Der 9. Mai – ein besonderer Jahrestag

Zu Besuch bei Lew Belogolowski, jüdischer Veteran des Zeiten Weltkrieges

Der „Tag des Sieges“ wird am 9. Mai auch in Gelsenkirchen begangen. Dieser Tag ist der wichtigste Tag im Jahr für viele der Menschen, die aus der ehemaligen Sowjwetunion zu uns nach Deutschland, nach Gelsenkirchen gekommen sind. Es ist ein Tag, an dem sie der Toten gedenken und die Kriegsveteranen ehren, der sie aber auch mit Stolz auf ihre Geschichte zurückblicken läßt. Am 9. Mai, dem ‚Tag des Sieges‘ besuchten Andreas und Heike Jordan stellvetretend für GELSENZENTRUM, KINOR, VVN/BdA, Bündnis gegen Rechts, Schokofront und die Falken den in Gelsenkirchen lebenden jüdischen Kriegsveteran Lew Belogolowski, um Grußworte zu überbringen. Die Idee hierzu hatte Elena Gubenko vom Jüdischen Kulturverein KINOR, die auch den Kontakt zur Familie Belogolowski herstellte und die Informationen über die Veteranen recherchierte.

Weiterlesen: Forum Gelsenkirchener Geschichten

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Zeus-Projekt: Interview mit Andreas Jordan

Zeus-Reporter: Aktive Erinnerungskultur

Auf seiner Internetseite Gelsenzentrum.de dokumentiert Andreas Jordan das Schicksal von Gelsenkirchener Juden. Die Zeus-Reporterinnen trafen ihn zum Interview.

Nachdem Andreas Jordan unserer Schule, der Gerhart-Hauptmann-Realschule, eine Lesung von Esther Goldschmidt vermittelt hatte und wir einen Text von seiner Internetseite Gelsenzentrum.de gelesen hatten, der über Helmut „Hello” Silberberg informierte, der in Amsterdam Anne Frank kennen gelernt hatte, waren wir neugierig und wollten mehr über Andreas Jordan wissen. Er informiert auf der Internetseite über das Schicksal Gelsenkirchener Juden, vor allem während der Nazizeit.

Seit wann gibt es Gelsenzentrum.de schon?

Gelsenzentrum gibt es seit Mitte 2005.

Warum haben Sie diese Internetseite erstellt?

Ich habe sie erstellt, um die Öffentlichkeit auf die Schicksale der Gelsenkirchener Juden im Nationalsozialismus aufmerksam zu machen.

Wie sind Sie darauf gekommen, die Vergangenheit von jüdischen Menschen zu erforschen?

Ich habe sehr viel darüber gelesen, im Internet recherchiert und dann habe ich zu den Überlebenden Kontakte hergestellt und sie dann befragt.

Was haben Sie empfunden als Sie die Geschichten das erste Mal hörten oder gelesen haben?

Ich war wütend, habe mich geschämt und gleichzeitig war ich traurig darüber. Dennoch habe ich mir gewünscht, aktiv etwas zu der Gelsenkirchener Erinnerungskultur beizutragen.

Fiel es den Befragten Leuten schwer, über ihre oder die Vergangenheit ihrer Verwandten zu sprechen?

Das ist sehr unterschiedlich. Es gibt Menschen die gehen sehr locker damit um und versuchen die Geschehnisse von vor sechzig Jahren zu vergessen. Aber es gibt auch viele Leute, die noch diese Holocaust-Ängste haben und sich grundsätzlich weigern, Deutsch zu sprechen.

Wie lange hat es gedauert, die vielen Geschichten und Berichte, die es auf ihrer Internetseite gibt, zu recherchieren?

Intensiv beschäftige ich mich seit 2005 mit dem Thema, aber ich habe vorher schon einige Jahre gebraucht um mich vorzubereiten.

Was wird im Zug der Erinnerung dargestellt?

Im Zug der Erinnerungen werden die Schicksale der aus den jeweiligen Städten verschleppten Kinder dargestellt.

Wodurch sind Sie auf Frau Goldschmidt aufmerksam geworden?

Zunächst habe ich nach allen Menschen in Gelsenkirchen mit dem Namen Goldschmidt gesucht, dabei bin ich auf Esther Goldschmidt aufmerksam geworden. Dadurch entwickelte sich ein Kontakt über das Projekt „Stolpersteine”, bei dem Frau Goldschmidt eine Patenschaft für ihre verstorbenen Angehörigen übernehmen wollte, insbesondere Fritz Goldschmidt, Grete Goldschmidt und Mathilde Wertheim, geborene Goldschmidt.

Franziska Dutka, 8b, Gerhart-Hauptmann-Realschule

Erstveröffentlichung in der WAZ Gelsenkirchen am 29.04.2009

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SCHICKSALS-BRIEFE

Im Rahmen des Zeus-Projektes „Zeitung und Schule“ erschien heute ein Interview mit Esther Goldschmidt in der WAZ Gelsenkirchen. Das Interview wurde von Jessica Nowak, 8a der Gerhard-Hauptmann-Realschule geführt.

Zitat:

Vergangene Gegenwart

Die jüdische Autorin Esther Goldschmidt ist vom Schicksal Ihrer ermordeten Familienmitglieder tief berührt und veröffentlichte Briefe, die sich die Verwandten schrieben, in einem Buch. Der Holocaust in Deutschland bedeutete für Millionen von Juden Leiden oder Sterben. Auch ihre Angehörigen, die damit keine eigenen Erfahrungen gemacht haben, sind oft traurig, verzweifelt und wütend über das Geschehene.

Mit Ihrem Buch „Vergangene Gegenwart“ möchte Esther Goldschmidt den Lesern nahelegen, die Vergangenheit niemals zu vergessen, aus ihr zu lernen und die eigene und andere Meinungen zu hinterfragen. Doch vor allem sollten wir den Mut aufbringen unsere eigene Meinung zu vertreten!

Jessica Nowak, 8a der Gerhard-Hauptmann-Realschule

Erika Esther Goldschmidt wuchs in Gelsenkirchen auf und lebt jetzt in Flensburg. Über 30 Ihrer Familienmitglieder wurden in der NS-Zeit wegen Ihrer jüdischen Herkunft ermordet. Ein Interview.

Interview lesen: Damit sie nicht vergessen werden

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Weitere Patenschaft für Stolperstein übernommen

Ludwig Baum übernimmt Patenschaft

Der Arbeitskreis Stolpersteine Gelsenkirchen teilt mit: „Wir freuen uns, das Ludwig Baum die Patenschaft für einen Stolperstein übernommen hat.“ In einer ersten Verlegeaktion sollen in Gelsenkirchen neun Stolpersteine verlegt werden. Mehr dazu auf der Internetpräsenz des Arbeitskreises Stolpersteine Gelsenkirchen: www.stolpersteine-gelsenkirchen.de

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VVN/BdA unterstützt die Initiative Stolpersteine in Gelsenkirchen

Stolperstein für Franz Zielasko in Gladbeck

Die Gelsenkirchener Gruppe der VVN/BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/ Bund der AntifaschistenInnen) hat auf ihrer Sitzung im April 2009 die Unterstützung der Initiative „Stolpersteine in Gelsenkirchen“ beschlossen.


Die „Stolpersteine“ des Kölner Künstlers Gunter Demnig sollen nun auch in Gelsenkirchen verlegt werden. Mit diesen bündig ins Pflaster der Gehwege eingelassenen Mahnmalen soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die von den Nationalsozialisten deportiert und ermordet wurden. Und zwar dort, wo diese Menschen gelebt haben, vor den Türen ihrer Häuser. Die Verlegung von Stolpersteinen ist auch eine Geste an die Überlebenden des Holocaust, denn sie geben den ermordeten Menschen ihre Namen, die Würde und den Respekt zurück. Stolpersteine verursachen kein tatsächliches stolpern, sondern es soll ein „darauf stoßen“ im übertragenen Sinne sein. Die VVN/BdA Gelsenkirchen hat die Patenschaft für den Stolperstein, der Erich Lange gewidmet wird, übernommen.

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Sie sollen nicht vergessen sein – jüdische Kriegsveteranen

Zwischen Sowjetstern und Davidstern

In Berlin erzählte eine Ausstellung im Jahr 2006 die Geschichten von 13 jüdischen Veteranen der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg „Es ging uns darum, diesen Menschen eine Stimme zu geben und sie somit zu würdigen. Ihnen gebührt unser Respekt und Dank“; sagte Hermann Simon, Direktor des Berliner Centrum Judaicums und Initiator der Ausstellung „Zwischen Sowjetstern und Davidstern – jüdische Veteranen der Roten Armee 1945 und heute in Berlin“.

In dieser Hinsicht unterscheiden sich die Schicksale der Berliner Juden von den in Gelsenkirchen lebenden Juden aus der ehemaligen Sowjetunion kaum. Im April 2009 lebt von acht Veteranen nur noch einer von ihnen in Gelsenkirchen.

Historiker Christian Schölzel, der diese Idee mit seinem Münchener Team von „Cultur and more“ gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern aus vier Berliner Gymnasien (Canisius-Kolleg, Jüdische Oberschule, Evangelisches Gymnasium zum Grauen Kloster sowie Gottfried-Keller-Gymnasium) umgesetzt hat, fügte hinzu: „Wir waren überrascht, wie offen diese Menschen uns ihre Geschichte trotz aller Ängste und Vorbehalte erzählt haben.“ Das Schicksal und die bewegenden Erinnerungen von 13 russisch-jüdischen Veteranen werden bei dieser Ausstellung auf Schautafeln und Fotos dokumentiert.

Diese Ausstellung kann hier virtuell besucht werden: GELSENZENTRUM: Zwischen Sowjetstern und Davidstern

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Die Jusos und die rechte Schnecke

Jusos verwundert über die rechte Schnecke „Gerry“

Die Gelsenkirchener Jungsozialisten haben mit Erstaunen festgestellt, dass sich Kevin Gareth Hauer, Funktionär der rechtsextremen Gruppierung „Pro Gelsenkirchen“, jetzt öffentlich ‚Gerry‘ Hauer nennt.

„Wer denkt, dass sich hinter dem neuen Namen ein ausgebuffter Wahlkampftrick versteckt, wird sich wahrscheinlich irren“, mutmaßt Jan Dworatzek, stellvertretender Vorsitzender der Jusos. „Möglicherweise möchte Hauer damit nur seine Sympathie zur Figur der Schnecke ‚Gary‘ aus der bei Kindern sehr beliebten Zeichentrickserie ‚Spongebob Schwammkopf‘ betonen?!“

Der SPD-Jugendorganisation drängt sich jedoch ein anderer Eindruck auf. Das Sinnbild einer „langsamen Schnecke“ könne natürlich auch in anderer Weise zu Hauer passen: „Allenfalls mit stark gebremster Geschwindigkeit für eine tolerante, demokratische Gesellschaft plädieren und stattdessen lieber Vorurteilen und Rassismus die Vorfahrt lassen“, so Juso-Vorstandsmitglied Tobias Lang.

Fakt bleibe schließlich, dass der NRW-Verfassungsschutz Hauers Gruppierung „Pro NRW“ als rechtsextrem und verfassungsfeindlich einstufe. An dieser Bewertung werde wohl auch der neue Name des Gelsenkirchener Kreisvorsitzenden von „Pro“, Kevin Gareth ‚Gerry‘ Hauer, nichts ändern.

Medienmitteilung der Jusos von Samstag, 11. April 2009

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Stolpersteine werden in Gelsenkirchen verlegt

Nun steht es fest: Auch in Gelsenkirchen werden Stolpersteine verlegt

Der Kölner Aktionskünstler Gunter Demnig hat heute die Verlegung von Stolpersteinen in Gelsenkirchen bestätigt. Nach der Vorbereitungs- und Planungsphase werde ich nun das Projekt „Stolpersteine in Gelsenkirchen“ realisieren können. Einen ersten Verlegetermin stimme ich zur Zeit mit Gunter Demnig ab.

Mein besonderer Dank gilt dem Team der Gelsenkirchener Geschichten und all‘ den Menschen, die mir ihr Vertrauen entgegen gebracht haben und an der Realisierung direkt oder indirekt beteiligt sind. Weitere Infos zum Projekt auf der Internetpräsenz des Arbeitskreises Stolpersteine Gelsenkirchen:

Stolpersteine in Gelsenkirchen

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Kommentare gelöscht

Wider dem braunen Ungeist

Der Rat der Stadt Gelsenkirchen hat am 26. März 2009 beschlossen, der rechtsextremen Partei Pro NRW die Glashalle von Schloß Horst nicht für ihren Parteitag im Juni zur Verfügung zu stellen. Alle Gruppen und Fraktionen stimmten für diesen Beschluss, bis auf Kevin Hauer, der Kreisvorsitzender von Pro-NRW in Gelsenkirchen ist.

Noch am 18. Februar 2008 fand im im alten Rittersaal auf Schloss Horst eine Veranstaltung von “pro NRW” statt, die Beteiligten hoben in einer Immobilie im Besitz der Stadt Gelsenkirchen ganz offiziell den “Bezirksverband Ruhrgebiet” aus der Taufe und gaben dazu die “Gelsenkirchener Erklärung” ab. Der OB hatte seinerzeit den Rittersaal im Rahmen einer Dienstanweisung an Hauer und seine Mannen vermieten lassen.

Die jetzige Entscheidung des Rates hätte garnicht anders ausfallen dürfen, es ist eine Selbstverständlichkeit, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um dem braunen Ungeist zu jeder sich bietenden Gelegenheit Widerstand entgegen zu setzen.

Die WAZ greift das Thema in ihrem Internet-Auftritt „Der Westen“ am 27. März 2009 auf, innerhalb kürzester Zeit hinterlassen die User rund 80 Kommentare, die nun ohne Angabe von Gründen von Seiten der WAZ-Verantwortlichen gelöscht wurden.

Den WAZ-Artikel lesen: WAZ Online

Die Diskussion im Online-Forum Gelsenkirchener Geschichten: Antifaschismus als kommunale Aufgabe

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Chronist des Völkermords

Otto Pankoks Sinti- und Roma-Porträts wurden in Berlin gezeigt

Die Präsentation der künstlerischen Arbeiten von Otto Pankok zur Erinnerung an den Völkermord an den Sinti und Roma sollte eigentlich als Begleitprogramm zur Errichtung des Denkmals des israelischen Künstlers Dani Karawan, der den ersten Preis bei der Auslobung im Wettbewerb zu dem Mahnmal gewonnen hatte, laufen.

Doch leider wurde dieses Mahnmal für die 500 000 Ermordeten immer noch nicht am vorgesehenen Ort in der Nähe des Bundestages aufgestellt, obwohl der Bundesrat am 20. Dezember 2007 einstimmig den Bau beschlossen hatte und am 22. Januar 2008 eine Einigung von Bundesregierung und dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma über die ideenreiche architektonisch-plastische Gestaltung des Environments erzielt wurde. Auch über die Inschrift der Widmung war man sich einig.

Sie ist ein Zitat von Roman Herzog: »Der Völkermord an den Sinti und Roma ist aus dem gleichen Motiv des Rassenwahns und dem gleichen Vorsatz und dem gleichen Willen zur planmäßigen und endgültigen Vernichtung durchgeführt worden, wie an den Juden. Sie wurden im gesamten Einfiussbereich der Nationalsozialisten systematisch und familienweise vom Kleinkind bis zum Greis ermordet«.

Otto Pankok (1893-1966) ist der einzige deutsche Künstler, der sein gesamtes Schaffen dem Volk der Sinti und Roma gewidmet hat. Romani Rose bezeichnet ihn als historischen Chronisten des Holocaust an seinem Volk. »Die von Otto Pankok geschaffenen Portraits bewahren die Erinnerung an unsere verfolgten und ermordeten Frauen, Männer und Kinder, denen der NS-Staat das bloße Recht zu existieren absprach.« (…) Von Heinrich Fink

Die Berliner Saarländische Galerie Europäisches Kunstforum e. V. präsentierte Anfang des Jahres in Kooperation mit dem Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscheinti und Roma in Heidelberg eine Ausstellung mit Arbeiten von Otto Pankok. Der Katalog erschien unter dem Titel otto pankok: sinti – portraits 1931 bis 1945 – Eva Pankok und Romani Rose (Hg.) im Dam und Lindlar Verlag. ISBN Nr. 978-3-9812268-3-6

antifa, Publikation des VVN/BdA. Ausgabe März/April 2009

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