Erinnerung bewahren

Die Erklärung der Lagergemeinschaften im Wortlaut

KZ-Überlebende, die die internationalen Komitees von neun Lagern vertreten, verabschiedeten in Berlin ein »Vermächtnis«, das am 26.1.09 auf einer Presskonferenz in der Berliner Akademie der Künste vorgestellt und am 27. Januar an Bundestagspräsident Norbert Lammert übergeben wurde.

Erinnerung Bewahren

Bild: Jack Terry, Marian Turski, Noach Flug, Sam Bloch und Pierre Gouffault.
Foto: Boris Buchholz

»Wir, die Unterzeichnenden, Überlebende der deutschen Konzentrationslager, Frauen und Männer, vertreten Internationale Häftlingskomitees der Konzentrationslager und ihrer Außenkommandos. Wir gedenken unserer ermordeten Familien und der Millionen Opfer, die an diesen Orten der Asche getötet wurden. Ihre Verfolgung und Ermordung aus rassischen, politischen, religiösen, sozialen, biologischen und ökonomischen Gründen und ein verbrecherischer Krieg haben die Welt an den Rand des
Abgrunds geführt und eine schreckliche Bilanz hinterlassen.

Nach unserer Befreiung schworen wir eine neue Welt des Friedens und der Freiheit aufzubauen: Wir haben uns engagiert, um eine Wiederkehr dieser unvergleichlichen Verbrechen zu verhindern. Zeitlebens haben wir Zeugnis abgelegt, zeitlebens waren wir darum bemüht, junge Menschen über unsere Erlebnisse und Erfahrungen und deren Ursachen zu informieren. Gerade deshalb schmerzt und empört es uns sehr, heute feststellen zu müssen: Die Welt hat zu wenig aus unserer Geschichte gelernt.

Gerade deshalb müssen Erinnerung und Gedenken weiterhin gleichermaßen Aufgabe der Bürger und der Staaten sein. Die ehemaligen Lager sind heute steinerne Zeugen: Sie sind Tatorte, internationale Friedhöfe, Museen und Orte des Lernens. Sie sind Beweise gegen Verleugnung und Verharmlosung und müssen auf Dauer erhalten werden. Sie sind Orte der wissenschaftlichen Forschung und des pädagogischen Engagements. Die pädagogische Betreuung der Besucher muss ausreichend gewährleistet sein. Die unvergleichlichen Menschheitsverbrechen der Nationalsozialisten – erinnert werden muss in diesem Zusammenhang vor allem an den Holocaust – geschahen in deutscher Verantwortung.

Deutschland hat viel zur Aufarbeitung seiner Geschichte getan. Wir erwarten, dass die Bundesrepublik und ihre Bürger auch in Zukunft ihrer Verantwortung in besonderem Maße gerecht werden. Aber auch Europa hat seine Aufgabe: Anstatt unsere Ideale für Demokratie, Frieden, Toleranz, Selbstbestimmung und Menschenrechte durchzusetzen, wird Geschichte nicht selten benutzt, um zwischen Menschen, Gruppen und Völkern Zwietracht zu säen. Wir wenden uns dagegen, dass Schuld gegeneinander aufgerechnet, Erfahrungen von Leid hierarchisiert, Opfer miteinander in Konkurrenz gebracht und historische Phasen miteinander vermischt werden.

Daher bekräftigen wir den von der ehemaligen Präsidentin des Europäischen Parlaments und Auschwitz-Überlebenden Simone Veil vor dem Deutschen Bundestag
2004 ausgesprochenen Appell zur Weitergabe der Erinnerung: »Europa sollte seine gemeinsame Vergangenheit als Ganzes kennen und zu ihr stehen, mit allen Licht- und Schattenseiten; jeder Mitgliedstaat sollte um seine Fehler und sein Versagen wissen und sich dazu bekennen, mit seiner eigenen Vergangenheit im Reinen zu sein, um auch mit seinen Nachbarn im Reinen sein zu können.«

Unsere Reihen lichten sich. In allen Instanzen unserer Verbände, auf nationaler wie internationaler Ebene, treten Menschen an unsere Seite, um die Erinnerung aufzunehmen: Sie geben uns Vertrauen in die Zukunft, sie setzen unsere Arbeit fort. Der Dialog, der mit uns begonnen wurde, muss mit ihnen fortgeführt werden. Für diese Arbeit benötigen sie die Unterstützung von Staat und Gesellschaft.

Die letzten Augenzeugen wenden sich an Deutschland, an alle europäischen Staaten und die internationale Gemeinschaft, die menschliche Gabe der Erinnerung und des Gedenkens auch in der Zukunft zu bewahren und zu würdigen. Wir bitten die jungen Menschen, unseren Kampf gegen die Nazi-Ideologie und für eine gerechte, friedliche und tolerante Welt fortzuführen, eine Welt, in der Antisemitismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus keinen Platz haben sollen.
Dies sei unser Vermächtnis.«

Berlin, 25. Januar 2009

Das Vermächtnis unterzeichneten:

Noach Flug (Jerusalem) Internationales Auschwitz Komitee

Sam Bloch (New York) World Federation of Bergen-Belsen

Bertrand Herz (Paris) Internationales Buchenwald Komitee

Max Mannheimer (München) Internationales Dachau Komitee

Uri Chanoch (Jerusalem) Internationales Komitee Nebenlager Dachau

Jack Terry (New York) Internationales Flossenbürg Komitee

Albert van Hoey (Brüssel) Internationales Komitee Mittelbau-Dora

Robert Pingon (Tours) Internationales Neuengamme Komitee

Annette Chalut (Paris) Internationales Ravensbrück Komitee

Pierre Gouffault (Paris) Internationales Sachsenhausen Komitee

Quelle: antifa März/April 2009

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Dortmunder Siedlung nach Hitler-Helfer benannt

Emil Kirdorf war einer der erfolgreichsten Manager, der das Ruhrgebiet geprägt hat. Und einer der wichtigsten Unterstützer Adolf Hitlers. Viele Städte haben wegen der Nazivergangenheit Kirdorf die Ehrenbürgerwürde genommen. Nur in Dortmund gibt es noch die „Kirdorf-Siedlung“.

Für Rudolf Kahlweit (81) ein unmöglicher Fall, dass eine Siedlung in Dortmund noch heute nach einem glühenden Verehrer und vehementen Unterstützer des Nationalsozialismus Emil Kirdorf benannt ist. „Ich habe 40 Jahre auf der Zeche Minister Stein und in Gelsenkirchen gearbeitet“, betont Kahlweit. „In Gelsenkirchen hat man ihm die Ehrenbürgerwürde entzogen.“ Die Kirdorf-Straße in Rüttenscheid verschwand bereits 1945. Und auch der Schacht IV von Minister Stein in Eving heißt seit Jahrzehnten nicht mehr „Emil Kirdorf“, sondern „Hammerkopfturm“.

Bis zum 1. Weltkrieg hatte Kirdorf als Direktor sein Unternehmen zum größten Montanunternehmen Europas entwickelt. Der erzreaktionäre Gewerkschaftsfeind trieb durch schlechte Arbeitsbedingungen 1905 200.000 seiner Arbeiter in einen Aufstand. Der Arbeitskampf endete blutig und erfolglos. Hitler war für Kirdorf schon 1927 „ein Hoffnungsstrahl für Deutschland“. Er motivierte Hitler, sich an die Unternehmer zu wenden und gründete die „Ruhr-Lade“ der Industriellen, die systematisch den Aufstieg Hitlers unterstützte. Zuvor hatte er mit eigenem Geld die finanziell stark angeschlagene NSDAP vor dem Ruin gerettet. Als das greise Parteimitglied 1938 gestorben war, ordnete Hitler ein Staatsbegräbnis an, an dem er auch teilnahm. (…)

Zitat aus der WAZ Dortmund vom 26.01.2009, Artikel von Alexander Völkel

Weiterlesen: Dortmunder Siedlung nach Hitler-Helfer benannt

Zitat aus einem Lesebrief zu diesem Artikel:

(…) Solche Informationen sind wertvoll und ich würde mich über mehr solcher Beiträge freuen! Noch mehr freuen würde ich mich aber, wenn die Stadtoberen diese Chance nutzen würden, um qua Umbenennung der Siedlung ein Zeichen gegen die Umtriebe junger Faschisten in unserer Stadt zu setzen. Solche symbolischen Akte sind ebenso wichtig, wie die praktischen, z.B. die Verbote und Ver- bzw. Behinderungen von Aufmärschen durch unserere Wohnviertel. Mein Vorschlag: Die Siedlung sollte nach Gisbert Wille umbenannt werden. Der war Schießmeister der Zeche Minister Stein und wurde von SA-Männern auf dem heutigen Nordmarkt erschlagen, weil er sich weigerte, ihren „Putzlappen“ (gemeint hatte er die Hakenkreuzfahne) zu grüßen… #8 von Jan Tacke, am 28.01.2009 um 11:53

Mehr über Kirdorf: Gelsenkirchen und Emil Kirdorf
Mehr über die Totenfeier: Totenfeier für Emil Kirdorf in Gelsenkirchen

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Gestorben: John “Johannes” Chillag

John Chillag starb am 21. März 2009 im St Gemma’s Hospice in Leeds, UK.

John Chillag wurde 1927 in Wien geboren. Im Jahr 1934, kurz nach dem gescheiterten Versuch der Nazis, die österreichische Regierung zu stürzen, ging Johns Familie nach Györ in Ungarn. Er war 17 Jahre alt, als am 19. März 1944 die Nationalsozialisten Ungarn besetzten. Unmittelbar nach der Besetzung begannen die Nazis, die anti-jüdischen „Nürnberger Gesetze“ umzusetzen. Für John bedeutete dies unter anderem, dass er nicht weiter die Schule besuchen konnte.

Im April 1944 wurde in einem Bezirk von Györ ein Ghetto errichtet, auch Johns Familie und 5000 weitere Juden (10 Prozent der Stadtbevölkerung von Györ) wurden in das Ghetto eingewiesen. John lebte nun mit 35 anderen Familienangehörigen in einem Haus. Trotz der beengten Verhältnisse waren sie glücklich, weil sie so zusammen bleiben konnten.

An einem Tag im Mai wurde die ganze Familie und alle anderen Bewohner brutal auf den zentralen Platz des Ghettos zusammen getrieben, wo sie durchsucht wurden und man ihnen alles wegnahm, was sie bei sich trugen. Anschließend wurden die Menschen in ein anderes Ghetto am Stadtrand von Győr gebracht.

Nur wenige Tage nach dem D-Day, am 11. Juni 1944, wurden die Bewohner des Ghettos gezwungen, in die am Rangierbahnhof von Györ stehenden Viehwaggons zu steigen. Ihr Ziel war Auschwitz-Birkenau. John, sein Vater und ein Onkel überlebt die Selektion von Dr. Mengele. Die anderen (über 30) Mitglieder der Familie wurden, so sagte man ihnen, in ein „Familien-Lager“ deportiert. Doch schon bald erfuhr John von den Mitgefangenen, das seine Familie nicht in ein anderes Lager gebracht worden war, sondern dass sie in den Gaskammern von Auschwitz ermordet worden waren.

Nachdem sie etwa 3-4 Wochen in dem Lager waren, wurden John Chillag und sein Vater nach Deutschland deportiert. Sie sollten zur Sklavenarbeit in deutsche Rüstungsbetriebe eingesetzt werden. John und sein Vater waren unter den 270 Sklavenarbeitern, die in ein Außenlager des KZ Buchenwald beim „Bochumer Verein“, einer Rüstungsschmiede in Bochum, deportiert wurden. Unter schwierigsten Bedingungen mußten die Menschen dort in 12-Stunden-Schichten arbeiten. So mußten sie ohne jedwede Schutzkleidung 1000 ° Celsius heiße, rotglühende Stahl-Barren verarbeiten. Auch wenn es mehr Essen gab als in Auschwitz, war es doch kaum genug, um zu überleben. Als Folge dieser Umstände wurde John’s Vater sehr schwach und starb im Dezember 1944.

Als im März 1945 die alliierten Truppen den Rhein überquerten, wurde das Außenlager „evakuiert“, John und die anderen Häftlinge wurden ins KZ Buchenwald gebracht. Zu dieser Zeit war er sehr schwach und es schien, dass er den Horror der Vernichtungslager nicht überleben würde. Die amerikanischen Truppen befreiten Buchenwald am 11. April 1945. John war nicht mehr in der Lage, sich alleine von seiner Pritsche zu erheben, – er wog nur noch 25 kg. Nach zahlreichen Bluttransfusionen überlebte John, „Wie durch ein Wunder“, wie er selbst sagte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging John zurück nach Ungarn, in der Hoffnung, dass jemand aus seiner Familie den Holocaust überlebt hat. Doch niemand hatte überlebt. Später flüchtete er vor dem kommunistischen Regime in Ungarn und wanderte nach Australien aus. Dort heiratete er und ging später mit seiner Frau und seinen Kindern nach England. In den letzten Jahren hielt John Vorträge in Schulen und vor anderen Gruppen und führte viele Gespräche über seine Erlebnisse in der Shoa in der Hoffnung, dass jüngere Generationen aus seinen Vorträgen und Berichten etwas lernen, lernen für eine bessere Zukunft.

John Chillag schrieb am 31. Juli 2008 an GELSENZENTRUM:

„Zwei meiner Verwandten, ungarische Jüdinnen, waren Zwangsarbeiterinnen bei der Gelsenberg Benzin AG, und sind wahrscheinlich durch Bombardierung am 11. September 1944 ums Leben gekommen. Sie waren: Paula Schwartz geboren am 30. November 1920, Häftlingsnummer 11050 und Jolán Schwartz geboren am 18. November 1922, Häftlingsnummer 11415. Haben Sie Informationen darüber?“

Zitat aus dem Antwortschreiben von GELSENZENTRUM:

Sehr geehrter Herr Chillag, (…) Leider muss ich Ihre Vermutung bestätigen, die von Ihnen genannten Frauen, Paula Schwartz und Jolan Schwartz sind bei den Bombardierungen zwischen dem 11. und 13. September 1944 getötet worden. Ihre Namen finden sie auf der virtuellen Gedenktafel (VirtualVoices) für die Opfer vom Gelsenberglager, Außenlage des KZ Buchenwald in Gelsenkirchen (…)

John Chillag hat seine Erlebnisse in einem Buch dokumentiert:
The Odyssey of John Chillag

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SS-Polizeidivision in Griechenland

Die SS-Polizeidivision auf ihrem Weg in Griechenland

Mittwoch, 25. März 2009, 20.00 Uhr

Vortrag von Dieter Begemann, Herford

Griechenland, das ist für viele der Traum von Sonne und südländischem Lebensgefühl vor dem Hintergrund antiker Stätten und Kultur. Abseits der touristischen Trampelpfade lässt sich ein differenzierteres Bild des Landes und seiner Geschichte entdecken. Als Deutscher findet man dort bei genauem Hinsehen die Spuren der Besatzungsjahre 1941 bis 1944, von den gastfreundlichen Griechen selten erwähnt, aber unvergessen.

Einheiten der SS-Polizei-Division waren zwischen 1943 und 1944 für schwerste Verbrechen an der griechischen Zivilbevölkerung verantwortlich, bei denen unter anderem in den Gemeinden Distomo und Klissura hunderte von Menschen, vom Säuglings- bis zum Greisenalter getötet wurden. Der Eintritt ist frei. In Kooperation mit dem Ausländerbeirat Münster

Veranstaltungsort:
Villa ten Hompel
Kaiser-Wilhelm-Ring-28, 48145 Münster
tenhomp@stadtmuenster.de
Tel.: 0251 492 7101

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Skandal – Früherer KZ-Wächter kommt davon

USA weisen früheren KZ-Wächter nach Österreich aus – SS-Mann beteiligte sich an Massakern an Juden

Die USA haben einem früheren KZ-Wächter die Staatsbürgerschaft aberkannt und ihn nach Österreich abgeschoben. Der 83-jährige Josias Kumpf habe sich im deutschen Konzentrationslager Sachsenhausen und im Lager Trawniki auf dem Gebiet Polens an Gräueltaten der Nazis beteiligt, teilte das US-Justizministerium am Donnerstag in Washington zur Begründung mit. Kumpf entgeht der Strafverfolgung, Grund sei unter anderem, dass er nie österreichischer Staatsbürger gewesen sei und die Taten nicht in Österreich begangen habe, sagte eine Specherin des Justizministeriums.

Kumpf habe im Zuge der Ermittlungen zugegeben, bei einem Massaker an 8.000 Juden in Trawniki „Wache gestanden zu haben mit dem Befehl, auf Flüchtende zu schießen“, sagte die zuständige Abteilungsleiterin im Justizministerium, Rita Galvin. Seine Ausweisung nach Österreich sei „ein weiterer Meilenstein“ im Bemühen der US-Justiz, NS-Tätern den Unterschlupf in den USA zu verwehren.

Der in Serbien geborene Kumpf, ein ehemaliges Mitglied der SS, war nach Ministeriumsangaben im Jahr 1956 aus Österreich in die USA ausgewandert und hatte 1964 die Staatsbürgerschaft angenommen. Zuletzt lebte er in Racine im Bundesstaat Wisconsin. Die US-Justiz hatte 2003 Ermittlungen aufgenommen, um ihm die Staatsbürgerschaft abzuerkennen.

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Der Holocaust in Ungarn

Ab dem Frühjahr 1944, vor 70 Jahren, wurden die ungarischen Juden nach Auschwitz deportiert – im Juli war das Land mit Ausnahme der Hauptstadt Budapest „judenfrei“

In der letzten Phase des Zweiten Weltkrieges gab es nur noch eine große jüdische Gemeinschaft in Europa, die vom Völkermord der Nationalsozialisten weitgehend verschont worden war: die ungarische. Das Land hatte sich auf die Seite Deutschlands gestellt und gehörte mit seiner Armee zu den Okkupanten der UdSSR. Im SS-Reichssicherheitshauptamt (RSHA) in Berlin wartete man ungeduldig auf den Augenblick, in dem es möglich sein werde, auch die ungarischen Juden der „Endlösung zuzuführen“. Als im Frühjahr 1944 die bevorstehende deutsche Niederlage nicht mehr schönzureden war, galt als oberstes Ziel der Kriegführung, die europäischen Juden ohne jedwede Rücksicht zu vernichten.

An oberster Stelle der Agenda stand für den Exekutor der „Endlösung“, Adolf Eichmann, die jüdische Gemeinschaft in Ungarn. Es waren nach der Volkszählung von 1941 rund 725.000 Männer, Frauen und Kinder. Das entsprach fast fünf Prozent der Gesamtbevölkerung. Sie lebten in einer zutiefst antisemitischen Gemeinschaft, die besonders von den Medien, also Zeitungen und Hörfunk, angeheizt wurde. Die zweite judenfeindliche Macht war die katholische Kirche in einem fast einhundertprozentig katholischen Land. Drittens muss die Armee genannt werden, die ebenfalls ein Hort des Antisemitismus war. Diese Stimmung und wirtschaftliche Interessen führten schließlich dazu, dass die ungarische Regierung sich auf die Seite des nationalsozialistischen Deutschlands stellte.

Im Mai 1938 wurde das erste judenfeindliche Gesetz erlassen. Es schränkte den jüdischen Einfluss in der Wirtschaft auf sechs Prozent ein. „Davon abgesehen lebten die ungarischen Juden einstweilen noch in Sicherheit, wenn auch unter beträchtlichen Beschränkungen ihrer bürgerlichen Rechte und wirtschaftlichen Möglichkeiten.“, wird deren Lage in der „Enzyklopädie des Holocaust“ (Band 3, Seite 1465) beschrieben. Als sich die ungarische Regierung im März 1944 immer noch weigerte, die „Endlösung“ zu vollstrecken, besetzte Deutschland kurzerhand das verbündete Land. Das war am 19. März 1944. Adolf Eichmann kam persönlich nach Budapest, um die Deportationen sozusagen vor Ort zu überwachen. Das war zugleich die Zeit, da der Schwede Raoul Wallenberg in Budapest seine berühmte Rettungsaktion in die Wege leitete. Die Deutschen als neue Herren setzten die ungarische Regierung ab, ein antisemitisches deutschfreundliches Regime unter Döme Sztojay übernahm die Macht.

Kurze Zeit später, am 15. April 1944, gründeten ungarische Antisemiten unter Laszlo Endre in Budapest das „Institut zur Erforschung der Judenfrage“. Das Institut entwickelte für die neue Regierung die Voraussetzungen für die systematische Erfassung und Vernichtung der ungarischen Juden. Zuerst mussten die Juden in örtlichen Synagogen hausen, dann wurden sie in die Bezirkshauptstädte verschleppt, schließlich kamen sie in große zentrale Sammellager. Längst mussten sie den gelben Fleck an ihrer Kleidung tragen.

Grausame Herrschaft der „Pfeilkreuzler“

Die Deportationen ins Gas von Auschwitz folgten „territorialen Prioritäten“. Das bedeutete, sie richteten sich nach dem Vormarsch der Roten Armee. Wo die in Kürze erwartet wurde, mussten die Juden verschwinden, wurden ins Gas geschickt. Mindestens 437.000 wurden in Auschwitz ermordet. Sie kamen zwischen dem 15. Mai und dem 9. Juli 1944 aus 55 größeren Ghettos oder riesigen Lagern. Die verplombten Güterzüge waren hermetisch verschlossen. Außer der Hauptstadt Budapest war Ungarn Anfang Juli 1944 „judenfrei“. Die Budapester Juden wurden zwar nicht in Birkenau ermordet, ihre schlimmste Zeit stand ihnen aber noch bevor. Das war die Herrschaft der „Pfeilkreuzler“. Sie begann nach Admiral Horthys gescheitertem Versuch, Ungarn aus dem Krieg herauszuziehen. Das war am 15. Oktober 1944. Die Pfeilkreuzler jagten, malträtierten und mordeten die Juden. Ihre Herrschaft endete mit der Befreiung Budapests durch die Rote Armee am 17. Januar 1945. An dem Tag verschwand auch der berühmteste Judenretter während des Holocaust, Raoul Wallenberg, in den Weiten der UdSSR.

Heiner Lichtenstein

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Wer sind die Toten von Marienburg?

Rätsel um ein Massengrab mit über 2 000 Opfern

Massengrab zu Füßen der Marienburg

Es ist ein grausiger Fund, der bis heute viele Rätsel aufgibt. Ort des Geschehens ist die für ihre prächtige Ordensburg bekannte polnische Stadt Malbork, früher Marienburg, etwa 60 Kilometer südlich von Danzig. Anfang Oktober des vergangenen Jahres stießen dort Arbeiter beim Ausheben der Baugrube für ein neues Hotel auf menschliche Skelette. Als die Stadtverwaltung die ersten 67 Toten auf dem städtischen Friedhof beerdigen ließ, ahnte noch niemand, welches Ausmaß das Massengrab unter dem attraktiven Baugrundstück nahe der berühmten Burg tatsächlich hatte. Mehr als 2 000 Tote fanden die Arbeiter des städtischen Bauamtes bisher, und bis Redaktionsschluss bargen sie täglich immer noch zehn Tote.

Unter der Leitung des Malborker Archäologen Zbigniew Sawicki haben sie sich zu wahren Fachleuten entwickelt. Mit Spaten, kleinen Hacken und schließlich mit Pinseln legen sie behutsam die Gebeine frei und sammeln sie anschließend in großen Leichensäcken. Abends bringen sie diese zum Friedhof und legen sie in zwei Wellblechgaragen ab. Dort sind sie sicher. Viele der Gebeine im jüngst entdeckten Massengrab von Marienburg sind nicht mehr zu identifizieren. Es gibt kaum Informationen und wenig Indizien, die helfen könnten, das Schicksal dieser Menschen zu klären.

Bei ihrer ungewöhnlichen Aufgabe lassen sich die Arbeiter geduldig befragen und fotografieren von den ungezählten Journalisten, die aus Polen und Deutschland nach Malbork gekommen sind. Sogar die New York Times berichtete, und auch die BBC äußerte Interesse. Der Grabfund bewegt die Gemüter. In der Malborker Regionalpresse bekunden Einwohner Mitgefühl mit den überraschend gefundenen Toten, von denen sie vermuten, dass sie Deutsche sind. (…)

(Foto: Fritz Kirchmeier)

Weiterlesen auf: www.volksbund.de

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Wissenschaftler gründen das digitale historische Archiv Köln

WWW: „Das digitale Historische Archiv Köln“
Initiative will kulturelle Erinnerung der Stadt Köln für die Zukunft sichern

Köln, den 10. März 2009. „prometheus – Das verteilte digitale Bildarchiv für Forschung und Lehre e.V.“ hat am Wochenende das digitale Historische Archiv Köln ins Leben gerufen. Die Initiative will einen Beitrag zur Rettung und Sicherung der kulturellen Erinnerung der Stadt Köln leisten. Berufsverbände unterstützen das Projekt.

Der Einsturz des Historischen Archivs Köln am 3. März 2009 ist eine menschliche und kulturhistorische Katastrophe, deren Ausmaß man erst langsam begreift. Das Archiv war nicht nur eines der größten, sondern auch der ältesten Stadtarchive. Seit 1320 wurden die Beschlüsse des Rates protokolliert, und seit 1513 lagen sie lückenlos vor. Das „Gedächtnis“ der Stadt Köln hütete Archivalien aus über 1000 Jahren Stadtgeschichte.

Mehr als 65.000 Urkunden, 26 Regalkilometer Akten, 104.000 Karten und Pläne, 50.000 Plakate, 780 Nachlässe und rund eine
halbe Million Fotos wurden hier aufbewahrt – materielle Zeugnisse, die kulturelle Erinnerung begründeten und von Forscherinnnen und Forschern aus der ganzen Welt rege konsultiert wurden. Ein großer Teil dieser Zeugnisse ist vermutlich unwiederbringlich zerstört. In diesen Tagen konzentrieren sich alle Kräfte auf die Rettung der Realien vor Ort. Viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben ihre Fachkenntnisse angeboten und helfen tatkräftig mit.

Wir wollen einen Beitrag zur Rettung der kulturellen Erinnerung der Stadt Köln leisten. Mit dem Aufbau eines offenen digitalen Archivs unter www.historischesarchivkoeln.de

HIER FÜR BRAUCHEN WIR IHRE MITHILFE!

Wir bitten alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Forschungsunterlagen nach Vervielfältigungen von Archivalien aus dem Historischen Archiv zu durchsuchen und ihre Fotografien, Kopien und Verfilmungen in das digitale Historische Archiv einzustellen. Das digitale Historische Archiv Köln ist als ein offenes Archiv konzipiert und dient vor allem der Rekonstruktion und Sicherung der Archivalien nach der Bergung und der wissenschaftlichen Forschung, die nun über Jahre nicht auf die Originale wird zugreifen können.

HELFEN SIE MIT

Stellen Sie unter www.historischesarchivkoeln.de Ihre digitalen Bilder ein! Melden Sie uns Vervielfältigungen von Kölner Archivalien! Helfen Sie mit und tragen Sie dazu bei, das historische Gedächtnis der Stadt Köln zumindest in Teilen wieder zusammenzuführen. Neben namhaften regionalen und überregionalen Partnern und Privatpersonen wird die Initiative besonders unterstützt von den drei großen Berufsverbänden:

– Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e.V., Prof. Dr. Robert Kretzschmar (Präsident)

– Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands e.V., Prof. Dr. Werner Plumpe (Vorsitzender)

– Verband der Restauratoren e.V., Prof. Volker Schaible (Präsident)

KONTAKT

Die Initiative wird koordiniert von „Prometheus – Das digitale Bildarchiv für Forschung und Lehre e.V.“ (www.prometheus-bildarchiv.de) in Zusammenarbeit mit dem Institut für Geschichtswissenschaften, Abt. für Rheinische Landesgeschichte der Universität Bonn.

PD Dr. Holger Simon (prometheus e.V.), Dr. Andreas Rutz (Abt. f. Rhein. Landesgeschichte) Tel. 0221 / 470 4476,
EMail: info@historischesarchivkoeln.de

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Liebe zum historischen Detail

Die Deutsche Bahn AG hat auf ihrem Internet-Kanal über längere Zeit NS-Dokumentarmaterial mit revisionistischen Inhalten verbreitet. Dies berichtet der „Zug der Erinnerung“. Noch am vergangenen Wochenende war in „Bahn TV“ („journalistische Kompetenz mit Hintergrundinformationen“) eine entsprechende Sendung zu sehen, in der Propagandasequenzen mit entstellenden Behauptungen über die soziale und politische Wirklichkeit der NS-Periode unterlegt werden. Demnach erfreute sich die „Deutsche Reichsbahn“ in der Zeit erster Massendeportationen einer „erfolgreichen Selbständigkeit“.

Nach 1937 habe die NS-Wirtschaft einen „nie erwarteten Aufschwung“ erlebt: „Der Lebensstandard stieg (…) und damit die Reiselust“, heißt es zu Bildern fröhlicher Urlauber, die in einem Zug mit Hakenkreuzbeflaggung reisen. Die NS-Szenen beschreiben den Zeitraum der Massenverhaftungen mehrerer tausend Juden, die mit der „Reichsbahn“ an die polnische Grenze verschleppt wurden. Die zwischen 1938 und 1945 organisierte „Reichsbahn“-Beihilfe zum Massenmord, die für das deutsche Großverbrechen konstitutiv ist, bleibt gänzlich unerwähnt. Nachdem der „Zug der Erinnerung“ die Verbreitung des NS-Bildmaterials durch die Deutsche Bahn AG öffentlich machte, zog der Konzern am Montag seine TV-Gloriole zurück. Wie neue Dokumente belegen, versuchen die „Reichsbahn“-Erben seit Kriegsende, die aktive Beteiligung der deutschen Eisenbahnindustrie am Massenmord systematisch zu verschleiern.

Mehr auf www.german-foreign-policy.com: Liebe zum historischen Detail

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Gedenken an Mölders durch die Hintertür?

Erinnerungsorte in Gelsenkirchen: Gesamtschule Horst, Eingangsbereich Industriestrasse

Wir befinden uns im Jahr 2009 n. Chr. Die Wogen haben sich geglättet, niemand nimmt weiter Anstoß an der „Mölders-Erinnerungstafel“ an der Gesamtschule in Gelsenkirchen-Horst. Wirklich niemand? Nein! Ein Teil der Gelsenkirchener Bevölkerung hört nicht auf, Widerstand zu leisten.

GELSENZENTRUM fordert daher:
„Die Tafel des stadteigenen Projektes „Erinnerungsorte“ soll entfernt bzw. deren Inhalt überarbeitet werden. Es sollte sich eine angemessenere, auch der heutigen Generation vermittelbare Lösung finden lassen, zumal es in den meisten Gymnasien und Gesamtschulen in Gelsenkirchen noch immer keine Gedenktafeln für die wirklichen Opfer der NS-Diktatur gibt.“

Exemplarisches Beispiel, wie in der Stadt Mörs mit einer Erinnerungstafel an einer Schule verfahren wurde:

Denkmal für ehemalige jüdische Schüler – Erinnerungstafel für die ehemaligen jüdischen Schüler des Gymnasium Adolfinum Moers

In mehreren Projekttage-Arbeitsgruppen und in einem internationalen Geschichtsunterrichtsprojekt mit Schülern der Jahrgangsstufe 12 wurde im Jahr 1999 die Schulgeschichte zur NS-Zeit aufgearbeitet und dokumentiert. Insgesamt fanden sich 45 Schüler, die im Zeitraum 1900 bis 1938 die Schule besuchten und mit der Religionszugehörigkeit „israelitisch“ erfasst waren. Als Ergebnis dieser Arbeit entstand zuletzt eine Gedenktafel für die jüdischen Schüler, die in einer Schulfeier am 27. November 2000 in Anwesenheit von Vertretern der oberen Schulbehörde und des 2006 verstorbenen, ehemaligen Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, auf dem Gelände des Schulhofes als Mahnmal eingeweiht wurde. Paul Spiegel betonte in seiner Rede:
„Nicht wir Juden benötigen dieses Denkmal, sondern Sie als Schulgemeinschaft, um die Erinnerung an den Holocaust dauerhaft wach zu halten.“

Hier einige weitere Kommentare zum WAZ-Artikel „Heikle Erinerung“:

3 von MarliesMrotzek, am 22.11.2008 um 10:16 Uhr:

Friedel Pfeiffer hätte der Text nicht gefallen und anderen Horster und Horsterinnen wohl auch nicht. „Nie, nie wollen wir Waffen tragen, nie, nie ziehen wir in den Krieg. Laß‘ die Herren selber sich da schlagen. Wir machen einfach nicht mehr mit“, hatten sie schon in der Weimarer Zeit gesungen. Und auch Rosa Eck hätte dieser Text nicht gefallen. Sie ist in die Schulen gegangen und hat mit den Jugendlichen und jungen Erwachsenen über Krieg und das nationalsozialistische Unrechtssystem gesprochen und über Opfer, Täter und Mitläufer und die sogenannten Desateure oder Kriegsverweigerer. Krieg, Kriegseinsatz und Militarismus als Beruf entsprachen nicht dem damaligen Zeitgeist, sondern dem einer Schicht. Es ist zu wünschen, dass im Geschichtsunterricht der Schule darüber offen und der historischen Wahrheit entsprechend informiert wird. Marlies Mrotzek

4 von a.ulonska, am 22.11.2008 um 16:19 Uhr:

Als wir in den 80-er Jahren, in meinem Geschichte Zusatzkurs am Max-Planck Gymnasium, über die Widerstandskämpfer in Gelsenkirchen im Nationalsozialismus eine Ausstellung erarbeiteten, durfte die Ausstellung wegen Bedenken einiger „verdienter“ Studienräte nicht gezeigt werden. Begründung: Dort seien auch Kommunisten!! aufgeführt. Erst nach langen Diskussionen wurde sie dann „kurz“ gezeigt. Jeder hält gerne seine eigene Legende aufrecht. Im übrigen waren dort auch die Biografien von Rosa Eck und Friedel Pfeiffer dokumentiert mit Original Tonaufnahmen. Vielleicht findet sie ja noch jemand in den Tiefen des MPG ? Angela Ulonska

5 von MarliesMrotzek, am 23.11.2008 um 12:56 Uhr:

Ca. 10 Jahre später, im November 1999, zeigte die „flora“ eine Ausstellung mit dem Titel „Verpflichtungen übernehmen und Wahrheiten aussprechen“ – Beispiele gesellschaftlichen Engagements in Gelsenkirchen. Zu den Porträtierten gehören u.a. Friedel Pfeiffer, Rosa Eck und Karl Taefler, und auch Gerda und Paul Schubert und Peter Reichmann. Veranstalter war die Stadt Gelsenkirchen, Kulturamt. Damals war Peter Rose Kulturdezernent. Im Dezember 2006 wurde im Foyer der Volkshochschule eine Ausstellung gezeigt mit dem Titel: Harte Zeiten! Hartz IV: Zum Leben zu wenig …“ Eine Ausstellung des Industrie- und Sozialpfarramtes Kirchenkreis Gelsenkirchen und Wattenscheid. Die Ausstellung porträtiert u.a. drei Frauen und deren Leben unter den Bedingungen von Hartz IV. Eine Ausstellungstafel, auf der kurz der politische Werdegang einer Frau, Hartz IV-Betroffene und Mitglied der MLPD erläutert wird, musste im Auftrage von Stadtrat Dr. Manfred Beck, Vorstandsbereich 4, Kultur, Bildung, Jugend und Sport, entfernt werden.
Und wenn davon auszugehen ist, dass neben den Mitgliedern der Demokratischen Initiative und dem Leiter des Stadtarchivs, auch die Verantwortlichen des Vorstandsbereiches 4 den Text der Horster Tafel mitdiskutiert oder ihm zumindest gekannt und ihm zugestimmt haben, dann stimmt das schon sehr bedenklich. Marlies Mrotzek

Die Fraktion Die Linke / AUF-Gelsenkirchen in der Bezirksvertretung West: Gelsenkirchen, 28.11.2008:

Mitglied der faschistischen Legion Condor als Vorbild für die Jugend?

Die Ehrung von W. Mölders auf der Gedenktafel an der Gesamtschule Horst (die WAZ berichtete darüber am 20.11.08) ist mehr als peinlich. Als einer der ersten Freiwilligen meldete er sich zur Legion Condor. Die Legion Condor war die fliegende Terror-Gruppe des Hitlerfaschismus, die im Kampf gegen die spanische Republik zum ersten Mal Massenbombardements gegen die Zivilbevölkerung einsetzte. Dies ist durch das Bild „Guernica“ von Picasso tief in das demokratische und antifaschistische Bewusstsein der Menschen auf der ganzen Welt eingegraben. Danach nahm Mölders am Angriffkrieg auf die Sowjetunion teil, wurde mehrmals für seine Verdienste für den Faschismus ausgezeichnet, bis zum Oberst befördert und schließlich als General der Jagdflieger ins Reichluftministerium berufen. Wie kann man aus einem solchen Täter ein Opfer machen?

Wir, die Bezirksverordneten von Die Linke und AUF Gelsenkirchen, werden uns bemühen, zusammen mit der Gesamtschule Horst einen Vorschlag für einen Text zu machen, der diese Tatsachen berücksichtigt.

Mit freundlichen Grüßen und der Bitte um Berichterstattung

Thomas Grohé, Günter Wagner

Siehe auch: Heikle Erinnerung. Und mehr.

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