der offiziellen Gedenkkultur ausgeschlossen. Sie wurden von Entschädigungszahlungen ausgegrenzt. § 175 StGB, der sexuelle Begegnungen unter Männern unter Strafe stellte, blieb in der Bundesrepublik in seiner Nazi-Fassung bis 1969 unverändert in Kraft. In vielen Ländern dieser Welt sind Schwule und Lesben heute noch schwerer Verfolgung ausgesetzt. Aus seiner Geschichte heraus hat Deutschland eine besondere Verantwortung, Menschenrechtsverletzungen gegenüber Lesben und Schwulen entschieden entgegenzutreten.


Am 12. Dezember 2003 fasste der Deutsche Bundestag den Beschluss, ein Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen zu errichten. Das war ein wichtiger Erfolg für den Lesben- und Schwulenverband (LSVD) und für die Initiative „Der homosexuellen NS-Opfer gedenken“, die gemeinsam für dieses Projekt geworben haben. Seit sechzehn Jahren haben wir uns für das Denkmal eingesetzt, unterstützt von zahlreichen Organisationen und Einzelpersönlichkeiten.

75 Jahre nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten und 60 Jahre nach der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ist es nun endlich erreicht, dass die Bundesrepublik Deutschland den verfolgten Homosexuellen einen Gedenkort widmet. Am 27. Mai 2008 wird das Denkmal auf Einladung von Kulturstaatsminister Bernd Neumann feierlich der Öffentlichkeit übergeben.

Zur Übergabe sprechen:
Bernd Neumann, Staatsminister für Kultur und Medien
Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister von Berlin
Günter Dworek, Lesben- und Schwulenverband (LSVD)
Albert Eckert, Initiative“ Der homosexuellen NS-Opfer gedenken“
Linda Freimane, ILGA Europe (International Lesbian and Gay Association)

Quelle:Lesben- und Schwulenverband (LSVD)

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Polizei registriert drastischen Anstieg rechtsextremer Straftaten

Drastischen Anstieg rechtsextremer Straftaten

Trauriger Rekord bei rechter Kriminalität: Die Bundesregierung meldet für März 2008 die höchste Monatszahl einschlägiger Straftaten seit mindestens sechs Jahren.

Laut Tagesspiegel registrierte die Polizei bundesweit 1311 rechte Delikte, im März 2007 waren es ’nur‘ 853. Laut taz ereignet sich somit alle 25 Minuten eine rechtsextreme Straftat. Härter noch fällt der Vergleich zum März 2002 aus: Damals standen im Monatsbericht 188 rechtsextreme und fremdenfeindliche Straftaten. Die Werte ergeben sich aus den Antworten der Regierung auf regelmäßige Anfragen von Petra Pau (Linkspartei), seit 1998 Mitglied des Bundestages und 2006 zu dessen Vizepräsidentin gewählt. Die Regierung betont, es handele sich, wie immer bei monatlichen Angaben, um vorläufige Werte, die sich durch Nachmeldungen der Polizei erheblich ändern könnten. Es gebe also bei rechtsextremer Kriminalität keinen Grund für eine Entwarnung, da im Schnitt in Deutschland jeden Tag eine fremdenfeindlich motivierte Gewalttat begangen werde, zitiert die Linke-Abgeordnete Petra Pau laut taz den Chef des Bundeskriminalamts Ziercke. Dabei sei der Befund wesentlich schlimmer, sagte Pau. „Im bundesweiten Schnitt werden stündlich zweieinhalb Straf- und täglich zweieinhalb Gewalttaten mit rechtsextremistischem Hintergrund registriert.“ Pau weist darauf hin, dass es sich bei diesen Zahlen bloß um die offiziell eingeräumten Werte handelt. Sie vermutet, dass es real mehr sind

Die hohe Aggressivität der rechtsextremen Szene zeigt sich auch im gesamten ersten Quartal. Von Januar bis März stellte die Polizei 3364 Straftaten fest (1. Quartal des Vorjahres: 2627). Die in der Gesamtzahl enthaltenen rechten Gewaltdelikte nahmen in den ersten drei Monaten ebenfalls zu (191/165). Außerdem meldet die Regierung mehr Opfer rechter Attacken. Von Januar bis März 2008 wurden 211 (158) Menschen verletzt.

Innenministerium äußert sich zurückhaltend

Die Regierung nennt in einer weiteren Antwort an Pau, die dem Tagesspiegel ebenfalls vorliegt, die in der Summe rechter Delikte enthaltenen antisemitischen Verbrechen. Demnach wurden im ersten Quartal 264 antijüdische Straftaten verübt, darunter acht Gewaltdelikte (Januar bis März 2007: 242 antisemitische Straftaten mit ebenfalls acht Gewaltdelikten).

In scharfem Kontrast zu den hohen Zahlen rechter Delikte steht der Umgang von Polizei und Justiz mit Tatverdächtigen. Von Januar bis März 2008 wurden nur 33 mutmaßliche Rechtsextremisten vorläufig festgenommen, im ersten Quartal 2007 waren es 221. Haftbefehle gab es diesmal nur zwei (Januar bis März 2007: vier).

Angesichts der alarmierenden Deliktzahlen sei es höchste Zeit, „dass sich Politik und Gesellschaft dem Problem stärker zuwenden“, sagte Pau. Das Innenministerium äußerte sich zurückhaltend: Aus den vorläufigen Zahlen könnten „weder belastbare Schlussfolgerungen gezogen noch auch nur Trendaussagen“ zur Entwicklung der rechten Kriminalität getroffen werden.

Quelle: taz vom 14.5.2008

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“Zug der Erinnerung” zurück in Deutschland: Wie kann die Erinnerung lebendig gehalten werden?

OSWIECIM/CHEMNITZ – Auf der Rückfahrt von der Gedenkstätte Auschwitz traf der „Zug der Erinnerung“ am Mittwoch (14.5.2008) in Chemnitz ein. Dort ist an zwei Aufenthaltstagen ein umfangreiches Begleitprogramm geplant. Prof. Dr. Wolfgang Benz (Zentrum für Antisemitismusforschung/ Berlin) wird über die „Verfolgung von Kindern und Jugendlichen im Nationalsozialismus“ referieren. Über die „Mitverantwortung der ‚Deutschen Reichsbahn‘ am Holocaust“ spricht der Historiker Hubert Gintschel. Eine weitere Station der Fahrt ist Mittweida, wo es in den vergangenen Tagen zu rechtsradikalen Gewalttätigkeiten kam.

Die auf der Rückfahrt eingelegten Stationsaufenthalte gehören zum Programm des Gesamtprojekts. Bereits beim Start hatten die Initiatoren angekündigt, ihr am 8. Mai begangenes Gedenken in Auschwitz werde „kein Schlusspunkt“ sein. „Auschwitz war nicht für alle das Ende“, heißt es in der Programmatik. „Hunderte Kinder und Jugendliche konnten gerettet werden, weil ihnen Zufälle und Menschen halfen. Wenn der Zug der Erinnerung von dort zurückkehren wird, dann mit dieser Botschaft: Dass der Plan der Vernichtung, die umfassend sein sollte, gescheitert ist: Wegen der Kinder, die dem Morden entkamen und wegen der Namen, der vielen Gesichter, die durch unsere Erinnerung aus dem Vergessen in die Gegenwart zurückgeholt werden.“

Um diese Botschaft zu konkretisieren, waren die Teilnehmer im „Zug der Erinnerung“ am letzten Tag des Gedenkstättenaufenthalts mit Überlebenden aus Auschwitz zusammen getroffen. Die unmittelbare Zeitzeugenschaft dieser hoch betagten Opfer wird bald zu Ende sein. Wer soll an ihre Stelle treten und wie kann die Erinnerung in Deutschland lebendig erhalten werden: Diese Frage wurde auf der nächtlichen Rückfahrt aus Polen diskutiert und steht im Mittelpunkt der aktuellen Erörterungen im „Zug der Erinnerung“. (Weitere Stationen nach Chemnitz und Mittweida: Eisenach, Marburg, Giessen, Gütersloh u.a.)

Am 17. und 18. Februar 2008 machte der „Zug der Erinnerung“ Halt in Gelsenkirchen. Auf der Internetseite des gemeinnützigen Vereins GELSENZENTRUM – Portal für Stadt- und Zeitgeschichte können Sie einen Videofilm von der Einfahrt des „Zuges der Erinnerung“ in den Gelsenkirchener Hauptbahnhof und der Eröffnung der Ausstellung mit den gehaltenen Reden ansehen. Dort finden Sie auch Berichte und eine Fotostrecke. Link: Zug der Erinnerung in Gelsenkirchen

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Tod der Widerstandskämpferin Irena Sendler

Die ehemalige polnische Widerstandskämpferin und Retterin von 2500 jüdischen Kindern, Irena Sendler, ist tot.

Sie starb im Alter von 98 Jahren in Warschau, wie das polnische Radio berichtete. Sendler war Mitglied der Untergrundorganisation „Zegota“, die während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg verfolgten Juden half. Zusammen mit einer kleinen Gruppe von Helfern schmuggelte sie 2500 Kinder aus dem Warschauer Ghetto und versteckte sie mit gefälschten Papieren bei Pflegefamilien, in Klöstern und Waisenhäusern.

Polen und Israel schlugen Sendler im Jahr 2006 gemeinsam als Kandidatin für den Friedensnobelpreis vor. Sendler wurde unter anderem als „Gerechte unter den Völkern“ mit der höchsten Auszeichnung des Staates Israel geehrt. sda

Quelle: Neue Luzerner Zeitung Online

Erfahren Sie mehr über das Leben und Wirken der Irena Sendler auf der Internetseite des gemeinnützigen Vereins GELSENZENTRUM:

Link: Irena Sendler, Eine leise Heldin der Geschichte

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Zug der Erinnerung erreicht Oswiecim/Auschwitz

Ankunft in der Gedenkstätte Auschwitz
Erinnerungen an die deportierten Kinder und Jugendlichen werden im Lager niedergelegt

Oswiecim/Auschwitz
Nach einer zehnstündigen Reise von Görlitz über Zgorzelec und Wroclaw erreichte der „Zug der Erinnerung“ am Abend des 7. Mai Oswiecim (Auschwitz). Die stellvertretende Direktorin der Gedenkstätte, Frau Kristyna Oleksy, begrüßte den Zug auf dem Bahnhof der Stadt. In Anlehnung an ein Wort von Elie Wiesel wünschte sie den mitreisenden Jugendlichen, dass sie durch die Erfahrungen im ehemaligen deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager verändert werden.

Teilnehmer der Spurensuche überreichten Frau Oleksy ein
Gedenkbuch an die ermordeten Chemnitzer Juden. Anschliessend besuchte Frau Oleksy die Ausstellung die im „Zug der Erinnerung“ auf dem Stadtbahnhof von Oswiecim zu sehen ist. Dort treffen am heutigen Donnerstag (8. Mai) Schulklassen aus Krakow und andere Besucher der Region ein.

Am Morgen des „Tag der Befreiung“ setzten die Jugendlichen im „Zug der Erinnerung“ ihre seit Monaten andauernde Spurensuche fort. In mehreren Gruppen, die sich auf der Zugreise von Görlitz nach Auschwitz mit der Logistik der Deportation auseinander gesetzt hatten besuchen sie das Stammlager sowie das Vernichtungslager Auschwitz II Birkenau.

In einer offiziellen Gedenkfeier am 8. Mai wurde der Ermordeten an einem früheren Reichsbahnwaggon gedacht. Neben mehreren Jugendlichen aus dem „Zug der Erinnerung“ sprachen der Direktor der Gedenkstätte Auschwitz, die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Frau Katrin Göring-Eckardt, sowie der Vorsitzende des Zentralrates der Sinti und Roma in Deutschland, Romani Rose.

Anschließend durchschritten die Jugendlichen das Tor zum ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz II Birkenau, in dem zehntausende Kinder aus Deutschland und ganz Europa den Tod fanden. An den Baracken legten die Teilnehmer Erinnerungen an die Opfer nieder.

Auf der Internetseite des Vereins „Zug der Erinnerung“ erfahren Sie mehr zur Ankunft des Zuges in Oswiecim/Auschwitz, Polen.

Quelle: http://www.zug-der-erinnerung.eu/index.html

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Die Frage nach der persönlichen Verantwortung

WAZ Gelsenkirchen schreibt am 7. Mai 2008:

DER NATIONALSOZIALISMUS UND DIE FRAGE NACH DER PERSÖNLICHEN VERANTWORTUNG

Zum Beispiel: Paul Schossier
Bei der Auseinandersetzung mit dem „Dritten Reich“ gibt es noch immer viele Lücken und offene Fragen. ISG betont intensive Beschäftigung mit der NS-Geschichte. Ergänzungen statt Umbenennungen

Im Juni wird sich Prof. Stefan Goch vom Institut für Stadtgeschichte (ISG) auf den Weg nach Berlin machen, um Nachforschungen in NSDAP-Archiven anzustellen. Im Gepäck: eine Liste mit rund 60 Namen von Gelsenkirchenern, über deren Rolle in der Nazi-Zeit noch immer nicht letzte Klarheit besteht.

Ob ein spektaktulärer Fall dabei sein wird, glaubt der Wissenschaftler eher nicht. Und zu der Frage, ob es anschließend möglicherweise zu Umbenennungen von Straßen, Plätzen oder Gebäuden kommen könnte, will sich Goch unter Verweis auf die Untersuchungen und die Zuständigkeit der Politik nicht äußern: „Wir werden dem Rat nach der Sommerpause einen Beschlussvorschlag machen.“ Nicht auf der Liste, weil bekannt und aktenkundig ist der Fall von Paul Schossier. Das Internet-Portal Gelsenkirchener Geschichten hat jüngst eine Diskussion über die Rolle des vor 1933 und auch während der gesamten NS-Zeit amtierenden städtischen Dezernenten losgetreten. Die Forderung nach Umbenennung des Paul-Schossier-Wegs in Hassel wurde ebenso laut wie der mahnende Appell, bei der Auswertung der Quellen zu differenzieren und Sorgfalt walten zu lassen. An der Debatte beteiligten sich auch Nachfahren des Dezernenten.

Dass die Rolle Paul Schossiers im NS-Terrorregime erst jetzt ein öffentliches Thema wird, überrascht. Bereits 1999 hat Goch ein Buch geschrieben über die Deportation von Sinti und Roma aus Gelsenkirchen. Darin stellt er fest, dass Schossier als zuständiger Dezernent und andere Verantwortliche bei ihrer Besiegelung des Abtransports mit „hoher Wahrscheinlichkeit“ gewusst hätten, dass die Deportierten umgebracht werden.
Ist Schossier tragbar als Namensgeber für eine Straße? Auch dazu hält sich Goch bedeckt. Jeder Einzelfall sei gesondert zu betrachten, sagt er. Und: Grundsätzlich halte er nicht viel von Umbenennungen. „Wo zieht man da die Grenzen?“ Es sei aus seiner Sicht sinnvoller, im jeweiligen Kontext Ergänzungen vorzunehmen – zum Beispiel durch Tafeln am Straßenschild.

Dass es in Gelsenkirchen auch 63 Jahre nach dem Sieg über Nazi-Deutschland viele offene Fragen gebe, sei kein Versäumnis, so Goch, sondern auf Veränderungen in der Erinnerungskultur zurückzuführen. Die Stadt sei aktiver und „selbstkritischer“ geworden.
Kritik an einer zu passiven oder gar verschleiernden Rolle des ISG, wie sie bisweilen laut wird, weist Goch zurück. Gelsenkirchen brauche sich nicht zu verstecken: „Es gibt wenig Städte, die sich so intensiv mit ihrer NS-Geschichte auseinandergesetzt haben.“ loc

Kommentar von Lars-Oliver Christoph in der WAZ Gelsenkirchen vom 7. Mai 2008:

Erschreckend

Welche Rolle spielten Gelsenkirchener wie Hubert Nietsch oder Paul Schossier, spielten Institutionen wie der Halfmannshof inder NS-Zeit? Eine definitive Antwort kann es nicht geben. Es kann nur um eine Annäherung gehen, um die Frage nach dem Umgang mit der persönlichen Verantwortung, um das Ringen um Positionen.

Umso erschreckender, wie ignorant sich der Halfmannshof nach außen gibt, wie sehr man sich der Verantwortung entzieht. Dass die kritische Auseinandersetzung mit negativen Seiten der eigenen Vergangenheit sogar honoriert wird, hat der FC Schalke 04 nach anfänglichen Problemen gezeigt. Stichwort: Szepan.

Auch die Gelsenkirchener Geschichten sind ein Indiz dafür, wie fruchtbar das direkte Wort, die offene Diskussion sein kann. Man muss nicht alles gut finden, was in den GG-Foren geäußert wird. Aber man muss anerkennen, dass hier Meinungen aufeinandertreffen, dass um Standpunkte gekämpft wird – auch wenn nicht alles zielführend ist und ja gar nicht sein kann.

Schließlich: Die Verdienste des Instituts für Stadtgeschichte sind unbestritten. Vieles kann sich sehen lassen. Man würde sich aber bisweilen wünschen, dass das ISG eine aktivere gesellschaftliche Rolle einnimmt, Diskussionen anstößt und den Finger in die Wunde legt.
Ein solches Institut darf weder zum Anhängsel der Verwaltung werden noch sich in den wissenschaftlichen Elfenbeinturm zurückziehen.

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Gedenken an verbrannte Bücher

Berlin. Mit Gedenkveranstaltungen wird am Wochenende in Berlin an den 75. Jahrestag der von den Nationalsozialisten initiierten Bücherverbrennung erinnert. Bundespräsident Horst Köhler spricht in der Akademie der Künste über „Literatur auf dem Scheiterhaufen – Der Geist im Feuer“. Geplant ist eine Lesung aus verbotenen und verbrannten Werken mit Günter Lamprecht, Jutta Wachowiak, Volker Braun, Ingo Schulz und Herta Müller.

Quelle: epd

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