Gelsenzentrum e.V. schlägt Rosa-Böhmer-Weg vor

Name soll an Verfolgung und Ermordung der Sinti und Roma aus Gelsenkirchen erinnern


Gelsenkirchen. Der gemeinnützige Verein Gelsenzentrum hat auf seiner gestrigen Mitgliederversammlung beschlossen, einen weiteren Namensvorschlag in die Diskussion um die Umbenennung des Paul-Schossier-Weg einzubringen.

In einem Brief an den Bezirksbürgermeister Thomas Klasmann wird angeregt, den Weg in „Rosa-Böhmer-Weg“ umzubenennen. Das Sinti-Mädchen Rosa Böhmer, geboren am 22. September 1933 in Gelsenkirchen, wurde am 13. August 1943 in Auschwitz ermordet. Nach der zwangsweisen Auflösung der Familie Böhmer, die in Gelsenkirchen lebte, kam Rosa Böhmer zu Pflegeeltern nach Hövelhof (Paderborn). Schließlich wurde Rosa Böhmer 1942 von der Gestapo aus dem Schulunterricht geholt und nach Auschwitz deportiert.

Rosa Böhmers Verfolgungsschicksal soll an die aus Gelsenkirchen verschleppten und ermordeten Sinti und Roma erinnern, an deren Demütigung, Entrechtung und Ermordung Paul Schossier  beteiligt war.

→ Von der Schule ins KZ – Das kurze Leben der Rosa Böhmer

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Der „Paul-Schossier-Weg“ in Scholven wird umbenannt

Name eines NS-Täters verschwindet aus dem öffentlichen Raum – Antrag auf Umbenennung hatte Erfolg

Gelsenkirchen. Die Ergebnisse einer Untersuchung des ISG zur Rolle von Straßen-Namensgebern im öffentlichen Raum der Stadt Gelsenkirchen wurden gestern der Öffentlichkeit vorgelegt. Demnach soll der in Scholven gelegene Paul-Schossier-Weg nun endlich umbenannt werden.

In Sachen Paul Schossier lag der Stadtverwaltung seit Februar 2008 ein konkreter Antrag auf Umbennung vor. Die daraufhin von OB Baranowski in Auftrag gegebene Untersuchung bestätigte die im Umbenennungsantrag genannte Begründung.

Bald Vergangenheit - Der “Paul-Schossier-Weg” wird umbenannt

Bekannt war die Mittäterschaft des Stadtrates Paul Schosssier am Völkermord an den Gelsenkirchener Sinti und Roma während der NS-Zeit schon lange. Bereits 1999 hatte Stefan Goch, Mitarbeiter des Instituts für Stadtgeschichte, in seinem Buch „Mit einer Rückkehr nach hier ist nicht mehr zu rechnen – Verfolgung und Ermordung von Sinti und Roma während des „Dritten Reiches“ im Raum Gelsenkirchen“ die Rolle von Paul Schossier im Zusammenhang mit der Umsetzung des so genannten „Auschwitz-Erlasses“ in Gelsenkirchen beleuchtet. Geschehen ist danach erstmal nichts.

Erst nach der Veröffentlichung von neuen Rechercheergebnissen zum Fall Schossier durch den Verein Gelsenzentrum im Februar 2008 und einem Antrag auf Umbennung des Paul-Schossier-Weges durch Andreas Jordan kam dann endlich Bewegung in die Sache. Der OB reagierte und gab eine Untersuchung in Auftrag, deren Ergebnis nun die Umbennung zur Folge hat. Damit ist im Fall Paul Schossier das Fortwirken eines NS-Täters als Namensgeber einer Straße im öffentlichen Raum beendet.

→ Verfolgung und Ermordung von Sinti und Roma in Gelsenkirchen

→ Stadtrat Paul Schossier – NS-Täter als Namensgeber

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Mit der Reichsbahn in den Tod

Auschwitz – Song of the Children

Der Transport von Millionen Menschen aus den Ghettos und Deportationszentren zu den Vernichtungslagern erforderte die Entwicklung eines genau abgestimmten Fahrplans für mehrere hunderttausend Kilometer Bahnstrecke und einige tausend Eisenbahnwaggons sowie den koordinierten Einsatz einer Vielzahl verschiedener willfähriger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Deutschen Reichsbahn.

Die Deutsche Reichsbahn und der Holocaust

In der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur von 1933 bis 1945 verantworteten die Entscheidungsträger und Funktionäre der Deutschen Reichsbahn (DR), die dem Reichsverkehrministerium (RVM) unterstellt war, den Transport von mehreren Millionen Menschen in westeuropäische Durchgangslager und osteuropäische Ghettos, in Konzentrations- und Vernichtungslager, zu den Mordstätten in der Nähe der lettischen Hauptstadt Riga oder nach Minsk/Weißrussland. Schätzungen zufolge wurden allein zwischen 1941 und 1945 etwa drei Millionen Menschen mit Zügen der Deutschen Reichsbahn in den Tod geschickt.

Koordination der Todestransporte

Planung und der Ablauf der Deportationen lagen in den Händen des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) in Zusammenarbeit mit der Deutschen Reichsbahn, die konkrete Durchführung überließ man den lokalen Gestapo-Stellen. Das RSHA war im September 1939 aus der Zusammenlegung von Sicherheitspolizei (Geheime Staatspolizei und Kriminalpolizei) und dem Sicherheitsdienst der SS entstanden. Das Referat IV B 4 (Juden- beziehungsweise Räumungsangelegenheiten) im RSHA, geleitet durch Adolf Eichmann, fungierte als Auftraggeber der Deportationszüge. Hier wurden auch der zu deportierende Personenkreis, seine Gesamtzahl und der konkrete Termin für die „Umsiedlung“ festgelegt. Ausführende Instanz der Anweisungen des RSHA war die Gestapo, die die Menschen schriftlich oder mündlich über den Zeitpunkt ihrer „Umsiedlung“ informierte oder in ihren Wohnungen „abholte“ und in Sammellagern konzentrierte. In Berlin existierte beispielsweise im Jüdischen Altersheim in der Großen Hamburger Straße im Bezirk Mitte ein solches Sammellager; von dort aus wurden die Menschen zur „Verladestelle“ des Berliner Bahnhofs Grunewald gebracht und nach Auschwitz deportiert.

Vier Reichspfennig pro Person

In der Betriebsabteilung der Reichsbahn wurden die Fahrpläne für diese Transporte ausgearbeitet. Die Deportationen erfolgten mit Sonderzügen und mit Waggons, die zum Teil auch an Züge des regulären Personenverkehrs angehängt werden konnten, je nach Umfang der zu verfrachtenden Menschen. Die Reichsbahn legte den üblichen Fahrtarif von vier Reichspfennig pro Person und Schienenkilometer zugrunde, für Kinder wurde ein verbilligter Fahrpreis in Rechnung gestellt. Bei der Belegung eines Zuges mit mindestens 400 Menschen galt ein „Rabatt“ von 50 Prozent. Die Kosten für den jeweiligen Transport trug zwar das RSHA, doch dieses griff auf Gelder zurück, die ursprünglich aus den konfiszierten Mitteln der Deportierten stammten. Es war ein rentables Geschäft für die Deutsche Reichsbahn, da Juden aus ganz Europa verschleppt wurden, die weite Fahrtwege zurücklegen mussten. 560 Kilometer Entfernung liegen zwischen Auschwitz und Berlin, etwa 1.000 Kilometer zwischen Auschwitz und Frankfurt am Main. Zudem waren die Züge völlig überfüllt, 1.000 bis 2.000 Menschen wurden in den Waggons während eines einzigen Transports zusammengepfercht.

Hunger und Durst

Der Transport erfolgte anfangs in Güter- oder Personenwagen, schließlich sogar in Viehwaggons. In einem besser ausgestatteten Personenwagen war das Begleitpersonal untergebracht, meist Angehörige der Ordnungspolizei. Die Deportationszüge waren zum Teil in den alltäglichen Personenverkehr integriert. Eingepferchte Männer, Frauen und Kinder litten unter ständigem Hunger und Durst und mussten in den Wintermonaten ohne Beheizung ausharren. Überlebende berichteten immer wieder, dass gerade der Durst nach tagelangen Fahrten zu den quälendsten Erinnerungen zählte. In ihrer Verzweiflung sollen Mütter ihre kleineren Kinder aus dem Zug geworfen haben, in der Hoffnung dass sie überleben. Transporte für die Wehrmachtstruppen an der Front hatten jederzeit Vorrang, aus diesem Grund konnte es geschehen, dass Züge mitten auf der Strecke oder auf einem Nebengleis auf die Weiterfahrt warten mussten.

Um eine möglichst optimale Auslastung der Züge zu gewährleisten, brachten sie bei der Rückfahrt aus Auschwitz Kleidung oder Wertgegenstände der Inhaftierten und Ermordeten nach Deutschland, wo sie an die ausgebombte Bevölkerung verteilt wurden. Es existierten zudem SS-Eisenbahnbaubrigaden („KZ auf Schienen“), in denen ab 1944 KZ-Häftlinge unterkamen, um nach Bombenangriffen zerstörte Gleisanlagen auszubessern, wobei die Wiederherstellung der Schienenwege in der Verantwortung der Reichsbahn lag.

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Gemeinsam trauern

In Gedenken an Jolán und Paula Schwartz

Gemeinsam trauern - In Memoriam of Jolán and Paula Schwartz

Gelsenkirchen. Auch in diesem Jahr trafen wir uns mit der Familie Black am Mahnmal auf dem Horster Südfriedhof, um gemeinsam mit der Familie den Schwestern von Eugene Black und allen Opfern aus dem Lager Gelsenberg (ein Aussenlager des KZ Buchenwald), die bei dem Bombenangriff vom 11. September 1944 ums Leben kamen, zu gedenken. Heike und Andreas Jordan legten im Namen des Vereins Gelsenzentrum ein Blumengebinde nieder. Familie Black, die eigens aus England angereist war, um am 66. Jahrestag des Bombenangriffs am Mahnmal Blumen niederzulegen und Kerzen zu entzünden, zeigte sich enttäuscht, da es von Seiten der Stadt kein Zeichen aktiven Gedenkens am Mahnmal gab.

→ Eugene Black in Gelsenkirchen

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NS-Opfer fordern Entschädigung von Deutscher Bahn

Fünfundfünfzig Cent

Die Deutsche Bahn AG und die Bundesregierung bieten den Opfern der „Reichsbahn“-Deportationen pro Überlebenden maximal 20 (zwanzig) Euro an. Die Auszahlung soll über mehrere Jahre gestreckt werden, so dass sich die Entschädigung der Anspruchsberechtigten, die in hohem Alter sind, durch Tod erledigt.

Wer übrig bleibt, würde von der DB AG pro Monat etwa 55 Cent erhalten. Der Betrag gilt den gesundheitlichen Folgen der „Reichsbahn“-Beihilfe zum größten Menschheitsverbrechen, das über drei Millionen Bahn-Deportierte in die Konzentrations- und Zwangslager führte. Für die „Vermittlung“ des DB-Angebots hat sich der gegenwärtige Vorstand der Bundesstiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“ (EVZ) hergegeben.

Wie es in einem Memorandum heißt, das die Bürgerinitiative „Zug der Erinnerung“ gestern veröffentlichte, löst das DB-Angebot „unter den Betroffenen Unruhe aus (…) und beleidigt die Opfer, deren soziale Lage sie zur Annahme nötigt.“ Der mit der Bundesregierung abgestimmte Betrag sei „geeignet, sowohl in Deutschland wie im europäischen Ausland und weltweit Empörung hervorzurufen.“

Das an die Außenministerien und die Öffentlichkeit der ehemals okkupierten Staaten gerichtete Memorandum verlangt die umgehende Auszahlung eines Betrages, der an den Deportationseinnahmen der „Reichsbahn“ orientiert ist. Für den Spätherbst und Winter ruft der „Zug der Erinnerung“ zu Protesten auf den deutschen Bahnhöfen auf.

Weiterlesen: → www.german-foreign-policy.com

Zeichnen Sie die Petition! → Bürgerinitiative Zug der Erinnerung

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Sie sollen nicht vergessen sein

Vor 66 Jahren: Ungarische Jüdinnen sterben bei Bombenangriff  in Horst

Es geschah am 11. September 1944 gegen 18:15 Uhr. Aliierte Bomber griffen das Hydrierwerk der Gelsenberg Benzin AG in Gelsenkirchen-Horst an.  Auf dem nordöstlichen Teil des Werksgeländes befand sich zu dieser Zeit ein Außenlager des KZ Buchenwald. In dem Lager, das in den Akten als „SS Arbeitskommando K.L. Buchenwald, Gelsenberg-Benzin A.G., Gelsenkirchen-Horst“ geführt wurde, waren 2.000 ungarische Jüdinnen, die man aus dem KZ Auschwitz zur Zwangsarbeit nach Gelsenkirchen verschleppt hatte, untergebracht. Den Mädchen und Frauen war der Zutritt zu den Bunkern und Splittergräben verboten, etwa 250 von Ihnen wurden bei dem Luftangriff  getötet. Ihre sterblichen Überreste wurden in drei Massengräbern am Linnenbrink verscharrt.

Im Juli 1948 wurde am Linnenbrinksweg ein Mahnmal für die Opfer des Bombenangriffs aufgestellt.  Im Zuge der Werkserweiterung der Gelsenberg Benzin AG wurde dieses Denkmal dann am 9. September 1954 auf den Friedhof Horst-Süd an seinen heutigen Standort verbracht. Die Westfälische Rundschau berichtete in einem Artikel vom 10. September 1954 ausführlich über die Feierlichkeiten zur Umsetzung des Denkmals.

In seinem Redebeitrag während der Gedenkfeierlichkeiten bei der Umsetzung des Denkmals 1954 sagte der damalige Betriebsratsvorsitzende der Gelsenberg Benzin AG, Ramacher: „Ich bin mir der Tragweite meiner Worte durchaus bewußt, wenn ich wünsche, daß dieses Mahnmal nicht so weit abseits, sondern im Zentrum der Stadt liegen möge, damit wir oft im Vorübergehen an die Tage des Grauens erinnert werden würden, die uns und den Generationen nach uns die Verpflichtung zur Achtung der Menschenwürde auferlegen.“

Mehr über das Gelsenberglager auf www.gelsenzentrum.de:

→ Das Gelsenberglager, Außenlager des KZ Buchenwald in Gelsenkirchen

→ Eugene Black in Gelsenkirchen

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Antikriegstag 2010 in Gelsenkirchen

Gedenken an den deutschen Überfall auf Polen vor 71 Jahren

Mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen begann am 1. September 1939 der 2. Weltkrieg.  Der Hitlerfaschismus steckte die Welt in Brand, der Weltkrieg forderte mehr als 55 Millionen Tote unter den Völkern und haben das Leben der nachfolgenden Generationen nachhaltig geprägt. Nachdem in Europa bereits am 8. Mai die Waffen schwiegen, warfen die USA im August  auf die japanische Stadt Hiroshima die erste Atombombe ab, der drei Tage später, am 9. August 1945,  eine weitere Atombombe auf Nagasaki folgte.

Am 1. September 2010 fanden in Gelsenkirchen zwei Veranstaltungen zum Antikriegstag statt. Am Mahnmal  für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft im Stadtgarten wurden Blumen niedergelegt. Hier hatten sich Vertreter von VVN/BdA, der Linkspartei, der Linke Alternative und der DKP zum  stillen Gedenken zusammengefunden. Marianne Konze erinnerte in ihrer Rede an den deutschen Überfall auf Polen und an die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki. Sie betonte, dass der 2. Weltkrieg mit all seinen schrecklichen Verbrechen uns allen eine bleibende Mahnung Aufforderung und Verpflichtung sein muß, uns jeder Form von Rassismus und Neofaschismus in den Weg zu stellen.

Antikriegstag am 1. September 2010. Mahnmal im Gelsenkirchener Stadtgarten

Bereits um 17 Uhr fand auf dem Preuteplatz in der Gelsenkirchener Innenstadt eine Protestaktion zum Antikriegstag der MLPD Gelsenkirchen  und deren Jugendverband REBELL statt. Der MLPD-Kreisvorsitzende Toni Lenz hatte zu dieser Protestaktion aufgerufen. Auch hier wurde an den Überfall auf Polen durch den Hitler-Faschismus am 1. September 1939 erinnert, verbunden mit der Forderung nach Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan.

Protestaktion auf dem Preuteplatz in der Gelsenkirchner City

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Mahntafel erinnert an die Nazi-Zeit

Schalker Gymnasium stellt sich der NS-Vergangenheit

Seit dem Sommer 2010 erinnert nun eine Mahntafel im Schalker Gymnasium auch an die Verfolgten und Entrechteten der Hitlerschen Gewaltherrschaft.  Bisher erinnerte eine Gedenktafel  neben der Säule, die man beim Abbruch des  alten Schulgebäudes an der Schalker Strasse in den Fünfzigern „gerettet“ hatte und im Eingangsbereich des Gymnasiums an der Liboriusstrasse aufstellte,  lediglich an die „Gefallenen des Schalker Gymnasiums“ in den beiden Weltkriegen. Wobei schlicht „vergessen“ wurde, das die Schule im Dritten Reich offiziell garnicht „Schalker Gymnasium“ hieß.

Nur noch wenigen Gelsenkirchenerinnen und Gelsenkirchenern ist bekannt, dass das Gymnasium an der Schalkerstrasse im so genannten Dritten Reich „Adolf-Hitler-Gymnasium“ hieß. In dieser Zeit hatten jüdische Schüler und auch Lehrer unter Repressionen zu leiden, ehe sie gezwungen wurden, die Schule ganz zu verlassen.

Eingangsbereich des Schalker Gymnasiums. Links ist die Mahntafel zu sehen, die nun auch an NS-Opfer erinnert.

Mit dem veränderten Geschichtsbewußtsein in jüngerer Zeit hat man sich entschlossen, direkt neben dieser Säule nun eine weitere Gedenktafel anzubringen, die an die verfolgten Schüler und Lehrer dieser Schule in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur erinnert.

Der Text auf der Mahntafel endet mit den Sätzen: „Die geschichtlichen Ereignisse ungeschehen machen können wir nicht. Sie als Mahnung für die Zukunft verstehen können wir. Zum Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.“

→ Schule unterm Hakenkreuz – das „Adolf-Hitler-Gymnasium“ in Gelsenkirchen-Schalke

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Erste Stolpersteine in Skandinavien

Stolpersteine in Oslo

Am 30. August 2010 wird Gunter Demnig die ersten 19 Stolpersteine in Oslo verlegen. Damit wird Norwegen das zehnte europäische Land, in dem Stolpersteine an NS-Opfer erinnern. Verlegt werden die Stolpersteine vor dem Haus  Calmeyers gate 15, aus dem am 26 November 1942 alle 19 jüdischen Bewohner nach Auschwitz verschleppt und dort ermordet wurden. Im Hinterhof des Hauses befindet sich heute das Jüdische Museum Oslo, dass maßgeblich an der Realisierung des Projektes Stolpersteine in Oslo beteiligt ist. Von den insgesamt 771 deportierten norwegischen Juden überlebten nur 34 die Shoa.

Mehr zum Thema: → Jüdische Allgemeine

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Zehn Jahre Deutsches Riga-Komitee

Erinnerung an den Massenmord in Riga-Bikernieki

Anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Riga-Komitees im Jahr 2010 nahmen Repräsentanten aus 22 Städten, die Mitglied im Deutschen Riga-Komitee sind, am 9. Juli 2010 an einer Gedenkfeier teil, die an der Gräber- und Gedenkstätte in Riga-Bikernieki stattfand. Darunter Bürgermeister Hermandung als Vertreter der Stadt Gelsenkirchen und auch die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen.

Im Riga-Komitee wirken inzwischen 38 deutsche Städte und die Stadt Wien zusammen. Das Komitee hat sich zum Ziel gesetzt, an das Schicksal von über 25.000 deutschen Juden zu erinnern, die in den Jahren 1941/42 nach Riga deportiert und in ihrer überwiegenden Zahl im Wald von Bikernieki, im Ghetto Riga sowie verschiedenen anderen Nebenlagern und Orten ermordet wurden. Die Repräsentanten von 13 deutschen Großstädten und der Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge hatten am 23. Mai 2000 in Berlin das „Deutsche Riga-Komitee“ gegründet. Neben weiteren Städten, die später beigetreten sind, gehört seit 2007 auch die Stadt Gelsenkirchen zu diesem Komitee.

Am 9. Juli 2010 begannen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen den Tag mit einer Kranzniederlegung am Freiheitsdenkmal in der Innenstadt von Riga. Danach suchte die Delegation, zusammen mit 25 deutschen und lettischen Jugendlichen die ehemalige Große Choral Synagoge an der Gogolstraße, den Alten Jüdischen Friedhof und den Wald von Rumbula auf. In diesem Wald haben SS- und Polizeinheiten unter Beteiligung lettischer Hilfskräfte am 30. November und und 8. Dezember 1941 mehr als 28.000 Juden ermordet. Darunter waren auch 1.053 Berliner Juden.

Im Wald von Bikernieki trafen sich die Repräsentanten dann zu einer Gedenkstunde mit Vertretern der Jüdischen Gemeinde Riga, des lettischen Staates, der Stadt Riga und mit letzten Ghetto-Überlebenden. Die deutschen und lettischen Jugendlichen verlasen die Namen der Deportierten aus den deutschen Städten, die zuletzt dem Riga-Komitee beitraten. Ein Vertreter der Delegation hielt eine Gedenkansprache. Anschließend wurden Kränze niedergelegt, ein christliches Gebet und ein Kaddisch für die Toten der Shoa gesprochen.

→ Erinnerungen von Herman Neudorf: Das war Riga …

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