75. Todestag von Erich Lange

15. August 2007: VVN/BdA übernimmt Patenschaft

Die Gelsenkirchener Gruppe der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten (VVN/BdA) übernimmt die Patenschaft für den Stolperstein, der Erich Lange gewidmet wird.

In der Mail vom 18. März 2008 an das Institut für Stadtgeschichte haben wir Prof. Dr. Stefan Goch gebeten, die bisher recherchierten Ereignisse im Zusammenhang mit der Ermordung des Erich Lange zu prüfen.

Heute, am 75. Todestag von Erich Lange, greift die WAZ Gelsenkirchen überraschend das Thema auf, und so erfährt eine breite Öffentlichkeit vom der Ermordung des Erich Lange durch einen Nationalsozialisten, ein SS-Mann aus Gelsenkirchen.

WAZ schreibt dazu am 22. März 2008:

„Erschlagen und zertreten“

Heute vor 75 Jahren ermordeten die Nazis Erich Lange. Über den Hintergrund der Tat ist bisher wenig bekannt.Der Neustädter war 1932 von der SS zu den Kommunisten übergelaufen. Flohmarktfund in Chemnitz

Wenn die Rede auf Menschen kommt, die in Gelsenkirchen die Nationalsozialisten politisch bekämpften und dies mit dem Leben bezahlen mussten, fallen häufig Namen wie zum Beispiel der des 1932 ermordeten Sozialdemokraten und Reichsbanner-Mannes Johann Schlenkhoff oder der des 1944 hingerichteten Kommunisten Fritz Rahkob. Kaum verankert ist dagegen im heutigen Bewusstsein Erich Lange.

Heute vor genau 75 Jahren, am 22. März, ist der Neustädter von Nazis ermordet worden. „Kommunistischer Funktionär erschossen“, titelte die Gelsenkirchener Allgemeine Zeitung am 23. März 1933. Und weiter hieß es in der Kurzmeldung: „Gestern vormittag wurde der kommunistische Funktionär Erich Lange, Schwanenstraße wohnhaft, in der Litzmannstraße erschossen. Der Täter, ein SS-Mann aus Gelsenkirchen, hat sich freiwillig der Polizei gestellt. Er gibt an, aus Notwehr gehandelt zu haben.“ Und: Als „Verräter an der nationalen Sache“ wird Lange in dem Bericht bezeichnet, weil er einst der SS angehört habe.

Dass der Ermordete ein Überläufer war, stellten auch die Teilnehmer (darunter auch Zeitzeugen) eines VHS-Kurses in 1982 fest, die sich damals mit „Beispielen der Verfolgung und des Widerstands in Gelsenkirchen 1933-45“ auseinandersetzten. Die Sache mit der Notwehr stellt sich hier allerdings ganz anders dar: „Erich Lange wurde in der Nacht vom 21./22.3.1933 von SS-Leuten erschlagen, erschossen und zertreten“ heißt es in dem VHS-Abschlussbericht. „Freunde, die seine Leiche in der Leichenhalle noch einmal sehen konnten – was zu einem späteren Zeitpunkt bei anderen Ermordungen nicht mehr möglich war – waren kaum in der Lage ihn wiederzuerkennen. …. Der Antifaschist Erich Lange wurde auf dem Westfriedhof in Hessler beerdigt. Trotz des Terrors, den die SA und SS veranstaltete (sie standen während des Zuges Spalier), begleiteten ca. 200 Leute den Sarg … .“

Im Sommer 1932 soll Lange die SS verlassen haben und in den „Kampfbund gegen den Faschismus“ eingetreten sein. Quellen und Dokumente über ihn und sein Schicksal liegen dem Institut für Stadtgeschichte nicht vor. Mit einer Ausnahme: Der frühere Gelsenkirchener Rechtsdezernent Wilhelm Mensing fand auf einem Flohmarkt in Chemnitz einen Aufruf an „Werktätige von Hassel“. In dem Flugblatt werden diese zur „Öffentlichen Vollversammlung des Kampfbundes gegen den Faschismus“ eingeladen. Als Redner wird der „zur roten Front übergetretene SS-Mann Erich Lange“ angekündigt.

„Überläufer waren damals keine Seltenheit“, weiß Prof. Stefan Goch vom Institut für Stadtgeschichte (ISG). Der Wissenschaftler arbeitet zurzeit an einem Buch über Menschen, die sich politisch widersetzten. Rund 2000 Personen zählten dazu, so Goch, die von den Nazis als Gegner auf unterschiedliche Weise verfolgt wurden – bis hin zur Ermordung.

Mehr Informationen über Erich Lange könnte eine entfernte Verwandte haben, die sich kürzlich telefonisch bei der WAZ meldete. Er sei damals noch sehr jung gewesen und möglicherweise von den Kommunisten „verheizt“ worden, sagte sie.

Von Lars-Oliver Christoph, Artikel auf: http://www.derwesten.de/nachrichten/staedte/gelsenkirchen/2008/3/21/news-32258796/detail.html

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Mehdorn indirekt als Nazi bezeichnet

Quelle: WDR

Der Streit um Schienen- und Bahnhofs-Gebühren für die rollende Ausstellung „Zug der Erinnerung“ ist durch harte Vorwürfe gegen Bahn-Chef Mehdorn eskaliert. Michael Szentei-Heise, Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, bezeichnete Mehdorn indirekt als Nazi. Als der Zug, der an die Deportationen in die KZs erinnert, am Sonntag (09.03.08) in Düsseldorf einfuhr, sagte Szentei-Heise an die Adresse Mehdorns: „Die Öffentlichkeit sieht Ihre Person und Ihre politische Struktur so, dass Sie – wären Sie im Dritten Reich in derselben Position gewesen wie heute, – möglicherweise sogar mit großer Überzeugung – genau dasselbe angeordnet hätten, wie ihre damaligen Vorgänger.“ Und weiter: „Für mich hat es den Anschein, als ob es den heutigen Verantwortlichen im Nachhinein leid tut, die Kleinkinder damals kostenlos in den Tod befördert zu haben und heute – nachträglich – diese Geldeinbuße durch Rechnungsstellung in Zusammenhang mit diesem Zug, der eben an diese Kinder erinnert, ausgeglichen werden soll.“ Die Deutsche Bahn AG sagte am Montag (10.03.08), sie wolle die Rede noch nicht kommentieren.

Mein Kommentar: Herr Mehdorn, es reicht! Nehmen Sie Ihren Hut! Menschen wie Michael Szentei-Heise haben den Mut, auszusprechen, was viele nur denken. Darum gehts es: um die damaligen Opfer, um die Überlebenden der nationalsozialistischen Mordfabriken. Personen wie dieser Mehdorn versagen den Opfern und den Überlebenden erneut den Respekt und die Achtung, es ist beschämend. Ihnen, Herr Szentei-Heise, von mir ein deutliches: „BRAVO!“

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“Wissen über NS emotional vermitteln”

WAZ schreibt am 7. März:

Hurrelmann weist auf den Film „Die Welle“ hin

München. Der Jugendforscher Professor Klaus Hurrelmann hält den Unterricht zum Nationalsozialismus für reformbedürftig. Es sei ein Signal,dass viele Schüler mit Gähnen reagierten. Das Thema sei kein reiner Wissensstoff, die Lehrer müßten Gefühle ansprechen und die Schüler Zeitzeugen befragen lassen. Wichtig seien Filme wie „Die Welle“ , der am 13. März startet. Darin erprobt ein Lehrer, wie anfällig die Klassefür diktatorische Strukturen ist. Das sei realistisch:“Im Untergrund lauert immer die Unzufriedenheit, dass die Welt anders seien könnte, dass man es besser haben sollte.“ Bildung und die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen, könnten das unter Kontrolle halten. Die Familienkonstellation in Deutschland sei im ganzen gut, rechtsextreme Gruppen nutzten aber Methoden wie im Film, etwa die Verkündung eines klaren Weltbildes, das Ersatzsicherheit gebe.
„Das Individiuum mit seinen Bedürfnissen ist eine Null und wird erniedrigt. Die Gruppe ist alles. Das ist die gefährliche soziale Grammatik.“ dpa

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Lorenz Maria Hackenholt – Der Gasmann

Einer der meistgesuchten NS-Verbrecher – Schuldig des 70.000fachen Mordes und der Beihilfe zum Mord in 1,5 Millionen Fällen

Die Geschichte des SS-Hauptscharführers Lorenz Maria Hackenholt aus Gelsenkirchen, genannt der „Gasmann“. Das Erste Kapitel der Lebensgeschichte des NS-Massenmörders Lorenz Maria Hackenholt –
Online auf GELSENZENTRUM – Der Gasmann Lorenz Hackenholt

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Man sieht endlich Handlungsbedarf …

„Stadtspiegel“ hat am 5. März 2008 folgendes geschrieben:

ISG untersucht das Nachkriegsgelsenkirchen

Anlässlich des Aufenthaltes des „Zuges der Erinnerung“ in Gelsenkirchen hat der Sprecher des Zuges der Erinnerung e.V. Hans-Rüdiger Minow bekundet, dass auch in Gelsenkirchen die Täter der NS-Zeit nach 1945 unbehelligt, zum Teil sogar in öffentlichen Funktionen, fortwirken konnten bzw. können. Dies hat Bürgermeister Klaus Hermandung, der den Zug der Erinnerung als Vertreter der Stadt auf dem Hauptbahnhof begrüßte, sehr betroffen gemacht und war Anlass eines Gesprächs mit Oberbürgermeister Frank Baranowski. Beide waren sich einig, dass diese pauschalen Äußerungen nicht ungeprüft im Raum stehen bleiben dürfen. OB Baranowski hat daher jetzt das Institut für Stadtgeschichte (ISG) beauftragt, das etwaige Vorhandensein personeller Kontinuitätslinien zwischen NS-Zeit und Bundesrepublik Deutschland in Gelsenkirchen zu untersuchen. In diesem Zusammenhang soll auch der Frage nachgegangen werden, ob es Personen oder Aktivitäten aus der Zeit des „Dritten Reiches“ gibt, die noch heute im öffentlichen Raum nachwirken.

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Stadteigenes Projekt “Erinnerungsorte”

Die am 19. Februar am Südausgang des Gelsenkirchener Hauptbahnhofs schnell aufgestellte Gedenktafel hat inzwischen die „Gelsenkirchener Geschichts-Korrektur“ erfahren:

verpatzte_tafel1.jpg

Gelsenkirchens Oberschirmherr hat wieder mal ins stadteigene Fettnäpfchen getreten.

Kommentar einer Gelsenkirchenerin: Ja, der schief aufgeklebte Zettel auf der Tafel ist echt jämmerlich, blamabel und miserabel! Kannze zitieren!

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Gelsenkirchen: Straße ist nach NS-Täter benannt

Paul-Schossier-Weg in Gelsenkirchen Buer-Nord – benannt nach einem NS-Täter

Laut Auskunft des Vermessung und Katasteramtes Gelsenkirchen vom 8. Februar 2008 wurde durch Beschluss des Haupt- und Finanzausschusses nach dem Tod von Schossier im Juli 1964 am 3.Oktober 1966 die Benennung eines Weges/Straße in Buer-Nord in „Paul-Schossier-Weg“ beschlossen. Schossier galt schon seinerzeit (1966) als äußerst umstritten, war er doch von 1942 bis 1945 Dezernent der Rechts-, Polizei, – und Kulturverwaltung in Gelsenkirchen. In dieser Funktion war er u.a. mit der Umsetzung bzw. Weitergabe von Befehlen und Anordnungen des nationalsozialistischen Massenmordes betraut.

Ehrendes Gedenken für einen Mann wie Schossier, der nachgewiesenermaßen zu den Tätern gehört? In Form einer Namensgebung für eine öffentliche Straße/Weg in Gelsenkirchen? Wie sagte Bürgermeister H. am 17. Februar 2008: „(…) man habe doch früh, dauerhaft und intensiv alles getan, um sich den NS-Verbrechen zu stellen (…)“ Im Zuge einer Umbenennung schlage ich den Namen „Anne-Frank-Weg“ vor.

Weitere Infos und Online-Diskussion im Internetforum Gelsenkirchener Geschichten

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Volkes Stimme – “Zug der Erinnerung” in Gelsenkirchen

Leserbriefe „Zug der Erinnerung“ in der WAZ Gelsenkirchen am Montag, 25. Februar 2008:

Zitat: Tief beeindruckt

Ich habe mit meinem 11-jährigen Sohn den „Zug der Erinnerung“ besucht. Wir waren tief beeindruckt. Besonders berührt haben meinen Sohn die Projekte der Spurensuche von Schulklassen, die dem Leben eines Mädchens nachgespürt haben und persönliche Briefe an sie verfasst hatten. Das halte ich für eine sehr gute Methode auch für jüngere Schüler, das Grauen des Faschismus lebendig zu machen und dem Leid nachzuspüren.

Um so ärgerlicher war ich über den Zeitungsartikel, in dem sich der Leiter des Instituts für Stadtgeschichte, Jürgen Priamus, etwas abfällig über dieses Projekt äußert und die Stadt in ihrer Untätigkeit, Werbung zu machen und ihrer Weigerung , den Zug finanziell zu unterstützen, auch noch verteidigt. Ich hätte von Herrn Priamus erwartet, dass er eine solche gute Initiative für die Aufarbeitung des Faschismus gerade auch unter der Jugend begrüßt und unterstützt. Es ging um 2000 Euro, peinlich, dass dafür nur, wie zu hören war, die Ratsfraktion AUF/Die Linke ihr Sitzungsgeld gespendet hat.

Beschämend und empörend finde ich auch die Haltung der Bahn, die den „Zug der Erinnerung“ im Stundentakt abkassiert. Zum Glück haben die Gelsenkirchener trotz der beschämenden Haltung der Stadtvertwaltung mit den Füßen abgestimmt und der Besuch der Bevölkerung und von Schulklassen war trotz der schlechten Werbung auch für die Veranstalter überwältigend. Das freut mich für Gelsenkirchen. Magret Bauer

Zitat: Peinlich und verletzend

Der „Zug der Erinnerung“ war äußerst gelungen; das Verhalten (der Macher?) der Stadt leider dagegen überhaupt nicht. Die Verweigerung der finanziellen Beteiligung (Peanuts für eine Stadt) ist nicht zu verstehen. Das die bereitstellung eines Zuges Geld kostet, ist selbstverständlich. Das Interview mit Herrn Priamus macht die Angelegenheit nur noch schlimmer.

Den Ausdruck „perfide“ (Hinterlistig, hinterhältig) halte ich für sehr verletzend. Den Zeitpunkt der Aufstellung der Gedenktafel am Hauptbahnhof einen Tag nach Abfahrt des „Zuges der Erinnerung“ empfinde ich als peinlich. Warum hat man hieraus keine gemeinsame Veranstaltung gemacht?

Bezüglich Nachhaltigkeit sollte Herr Priamus einmal mit Besuchern des Zuges sprechen. 80 Namen von einer Gedenktafel zu behalten, ist schwierig; die Bilder aus dem Zug bleiben im Kopf. Ich bin heute schon gespannt darauf zu erfahren, mit wie viel Euro die Stadt demnächst den „Zug der Love-Parade“ mitfinanziert. Bettina Wiescher

26. Februar 2008 Zitat: Tief durchatmen

Zug der Erinnerungen.

Eindrücke.

Diese Enge.

Diese Luft.

Tief durchatmen.

Vor mir und hinter mir Menschen.

Große Kinderaugen auf vielen Plakaten.

Wie mögen sie sich gefühlt haben, in diesem Zug, der sie dem Tod näher brachte.

Zug der Erinnerung, halt an jedem Bahnhof,

schick sie alle dadurch,

damit nie jemand vergisst,

was den Kindern angetan wurde. Christa Pfülf-Radtke

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Skandal auf Schloss Horst in Gelsenkirchen – Nazis im Rittersaal

Donnerstag, 21. Februar 2008:

Weltkind schreibt:

Andreas Jordan ist Hauptinitiator einer „Aktion Stolpersteine“ im Gedenken an ermordete juedische Gelsenkirchener und Kontaktmann vor Ort fuer den „Zug der Erinnerung“ zum Gedenken an mit der Reichsbahn deportierte juedische Kinder. In beiden Faellen versagten die Stadt Gelsenkirchen und die juedische Gemeinde vor Ort aus vielerlei Gruenden (alle klangen irgendwie vorgeschoben) ihre Kooperation, auch finanzieller Art.

Das gab maechtig Schelte fuer Stadt und Verwaltung, aber bei einem Mann wie Jordan waere ich auch auf der Hut. In der WAZ war ueber die Querelen hinter den Kulissen nichts zu lesen, nur das. Einzig das linke lokale Wahlbuendnis AUF, eine Kooperation von die Linke und der MLPD, nahm uebrigens oeffentlich Anstoss daran.

Skandal auf Schloss Horst in Gelsenkirchen:

SPD-Buergermeister befiehlt per Dienstanweisung Vermietung an rechtsradikale Buergerbewegung „pro NRW“.

Schlimmeres passierte am vergangenen Sonntag. Da tagte im alten Rittersaal auf Schloss Horst an der Grenze zu Essen-Karnap eine hoechst illustre Runde: „pro NRW“, die beruechtigte rechtsextreme, einige sagen faschistoide Buergerbewegung, gegruendet mit dem einen Ziel: NRW asylanten-, sozialschmarotzer-, muslim- und allgemein auslaenderfrei zu machen. Rund 120 Delegierte (nach Zeugenaussagen sollen es jedoch nur rund 70 gewesen sein) hoben in einer Immobilie im Besitz der Stadt Gelsenkirchen ganz offiziell den „Bezirksverband Ruhrgebiet“ aus der Taufe und gaben dazu die „Gelsenkirchener Erklaerung“ ab. Unter den Gasten war auch der Koelner Rechtsanwalt Markus Beisicht, Kopf von „pro Koeln“ und einer der schlimmsten Scharfmacher und politischen Hetzer der Metropole Rhein Ruhr.

„Pro NRW startet durch!“ jubeln die Tuerken-Basher (bitte „pro nrw, schloss horst“ googeln, dann findet ihr den entsprechenden Text; den Dreck verlinke ich nicht), schwaermen von der „tollen Atmosphaere“ bei „strahlendem Sonnenschein“ auf dem schoenen, serioesen und buerglichen Schloss im Besitz der Stadt. Jetzt ruestet man zum Sturm auf die Kommunen 2009, und in einem Gebaeude der Stadt Gelsenkirchen wurde der Grundstein dafuer gelegt. Bravo! Georg Kreisler hatte ja so recht.

Wie konnte es ueberhaupt dazu kommen? Ganz einfach: durch eine Anfrage, eine Ablehnung, eine Beschwerde beim Buergermeister und ein Machtwort per Dienstanweisung. Nach nichtgepruefter Auskunft einer fuer gewoehnlich zuverlaessigen Quelle lief das so ab:

Kevin Gareth Hauer, ehemaliges Mitglied der Republikaner, heute „parteilos“ im Rat der Stadt Gelsenkirchen sitzend, Gruender von „pro Gelsenkirchen“ und im Vorstand von „pro NRW“, eng verbandelt mit der NPD und den freien Kameradschaften in der Region (u.a. in Bochum-Wattenscheid, Hauer war vor seiner politischen Karriere Langzeitstudent der Paedagogik an der Ruhruni), hatte fuer die Veranstaltung einen Termin bei einer Mitarbeiterin von Schloss Horst nachgefragt. Ganz offiziell.

Denn die Stadt vermietet regelmaessig die schoenen altehrwuerdigen Schlossraeume an private Veranstalter: Vereine, Verbaende, schon mal eine Aktionaersversammlung, die Weihnachtsfeier einer Firma oder Musikevents und dergleichen. Ist ja auch ok, die Stadt braucht Geld, und wenn die Raeume leer stehen, nuetzt es auch niemandem.

Die zustaendige Sachbearbeiterin wollte nicht an „pro NRW“ vermieten und schaltete ihren Chef ein, Elmar Alshut, Kunsthistoriker, Buchautor und Leiter des Schlosses an der Turfstrasse, hier Naeheres. Der wollte auch nicht so recht, und so ging die Geschichte unter Umgehung des gruenen Kulturdezernente auf direktem Weg zum SPD-Buergermeister Frank Baranowski, der sich in der Oeffentlichkeit gerne als Stadtvater auch der Migranten positioniert.

Herr Hauer redete mit Herrn Baranowski ein Wort unter Maennern und kurz darauf kam die „Dienstanweisung“ des „Obersten Dienstherrn“. Kunsthistoriker Alshut kuschte und gab die Anweisung, an „pro NRW“ zu vermieten – Grund mir unbekannt; ein – einziger! – staedtischer Mitarbeiter wurde angewiesen, den Saal aufzuschliessen und „ein Auge“ auf die Veranstaltung zu halten. So geschah es. Auf wen er da „ein Auge“ halten sollte, wurde dem Mitarbeiter bis zuletzt nicht mitgeteilt, er war ahnungslos. Erst als er, waehrend Tagungspausen, auslaenderfeindliche Hetzgespraeche erlauschte, schrillten beim ihm alle Alarmglocken.

Meine Meinung: fuer mich ist es ein politischer Skandal erster Guete, wenn der Oberbuergermeister, ein SPD-Mann und verantwortlich fuer alle Buerger seiner Stadt, im allerersten Haus am Platz, dem offiziellen „Wohnzimmer“ von Gelsenkirchen, Schloss Horst, einer erklaert auslaenderfeindlichen extremen Rechtspartei per Dienstanweisung gegen den erklaerten Willen seiner Untergebenen Raeume vermietet, damit diese in Klausur und betreut von einem staedtischen Mitarbeiter ihre finsteren Plaene schmieden koennen.

Die Mitarbeiter haben einen Brief an den OB geschrieben. Und die Linkspartei hat auch schon Wind von der Sache bekommen und ruestet sich. Megapeinlich. Herr OB Baranowski, ich erwarte eine Erklaerung!

zur auf: ich habe keine angst vor kommunisten, bin selber keiner, aber wo sie recht haben, haben sie recht. und frau gaertner-engel gehoert zu den wenigen politikern in ge, die dinge offen auf den punkt bringen. dass sie dabei schon mehrfach vor deutschen gerichten gegen die stadt gelsenkirchen als gewinnerin hervorging, sei nur am rande erwaehnt…..

zu schloss horst: persoenlich iss mir egal, wo pro nrw sich trifft. sie werden wohl kaum die macht ergreifen und deutschland erobern koennen. da sie zwar vom verfassungsschutz beobachtet werden, aber nicht verboten sind, duerfen sie tagen, wo sie wollen. von mir aus in einem hotel – aber nie und nimmer in einem oeffentlichen gebaeude im besitz der stadt gelsenkirchen. das ist fuer mich der eigentliche skandal, und dass herr hauer den buergermeister offenbar reingelegt hat: ziel von pro nrw war es von anfang an, den neuen bezirksverband ruhrgebiet an einem derart exponierten gebaeude mitten in der gesellschaft, genehmigt vom buergermeistger, aus der taufe zu heben. motto: seht her, wir sind endlich bei euch angekommen, die stadt steht auf unserer seite. Herrn baranowski wurde das, sagen quellen, als privates „freundschaftstreffen“ verkauft. der waehlte dann den „kleinen dienstweg“, um einem „ratsherrn“, wie er gesagt haben soll, diesen herzenswunsch zu erfuellen. und die untergebenen auf dem schloss handelten wie „willige vollstrecker“ und buckelten gegen ihre ueberzeugung vor dem „obersten dienstherrn.“ deutscher untertanengeist und kaadavergehorsam fuehrte schon einmal in die irre.

wenn sich das wirklich so abgespielt haben sollte, dann sei der ob von ge nicht nur ein politischer toelpel und naiv wie ein klippschueler, sondern fuer dieses amt voellig ungeeignet, meinen kritiker. da hatte der wittke olli ja noch mehr mumm in den knochen! meine meinung: ein oberbuergermeister, vor allem in einer stadt mit einem derart hohen migrantenanteil, der so fahrlaessig handelt, ist untragbar und sollte freiwillig seinen ruecktritt anbieten. den gruenen kulturdezernenten, der ebenfalls durch untaetigkeit und fehlentscheidungen glaenzt, sollte er gleich mitnehmen. gelsenkirchen wuerde beide kaum vermissen.

Koenig Frank der Viertelnachzwoelfte und der Mund der Wahrheit. Neue Narrenpossen von Schloss Horst

Nachtrag: mit dem rechtsradikalen Gelsenkirchener Rastherrn Hauer gab es schon mehrfach Stadttheater, bei dem der OB eine unglueckliche Figur abgab. Lars-Oliver Christoph, der beste und recherchefreudigste Kollege von der WAZ Gelsenkirchen, hatte darueber im November 2007 ausfuerlich berichtet.

Possen, Pleiten, Pech und Pannen ohne Ende. Gelsenkirchen ein einzig Narrenschiff mit einem Obernarrelesen mit roter Nelke, Frank der Viertelnachzwoelfte. Zum Schaemen schlimm.
Dumm: jede im Rat vertretene Fraktion hat das verbriefte Recht, gegen Cash den Ratssaal fuer politische Veranstaltungen zu
nutzen. So auch die 2005 noch durch Hauer vertretenen Republikaner. Inzwischen gibt es ein Verbot – allerdings nur fuer
„zeitnah“ am Wahltermin stattfindende Wahlkampfveranstaltungen.

Im November 2007 ludt dann Kevin Gareth Hauer, nunmehr Gruendervater von „pro Gelsenkirchen“, einem Ableger der rechtsextremen, mit der NPD und freien Kameradschaften kooperierenden Buergersammelbewegung „pro NRW“, in den Ratssaal, zu einer „multikultikritischen kommunalen Diskussionsveranstaltung“.
Dies hatte der rechtsradikale, vom Verfassungsschutz beobachtete Politiker gerichtlich gegen die Stadt durchgedrueckt (war ja
nicht zeitnah). Auch als „parteiloser“ Ratsherr („pro Gelsenkirchen“ ist rechtlich gesehen keine Partei) ist das sein gutes
Recht – demokratisch und verfassungsrechtlich wasserdicht. Sowas muss man als Demokrat dann halt zaehneknirschend hinnehmen, solange NPD und die pro-Gruppen nicht verboten sind.

Nun meine Frage: gilt, was fuer den Ratssaal gilt, auch fuer Schloss Horst? Ganz klares Nein: in der Satzung zur Vermietung der Schlossraeume heisst es ganz deutlich:
„Oeffentliche Veranstaltungen von Parteien und weltanschaulichen Vereinen/Verbaenden sind laut Satzung nicht moeglich.“ „Pro
Gelsenkirchen“, „pro NRW“, „pro Koeln“ und „pro Ruhrgebiet“ sind eindeutig weltanschaulich und parteiisch. Und oeffentlich
war die Veranstaltung auch, waren doch alle Buerger ausdruecklich „herzlich eingeladen.“ Gemeinnuetzig und kulturell war die
politische Anti-Auslaender-Sause sicherlich auch nicht.

Die Raeume haetten von der Stadt Gelsenkirchen auf keinen Fall an diesen Gast vermietet werden duerfen. Und „private Feiern“, heisst es klar in der Satzung, duerfen nur ueber die Gastronomiebetreiber, eine Familie Kesting aus Essen, gebucht werden. Wenn es denn, wie der angeblich naive OB geglaubt haben will (also bitte, Herr B.!), ein „Freundeskreis“ war, haette dieser privat im Restaurant anfragen duerfen bzw. sogar muessen. Damit haette dann auch ich als Demokratin kein Problem gehabt und diese Blogeintraege haette es nie gegeben.

Tat er aber nicht, sondern buchte – zu ermaessigten Preisen, versteht sich, „privat“ kostet mehr – „auf dem kleinen Dienstweg“ offiziell bei der Stadt. Und das verstiess eindeutig gegen die Schlosssatzung und war somit ein Willkuerakt nach Gutsherrenart durch den SPD-Stadtchef, realisiert durch willfaehrige Handlanger. Pfui.

War der OB wirklich so toelpelhaft und hat die Maer vom „Freundeskreis“ tatsaechlich geglaubt? Oder hatte er einfach die roten Buergermeisterhosen voll? Hat Herr Hauer damit gesdroht, andernfalls wieder einmal mehr den Ratssaal zu beziehen und den OB damit unter Druck gesetzt?

Hatte der OB keine Courage im Leib, da die Stadt wegen ihres ruepelhaften Verhaltens in Sachen „Zug der Erinnerung“ eh schon im Kreuzfeuer der Kritik stand und wollte sich nicht noch eine Bloesse mit Rechtsbeule geben? Und dachte sich Herr Baranowski, heimlich still und leise die leidige Angelegenheit auf dem Schloss, weitab vom Schuss, ueber die Buehne gehen lassen zu koennen? Leider hatte er die Rechnung ohne ein paar Schlossvoegelein, die AUF und ein paar eifrige Blogger gemacht.

Jetzt schrieb Gelsenkirchen mit der „Gelsenkirchener Erklaerung“, abgegeben auf Schloss Horst, ein Stueckchen rechtsradikaler Geschichte in Deutschland mit. Und bei „pro NRW“ und ihren Kumpanen lachen sie sich jetzt nen Ast ueber die doofen Gelsenkirchener…..

Ganz dreist sind die aktuellen Aeusserungen des Pressesprechers der Stadt Gelsenkirchen, eines Herrn Martin Schulmann, der die rechtlich und sachlich falsche Information in die weite Welt setzt, die Stadt habe „keine Handhabe“ gehabt, eine „private Feier“ zu untersagen; auch nicht, wenn sich hinterher herausstellen sollte, es sei doch eine „Parteiveranstaltung“ gewesen.

Das ist schlichtweg falsch.

Noch einmal zum Mitschreiben: nur die dortige, privat betriebene Gastronomie darf auf dem der Stadt gehoerenden Schloss Horst an Privatleute Raeume vermieten; die Stadt hingegen darf das nicht und auch keinesfalls an Parteien und weltanschauliche Organisationen. Hier ganz klar und deutlich der Link zur Satzung.

Bitte, verschaukeln Sie die Buerger dieser Stadt nicht laenger. Und es wird klar, warum so viele Journalisten ihre „Kollegen“ Pressesprecher zutiefst verachten. In einem solchen Fall wohl zu recht. Ein Mund der Wahrheit sind die wenigsten.Der OB hat eine „Dienstanweisung“ ohne rechtliche Grundlage gegen die Mietsatzungen „seines“ Schlosses erlassen, und der „Schlossverwalter“, Herr Alshut, wieder besseres Wissen aus Diensteifer diese Anweisung ausfuehren lassen. Punkt. Nichts und gar nichts gibt es daran zu ruetteln.

Hier ein Bericht im Westen mit der nahezu dreisten Verharmlosungsstrategie der SPD und den Falschinformationen gegenueber den Medien durch den Stadtsprecher. Das ist nun wirklich eine Frechheit. Und wieso einen „Brief an die Verwaltung“ schreiben? Es war der OB persoenlich, der das Alles ermoeglicht hat.

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97 Leben abtransportiert

WAZ Gelsenkirchen, 17.Februar 2008, Von Tobias Mühlenschulte:

Durch Deutschland fährt ein Zug und sucht nach den Spuren von Kindern und Jugendlichen, die während des NS-Regimes deportiert wurden. In Gelsenkirchen waren es an die 100. Veranstalter erheben Vorwürfe

Es ist eng. Eng und bedrückend. Kein Lichtstrahl dringt von draußen in die alten, muffigen Eisenbahnwaggons. Die Fenster sind abgeklebt. In den schmalen Gängen drängen sich die Menschen dicht an dicht, schieben sich schweigend vorwärts. In ihren Gesichtern: Anteilnahme, Entsetzen, Trauer, Wut.

Der „Zug der Erinnerung“ rollte am Sonntagvormittag im Gelsenkirchener Hauptbahnhof ein und macht bis heute um 19 Uhr Station an Gleis 8. Und er erinnert an Züge, die besser nie gefahren wären. Zwischen Oktober 1940 und Dezember 1944 deportierten die NS-Behörden mehrere hundertausend Kinder. Auch aus Gelsenkirchen wurden Kinder und Jugendliche nach Auschwitz verschleppt.

In den Waggons erinnern zahlreiche Fotos und detailliert dokumentierte Einzelschicksale an den Nazi-Terror, der auch vor den ganz Kleinen nicht halt machte. Eine Tafel zeigt zum Beispiel eine Szene aus dem Rassenlehre-Unterricht, eine andere das „Juden raus“-Spiel, eine perfide Mensch-ärgere-Dich-nicht-Variante. Daneben hängt eine Abbildung des damaligen Schienennetzes mit den Deportationsstrecken. Ein anderes Zugabteil widmet sich den Tätern. Im nächsten Waggon sind die Ergebnisse der Spurensuche in Bochum ausgestellt. Zahlreiche Schulklassen hatten Schicksale in ihrer Heimatstadt recherchiert.

Laut dem veranstaltenden, gleichnamigen Verein „Zug der Erinnerung“ verließen 1942 mehrere Bahntransporte mit zusammen mindestens 93 Kindern und Jugendlichen die Stadt in Richtung Osten. Andreas Jordan vom Gelsenzentrum (Privates Internetportal für Stadt- und Zeitgeschichte) zählte bei seinen Recherchen gar 97 deportierte junge Juden.

Und als wäre die ganze Angelegenheit noch nicht traurig genug, erheben der Verein und Andreas Jordan schwere Vorwürfe an die Adresse der Stadt. „Vor einem Dreivierteljahr haben wir um Beteiligung gebeten. Die wurde abgelehnt mit der Begründung: ,Wir haben genug getan‘. Das ist eine bedauerliche Haltung“, gibt sich der Vereinsvorsitzende Hans-Rüdiger Minow enttäuscht. Alle anderen bisher angefahrenen Städte (Mannheim, Karlsruhe, Stuttgart u.v.a.) hätten die Hälfte der entstehenden Kosten, 4000 Euro pro Tag, gedeckt. Für die andere Hälfte kommt der Verein mit Spendengeldern auf.

Aber nicht nur finanziell sei dem Zug die Unterstützung verweigert worden. „Ich habe in einer Woche das gemacht, was die Stadt hätte tun sollen“, umschreibt Andreas Jordan seine organisatorischen Bemühungen.

Und auch auf die Deutsche Bahn ist der „Zug der Erinnerung“ nicht gut zu sprechen. „Wir werden behandelt wie jeder Schrottzug“, bedauert Tatjana Engel vom Vereinsvorstand die finanziellen Forderungen des Schienennetzbetreibers. Kein Rabatt, keine Ermäßigung – der volle Preis sei zu entrichten. Eine Stunde Aufenthalt koste alleine schon 45 Euro. Zu entrichten an den Nachfolger der Reichsbahn.

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