Pressemitteilung VVN/BdA Gelsenkirchen

VVN-Kundgebung am 25.08.2008, 19:00 Uhr auf dem Fritz-Rahkob-Platz

Pressemitteilung

Es ist über 20 Jahre her, dass der Rat der Stadt drei Plätze in der Gelsenkirchener Innenstadt nach örtlichen Widerstandskämpfern benannt hat: Den Heinrich-König-, Margarethe-Zingler- und den Fritz-Rahkob-Platz.
In einer Stadt, die stark von Bergbau und Industrie geprägt war, war es nur logisch, dass der Widerstand gegen den Faschismus aus der Arbeiterschaft kam. Und diese Arbeiterschaft war politisch durch Sozialdemokratie, Kommunisten und Katholizismus vertreten. Heinrich König, Margarethe Zingler und Fritz Rahkob repräsentieren die Breite des Widerstands in Gelsenkirchen, der vor allem Arbeiterwiderstand war.
Die Erinnerung an diese antifaschistischen Widerstandskämpfer hat in Gelsenkirchen zu Recht einen hohen Stellenwert.

Das Auftreten alter und neuer Nazis auch in Gelsenkirchen zeigt die Notwendigkeit sowohl zur Auseinandersetzung mit aktuellen rechten Positionen, als auch zu Gegenaktivitäten von Antifaschisten. Wir erachten aber auch die Auseinandersetzung mit den historischen Verbrechen des Faschismus für weiterhin notwendig, um einer Wiederholung dessen entgegen zu wirken.

Die SprecherInnen der VVN-BdA Gelsenkirchen

Mehr über Fritz Rahkob: GELSENZENTRUM: Der Widerstand 1933-1945

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Tatort: Rosenstrasse 76

Podiumsdiskussion und Ausstellung

Sarah-Hagar Ruhrgebiet ist eine Initiative von jüdischen, christlichen und muslimischen Frauen. Sie ist ein Netzwerk für frauenpolitische Fragestellungen in Verbindung mit interreligiöser und interkultureller Verständigung. Die Sarah-Hagar Initiative beteiligt sich darum an den Aktionswochen gegen häusliche Gewalt.

Häusliche Gewalt gibt es in christlichen Familien genauso wie in jüdischen und muslimischen Familien. Welche Rolle spielt dabei die Religion? Wird die Gewalt durch bestimmte theologische Auffassungen unterstützt und legitimiert? Und welche Möglichkeiten bieten die Religionen und das Verständnis der heiligen Schriften, um Gewalt zu überwinden, um gegen häusliche Gewalt vorzugehen? Wie wird in der jeweiligen religiösen Gemeinschaft mit Gewalt in der Familie umgegangen? Von welchen Erfahrungen können wir auch gegenseitig lernen?

Diesen Fragen werden die Referentinnen nachgehen, dabei ist auch Gelegenheit, Fragen aus dem Publikum mit einzubringen. Vor der Podiumsdiskussion besteht die Gelegenheit, die Ausstellung zu besuchen. Eintritt frei.

Info: Pfarrerin Antje Röckemann, Tel. 0209-1798-250 www.kirchegelsenkirchen.de/frauen

„Trautes Heim, Glück allein“ Häusliche Gewalt in Judentum, Christentum und Islam

Montag, 25. August 2008, 19 Uhr bis ca. 21.30 Uhr, Evangelische Christuskirche, Gelsenkirchen-Beckhausen, Kleine Bergstr. 7

Podiumsdiskussion mit Dr. Rachel Herweg, Jüdische Gemeinde zu Berlin Dr. Britta Jüngst, Frauenreferat der EKvW Luise Becker, Zentrum für islamische Frauenförderung und Frauenforschung Köln

Moderation: Nigar Yardim, Duisburg, Antje Röckemann, Gelsenkirchen

Siehe auch: Präventionsrat Gelsenkirchen

Das Projekt und die Wanderausstellung:
„Rosenstrasse 76“ der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) http://www.rosenstrasse76.de/

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104 000 Euro für die Alte Synagoge

In der Von-der-Recke-Strasse befand sich der alte Betraum der jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen

Hier soll der Dokumentations- und Geschichtsort jüdischer Kultur eingerichtet werden. Der Umbau der Alten Synagoge in der von-der-Recke-Straße in einen Dokumentations- und Geschichtsort jüdischer Kultur scheint nun gesichert.

Am kommenden Donnerstag überreicht Regierungspräsident Paziorek an den Gelsenkirchener Oberbürgermeister in der neuen Synagoge an der Georgstraße den Bewilligungsbescheid des Landes, 104 000 Euro erhält die jüdische Gemeinde nun für den seit längerem geplanten Umbau. Die Projektpläne liegen längst vor – bisher waren aber die finanziellen Bedingungen unklar.

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Die “vergessene” Gedenktafel und der “Ehrenbürger” Emil Kirdorf

Provinzposse aus Gelsenkirchen – Die „vergessene“ Gedenktafel und der „Ehrenbürger“ Emil Kirdorf

Ein Beitrag aus dem Forum „Gelsenkirchener Geschichten“ zum Thema Ehrenbürger in Gelsenkirchen: Wie die Mitarbeiter der Stadtverwaltung mit dem Thema umgehen, konnte man zum 125jährigen Jubiläum der Stadt im Hans-Sachs-Haus sehen. Auf einer öffentlich zugänglichen Tafel mit den Namen der Gelsenkirchener Ehrenbürger ist auf der linken Seite der Ehrenbürger Emil Kirdorf aufgeführt! Wenn ich also richtig rechne: 1875 wurden Gelsenkirchen die Stadtrechte verliehen, dann war 2000 das 125-jährige. Die Ehrenbürgerschaft wurde Kirdorf durch Ratsbeschluß bereits am 8. September 1989 (!) aberkannt…

→ GELSENZENTRUM: Emil Kirdorf , einer der größten Geldgeber Hitlers, war ein überzeugter Antisemit und Nazi, dessen Engagement und Freundschaft zu Hitler auf der einen, und dessen Kontakte zur Industrie auf der anderen Seite letztendlich dazu beitrugen, die Nazis an die Macht zu bringen und zwar mit allen Konsequenzen: Abschaffung der Demokratie, Errichtung einer Terrorherrschaft, Schaffung neuen Lebensraums im Osten, Vernichtung von Juden, Ausländern und Randgruppen, Zwangsarbeit, Sklaverei, Krieg… Gelsenkirchen hatte mehrere Nazis als Ehrenbürger, Adolf Hitler, diverse Gauleiter und eben Emil Kirdorf. Zumindest bis 1989. Weiter lesen auf Die Täter: Emil Kirdorf

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SS-Killer Heinrich Boere: “Ja, ich hab die weggemacht”

Er mordete für das Kommando „Silbertanne“. 63 Jahre blieben die Taten des Heinrich Boere ungesühnt. Nun soll er im vielleicht letzten großen NS-Prozess vor Gericht. Der FOCUS hat den SS-Killer ausfindig gemacht.

Der SS-Killer Heinrich Boere im FOCUS-Interview

Heinrich Boere

„Herr Boere, ist es Ihnen eigentlich schwergefallen, die Menschen zu erschießen?“ – „Ach, nein, schwer fiel mir das nicht. Man braucht doch nur einen Finger krumm zu machen.“
Wenn Heinrich Boere zeigen will, wie er die Menschen umgebracht hat, formt seine Hand eine Pistole. Dann streckt er seinen immer noch kräftigen Arm dem Besucher entgegen. Der Mittelfinger seiner Hand krümmt sich, drückt ab. „Peng! Tot!“, sagt der 86-Jährige und lächelt. Er greift wieder zu Messer und Gabel und isst weiter.

Es ist Mittagszeit in einem Kreiskrankenhaus am Rande der Eifel. Hier hat FOCUS den SS-Killer gefunden. Boere löffelt eine Brühe, dann isst er ein Rahmschnitzel. Er hat wieder guten Appetit. Den Kollaps in der vergangenen Woche, kurz nachdem der Oberstaatsanwalt zu ihm ins Seniorenheim kam, hat er gut überstanden. In seinem Arm steckt eine Kanüle, der Blutverdünner Heparin fließt über einen Tropf in seine Vene. Heinrich Boere schluckt die Mittagsration seiner Medikamente, schließlich gibt es Nachtisch, Vanillepudding. „Wissen Sie, als Soldat hatte ich ja nichts Gescheites zu essen, oft nur Kohlsuppe. Nein, schön war das nicht.“ Er fasst an sein mobiles Langzeit-EKG, einen kleinen Plastikkasten, der über seinem Bauch baumelt und der ihn offenbar an seine alte Dienstwaffe erinnert: „Meine Pistolentasche“, sagt er und glaubt, ihm sei ein Witz gelungen.

Die Frühlingssonne fällt ins Krankenzimmer und nimmt seinen Gesichtszügen die Schärfe. Sein volles Haar, das er bei seinen geliebten Spaziergängen unter einem beigen Hut verbirgt, ist kurz geschnitten und steht etwas wirr vom Kopf ab, weil er gerade geschlafen hat. Seine kleinen Augen hinter der Brille verraten nicht viel über ihn, sie kneifen sich zusammen. Gerade eben sah es noch so aus, als verziehe Boere seinen Mund nur, weil die Sonne ihn blendet. Doch er lächelt wirklich, die meiste Zeit des Gesprächs über wird er es tun. „Meine Pistolentasche …“, sagt er ein weiteres Mal, isst seinen Pudding und wartet auf eine Reaktion.

Seine Aussicht ist schön. Wenn Boere aus dem Fenster im dritten Stock der Klinik schaut, blickt er auf ein Dächermeer und blühende Bäume. Er ist im nahen Eschweiler bei Aachen geboren worden, so sagt er, als Sohn eines Niederländers und einer Deutschen. Als Kind schon siedelt er mit seinen Eltern in die Niederlande über, dort erlebt er auch den Kriegsbeginn. Anfang der 50er-Jahre kehrt er zurück in seine deutsche Heimatstadt. Hier führt er ein bürgerliches Leben, arbeitet als Bergmann. Die letzten 31 Jahre verbringt er als Frührentner, der bei seinen Spaziergängen oft angesprochen wird – wegen seiner beiden lustigen Begleiter, zwei Yorkshireterrier.

„Schutzstaffel“: Als die Wehrmacht 1940 die Niederlande besetzt, tritt auch Boere in die Waffen-SS ein, kämpft zunächst in Russland, dann wird er Mitglied einer Todesschwadron
1940 tritt Boere freiwillig in Hitlers „Germanische SS in den Niederlanden“ ein, wie Zehntausende andere seiner Landsleute. Schon bald muss er nicht länger in Russland kämpfen, sondern bekommt eine Aufgabe, die Kaltblütigkeit erfordert: Er wird Mitglied einer Todesschwadron, des SS-Sonderkommandos Feldmejer, das unter dem Decknamen „Silbertanne“ zuschlägt. Ein Killertrupp von etwa 15 Mann, der auf persönlichen Befehl Hitlers „Vergeltung“ üben, der für jeden getöteten deutschen Soldaten drei niederländische Zivilisten umbringen soll. Mindestens 54 Niederländer ermorden die Vollstrecker der „Silbertanne“. Einigen ihrer Opfer unterstellen sie Kontakt zum Widerstand. Meist fällt die Wahl der SS und des Sicherheitsdienstes auf bekannte und angesehene Bewohner eines Ortes, um den Schrecken zu mehren. Schließlich fürchten die Besatzer Unruhen.

Obwohl Boere im Auftrag einer „Geheimen Reichssache“ tötet, sind seine Taten genau dokumentiert. Gerichtsakten berichten von seiner „Heimtücke“. Das Jahr 1944: Am 14. Juli zieht Boere mit einem SS-Kameraden los, betritt die Apotheke von Fritz Bicknese in Breda. Er nutzt dessen Arglosigkeit, zieht die durchgeladene und entsicherte Pistole aus seiner rechten Manteltasche, feuert und lässt Bicknese in seinem Blut zurück. Am 3. September erfüllt Boere den nächsten Auftrag: Er sucht den Fahrradhändler Teunis de Groot in Voorschoten auf. Er klingelt an dessen Tür, der Mann öffnet ein Fenster, beugt sich heraus und nennt seinen Namen, bevor Boeres Kugeln ihn treffen. Noch am gleichen Tag reisen die SS-Männer weiter nach Wassenaar zum Haus von Frans-Willem Kusters. Weil sich dessen Frau schützend vor ihn stellt, nehmen die beiden Schergen Kusters zu sich ins Auto, täuschen unterwegs eine Panne vor und erschießen auch ihn. 1949 wird Boere deswegen vom Sondergerichtshof Amsterdam zum Tode verurteilt, kann aber fliehen und untertauchen.

Die Erinnerung an die Zeit des Nationalsozialismus und des Krieges ist seltsam gnädig zu Boere. Im Krankenhaus erzählt er von ihr wie von einem Abenteuer. An den 10. Mai 1940, den Tag, an dem die deutsche Wehrmacht die Niederlande überfällt, denkt er zurück wie an eine Verheißung. Erzählt, wie er als 18-Jähriger auf den Dachboden rennt, begeistert in den Himmel starrt, über dem zum ersten Mal deutsche Bomber fliegen. „Die Mutter sagte mir: ,Siehst du, jetzt kommen die Deutschen, jetzt wird alles besser! Und es wurde ja auch alles besser.“ Für ihn. Die Erinnerung an seinen Eintritt in die „Germanische SS“ legt Stolz in sein Gesicht: „Ich fühlte mich schon immer als Deutscher.“

Eine Dreiviertelstunde lang spricht Boere bereitwillig mit FOCUS, anschließend lächelt er auch in die Kamera des Fotografen. Er wirkt robust und bei klarem Verstand. Im Krankenhaus scheint er sich gut zu erholen. Was ihm gerade fehlt, weiß er selbst nicht genau, er berichtet von Herzrhythmusstörungen und Wasser in der Lunge. „Aber die wollen mich hier kurieren, die wollen, dass ich 100 Jahre alt werde.“

„Die Zeit drängt“: Der Dortmunder Oberstaatsanwalt Ulrich Maaß hat Boere wegen dreifachen Mordes angeklagt – jetzt begutachten Ärzte, ob er verhandlungsfähig ist

Dutzende Male hat er in den letzten Tagen Journalistenfragen am Telefon abgeschmettert, hat, bevor er auflegte, noch Beschimpfungen in den Hörer gerufen. Die Kamerateams aus den USA, Deutschland und den Niederlanden, die vor seinem Heim versuchen, Bilder des SS-Mannes einzufangen, werden schon auf dem Parkplatz von aufgebrachtem Pflegepersonal gestoppt. „Vorsicht, dieses Gebäude ist videoüberwacht“, warnt ein Schild an der Eingangspforte. Jahrelang bekam der einstige SS-Scherge keinen Besuch und verbarrikadierte sich.

Doch nun lässt Boere jede Tarnung fallen und gerät ins Plaudern. Es wirkt, als wolle er etwas loswerden, als wolle er sich von etwas befreien. Am Ende wird er seine Taten einräumen. „Ja, ich hab die weggemacht. Musste ich doch. Sonst hätten die mich doch …“ Sogar seine von ihm selbst gepflegte Lüge, er habe nur „Feinde Deutschlands“ erschossen, entlarvt er nachträglich: „Man hat uns gesagt, das wären Unterstützer von Partisanen gewesen – aber daran hatten wir schon damals nicht geglaubt.“

Die 63 Jahre nach dem Ende des Krieges haben Heinrich Boere kaum etwas anhaben können, er hat sie bei guter Gesundheit überlebt. Der mittelgroße Mann mit dem breiten Kreuz und dem Kugelbauch wiegt zwei Zentner. Eher gemächlich als gebrechlich wirkt er, wenn er sich, auf einen Rollator gestützt, über die Gänge der Klinik schiebt. Er grüßt auch fremde Leute höflich, in seiner Stimme schwingt ein holländischer Akzent, was ihr etwas Heiteres gibt. Als die Niederlande ihm nach dem Krieg die Staatsangehörigkeit aberkennen, versucht er, in Deutschland eingebürgert zu werden, ohne Erfolg. Und bleibt staatenlos, so steht es in seiner Gerichtsakte. Er hat nie geheiratet, hatte nie Kinder, seine Wohnung in Eschweiler gab er vor wenigen Jahren auf, als er ins Heim zog. „Ich war immer allein“, sagt Boere. Es scheint, als habe ihn die Zeit immer selbstgewisser werden lassen, als habe sie ihm Gelassenheit gegeben.

Nervös wurde der rüstige Alte freilich, als vor einigen Wochen der Dortmunder Oberstaatsanwalt Ulrich Maaß zu ihm ins Seniorenheim kam und zu ihm sagte: „Herr Boere, ich werde Sie wegen Mordes in drei Fällen anklagen.“ Ihm also eine Sensation mitteilte: 63 Jahre nach Kriegsende könnte schon bald zum letzten Mal ein Nazi-Verbrecher vor einem deutschen Gericht stehen. Boere kippte wenig später in einem Linienbus um, auf dem Weg zum Einkaufen. „Die Leute im Bus waren hilfsbereit“, sagt Boere, „aber ich war denen zu schwer, die brachten mich nicht hoch.“

Seinen drei Tischnachbarn im Heim, allesamt Weltkriegsteilnehmer wie er, erzählte er nichts von diesem Besuch. Die vier Männer nehmen ihre Mahlzeiten meist schweigend miteinander ein. Einer von ihnen klagt manchmal über Schmerzen in seinem linken Bein. 48 Granatsplitter stecken bis heute in seinem Unterschenkel, er war wie Boere in Russland. „Aber ein Soldat darf sich nicht fürchten und darf sich nicht beklagen“, sagt Boere. Und dass er wie seine Kameraden „gegen die Kommunisten kämpfen musste und möglichst viele Feinde wegmachen musste“. Wie viele Täter meidet auch Boere das richtige Wort – immer wenn es um Mord geht, spricht er von „Wegmachen“, manchmal auch nur von „Machen“. Oft sucht er erst gar nicht nach beschönigenden Ausdrücken, benutzt stattdessen martialische Gesten – seine Hände simulieren dann einen Würgegriff.

Ort des Vergessens: Heinrich Boeres Wohnungstür in einem Seniorenheim ist geschmückt mit einem Kampfhund-Poster Wenn Boere von Kampf und von Feinden spricht, steht eine Entschlossenheit in seinem Blick, die vielleicht von damals stammt. Die kleinen matten Augen hinter seiner Brille fokussieren ihr Gegenüber, sie provozieren. Wächsern liegt ihm sein Lächeln im Gesicht. Wie eine Maske, die ihm in 63 Jahren angewachsen ist. Boere zeigt keine Angst vor dem, was ihm nun bevorstehen könnte. „Sollen die mich ruhig vor Gericht stellen, mir passiert schon nichts“, sagt er und vertraut darauf, auch dieses Mal davonzukommen.

In seinem Heim muss sich Boere nicht verstecken. Seine Nachbarn dort sind bei Weitem nicht so geistig rege wie er. Boere ist umgeben von Demenzpatienten, die fremde Besucher für ihre Söhne halten oder die nach ihrer Mutter rufen. Fetzen von Selbstgesprächen hallen über den dunklen Flur. An Handläufen geklammert, schlurfen Boeres Mitbewohner auf und ab. Eine seiner Nachbarinnen zur Linken fragt Besucher, die sie auf dem Gang trifft: „Wo bin ich?“ Boere lebt an einem Ort, an dem er sich keinen Fragen, keiner Vergangenheit und keiner Zukunft stellen muss. Seine Kriminalromane, die er sich aus der hauseigenen Bibliothek ausleiht, erinnern ihn manchmal an damals, wenn sie brutal sind. Doch wenn ihm in einer Geschichtssendung im Fernsehen einer von diesen Jungen den Krieg erklären will, schaltet er um. Gern setzt er sich auf seinen kleinen Balkon. Das Personal des Heims hat bereits Blumen in die Kästen gepflanzt. An Boeres Tür auf der Station klebt ein Poster eines kleinen Kampfhunds, denn Hunde mag Boere noch immer. Die Pfleger inszenieren Scheinwelten, sie haben die Station „Meerblick“ getauft und bunte Schiffchen aus Pappe an die Wände geklebt. Boere lebt an einem Ort des Vergessens. Das mag einem, der vergessen lassen will, entgegenkommen.

Der Mann, der gegen das Vergessen arbeitet, der Boere stellen will, spricht leise. In seiner Stimme, seinen Gesten und Gedanken liegt Beharrlichkeit. Ulrich Maaß ist ein Oberstaatsanwalt, der schlicht und verbindlich auftritt. Er leitet die Zentralstelle zur Verfolgung von NS-Verbrechen in Nordrhein-Westfalen. In seinem Dortmunder Büro hängt eine Karte von Osteuropa in den Grenzen von 1940. Sie zeigt Teile „Großdeutschlands“ und das von der Wehrmacht eroberte Polen, das Hitler „Generalgouvernement“ nennen und in dem er seine Vernichtungslager bauen ließ. Wenn Ulrich Maaß auf die Karte schaut, findet er die Tatorte vieler Nazi-Verbrecher, die er sein Berufsleben lang verfolgt hat. Um den vielleicht letzten großen Fall seiner Laufbahn persönlich zu treffen, brauchte er nur eine Stunde von Dortmund mit dem Auto nach Eschweiler zu fahren. Bis heute irritiert ihn der Augenkontakt mit den Angeklagten: „Es ist schlimm, welche Kälte Ihnen da mitunter entgegenblickt.“ Maaß berichtet, wie mehrere Ersuche der Niederlande, Boere auszuliefern oder ihn in Deutschland zu bestrafen, gescheitert sind. Wie auch deutsche Gerichte am Fall Boere gescheitert sind, mal wegen Verfahrensfehlern, mal, weil ein deutsches Gericht Boere „Befehlsnotstand“ attestiert. 1980 wurde seine Auslieferung abgelehnt, weil der offiziell Staatenlose „möglicherweise durch seinen Kriegsdienst die deutsche Staatsangehörigkeit erworben“ haben könnte. Maaß sagt: „Nun wird es Zeit. Dieses Verfahren ist von großer Bedeutung. Und ich bin überzeugt, dass der Prozess gegen ihn leicht zu führen wäre“ – falls die Ärzte Boere Verhandlungsfähigkeit attestieren, davon hängt viel ab.

Schweres Erbe: Maarten Bicknese zeigt ein Foto seines Großvaters Fritz, den Boere 1944 erschossen hat. Der Enkel sagt: „Ich möchte, dass mein Großvater nicht anonym bleibt.“
Im Juni 2003 beantragte das niederländische Justizministerium, die vom Todesurteil 1954 in eine lebenslange Haft umgewandelte Strafe gegen Boere endlich zu vollstrecken. Im Februar 2007 entschied das Amtsgericht Aachen, dass die Verurteilung in Amsterdam rechtens war und er seine Haft in Deutschland antreten müsse. Das Gericht argumentierte: „Bei den Tötungen handelt es sich schon deshalb um keine rechtmäßigen Kriegshandlungen, weil sie nicht durch die bewaffnete Militärmacht, sondern durch Angehörige der Germanischen SS vorgenommen wurden und zudem die Opfer auch nicht als Widerstandskämpfer beim Kampf betroffen waren … oder sich zumindest in Aktionsbereitschaft befunden hatten.“ Boere sei die Rechtswidrigkeit der Erschießung unschuldiger Zivilisten klar gewesen, und er habe den verbrecherischen Zweck der Erschießungsbefehle klar erkannt. Doch das Oberlandesgericht Köln hob dieses Urteil wieder auf, weil Boere 1949 in Abwesenheit ohne einen Pflichtverteidiger verurteilt worden war.

Ulrich Maaß sagt, bei einem erneuten Prozess gehe es nun auch darum, „Zeichen zu setzen“, und dass man es den Opfern schuldig sei, nicht nachzugeben. „Die meisten Hinterbliebenen wollen vor allem, dass die Taten zur Kenntnis genommen werden. Viele wollen auch einen Schuldspruch – sie erwarten aber nicht den Schritt zum Vollzug.“ Ulrich Maaß deutet auf seine Akten. Neben Boeres Stapel liegen die Kladden eines Mannes, der ebenfalls mordete und der seit Jahren prozessunfähig ist. Darunter Akten von Tätern, die starben, ehe Maaß sie anklagen konnte. Er sagt: „Wir müssen uns beeilen.“

Von der nordrhein-westfälischen Zentralstelle für NS-Verbrechen in Dortmund sind es drei Stunden Autobahn, dann erreicht man eine der Städte, in denen Heinrich Boere Zivilisten ermordete. In seinem kleinen Haus im niederländischen Breda erinnert sich der Enkel Maarten Bicknese an seinen Großvater Fritz. Daran, wie Heinrich Boere am 14. Juli 1944 dessen Apotheke betrat, auf der Suche nach einem Vergeltungsopfer. Boere fragte ihn: „Sind Sie Fritz Bicknese?“ Dann trafen den Apotheker drei Kugeln. Dieser mutige Mann nahm sein Geheimnis mit in den Tod: Dass er immer wieder Juden im Keller seiner Apotheke versteckt hielt, hatte die SS nie herausgefunden.

Der Enkel lernte seinen Großvater nicht kennen, „aber so vieles von ihm und dieser Tat lebt in unserer Familie weiter. Es tut immer noch weh. Deswegen sprechen wir bis heute nicht viel über das Thema.“ So schwer ihm das Reden über seinen Großvater fällt, der als „nicht deutschgesinnt“ galt, so liebevoll hat er alle Erinnerungen, Briefe und Notizen an ihn in Akten und Alben archiviert, sauber getrennt von den Zeitungsartikeln über Boere: „Ich empfinde keinen Hass gegen ihn, aber ich möchte, dass er Verantwortung übernimmt.“ Dann zieht er ein Foto seines Großvaters aus dem Ordner, berührt es mit Behutsamkeit. Es zeigt ihn wenige Wochen vor seinem Tod. Maarten Bicknese ähnelt seinem Großvater – die schrägen, tiefen Augenlider, der ernste Mund. Maarten Bickneses Frau flüstert: „Mein Mann ist eigentlich sehr rational. Aber ich merke, wie er sich verändert, wie er viel emotionaler wird. Jetzt, da er bald so alt ist, wie sein Opa wurde – 56 Jahre.“

Boere ist 30 Jahre älter als sein Opfer geworden, er hat diese Zeit als Vorruheständler verlebt und für die zwei Jahre, die er in Kriegsgefangenschaft verbrachte, Entschädigungszahlungen vom deutschen Staat beantragt. Er hat viel gebetet, denn Boere ist ein gläubiger Mensch. Das Ölgemälde mit der Mutter Maria über seinem Bett im Heim stimmt ihn andächtig. Er ruft die Madonna an, jeden Abend vor dem Einschlafen. „Ich bete für die Toten des Krieges“, sagt er. Auch für die, die er selbst getötet hat? „Ja, für die auch. Die tun mir doch auch leid.“ Er erzählt selbst das mit einem Lächeln.

Es bleibt die Frage, ob er den Hinterbliebenen seiner Opfer vor Gericht ebenfalls entgegenlächeln würde. Heinrich Boere antwortet: „Ja, natürlich. Lachen ist gesund.“

Reportage aus FOCUS Nr. 18 (2008) Tim Pröse.

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Holocaust-Denkmal hat immer mehr Besucher

Andrang am Ort der Information

Holocaust-Mahnmal in Berlin

Berlin. Mit 2260 Besuchern haben am Mittwoch so viele Interessierte den Ort der Information am Berliner Holocaust-Mahnmal besichtigt wie noch nie. Auch in den vergangenen Monaten sei die Besucherzahl deutlich höher gewesen als im Vorjahr, erklärte der Geschäftsführer der Denkmalstiftung, Uwe Neumärker, am Donnerstag.


Demnach hätten im Juli rund 50 000 Menschen die unterirdische Dokumentationsstätte gesehen. Damit liege die Besucherzahl nun auf annähernd gleich hohem Niveau wie in den Monaten unmittelbar nach Eröffnung des Denkmals für die ermordeten Juden Europas im Mai 2005. Damals waren über einen Zeitraum von drei Monaten jeweils rund 55 000 Menschen pro Monai in die Ausstellung am Berliner Holocaust-Mahnmal gekommen. Seit der Eröffnung haben das Denkmal rund 1,5 Millionen Menscr,en besucht. Der Ort der Information ist unter dem rund 19 000 Quadratmeter großen Stelenfeld des Holocaust-Mahnmals von Peter Eisenman untergebracht.

Quelle: dpa

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KZ-Arzt “Dr. Tod” in Südamerika gesehen

Wiesenthal-Zentrum auf der Spur von Nazi-Verbrecher – Hoffnung auf Festnahme in Südamerika schon in den nächsten Wochen

Simon Wiesenthal

Bild:
„Nazi-Jäger“ Simon Wiesenthal starb 20. September 2005 in Wien

Das Simon-Wiesenthal-Zentrum ist nach eigenen Angaben auf der Spur des meistgesuchten Nazi-Verbrechers Aribert Heim. Der Leiter der jüdischen Menschenrechtsorganisation, Efraim Zuroff, sagte zum Abschluss einer Südamerikareise, es gebe konkrete Hinweise auf den Aufenthaltsort des heute 94-jährigen früheren SS-Arztes in Chile oder Argentinien.


Zuroff hatte nach Hinweisen auf den Österreicher Heim gesucht, der im KZ Mauthausen als «Dr. Tod» und «Schlächter von Mauthausen» berüchtigt war. Er erklärte am Montag, dass Zuroff in der Umgebung der chilenischen Stadt Puerto Montt oder dem 160 Kilometer entfernten San Carlos de Bariloche in Argentinien lebe. Zuroff sagte, er sei davon überzeugt, dass es Menschen gebe, die wüssten, wo Heim sich aufhalten. «Eine Person in diesem Alter kann nicht auf sich alleine gestellt leben», sagte er. Offensichtlich müsse es Leute geben, die nach ihm sehen und ihm helfen. «Was wir erwartet haben zu erreichen – die Voraussetzungen für seine Festnahme in den nächsten Wochen, höchsten Monaten zu schaffen – war bisher erfolgreich», sagte Zuroff.

Millionenschweres Bankkonto

Ein Hinweis darauf, dass Heim noch lebe, sei ein millionenschweres Bankkonto auf seinen Namen und andere Investitionen, die bisher niemand beansprucht habe. Um Ansprüche auf dieses Vermögen einzufordern müsse ein Erbe einen Beweis vorlegen, dass Heim gestorben sei.

Heim soll 1941 als SS-Arzt im Konzentrationslager Mauthausen zahlreiche Häftlinge grausam gefoltert und getötet haben. «Von allen Lagerärzten in Mauthausen war Heim der schrecklichste», sagte ein politischer Gefangener 1949 aus. Die Aussage wird in einem österreichischen Haftbefehl für Heim zitiert. Er arbeitete nach dem Krieg als Arzt in Süddeutschland. Als 1962 Anklage gegen ihn erhoben wurde, tauchte er unter. In Puerto Montt lebte eine seiner Töchter seit den sechziger Jahren.

Quelle: ap, NZZ Online

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Studienfahrt nach Buchenwald

Naturfreundejugend in Buchenwald

Knapp 2000 Jugendliche aus 12 verschiedenen Nationen in den 4 Jugendherbergen der Stadt Weimar- das Jugendtreffen zum Gedenken an die Selbstbefreiung des Konzentrationslagers Buchenwald vor 63 Jahren war international. Mit dabei: Die Naturfreundejugend NRW. Mit Fahnen, Postern und einem großen Transparent vertraten wir mit 16 Naturfreunden zwischen 14 und 50 Jahren die Bewegung. Dank der ausgezeichneten Organisation waren wir omnipräsent und machten deutlich: „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung, der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“ (Schwur von Buchenwald)

Bereits am Freitag nahm sich ein Vertreter des VVN-BdA etwas Zeit, uns über das Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers zu führen und uns so einen Überblick über die Gedenkstätte zu geben. Die folgenden Tage des Wochenendes waren mit dem Programm der Organisatoren der Gedenkfeier gefüllt: Ein 8 km langer Marsch vom Ortskern Weimars zum Ettersberg, Diskussionen rund um das Thema Faschismus in Deutschland zur NS-Zeit und heute und offizielle Feierlichkeiten zum Gedenken der Opfer des Naziregimes in Buchenwald. Doch abseits des regulären Programms konnte Jan auch ein Zeitzeugengespräch mit einem ehemaligen Häftling organisieren: Gert Schramm wurde im Alter von 14 Jahren von den Nazis inhaftiert und kurze Zeit später nach Buchenwald deportiert. Dort war er der jüngste und einzige dunkelhäutige Insasse des KZ. Doch trotz seiner erbarmungslosen Geschichte strahlt Gert Schramm heute, im Alter von 80 Jahren, Kraft und Lebensfreude aus, mit der er seine Zuhörer fesselt.

Wir freuen uns besonders, dass Gert Schramm die NaturFreundeJugend in NRW bald besuchen und seine Erfahrungen vor Ort an andere weitergeben will. Doch bewegt hat nicht nur das Zeitzeugengespräch an diesem Wochenende. Es sind gerade die kleinen Dinge, zufällige Momente und situative Eindrücke, die den Teilnehmern in Erinnerung bleiben werden. Wir bewunderten die unglaubliche Kraft der ehemaligen Insassen, die zu der Gedenkfeier in ihrer alten Häftlingskleidung erschienen. Jeden Einzelnen bestürzten die Überreste der menschenverachtenden Taten, die sich in den Baracken des Lagers abgespielt haben. Und allem gemein: Das „Buchenwald-Gefühl“- ein Empfinden zwischen Trauer und Beklemmung, zwischen Furcht und Machtlosigkeit, das einen ergreift sobald man durch das eiserne Tor auf den riesigen leeren Appellplatz tritt. Hier mussten vor 70 Jahren die Insassen des KZ bei teils eisiger Kälte und Schnee zweimal täglich stundenlang still stehen. Unbegreiflich, unverständlich, lähmend.

Was besonders deutlich wurde ist die alles durchdringende Ambivalenz. Das Buchenwald-Lied zum Beispiel, das von den Häftlingen mit Hoffnung und Glauben, von den Aufsehern jedoch mit Hohn und Spott gesungen wurde. Und auch der Gegensatz zwischen dem Terror und Tod zu den Zeiten Adolf Hitlers und dem Sonnenscheinwetter, dieser Tage, welches das leere weite Gelände auf dem Berg fast idyllisch erscheinen lässt und den Schrecken der alten Tage zu verhüllen scheint. Es fällt schwer zu beschreiben, was man empfindet und fühlt, wenn man diesen Ort des Schreckens betritt. Mehr als 56.000 unschuldige Menschen kamen hier in der Zeit zwischen 1937 und 1945 ums Leben. Gestorben an Hunger oder Erschöpfung, gequält und gepeinigt von den erbarmungslosen Offizieren der SS, systematisch ausgerottet durch die perfiden Methoden der Nazi-Ideologie.

Was uns bleibt, ist nun die Verarbeitung. Um das Ausmaß dieser Stätte erfassen zu können, braucht es mehr Zeit als nur ein Wochenende. Um selbiges jedoch zu begreifen, dafür reicht wohl nicht einmal ein Leben.

Quelle: Sarah Goeken und Philip Biessey, Naturfreundejugend – Aktivpost Nummer 1 Juli / August 2008

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GELSENZENTRUM und der jüdische Kulturverein KINOR

Erster Teil der KINOR-Dokumentation Online

GELSENZENTRUMKINOR

Bereits im April des Jahres wurden die Weichen gestellt. In einem längeren Gespräch haben Andreas Jordan vom GELSENZENTRUM und Elena Gubenko von KINOR seinerzeit die Veröffentlichung der Dokumentation auf der Internetpräsenz von GELSENZENTRUM beschlossen. Nach Durchsicht der umfangreichen Materialsammlung und multimedialer Aufarbeitung ist die in den vergangenen Jahren geleistete Arbeit des KINOR nun auf der Internetpräsenz des Portals für Stadt- und Zeitgeschichte GELSENZENTRUM einem noch breiterem Publikum zugänglich.

Direktlink zur Dokumentation im GELSENZENTRUM

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Weil man es nicht weiß: Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg

Rezension von Rosa Fava

„Zwei nackte Männer wurden in einen Raum geführt, in dem es 40 bis 50 Grad unter null war, und es wurde gefilmt, wie sie starben. Sie litten solche Qualen, dass sie sich gegenseitig die Nägel ins Fleisch gruben.“ Wie sind solche Verbrechen möglich? „Es entspricht der japanischen Art, Vorgesetzten zu gehorchen. Die Versuchspersonen schrieen zwar unaufhörlich, weil sie keine Betäubungsmöglichkeiten bekommen hatten, aber wir betrachteten sie nicht als menschliche Wesen. Für uns waren sie nicht mehr als ein Klumpen Fleisch auf einer Schlachtbank.“ Diese Worte des Soldaten Uesono, Mitglied der „Sondereinheit 731“, finden sich in den „Unterrichtsmaterialien zu einem vergessenen Kapitel der Geschichte“, der Handreichung „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ (S. 116). Zusammengestellt und herausgegeben wurde der 224 Seiten starke Band mit zahlreichen Quellen, Fotografien, Zeitleisten, Grafiken und auch poetischen Texten vom Rheinischen JournalistInnenbüro als Weiterentwicklung ihres Sachbuchs „‚Unsere Opfer zählen nicht‘ – die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ für den Einsatz in der historisch-politischen Bildung mit Jugendlichen.

→ Weiterlesen auf hagalil.com

Quelle: hagalil.com

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