Gedenken und Handeln: Tausende Spender ermutigen zur Weiterfahrt

Trägerverein beschliesst Fortsetzung des europäischen Projekts

BERLIN – Der „Zug der Erinnerung“ wird seine Fahrt fortsetzen. Dies beschloss der Vorstand der gleichnamigen Bürgerinitiative nach mehrwöchigen Beratungen Anfang Juli. Die praktischen Vorbereitungen für eine qualifizierte Wiederaufnahme haben bereits begonnen. So soll die Ausstellung, die auf über 70 Bahnhöfen zu sehen war, im Spätsommer erweitert und in mehreren Waggons neu installiert werden. Die Aufenthaltsdauer an den Stationen wird ausgedehnt, um noch mehr Menschen zu erreichen, vor allem aber, um die Besucher intensiver betreuen zu können: Mindestens drei Tage soll der „Zug der Erinnerung“ auf den Haltebahnhöfen künftig zur Verfügung stehen. Die bisher vorliegenden Terminanfragen interessierter Gruppen und Städte reichen bis zum Frühjahr 2009.

Unter info@zugde.eu werden ab sofort von der Bürgerinitiative neue Stationsvorschläge entgegen genommen.

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Grab für Zwangsarbeiter am Möhnesee: Suche eingestellt

Keine neuen Hinweise – Grab für Zwangsarbeiter am Möhnesee: Suche eingestellt

Die Bezirksregierung Arnsberg hat ihre Suche nach den Überresten von russischen Zwangsarbeitern in Möhnesee- Brüllingsen eingestellt. Neue Hinweise auf das gesuchte Massengrab habe es nicht gegeben, hieß es.

Mitarbeiter der Bezirksregierung und des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge graben auf einem Feld neben dem Friedhof des Dorfes Brüllingsen am Möhnesee nach den Leichen von 33 russischen Zwangsarbeitern. Bei einer weiteren Grabung am Montag wurde nach Angaben von Dezernent Hans-Bernd Besa-von Werden kein neuer Hinweis auf das gesuchte Massengrab mit den Gebeinen von 33 Arbeitern entdeckt. Die Behörde war Aussagen von Zeitzeugen nachgegangen und hatte drei Tage lang auf einem Getreidefeld neben einem Friedhof mit einem Bagger nach dem genauen Bestattungsort der Zwangsarbeiter gesucht. Vier Skelette von Kriegstoten wurden dabei entdeckt, die jedoch nicht zu den 33 gehören sollen.

Grabungen auch auf einer angrenzenden Kriegsgräberstätte

Als die Experten auf dem Feld das Massengrab nicht fanden, gruben sie auch auf einer angrenzenden Kriegsgräberstätte. Dort fanden sie die Überreste eines weiteren unbekannten Kriegstoten. Die außerhalb des eigentlichen Friedhofs gelegene Stätte soll in naher Zukunft auf dem Friedhofsgelände neu angelegt werden. Die Gebeine der bereits Bestatteten sowie der nun insgesamt fünf Toten sollen dann dorthin umgebettet werden.

Die 33 Zwangsarbeiter sowie vier deutsche Soldaten waren bei einem alliierten Tieffliegerangriff am 4. April 1945 in der Nähe des Friedhofs getötet worden. Vier Tage später wurden die Leichen der Arbeiter vergraben. Wo genau, ist unklar. An dem vermeintlichen Ort wurde später ein Gedenkstein mit dem Text «Hier ruhen 33 unbekannte Sowjetbürger» aufgestellt. Nach Medienberichten über eine ähnliche Grabung der Bezirksregierung im Sauerland hatten sich Zeitzeugen gemeldet und berichtet, dass die Arbeiter auf dem Feld daneben vergraben worden seien. Daraufhin hatte die Behörde die Suche gestartet. Bei einem Toten war eine Erkennungsmarke aus einem Arbeitslager gefunden worden. Die Experten hoffen, damit die Identität des Toten noch herausfinden zu können.

Angeblich bislang unbekannte Gräber in der Umgebung

Veranlasst durch Medienberichte meldeten sich während der Grabung vier Bewohner aus der Region und sprachen von weiteren, bislang unbekannten Gräbern. Diesen Hinweisen will Besa-von Werden nun nachgehen.

Quelle: Der Westen WAZ/dpa

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Kriegsgräber in Möhnesee: Auf den Spuren einer Tragödie

An einem Friedhof der Gemeinde Möhnesee suchen Experten nach den sterblichen Überresten von 33 russischen Zwangsarbeitern. Gestern wurden vier Skelette entdeckt, die aber nicht von Zwangsarbeitern stammen dürften.

MÖHNESEE. „9496“ steht kaum lesbar auf dem angerosteten Stück Metall, das Volker Schneider bei dem Skelett des 1,72 Meter großen Mannes gefunden hat. „Eine Lagermarke, eine Art Erkennungsmarke aus einem Arbeitslager“, sagt der Umbetter des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Damit ist klar: Die vier Toten, die im Kreis Soest am Rande der Kreisstraße 31 zwischen den Dörfern Brüllingsen und Ellingsen unweit eines Friedhofs begraben wurden, waren Kriegsopfer.

Seit Donnerstag lässt die Bezirkregierung Arnsberg, wie gestern berichtet, auf einem Getreidefeld neben dem Friedhof mit einem Bagger nach dem genauen Bestattungsort von 33 unbekannten russischen Zwangsarbeitern graben. Schneider glaubt jedoch nicht, dass die vier zu den 33 Arbeitern gehörten.

Vor 63 Jahren am 4. April 1945 geschah ganz in der Nähe eine Tragödie. Eine Gruppe von 1500 bis 2000 Zwangsarbeitern wurde, bewacht von wenigen deutschen Soldaten, von Soest in Richtung Osten über eben jene Straße geführt, wie der Hobbyhistoriker Willy Bender aus Möhnesee-Körbecke erzählt. Nach Augenzeugenberichten hätten plötzlich drei oder vier amerikanische Tiefflieger den Marsch beschossen. Die vier deutschen Soldaten Ernst Kückelsberg (55), Karl Wilhelm Rieseler (37), Christian Pelzer (36) und Friedrich Scherna (60) kamen dabei ums Leben. Mit ihnen 33 russische Gefangene, deren Namen bis heute unbekannt sind.
Gedenkstein an der „Russenecke“

Die vier Soldaten wurden auf dem Friedhof bestattet. Ein Landwirt soll die Leichen der Russen mit Hilfe von zwei polnischen Zwangsarbeitern ein paar Tage später direkt am Friedhof zusammen vergraben haben. An der von der Bevölkerung „Russenecke” genannten Stelle wurde später ein Gedenkstein mit dem Text „Hier ruhen 33 unbekannte Sowjetbürger“ aufgestellt. Nach Presseberichten über Grabungen nach Kriegsopfern meldeten sich dann Zeitzeugen bei der Bezirkregierung. Sie gaben an, dass die Toten nicht dort, sondern auf dem angrenzenden Feld wenige Meter entfernt vergraben worden seien. Bei der Suche nach dem genauen Ort stießen die Experten nun auf die Überreste der vier Männer.

„Es waren keine Zwangsarbeiter oder Kriegsgefangenen aus Russland“, sagt der 59-jährige Schneider, der seit 15 Jahren für die Kriegsgräberfürsorge vor allem in Nordrhein- Westfalen arbeitet. Schneider stützt seine Annahme vor allem auf den Zustand der Zähne. Diese seien nicht so abgenutzt wie üblicherweise bei russischen Gefangenen. Außerdem sollen die 33 gemeinsam vergraben worden sein. So könnten die vier etwa Holländer, Franzosen oder Belgier gewesen sein.

Außer den Skeletten fanden die Experten nicht viel: ein Klappmesser, verrottete Schuhe, einen Knopf und einen Reichspfennig von 1935. Die Todesursache ist unklar – jedoch: Bei dem Mann mit der Marke, der nach Schätzung von Schneider bei seinem Tod zwischen 42 und 48 Jahren alt war, entdeckte der Umbetter eine Schussverletzung im Oberarm, die zu klein für die Bordwaffen der Tiefflieger ist. „Der Schuss ist von hinten gekommen und könnte tödlich gewesen sein“.
Weitere Hinweise auf bisher unbekannte Gräber

Der zuständige Dezernent der Bezirksregierung, Hans-Bernd Besa-von Werden, will nun versuchen, die Identität des Mannes mit Hilfe der Marke doch noch aufzuklären. Auch wenn das Grab der 33 nicht gefunden wird – zu tun bleibt für die Umbetter genug. Wiederum veranlasst durch die Berichterstattung über die Grabung haben sich bereits mehrere Bewohner aus der Region bei Besa-von Werden mit Hinweisen auf weitere bislang unbekannte Kriegsgräber gemeldet. Ihnen will der Dezernent nun nachgehen. Auf dem Friedhof von Möhnesee-Ellingsen und -Brüllingsen soll unterdessen eine neue Gedenkstätte eingerichtet werden. Auch die Gebeine der vier Toten, die nun in schwarzen Pappsärgen ruhen, sollen dort bestattet werden. (dpa)

NRZ, 25.07.2008, von Helge Thoben

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Leichenfund aus dem Zweiten Weltkrieg

Suche in Möhnesee

Experten haben am Donnerstag (24.07.08) in Möhnesee im Kreis Soest zwei Leichen gefunden. Die Fachleute gehen davon aus, dass es sich um russische Zwangsarbeiter handelt, die im Zweiten Weltkrieg getötet wurden.

Die Menschen in Möhnesee-Brüllingsen lebten jahrzehntelang mit einem schrecklichen Geheimnis aus dem Zweiten Weltkrieg. Das berichtet Fred Tigges, Ortsvorsteher des Stadtteils Möhnesee-Ellingsen. Sein Großvater habe ihm erzählt, dass die Leichen von rund 33 russischen Zwangsarbeitern mindestens drei Tage mitten im Ort lagen, bevor die Einwohner sie begruben. Aus Angst vor den Nazis seien sie jedoch nicht, wie bisher berichtet, auf dem Friedhof beerdigt worden. Stattdessen habe man sie auf einem nahegelegenen Feld verscharrt.

Mehr dazu auf WDR aktuell, dort findet sich ein auch Videobericht von den Grabungsarbeiten. → WDR aktuell

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Sächsische Schule wählt NS-Waffenexperte zu Namenspatron

Während das nationalsozialistische Erbe der Bundesrepublik langsam reduziert wird und Kasernen deren Namensgeber Angehörige der Wehrmacht waren, umbenannt werden, wählt eine Schule in Bernststadt (Sachsen) Klaus E. Riedel als ihren Namenspatron. Riedel war in der Heeresversuchsanstalt Peenemünde maßgeblich am Bau des Aggregat 4, besser bekannt unter dem Namen „V2“ (Vergeltungswaffe 2) beteiligt. Mit dieser Rakete wurden unter anderem Angriffe auf England, Frankreich, Belgien und die Niederlande durchgeführt, bei denen mehr als 8000 Menschen ums Leben kamen. Aber nicht nur der Einsatz, auch die Produktion forderte Opfer.

Die V2 wurde im Konzentrationslager Dora (auch als Dora Mittelbau bekannt), einem unterirdischen Stollensystem gebaut. Das Prinzip der „Vernichtung durch Arbeit“ wurde formvollendet zur Anwendung gebracht, mehr als 20.000 Häftlinge wurden ermordet. Über die Bedingungen in Dora und den Einsatz der V2, sowie den Zweck seiner Forschung muß auch Klaus Riedel in seiner Funktion als Leiter des Testlabors und Mitglied der Führungsriege in Peenemünde gewußt haben. Nicht die Raumfahrt war sein Forschungsgebiet, sondern die Entwicklung von Waffensystemen, deren einziges Ziel es war, Menschen zu töten und die nationalsozialistische Herrschaft möglichst lange aufrechtzuerhalten. Für eine Bildungseinrichtung ist er als Namensgeber daher völlig ungeeignet, die unreflektierte Identifikation mit ihm ein Zeugnis für nicht vorhandenes historisches Bewußtsein.

Quelle: Shoa.de, 3/2008

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Suche nach Fremdarbeiter-Grab beginnt

Erste Skelette gefunden – Opfer sollen in Würde beerdigt werden

Im Dorf Brüllingsen am Möhnesee beginnt heute Morgen die Suche nach einem Grab mit 33 russischen Zwangsarbeitern. Mit der gezielten Grabung auf einem Feld außerhalb des Friedhofes geht die Bezirksregierung Arnsberg den Hinweisen von Zeitzeugen nach. Die Zwangsarbeiter sollen gegen Ende des Zweiten Weltkrieges getötet und in einem Massengrab beerdigt worden sein. Die sterblichen Überreste der Zwangsarbeiter sollen würdevoll auf dem Friedhof bestattet werden.

Wie der WDR am Nachmittag mitteilte, sind inzwischen erste Skelette gefunden worden.

Quelle: WDR, Landesstudio Siegen

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Massaker im zweiten Weltkrieg

89-jähriger ehemaliger Kompanieführer vor Gericht

Wegen der Ermordung von 14 italienischen Zivilisten im Zweiten Weltkrieg muss sich ein 89 Jahre alter ehemaliger Kompanieführer der Gebirgsjäger vor Gericht verantworten. Das Münchner Schwurgericht bestätigte am Freitag einen Bericht der „Süddeutschen Zeitung“, wonach dem Mann aus dem bayerischen Ottobrunn ab 15. September der Prozess gemacht werden soll. Die Staatsanwaltschaft München wirft ihm vor, 1944 in der Toskana als Reaktion auf einen Partisanenüberfall einen Vergeltungsschlag befohlen zu haben. Dabei soll die deutsche Einheit Männer und Frauen erschossen beziehungsweise durch die Sprengung eines Hauses getötet haben. Die Ermittler werfen dem Mann Mord aus niedrigen Beweggründen und Grausamkeit vor.

Der Rentner bestreite die Tat, sagte Oberstaatsanwalt Anton Winkler. Er räume zwar die Mitgliedschaft in der betreffenden Einheit an, habe aber ausgesagt, er habe von den Tötungen nichts gewusst und sei auch nicht beteiligt gewesen. Ein Gutachter habe den Mann als verhandlungsfähig eingestuft, aufgrund seines hohen Alters aber jeweils nur für einige Stunden. Die Münchner Ermittler stützten ihre Anklage auf Dokumente und Zeugen, wie etwa einen Überlebenden des Massakers.

Winkler sagte, der Rentner sei bereits im September 2006 von einem Militärgericht im italienischen La Spezia in Abwesenheit zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Die deutsche Justiz müsse den Sachverhalt aber selbst aufklären. Der Zeitung zufolge lebte der Mann bisher unbehelligt in seinem Heimatort in Oberbayern. Dort habe er im Gemeinderat gesessen und die Bürgermedaille des Ortes verliehen bekommen.

Quelle: AP/dpa

Mehr darüber: Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes;
Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten,
Landesvereinigung NRW: „Kriegsmassaker vor Gericht“

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Henryk Mandelbaum ist tot

Im Alter von 85 Jahren starb er nach einer schweren Krankheit in der Nacht zum 17. Juni 2008.

Henryk Mandelbaum wuchs als Kind einer jüdischen Metzgerfamilie in der polnischen Vorkriegszeit in verarmten Verhältnissen auf. Er durchlebte den Holocaust von seinen Anfängen bis zu seinem Ende. Verfolgung der polnischen Juden, Unsicherheit, Angst, Repressalien, Ghettoisierung und schließlich die Deportation nach Auschwitz. Fast seine gesamte Familie wurde durch die Nationalsozialisten ermordet.

Im Sommer 1944 wurde Henryk Mandelbaum nach Auschwitz verschleppt. Und gezwungen, im sogenannten Sonderkommando zu arbeiten. Einem Arbeitskommando, das, von den übrigen Häftlingen isoliert, die Ermordeten aus den Gaskammern holen und ihre Leichen verbrennen musste. Er überlebte diese Arbeit und diese Zeit. Überlebte die ständigen Schikanen und Selektionen in seinem Kommando. Er überlebte den Aufstand des Sonderkommandos im Oktober 1944 und die darauffolgenden Erschießungsaktionen der SS. Henryk Mandelbaum überlebte den sogenannten Todesmarsch, die Evakuierung der Auschwitz-Häftlinge in den Westen. Schließlich gelang ihm die Flucht.

Einige Zeit glaubte er, er sei der einzige Überlebende des Sonderkommandos. Henryk Mandelbaum kehrte nach Polen zurück, wo er heiratete und bis zu seinem Tode lebte. Er wählte das Leben in Polen, im Land seiner Lebenskatastrophe. Er blieb als Jude in einem vom Katholizismus geprägten Land.

Zeit seines Lebens schlug er sich durch. Henryk Mandelbaum führte ein unstetes Leben, wechselte vielfach die Arbeitsstellen, begann immer wieder neue Projekte. Sein Leben war von seinen Erfahrungen gezeichnet und von zahlreichen Eigentümlichkeiten begleitet.

Ein trauriger Mensch mit einem unbändigen Lebenswillen.

Quelle: Bildungswerk Stanislaw Hantz

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Einen Menschen in Erinnerung rufen

Schülerinnen und Schüler aus Gelsenkirchen haben die Namen der in Buchenwald verstorbenen jüdischen Opfer ihrer Heimatstadt recherchiert. Am 10. Juni 2008 haben sie zum Abschluss ihres Projekts in der Gedenkstätte Buchenwald eine Gedenktafel im Krematoriumsgebäude angebracht. — Das Projekt zeigt beispielhaft, wie die Erinnerung an die Opfer der NS-Diktatur von Jugendlichen weitergetragen und gelebt werden kann.

Zwei Jahre lang haben sich Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Ückendorf Gelsenkirchen mit jüdischem Leben während der NS-Diktatur in ihrer Heimatstadt auseinandergesetzt. In Verbindung mit dem Institut für Stadtgeschichte haben sie sich auf Spurensuche begeben, um die Namen der im KZ Buchenwald verstorbener Gelsenkirchener Juden zu recherchieren. Der Abschluss ihres Projekts bildete ein ganztägiges pädagogisches Programm in der Gedenkstätte Buchenwald am 10. Juni 2008. 24 Schülerinnen und Schüler beschäftigten sich an diesem Tag intensiv mit der Geschichte des Lagers und vertieften ihr Wissen in Kleingruppen mit thematischen Schwerpunkten. Gemeinsam haben sie eine Gedenktafel im Krematorium Buchenwald angebracht – und an Menschen aus ihrer Heimat erinnern, die in diesem Lager ermordet wurden.

Quelle: Gedenkstätte Buchenwald

GELSENZENTRUM – Portal für Stadt- und Zeitgeschichte Gelsenkirchen:
→ Das KZ Buchenwald

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Gladbeck stand auf

„Was, wegen der paar Leutchen so ein Aufstand?“ Einige Passanten sind fassungslos. Manche auch ärgerlich. Die Polizei verwehrt ihnen den Weg über den Willy-Brandt-Platz. Weil da die Freien Nationalisten ihre Kundgebung abhalten wollen, gegen „Moscheebauten, Ausländerwahlrecht, Multi-Kulti“. Bis 13 Uhr aber passiert nicht viel. 20, 25 eher junge Männer (kaum eine Frau ist dabei) hocken unterm Eichenbaum vorm Rathaus. Die meisten sind schwarz gekleidet, manche haben die Gesichter durch schwarze Sonnenbrillen und tief gezogene Kappen halb versteckt. Ein schwarzer Ford Vectra mit Hamburger Kennzeichen parkt mitten auf dem Platz, Megaphone auf dem Dach sind installiert.

Rings um das Grüppchen stehen Polizeiwagen und Polizisten. Eine Hundertschaft aus Duisbug ist vor Ort, Bezirksbeamten aus den umliegenden Städten sind im Einsatz. Ihre Aufgabe an diesem Samstagmorgen in der Gladbecker Innenstadt: Alle ruhig halten. Alle, das sind neugierige Passanten, die sich das Spektakel angucken wollen oder völlig ahnungslos in die Sperre gelaufen sind. Aber es sind auch die Gegendemonstranten, die auf Abstand gehalten werden. Ein Korridor von ca. 20 Metern hält die beiden Gruppen auseinander. Was sie aber nicht daran hindert, sich gegenseitig zu provozieren. Grinsend, feixend stehen einige der „Schwarzen“ auf dem Willy-Brandt-Platz an der Absperrung, fotografieren die zahlenmäßig weit größere Menge gegenüber. „Wir haben Nazis satt – raus aus unserer Stadt“ skandieren diese, unterstützt von Megaphonen und dem „offenen Mikrophon“, an dem jeder sprechen kann.

Unter ihnen auch die Antifa-Gruppe, zumeist Jugendliche, ebenfalls in schwarz gekleidet, den „Schwarzen“ auf dem Platz fast zum Verwechseln ähnlich. Auch sie haben sich zum Teil mit Sonnenbrillen und Kappen getarnt, um nicht von der auf einem Wagen installierten Polizeikamera aufgenommen zu werden. Zwei von ihnen werden festgenommen, als es kurzzeitig zu Tumulten kommt. Lautstark fordern sie die Freilassung. „Die Polizei sollte die da drüben festnehmen“

Währenddessen stehen Hunderte Bürger am anderen Ende der Hochstraße, gut 500 Meter weit weg, und halten eine Gegenkundgebung ab, organisiert vom Bündnis für Courage. Fahnen jeder Couleur werden hoch gehalten, viele rote sind darunter, aber auch Pax Christi und KAB, IGBCE. Bündnissprecher Roger Kreft: „Nazis stehen für Hass, Intoleranz, Dummheit. Zeigt ihnen, dass kein Platz hier für sie ist.“ Lauter Beifall, ohrenbetäubendes Gepfeife aus zuvor verteilten Trillerpfeifen begleitet die Rede.

Bürgermeister Ulrich Roland ist ebenfalls da. Er hat seinen Urlaub unterbrochen, um an diesem Morgen als Stadtoberhaupt den Neonazis „laut und deutlich zu sagen, sie schaden unserer Stadt und haben hier nichts zu suchen. Wir sagen nein zu braunen Gedanken, nein zu Fremdenfeindlichkeit und nein zu jedem Angriff auf unsere Grundwerte“. 30 Redner folgen und machen mit klaren Statements ihren Unmut über die rechtsextreme Kundgebung deutlich. So wie Pfarrerin Reile Hildebrandt-Junge-Wentrup, die sagt: „Ich steh‘ hier, weil diese Kundgebung uns zeigen will, wohin Hass und Ausgrenzung führen kann.“ So wie Propst Karl-Heinz Berger: „Ich steh hier, weil ich davon überzeugt bin, dass Gespräche und Diskussionen nicht reichen, um ein eindeutiges Zeichen gegen Rassismus und Intoleranz zu geben. Das muss in der Öffentlichkeit geschehen.“ György Angel: „In der IGBCE Brauck sind ein Drittel der 800 Mitglieder nicht deutscher Herkunft. Ich selbst bin gebürtiger Ungar. Ich habe mit Italienern, Polen, Türken, Spaniern unter Tage gearbeitet. Wir lassen uns nicht auseinanderdividieren. Kein Fußbreit den Nazis in Gladbeck.“

Kurz vor 13 Uhr löst sich die Gegenkundgebung auf, die Menge zerstreut sich – oder zieht weiter Richtung Rathaus. Denn jetzt macht die Nachricht die Runde:Über 100 Nationalisten wurden am Bahnhof von der Polizei festgehalten, sie sind jetzt auf dem Weg zum Willy-Brandt-Platz. Begleitet von 30 Polizeiwagen kommen sie dort an, stellen sich in Richtung Hertie auf und schwenken Fahnen.

Jetzt sind es doch 170 schwarz gekleidete Freie Nationalisten, die vor dem Banner an der Rathaustür („Die Würde des Menschen ist unantastbar. Gladbeck war, ist und bleibt eine Stadt, in der Freiheit, Gleichheit und Toleranz gelebte Werte eines friedlichen Miteinanders sind“) versuchen, ihre Meinung per Megaphon kund zu tun. Begleitet werden sie vom ohrenbetäubenden Gepfeife und Gegenreden von gegenüber. „Aber alles friedlich bisher“, sagt Polizeipressesprecher Andreas Weber auf Anfrage.

Quelle: WAZ Gladbeck, 05.Juli 2008. Von Maria Lüning

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