Ein immuner Staat

ROM/BERLIN (Eigener Bericht) – Schwere Vorwürfe gegen Berlin erhebt ein Anwalt griechischer NS-Opfer. Wie Rechtsanwalt Martin Klingner gegenüber dieser Redaktion bestätigt, setzt die Bundesregierung schon seit Jahren alles daran, italienische und griechische Opfer von NS-Massakern „leer ausgehen“ zu lassen.

Dabei tischt sie der Öffentlichkeit Lügen über Entschädigungszahlungen auf und missbraucht nun auch den Internationalen Gerichtshof in Den Haag, um gegen die Rechtsprechung fremder Staaten zu intervenieren. Klingner vertritt NS-Opfer, denen Berlin laut jüngstem Urteil des obersten italienischen Gerichts eine Entschädigung zahlen muss; nach dem Willen der Bundesregierung soll dies der Internationale Gerichtshof in Den Haag vereiteln.

Während der Streit um die Entscheidung des Gerichts in Rom andauert, haben Opfer von NS-Massakern in weiteren Staaten Prozesse gegen Deutschland angestrengt, so auch in Polen. Allein dort verübten die Deutschen Historikern zufolge mehrere Hundert Massaker an Zivilisten mit rund 20.000 Todesopfern. Weder Angehörige noch Überlebende haben jemals von der Bundesrepublik eine Entschädigung erhalten.

Weiterlesen: www.german-foreign-policy.com

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Heikle Erinnerung

Die Gesamtschule Horst erhielt jetzt eine Gedenktafel als „Erinnerungsort”. Darauf ist auch von Werner Mölders zu lesen, einem Gelsenkirchener und Kriegshelden des Nazi-Regimes

Geschichte kann eine spannende, mitunter heikle Angelegenheit sein. Das belegt die Entstehung einer Gedenktafel, die jetzt an der Gesamtschule Horst (Eingang Industriestraße) angebracht wurde.

Schüler der Jahrgangsstufe 13 hatten sich im Vorfeld mit einem möglichen Text über diesen „Erinnerungsort”, ihre Schule, beschäftigt und waren dabei auch auf den Namen Werner Mölders gestoßen.

Mölders, in Gelsenkirchen geboren, war einer der berühmtesten Jagdflieger vor („Legion Condor”) und im 2. Weltkrieg. Und nach ihm wurde die Schule im Januar 1942 benannt. Mit „Rücksicht auf seine Familie”, so hieß es jetzt, sei der Schüler-Text vom Institut für Stadtgeschichte – zusammen mit Stadt und Demokratischer Initiative Träger der Aktion „Erinnerungsorte” – bearbeitet worden.

Und so wurde aus Mölders auf dieser Tafel denn auch eher Opfer denn Täter. „Im Nationalsozialismus”, so heißt es jetzt, „entsprach er trotz christlich-katholischer Bindungen den soldatischen Idealen der Zeit und ließ sich durch das Regime instrumentalisieren.”

Einmal, so Schulleiter Dirk Steinwede, habe Mölders „die nach ihm benannte Schule auch besucht, vermutlich als er seine Eltern in Rotthausen besuchte”. 20 Jahre später, 1964, wurde die dort untergebrachte Realschule nach den Geschwistern Hans und Sophie Scholl benannt, die wegen ihres Widerstandes gegen das Nazi-Regimes hingerichtet wurden. Auf die Frage, warum nicht auch die 1985 an dieser Stelle gegründet Gesamtschule den Namen übernommen habe, sagte Steinwede der WAZ: „Es war damals Prinzip, nur die Stadtteile als Namen zu nehmen.”

Auszüge aus dem Text der Gedenktafel „Geschichte eines Schulstandortes” an der Gesamtschule Horst:

„An diesem Standort befindet sich seit 1928 eine Schule. Das erste Gebäude wurde für die Horster Rektoratsschule gebaut, die seit 1882 schon eine wechselvolle Geschichte an verschiedenen Orten in Horst hinter sich hatte. Ab 1938 wurde die Schule als Oberschule voll ausgebaut, das erste Abitur fand im Schuljahr 1941/42 statt. Während des ,Dritten Reiches‘ wurde die Schule im Januar 1942 nach Werner Mölders benannt. Werner Mölders wurde 1913 in Rotthausen, das 1924 größtenteils nach Gelsenkirchen eingemeindet wurde, geboren. Er war der höchstdekorierte deutsche Jagdflieger des Zweiten Weltkriegs. Im Nationalsozialismus entsprach er trotz christlich-katholischer Bindungen den soldatischen Idealen der Zeit und ließ sich durch das Regime instrumentalisieren.”

„Ab 1964 wurden die Gebäudeteile nach und nach von der neu gegründeten ,Geschwister-Scholl-Schule‘, einer Realschule, bezogen. Diese Schule wurde nach den Geschwistern Hans und Sophie Scholl benannt, die als Mitglieder der studentischen Widerstandsgruppe „Die Weiße Rose“ gegen Krieg, Diktatur und Judenverfolgung protestiert hatten.“

Quelle: Gelsenkirchen-Buer, 19.11.2008, von Christian Scholz

Ziemlich frisch aus www.gelsenkirchen.de : Heikle Erinnerung

Stellungnahme von Dr. Jürgen Priamus zum Beitrag in der WAZ-Lokalausgabe Buer vom 20. November 2008

GE. Im Buerschen Teil der WAZ wird am 20. November 2008 über die Enthüllung der Gedenktafel an der Gesamtschule Horst im Rahmen der Aktion Erinnerungsorte berichtet. In dem Artikel heißt es u.a.: „Und so wurde aus Mölders auf dieser Tafel auch eher Opfer denn Täter. ‚Im Nationalsozialismus … entsprach er trotz christlich-katholischer Bindungen den soldatischen Idealen der Zeit und ließ sich durch das Regime instrumentalisieren.“

Sollte hier durch den Autor Christian Scholz ein Vorgang skandalisiert und dem Institut für Stadtgeschichte Geschichtsklitterung unterstellt werden, ist ein solcher Vorwurf deutlich zurückzuweisen.

Verwunderlich ist insbesondere der Hinweis darauf, dass eine angebliche „Glättung“ des Textes mit „Rücksicht auf seine (Mölders’) Familie“ vorgenommen worden sei. Diese Formulierung wurde zum Erstaunen der bei der Tafelenthüllung anwesenden ISG-Mitarbeiter seitens des Leiters der Gesamtschule Horst gebraucht.

Eine solche Intention ist auf das Schärfste zurückzuweisen und war zu keinem Zeitpunkt Bestandteil irgendwelcher Überlegungen.

Der Begriff der Instrumentalisierung ist im Übrigen eindeutig. Immerhin gehören zu einem Instrumentalisierungsvorgang zwei Seiten: Jemand der instrumentalisiert und jemand, der instrumentalisiert wird, ohne dies zurückzuweisen. Auch ist nicht nachzuvollziehen, aus welchen Gründen seitens der WAZ auf ein Gespräch mit den anwesenden Vertretern des ISG verzichtet wurde, so es denn inhaltlicher Klärung bedurfte.

Wie oberflächlich und, bezogen auf die Fakten, wenig präzise die Berichterstattung der WAZ zu diesem Vorgang ist, wird daran deutlich dass Herr Scholz als Autor des Artikels schreibt, Mölders sei in Gelsenkirchen geboren, obwohl sowohl aus dem Text der Erinnerungstafel als auch aus den Eröffnungsansprachen deutlich hervorgeht, dass Mölders in dem seinerzeit selbständigen Rotthausen zur Welt kam, das 1924 nur zum Teil nach Gelsenkirchen eingemeindet wurde.

Das Institut für Stadtgeschichte hat sich im Übrigen sehr frühzeitig mit der Geschichte Mölders’ befasst und war inhaltlich an einem Gutachten des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes beteiligt, das Grundlage für die Aberkennung der Namensgebung des Jagdgeschwaders 74 und der Kaserne in Visselhövede war, die zuvor den Namen Mölders’ trugen.

Dr. Jürgen Priamus

2008/95. Donnerstag, 20. November 2008

Erfahren Sie mehr über Werner Mölders auf
GELSENZENTRUM – Internetportal für Stadt- und Zeitgeschichte in Gelsenkirchen

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Ermordung von 29.000 Juden – Fahnder wollen NS-Verbrecher

Der mutmaßliche Nazi-Kriegsverbrecher Iwan John Demjanjuk muss möglicherweise mit einer Anklage in Deutschland rechnen. Die Fahndungsstelle für Nazi-Verbrechen in Ludwigsburg gab ein Vorermittlungsverfahren gegen den 88-jährigen Mann an die Staatsanwaltschaft München ab. „Aufgrund der Tatvorwürfe sind wir zuversichtlich, dass gegen ihn ein Prozess in Deutschland geführt werden kann“, sagte der Leiter der Fahndungsstelle, Kurt Schrimm.

Demjanjuk soll sich als Wachmann im Konzentrationslager Sobibor (Polen) 1943 der Beihilfe zur grausamen Ermordung von mindestens 29.000 Juden schuldig gemacht haben. Unter den Toten waren rund 1900 deutsche Juden. Das ist für eine mögliche Anklageerhebung in Deutschland wichtig, weil Demjanjuk in den USA lebt.

Der Leiter der Staatsanwaltschaft München, Christian Schmidt-Sommerfeld, bestätigte, das Verfahren sei von Ludwigsburg nach München geschickt worden, bisher aber noch nicht eingegangen. Die Staatsanwaltschaft werde dann prüfen, ob sie zuständig sei und ob dringender Tatverdacht bestehe und ein Haftbefehl beantragt werden könne. Erst dann könne es um eine mögliche Auslieferung gehen. Inhaltlich wollte Schmidt-Sommerfeld sich nicht äußern. „Ich kenne die Akten nicht. Ich weiß nur, dass es eine sehr umfangreiche Angelegenheit ist.“

Die weltweit größte NS-Fahndungsstelle in Ludwigsburg feiert am 1. Dezember bei einem Festakt ihr 50-jähriges Bestehen. Ehrengäste sind Bundespräsident Horst Köhler und die Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch. (…)
(Quelle: n-tv)

Weiterlesen auf: www.n-tv.de

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Rückblende – 70. Jahrestag “Reichspogromnacht” in Gelsenkirchen

Ein historisches Datum: Der 9. November 1938.

70 Jahre danach…

Am 70. Jahrestag der „Reichspogromnacht“, am 9. November 2008, fand erstmalig eine Gedenkveranstaltung für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus in der neuen Gelsenkirchener Synagoge statt.

Mehrere Veranstaltungen in Gelsenkirchen haben am 9. November an das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte erinnert. Zum einen gab es in der neuen Synagoge Gelsenkirchen die Eröffnung einer Ausstellung „Du gehst mich an – Juden und Christen in Westfalen auf dem Weg zu einem neuen Verhältnis“. Die Demokratische Initiative hatte zur Demonstration und Schweigezug aufgerufen.

Das Miteinander, dass diese Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag der „Reichsprogromnacht“ prägte, ist ein starker Impuls für den interreligiösen, ja auch interkulturellen Dialog – besteht die jüdische Gemeinde Gelsenkirchens doch zu mehr als drei Vierteln aus Menschen, die aus Osteuropa zu uns gekommen sind.

Videodokumentation von der Gedenkveranstaltung

70 Jahre danach – 9. November 2008

Er versteht es meisterhaft, Stimmungen in Bilder und Töne zu verwandeln – Jesse Krauß von den Gelsenkirchener Geschichten. Krauß und sein Team begleiteten die Gedenkveranstaltung anläßlich des 9. November 1938 in Gelsenkirchen mit der Kamera. So entstand ein ganz besonderer Film zu einem ganz sensiblen Thema.


Weiterlesen auf der Internetpräsenz von GELSENZENTRUM:

→ Rückblende – 70. Jahrestag der so genannten „Reichspogromnacht“

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Eine Zwischenbilanz: Kristallsplitter – Erinnerung und Mahnung

70 Jahre danach – 9. November 2008:

Das Projekt „Kristallsplitter“ des Weltkongress russischsprachiger Juden (World Congress of Russian Jewry – WCRJ) in Gelsenkirchen vom Jüdischen Kulturverein KINOR getragen, ist ein goßer Erfolg

Der Weltkongress WCRJ hat ein Projekt gestartet, das dem 70. Jahrestag der so genannten „Reichspogromnacht“ gewidmet ist. Es wurden mehrere Tausenden Abzeichen vorbereitet, sog. „Kristallsplitter“ in Form eines Davidsterns mit der Aufschrift „Nie wieder!“ in verschiedenen Sprachen. Diese Abzeichen werden dann von den Aktivisten in verschiedenen Ländern verteilt und Menschen, die an dieser Aktion teilnehmen, werden sie am 9. November 2008 als Erinnerung und Mahnung tragen.

Elena Gubenko, Vorsitzende des Vereins KINOR zeigt sich erfreut: „Wir werden mit Anfragen nach den Kristallsplittern überhäuft, bisher sind rund 1200 Stück „Kristallsplitter“ geordert worden“ so Frau Gubenko stolz. „Übrigens, die Anzahl der Sterne ‚Kristallsplitter‘, die ich verteile, ist die größte in Europa!“ Frau Gubenko weiter: „Aus ganz Deutschland kommen Anfragen zum Projekt Kristallsplitter, so hat auch die Israelitische Kultusgemeinde Pforzheim 100 Sterne bestellt. Die Ev. Kirchengemeinde Bulmke wird hunderte von den Sternen im Gottesdienst am 9. November verteilen, dass Diakoniewerk Gelsenkirchen und Wattenscheid hat 100 Sterne geordert. Die Volkshochschule Gelsenkirchen, dass Mädchenzentrum e. V., die Jüdische Gemeinde Bochum, Klub der Holocaust-Überlebenden und Veteranen, dass Frauenreferat der Ev. Kirche von Westfalen, dass Kolpingwerk Bezirksverband Gelsenkirchen, Consol Theater, die Grünen Gelsenkirchen, die Katholische Frauengruppe des SPD-Unterbezirks Gelsenkirchen und auch auch das Büro des Oberbürgermeisters hat unsere Kristallsplitter angefordert.“

Kristallsplitter – Leitsterne auf dem Pfad der Erinnerungskultur

Auszüge aus den Anfragen:

Hallo, ich finde das eine ganz großartige Idee! Und wenn es nichts ausmacht, hätte ich gern für meine Frau und meine 2 Kinder und mich insgesamt 4 Sterne. Wir alle leben in einer Welt. Es ist Zeit, das zu zeigen. Recht herzliche Grüße, Michael L.

Sehr gerne würde ich einen Stern tragen, ebenso meine Frau. Wir betreiben eine Gastronomie, so das es Aufmerksamkeit erregen würde. Detlef A.

Sehr geehrte Frau Gubenko, ich habe den Artikel über die „9. November-Aktion“ gelesen. Ich bin Christ und stelle mich sichtbar hinter Israel, z.B. trage ich an meinem Rucksack eine Israelfahne. Es wäre tatsächlich eine Ehre für mich, wenn ich am 9. November solch einen Stern tragen könnte.Vielen Dank und Shabbat Shalom,Tobias F.

Theater Traumbaum FreierVogel Bochum schreibt: Ich habe von Ihrer Aktion Kristallsplitter gelesen, und würde gerne daran teilnehmen. Da wir als Theater gerade die AnneFrankKulturWochen in Bochum mit Schulveranstaltungen gegen Rassismus, Gewalt & Antisemitismus durchführen, wäre ich sogar an mehr als einem Kristallsplitter interessiert!

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Die Luftangriffe am 6. November 1944 auf Gelsenkirchen

Nekropole Gelsenkirchen-Schalke

Ein Augenzeugenbericht von Joseph P. Krause:

„Ginge es nicht um den Massenmord an Zivilpersonen bei der größten Tragödie Gelsenkirchens, als ganze Stadtteile unter Bombenteppichen zu gigantischen Trümmerbergen mutierten, als Menschen in grauenhaften Flammenmeeren mit markerschütternden Todesschreien zu namenlosem Sülz verschmorten, wäre der selbsternannte Zeitzeuge aus dem Internet zu belächeln, der fern vom entsetzlichen Bombenterror in bukolischer Idylle lebte, gleichwohl – sich zum Kronzeugen ernennend – als wichtigstes Ereignis vom Hörensagen bramabarsierte, sein Wohnhaus in Gelsenkirchen sei eingestürzt.

Ich hingegen gehöre zu den Zeitzeugen am Tatort der Zeitgeschichte, zu den Überlebenden des grauenvollsten, höllischsten Tages der Gelsenkirchener Chronik, des 6. November 1944, des Tages, an dem mein Geburtsort Schalke in flammendem Inferno unterging, als 738 RAF- Bomber in zwei Angriffen – mittags und abends – tausende von Tonnen Spreng- und Brandbomben als „Bombenteppiche“ über der „Stadt der tausend Feuer“, die sie an jenem unheilvollen Tag wurde, ausklinkten und Kaskaden an Phosphor auskübelten, als Gelsenkirchen in einem riesigen Feuersturm verglühte, als die Schwester des Schalker Pfarrers Konrad Hengsbach, Pauline, zwischen herabgestürzten Balken bei lebendigem Leib verbrannte. Ich litt inmitten der Schreie der Sterbenden, des Blutes und der Fleischfetzen zerrissener Körper. Und ich sah als Teil verzweifelter, vor Schmerz und Verzweiflung irrsinnig gewordener Menschen am Schalker Markt, wie das traditionelle Vereinslokal von Schalke 04, die Gaststätte der legendären „Mutter Thiemeyer“, in einem gigantischen Feuerorkan zerbarst, während wir uns in den total überfüllten „Zuckerhut“ zwängten, hineingetrieben von Feuersbrünsten und detonierenden Bomben“.

Weiterlesen auf der Internetpräsenz von GELSENZENTRUM:
→ 6. November 1944 – Nekropole Gelsenkirchen-Schalke

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Neonazis wollten zur “Reichspogromnacht” aufmarschieren

Im Vorfeld des 70. Jahrestages der Pogromnacht im Jahr 1938 wollen Neonazis in Aachen provokativ gegen die „einseitige Vergangenheitsbewältigung“ aufmarschieren. Aktuell mobilisiert Axel Reitz aus Köln für den Aufmarsch, berichtet der blick nach rechts. Reitz war demnach erst im April 2008 nach Verbüßung einer Haftstrafe – unter anderem wegen Volksverhetzung – aus dem Gefängnis entlassen worden.

Die Demonstration solle am 08. November 2008 vor den Aachener Hauptbahnhof beginnen. Zynisches Motto in Bezug zu den bundesweiten Gedenkveranstaltungen rund um den 9. November: „Gegen einseitige Vergangenheitsbewältigung! Gedenkt der deutschen Opfer!“ Als Veranstalter benennt Reitz, ehemaliger Aktivist des „Kampfbundes deutscher Sozialisten“ (KDS) und Mitbegründer der nach einem SA-Mann benannten „Kameradschaft Walter Spangenberg“, die „Freien Kräfte” – also Neonazis aus den militanten „Kameradschafts“- und „Autonomen Nationalisten“-Kreisen. Die Polizei hat nach Prüfung den für den 8. November geplanten Aufmarsch von Neonazis in Aachen verboten . Wie die Aachener Nachrichten berichteten, wollte der vorbestrafte Axel Reitz aus Köln mit anderen Neonazis einen Tag vor dem 70. Jahrestag der Pogromnacht gegen die „einseitige Vergangenheitsbewältigung“ aufmarschieren.

Diese Versammlung am Vorabend der Pogromnacht berge „mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit die Gefahr der Begehung von Straftaten wie der Volksverhetzung,“ so Polizeipräsident Klaus Oelze dem Bericht zufolge zur Begründung des Verbots. Der Neonazi wolle nun rechtlich gegen das Verbot vorgehen, schreibt das Blatt weiter. Reitz war erst im April nach Verbüßung einer 22 Monate dauernden Haftstrafe aus dem Gefängnis entlassen worden.

Quelle: NPD-BLOG.INFO – Eine Dokumentation über die NPD und menschenfeindliche Einstellungen

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70 Jahre danach – 9. November 2008 in Gelsenkirchen

Aufruf der Demokratische Initiative gegen Diskriminierung und Gewalt, für Menschenrechte und Demokratie zur Gedenkveranstaltung am
9. November 2008 in Gelsenkirchen

Gedenkveranstaltung am 9. November 2008 in Gelsenkirchen

Anschließend: Gelegenheit zur Besichtigung der Ausstellung „Du gehst mich an – Juden und Christen in Westfalen auf dem Weg zu einem neuen Verhältnis“ im Gemeindesaal der Neuen Synagoge

Die Demokratische Initiative: Wir rufen alle Gelsenkirchenerinnen und Gelsenkirchener auf: Beziehen Sie mit Ihrer Teilnahme an der Demonstration und Kundgebung Stellung!

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“Stille Helden”

Gedenkstätte in Berlin eröffnet

Durch die maßgebliche Initiative und Beteiligung der Zeitzeugin und Publizistin Inge Deutschkron entwickelte sich aus einem Projekt von Studierenden an der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft Berlin ab 1998 eine erste Ausstellung „Blindes Vertrauen- Versteckt am Hackeschen Markt“. Sie zeigte in einigen der seit 1945 weitgehend erhalten gebliebenen Räumen eines Gebäudekomplexes in Berlin-Mitte, Rosenthaler Straße 39, die Geschichte der Blindenwerkstatt Otto Weidt. Hier arbeiteten während der Zeit des Nationalsozialismus hauptsächlich blinde und gehörlose Juden unter dem Schutz des Bürstenfabrikanten Otto Weidt (1883-1947). Er verstand es, seine Bürsten- und Besenwerkstatt zu einem „wehrwichtigen“ Betrieb zu machen, um seine jüdischen Mitarbeiter vor der Deportation zu bewahren und die tägliche Not zu lindern. Einmal gelang es ihm sogar, seine Arbeiter aus dem Deportationssammellager in der Großen Hamburger Straße zurückzuholen. Als dies nicht mehr möglich war, besorgte er Verstecke. Eines für eine vierköpfige Familie befand sich in den Werkstatträumen. Als einige seiner Schützlinge dennoch nach Theresienstadt deportiert wurden, schickte er über 100 Pakete mit Lebensmitteln und verhalf einer Angestellten zur Flucht aus einem Konzentrationslager in Polen.

In Deutschland wuchs erst seit vor wenigen Jahren das öffentliche Interesse an den Lebensgeschichten von Menschen, die während der nationalsozialistischen Diktatur verfolgten Juden halfen. Zwischen 1997 und 2002 wurde am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin erstmals ein größeres Forschungsprojekt zum Thema „Rettung von Juden im nationalsozialistischen Deutschland 1933-1945“ durchgeführt. 1999 übernahm der Bund die Verantwortung für das Museum „Blindes Vertrauen“. Von verschiedenen Seiten, u.a. von dem damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau wurde die Idee Inge Deutschkrons gefördert , in Berlin ausführlicher als bisher an Helfer und „Untergetauchte“ zu erinnern. 2004 konnte das Haus in der Rosenthaler Straße 39 mit Mitteln des Bundes und der Stiftung Klassenlotterie Berlin mit der Zweckbindung erworben werden, nicht nur das Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt auszubauen, sondern auch eine zentrale Gedenkstätte „Stille Helden“ zu errichten. Mit der inhaltlichen und organisatorischen Vorbereitung wurde im April 2005 die Gedenkstätte Deutscher Widerstand beauftragt.

2006 wurde zuerst die Dauerausstellung im Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt überarbeitet und erweitert, bevor nun 2008 die Gedenkstätte „Stille Helden“ eingerichtet wurde. Basierend auf den Forschungsergebnissen des Zentrums für Antisemitismus-Forschung und in Kooperation mit diesem wurde von der Gedenkstätte Deutscher Widerstand die nun zugängliche neue Dauerausstellung realisiert. Sie erzählt die Geschichte der Menschen, die während der NS-Zeit verfolgten Juden beistanden. Sowohl die Verfolgung und die Zwangslage der Juden angesichts der drohenden Deportationen als auch das Handeln und die Motive der Frauen und Männer, die ihnen halfen, werden dargestellt. Nicht nur geglückte Rettungen, sondern auch misslungene Versuche werden dokumentiert. Das Beispiel der vielfach als „stille Helden“ bezeichneten Helfer zeigt, dass es auch unter den Bedingungen der NS-Diktatur und des Zweiten Weltkrieges Handlungsspielräume und Entscheidungsmöglichkeiten gab, um Verfolgte vor tödlicher Bedrohung zu bewahren. Auch in den deutsch besetzten Gebieten fanden einzelne Deutsche trotz des Risikos den Mut, ihre Handlungsspielräume hierfür zu nutzen. Nach 1945 wurde ihr hoher Einsatz in beiden deutschen Staaten nicht ausreichend wahrgenommen.

Das Projekt Gedenkstätte „Stille Helden“ sammelt weiter Berichte, Fotos sowie Dokumente und hält mündliche Erinnerungen an diese Geschehnisse in Bild und Ton fest.

Öffnungszeiten: Täglich von 10-20 Uhr.
Ort: Blindenwerkstatt Otto Weidt, Rosentaler Straße 39, Berlin
Weitere Informationen: www.gedenkstaette-stille-helden.de

Quelle: www.lernen-aus-der-geschichte.de

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Projekt ‘Kristallsplitter’ zum 70. Jahrestag der Reichspogromnacht

Pressemitteilung KINOR Gelsenkirchen:

Projekt ‚Kristallsplitter‘ zum 70. Jahrestag der Reichspogromnacht – Der Jüdische Kulturverein KINOR verteilt die Davidsterne „Nie wieder!“

Stern - Projekt Kristallsplitter - 9. November 2008 -  KINOR Gelsenkirchen

Der Weltkongress russischsprachiger Juden
(World Congress of Russian Jewry – WCRJ, www.wcrj.org.eng) startet ein Projekt, das dem 70. Jahrestag der Reichspogromnacht gewidmet ist. Es wurden mehrere Tausenden Abzeichen vorbereitet, sog. „Kristallsplitter“ in Form eines Davidsterns mit der Aufschrift „Nie wieder!“ in verschiedenen Sprachen (Englisch, Deutsch, Russisch etc.).


Diese Abzeichen werden dann von den Aktivisten in verschiedenen Ländern verteilt und Menschen, die an dieser Aktion teilnehmen, werden sie am 9. November 2008 als Erinnerung und Mahnung tragen. Zurzeit laufen die Vorbereitungen in Israel, USA, Großbritannien, Italien, Tschechien, Polen, Bulgarien, Lettland, Estland, Rumänien, Österreich und Deutschland. Diese Aktion hat jetzt schon ein großes Interesse von der Seite der internationalen Presse erweckt.

Der Jüdische Kulturverein KINOR ist Mitglied des WCRJ und der Vertreter des Projektes in Gelsenkirchen und in der Region. Nun möchten wir Gelsenkirchener zur Teilnahme an dieser Aktion einladen. Falls Sie Interesse daran haben, melden Sie bitte sich bei uns (unbedingt mit der Angabe Ihrer Telefonnummer) und bestellen Sie die Sterne.

Diese bekommen Sie in der nächsten Zeit von uns kostenlos. Wir würden uns freuen, von Ihnen eine kurze Rückmeldung möglichst schnell zu bekommen.

„Es wäre für uns eine große Ehre, wenn Sie an unserer Aktion teilnehmen würden. Es erscheint uns einer Geste von größtem symbolischen Wert, wenn gerade in Deutschland an jenem Tage
soviel Menschen wie möglich diese Abzeichen für kurze Zeit tragen werden, deshalb rechnen wir mit Ihrer Unterstützung“

– so die Leitung des Weltkongresses.

Kontakt: Elena Gubenko, Tel. 0160-43512 80, 0209-87 88 96

E-Mail: kinor@freenet.de

Mehr dazu: Internetpräsenz GELSENZENTRUM –
→ Das Projekt ‚Kristallsplitter‘ des Jüdischen Kulturvereins KINOR

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